Filmtipp

The Devils (1971)

Kurzbesprechung: Die reale Begebenheit, dass mächtige Politiker wie Kardinal Richelieu die Religion zur Durchsetzung ihrer Interessen missbrauchten und ihre Gegner mit inquisitorischen Schauprozessen vernichteten, bildet den historischen Rahmen für diesen Film, mit dem Ken Russell damals die Gemüter erhitzte – satanisch, blasphemisch, pornografisch – und der noch heute, fast ein halbes Jahrundert später, für einen Skandal sorgen würde. Russell inszeniert den katholischen Priester von Loudun, Urbain Grandier, der den versammelten Stadtbewohnern gerade das Ende der Religionskriege verkündet und von Oliver Reed auf dem Höhepunkt seiner Schauspielkunst verkörpert wird, als Sexobjekt lüsterner Nonnen; Vanessa Redgrave brilliert als Obernonne, die sich nach Grandier verzehrt und sich in verbotene Jesus-Sexfantasien flüchtet. Die Szenerie ist surreal steril, ein kakophonisches Musikgetöse begleitet die nächtliche Einsammlung der Pestkadaver, im Konvikt kommt es zu Orgien und skurrilen Teufelsaustreibungen, König Ludwig XIII. wird im Queer-Look gezeigt – eine atemberaubende Eskalation skandalöser Szenen und ein visuell verstörender Film, der Kubricks kurz darauf erschienenen „A Clockwork Orange“ (1971) als verzweifelten Versuch wirken lässt, ebenfalls provokant zu sein.
Szene aus ‚The Devils (1971)‘, Copyright: Warner Bros. Szene aus ‚The Devils (1971)‘, Copyright: Warner Bros. Szene aus ‚The Devils (1971)‘, Copyright: Warner Bros.