Filmtipp

Johnny Guitar (1952)

Kurzbesprechung: Die amerikanische Filmbranche, zumal als noch der fast peinlich rückschrittliche Production Code galt, war Gender-Anliegen nicht sonderlich zugetan. Fast immer gab es die überkommenen Geschlechterrollen – außer in „Johnny Guitar“, der seinerzeit bis auf den Titel gegen sämtliche Konventionen verstieß, noch dazu als Western: dem Inbegriff des maskulinen Kinos jener Zeit. Joan Crawford gibt eine sehr starke Performance als renitente Saloonbesitzerin, die sich von nichts und niemandem etwas sagen lässt, sich bei Gefahr den Revolver umschnallt und am liebsten dem Rad ihres Roulettetisches lauscht. Mercedes McCambridge spielt eine aggressive Frontier-Bewohnerin, die in rachsüchtiger Rage eine Posse kommandiert und die Männer zur Lynchjustiz treibt; den Showdown bestreiten dann zwei Frauen, noch die härtesten Gunslinger sind hier bloß Nebenfiguren; und wo in Western der Fünfziger und Sechziger die Frankie Laines und Don Cherrys ihre Elegien anstimmen, intoniert eine Frau, Peggy Lee, den Song des Films. „Johnny Guitar“ ist in vielem sonderbar – ein feministisch erstaunlich progressiver Film, wenn man das Umfeld bedenkt, aus dem er im maskulinen, „klassischen“, künstlerisch nicht unbedingt wagemutigen Hollywood der frühen 1950er Jahre erwuchs.
Szene aus ‚Johnny Guitar (1952)‘, Copyright: Republic Pictures Szene aus ‚Johnny Guitar (1952)‘, Copyright: Republic Pictures Szene aus ‚Johnny Guitar (1952)‘, Copyright: Republic Pictures