Der Löwe im Winter (1968)

Filmtipp

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

Die kargen Gemäuer einer Burg im Jahr 1183: Henry II. vergnügt sich mit seiner jungen Mätresse, während seine drei Söhne ungeduldig auf die Verkündung des Thronerben warten und die weggesperrte Königin Eleonore von Aquitanien zum Weihnachtsfest aus ihrem goldenen Käfig gelassen wird. „Der Löwe im Winter“ bietet einen der superbsten Casts der Filmgeschichte auf, der sein Publikum in Gesprächen und Monologen mehr als zwei Stunden lang mit seinem aggressiven Zerstörungselan überwältigt.

Das großartige Szenenbild zieht einen mitten hinein in die spärlich beleuchteten Gemächer, in denen man die Kälte und Finsternis förmlich spürt, in der noch die reichsten und mächtigsten damals lebten, wo die Dienerschaft in Ecken kauert und dazwischen das Getier herumkreucht. Dank des Score von John Barry und der Kamera von Douglas Slocombe wirkt der Film so modern und zeitlos, dass er sogar all jenen vorbehaltlos zu empfehlen ist, die mit historischen Stücken im Mittelalterflair sonst nichts anzufangen wissen.

Peter O’Toole und Katharine Hepburn liefern sich als König und Königin einen epischen Schlagabtausch, wie man ihn in Filmen selten erleben darf (der eine oscarnominiert, die andere ‑prämiert; daneben sind die jungen Anthony Hopkins und Timothy Dalton zu sehen). Das Königspaar ergeht sich in professionellen Machtspielen. Und jedes Mal, wenn man die bitterste Intrige oder die masochistischste Selbsterniedrigung gesehen zu haben glaubt, folgt eine noch härtere – „Der Löwe im Winter“ zeigt die erstaunliche Selbstzerfleischung einer Familie im Rausch, aber auch Ennui der Macht.