Vom Kuratieren

Szene aus ‚Vom Kuratieren‘

Inzwischen gibt es wirklich viele von ihnen: Websites, die sich auf Filme (und nun immer stärker auch Serien) konzentrieren. Ausmaß und Intensität schwanken, das Spektrum reicht vom kleinen Filmblog mit sporadischen Besprechungen über umfassende Plattformen zu aktuellen Kinofilmen bis hin zur allumfassenden Datenbank. Weil sich die persönliche Meinungsbildung aber auf möglichst unterschiedliche Informationen stützen sollte, ist Meinungsvielfalt eine gute Sache – insofern ist das Wachstum eines solchen Meinungsspektrums begrüßenswert.

Filmkuratorium.de ist ein Projekt, das sich in das bestehende, breite Spektrum an Film-Websites einreiht. Im Unterschied zu vielen anderen – gleichwohl bei Weitem nicht allen – Websites konzentriert es sich auf ältere Filme (jedoch auch auf neue Serien); damit reagiert es auf die zahlreichen Digitalangebote, die fortwährend die Verfügbarkeit des Unterhaltungsmediums Film – mittels „Video-on-demand“ – beträchtlich steigern werden.

Die Zahl an Filmangeboten steigt unablässig. Dadurch vergrößert sich der ohnehin schon riesige, unübersehbare Bestand des globalen Filmarchivs kontinuierlich. Schnell stellt sich hierbei die Frage: Welchen Film, welche Serie soll man sich ansehen? Welche dieser unzähligen Werke sind besonders sehenswert? An dieser Stelle kommen Kuratorinnen und Kuratoren ins Spiel. Sie lassen sich zweifach deuten: In ihrer negativen Auslegung bevormunden sie, indem sie mit ihrer Auswahl ihrer Klientel bestimmte Werke vorenthalten. Doch die positive Auslegung ist zugleich die Kehrseite dieses Verfahrens: Indem sie in der Tat ihrer Klientel das Gros des Angebots vorenthalten, verschaffen sie Überblick und erleichtern den Genuss von Kulturgütern. Denn Auswahl ist dort nötig, wo sich das gesamte Angebot nicht erfassen lässt.

Die Aufgabe des Kurators bzw. der Kuratorin besteht darin, aus einer schier unübersehbaren Masse von Werken die schönsten, besten, originellsten, kurz: die Perlen herauszusuchen. Aber was sind die schönsten, besten und originellsten Werke? Im Falle von Filmen liegt dies buchstäblich im Auge des Betrachters. Kuratieren ist eine höchst individuelle Angelegenheit, die auf dem persönlichen Geschmack des Kurators/der Kuratorin gründet. Deshalb ist Kuratieren hochgradig subjektiv, infolgedessen auch willkürlich. Eine Auswahl zu treffen, bedeutet eben vor allem, einen Großteil der Gesamtheit zu ignorieren; und nicht immer lässt sich diese Auswahl nachvollziehbar begründen. Überdies bedeutet sie keineswegs, dass die weggelassenen Werke – in diesem Fall: Filme – den ausgesuchten nachstehen. Die Zusammenstellung eines Filmkurators/einer Filmkuratorin ist immer unvollständig und selbst wiederum nur eine von vielen Optionen; aber sie zieht Grenzen und reduziert dadurch die Komplexität eines wachsenden Überangebots.

Hier, auf Filmkuratorium.de, wird ebenfalls eine rein subjektive Auswahl von Filmen präsentiert. Es gibt hunderte, tausende anderer Filme, die sehenswert sind. Und mit Sicherheit werden die hier vorgestellten Werke nicht auf ungeteilte Zustimmung treffen. In aller Bescheidenheit sei daher gesagt: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Die Auswahl von Filmkuratorium.de versteht sich als eine Inspirationsquelle für alle, die auf der Suche nach „guten“ Filmen sind und die Begeisterung für dieses Kulturgut teilen.