Gewalt und Leidenschaft (1974)
Filmtipp
Atmosphäre:
Kurzbesprechung:
Ein Film voller Selbstbezüge, voll verkappter Wirklichkeit: In „Gewalt und Leidenschaft“ zeigt Luchino Visconti quasi sich selbst: einen alt gewordenen Mann, seiner Einsamkeit durch einen flamboyanten jungen Mann entrissen, wie einst Visconti von Helmut Berger – der wiederum ebendiesen Feuerkopf spielt. Und wie Burt Lancaster steht der den ganzen Film über lediglich „Professor“ genannte Kunstsammler mehr am Ende denn am Anfang seines Lebens.
Der Professor, gebürtiger US-Amerikaner, sitzt in selbstgewählter Einsamkeit in seinem Gelehrtenzimmer, ein Stadtvilla-Eremit im kosmopolitischen Rom. Dann taucht eine stinkreiche Industriellengattin auf, die ihren Toyboy im leerstehenden Obergeschoss des Professors einquartiert. Das junge Jetset-Leben, das nun durch die Gemächer des Professors strömt, bringt ebenso so viel Vitalität wie Unheil.
Mit seinem Star-Prestige und als Regie-Backup sollte Lancaster die Fertigstellung des Films garantieren, da Visconti kurz zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte, sein Umfeld aber mit dem Projekt für den siechen Regisseur einen Lebenszweck schaffen wollte. „Gewalt und Leidenschaft“ ist ein Kammerspiel, weil es als solches ganz genuin eine klaustrophobische Stimmung erzeugt, die den Professor in seiner Gelehrtenstube wie in einem selbstgewählten Gefängnis zeigt – nicht zuletzt aber auch, weil man dem kranken Visconti bloß ein statisches Set zumuten wollte.