Filmtipp

Zee and Co. (1972)

Szene aus ‚Zee and Co. (1972)‘

Architekt Robert Blakeley und seine Frau Zee führen eine offene Ehe. Doch als sich Robert in eine andere Frau verliebt, wird Zee zur manipulativen Furie. Ein ästhetischer Film im Flair der Swinging Sixties über zwei Menschen, die unfähig zu einer normalen Beziehung sind.

Eine weiße Kugel bahnt sich ihren Weg aus der schwarzen Leere in den Vordergrund. Sie ist weder Planet noch Projektil, sondern entpuppt sich als Tischtennisball. Im Hintergrund setzt eine Panflöte ein, zu der sich Geigen und leises Schlagzeug gesellen, die Kamera ist auf Zeitlupengeschwindigkeit verlangsamt. Schon das Intro ist eine denkwürdige Sequenz und lässt einen überlegen, weshalb darüber nicht so häufig geschrieben und gesprochen wird, wie das bei Szenen vieler anderer Filme der Fall ist. Während eine Musik, die zwischen Melancholie und Optimismus schwankt, die unzähligen Namensnennungen aller am Werk Beteiligten begleitet, spielen zwei der drei Hauptpersonen, spielen Elizabeth Taylor und Michael Caine – Tischtennis in ihrer Wohnung. Michael Caine ist darin wohl nicht so versiert; er schlägt den Ball immer über die Tischkante hinaus, die Taylor gewinnt dann auch. Dass diese beiden Giganten des Sechziger- und Siebziger-Jahre-Kinos hier an der Tischtennisplatte in skurriler Slow Motion lachen und herumhüpfen, wird nicht der einzige skurrile Moment in diesem Film bleiben. Worum es darin geht, ist eigentlich nebensächlich: Taylor und Caine spielen das wohlhabende englische Ehepaar Zee und Robert Blakeley, das eine offene Beziehung führt und sich nachts auf wilden Partys vergnügt, auf denen sich die angesagten Friseure, Musiker und Künstler tummeln.

Bildquelle: Zee and Co. (1972), Columbia Pictures

Diese vermeintlich befreite Toleranz gegenüber den sexuellen Bedürfnissen des jeweils anderen wird in Wirklichkeit aber von beiden Seiten nur vorgespielt und soll die tatsächliche Eifersucht überdecken. Robert Blakeley ist ein reicher Star-Architekt und versüßt seiner Frau seine sexuellen Eskapaden mit Geld für Spontanurlaube und Shopping-Touren. Sie selbst wiederum findet Gefallen daran, die Geliebten ihres Gatten davon in Kenntnis zu setzen, dass sie Bescheid weiß über die Romanze und sie duldet. Noch mehr Gefallen findet sie allerdings daran, ihren Mann in die Eifersucht zu treiben, ihm durchs Schlüsselloch der verschlossenen Badezimmertür zu hauchen, dass ein spanischer Arzt sie einer leidenschaftlichen Leibesvisitation unterzogen habe.

Auf einer der vielen hitzigen Partys, auf denen sich die beiden Society Animals rumtreiben, wirft Robert ein Auge auf Stella (Susannah York), eine Boutique-Betreiberin, deren Mann verstorben ist. Mit ihr beginnt er eine Affäre, die für seine Frau immer mehr zur Belastung und schließlich zur Bedrohung der Ehe wird. Deshalb denkt sich Zee immer neue, drastischere Schritte aus, mit denen sie Stella und Robert malträtieren und wieder auseinandertreiben will.

Bildquelle: Zee and Co. (1972), Columbia Pictures

Die Handlung ist deshalb nebensächlich, weil der Charme des Films in den Dialogen und Performances seiner drei Hauptfiguren liegt. In nahezu jedem Satz, nahezu jeder Bewegung verbirgt sich eine tiefe Emotion: Hass, Liebe oder Wollust. Fast jede Unterhaltung ist erotisch gefärbt und gerät durch zweideutige Formulierungen manches Mal äußerst obszön. Wenn Blakeley seiner Stella hinterherjagt, sagt er ihr unverblümt, dass er sie jetzt ausziehen wolle. In einer Szene schwenkt Zee in einer Unterhaltung mit Stella, die um Roberts Vorlieben kreist, einen Fisch, der in seiner Erscheinungsform unwillkürlich einem Penis gleicht. Im Büro nimmt sich Robert den Problemen seiner schüchternen Sekretärin an: „I’m sorry, I don’t know what it is. I mean, I have everything – nice flat, central heating, John comes every night.“ „And do you come every night? You can tell me. Go on. Confess. You can tell me anything … any time … provided I listen.“

Bildquelle: Zee and Co. (1972), Columbia Pictures

Elizabeth Taylor ähnelt hier schon mehr der Taylor der Achtziger als jener der Sechziger. Sie ist etwas verlebter, trägt zumeist weites Tuch, aber geschminkt ist sie hier wie als Cleopatra in ihrem berühmten Monumentalfilm aus dem Jahr 1963. Stark gespielt ist ihre aufgesetzte Fröhlichkeit, das hysterische Entzücken, wenn sie mit kreischender Stimme die außereheliche Beziehung ihres Mannes mit Stella kommentiert oder vorgibt, sich darüber zu freuen. Michael Caine indes sieht hier nicht mehr ganz so frisch und unverbraucht wie noch in „Alfie“ (1966) aus, als er den egozentrischen Verführer Londoner Frauen spielte. Hier, in „Zee and Co.“, hat er zwar noch nicht die Physiognomie des 1980er-Jahre-Caines; aber man merkt ihm doch an, dass er in den Jahren nach „Alfie“ auf so ziemlich jeder Londoner Party unterwegs war und ein ziemlich ausschweifendes Sexleben gehabt haben muss. In einer Einstellung, als sich Caines Robert Blakeley wutentbrannt auf dem Bett über seine provokante Ehefrau beugt, verbirgt sein weißes Unterhemd nur mühsam den hervortretenden Bauch. Trotzdem bietet Michael Caine noch immer das unverwechselbare Michael-Caine-Grinsen auf, wenn er einer hübschen Frau unverfroren lüsterne Blicke zuwirft.