Filmtipp

Touch of Evil (1958) [1998]

Kurzbesprechung: Weil das Studio den Film entgegen seiner Vision geschnitten hatte, verfasste Orson Welles, Regisseur und einer der beiden Hauptdarsteller, ein 58-seitiges Memorandum – nach diesen Instruktionen wurde der Film dann Ende der 1990er Jahre restauriert. Er beginnt mit einer spektakulären Kamerafahrt, die in unfassbarer Dynamik eine minutenlange Sequenz inmitten einer Stadt an der texanischen Grenze zu Mexiko zeigt. Vordergründig geht es um einen Mordfall und um die Machenschaften eines verdienten Kommissars, des fettleibigen, trockenen Alkoholikers Quinlan, dem ein mexikanischer Kollege auf die Schliche kommt; aber tatsächlich ist der Film ein atmosphärisches Meisterwerk, der mit seiner schwungvollen Kameraführung und extremen Close-ups, die beinahe wie anatomische Vivisektionen der Charaktere wirken, eine fantastische Dynamik und Dichte erreicht – einer der letzten klassischen Noir-Filme, zehn Jahre nach dem Genre-Zenit gedreht, ist zugleich einer der besten dieses Faches, überhaupt: der Filmgeschichte.
Szene aus ‚Touch of Evil (1958) [1998]‘, Copyright: Universal City Studios Szene aus ‚Touch of Evil (1958) [1998]‘, Copyright: Universal City Studios Szene aus ‚Touch of Evil (1958) [1998]‘, Copyright: Universal City Studios