Rocco und seine Brüder (1960)

Filmtipp

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

Rocco und seine Brüder“, das sind drei Stunden schwarz-weißer Turbulenzen der Familie Parondi, die Italiens verarmten Süden verlässt, um im industriellen Norden, in Mailand, ihr Glück zu versuchen. Da ist die verwitwete Matriarchin Rosaria mit ihren penetranten Wehklagen; da ist Vincenzo, der sich mit seiner Beziehung zu Ginetta aus dem eingeschworenen Familienverbund heiratet; der kleine Luca, der ebenfalls mit anpacken muss; Ciro, der sich als Facharbeiter bei Alfa Romeo qualifiziert; der aufbrausende, psychopathische Simone, der mit einer Boxkarriere viel Geld machen will, was aber am Ende nur seinem Bruder Rocco gelingt, den wiederum eine obsessive Familienloyalität zerstört; und die Prostituierte Nadia, für deren Leben die Parondi-Brüder zwei Extreme bereithalten.

Mit „Rocco und seine Brüder“ hat Luchino Visconti eine epische Familiengeschichte geschaffen, die ein großurbanes Italien rund 15 Jahre nach faschistischer Diktatur und Krieg zeigt, garniert mit Nino Rotas minimalistischem Score, unzähligen Close-ups und einer extrem atmosphärischen Mise en Scène. Als Rocco auf dem Dach des Mailänder Doms eine Träne aus dem Auge rinnt, ist das eine der besten Alain-Delon-Szenen in der ganzen Karriere dieses Schauspielers, den Viscontis Film mit zum Star des europäischen Sechzigerjahre-Kinos machte.