Filmtipp

How to Get Ahead in Advertising (1989)

Szene aus ‚How to Get Ahead in Advertising (1989)‘

Kurzbeschreibung des Films: Richard E. Grant glänzt in dieser Farce als egozentrischer Marketing-Yuppie, dessen zunehmende Schizophrenie sich in einer sehr skurrilen Form manifestiert und der die Welt mit zynischen Sottisen überzieht.

In dem britischen Independent-Film „Withnail and I“ (1987) war er einer der beiden Protagonisten, sonst kennt man ihn vor allem aus erlesenen Nebenrollen, in denen er zuletzt Erfolgsserien wie „Downton Abbey“, „Girls“ oder „Game of Thrones“ veredelte. Aber „How to Get in Advertising“ ist gewissermaßen „sein“ Film, die zweite große Rolle des Richard E. Grant. Hier spielt er einen ehrgeizigen Marketing-Experten, der über seiner Arbeit schizophren wird.

Denis Dimbleby Bagley – eine Namensschöpfung von Loriot’schem Format – weiß alles über die Manipulation von Menschen, den potenziellen Käufern der Produkte, die er bewirbt. Hemdsärmelig und mit Hosenträgern bewehrt tigert er durch den Konferenrzaum um seine niederen Chargen herum, während er mit infernalischem Glühen in den Augen den nächsten großen Werbecoup herbeiredet. Wie im Wahn beschwört er kurz darauf in seinem Büro die Marketing-Formeln, die das Produkt zum Hit machen sollen – ein schrecklich unsympathischer Typ, eine furchtbare Ausgeburt der dunklen Seite des Yuppietums der späten 1980er Jahre.

Richard E. Grant als Denis Dimbleby Bagley, der in Yuppie-Klamotten im Büro steht, im Hintergrund erkennt man die Themse, das Parlamentsgebäude und Big Ben.

Aber verglichen mit dem zweiten Ich, das Bagley im Verlauf dieses skurrilen Films entwickeln wird, ist das gar nichts – im Angesicht des späteren Bagley wünscht man sich schnell den alten wieder zurück. Diese charakterliche Transformation vollzieht sich auf die denkbar sonderbarste Weise: Ein Geschwülst an der rechten Schulter wird erst zu Bagleys Obsession, dann mutiert es – in seiner Sicht – zu einem eigenständigen Kopf, quasi dem Fragment eines bösen Zwillings. Wenn Bagley seine Frau oder eine Bekannte beleidigt, beruft er sich auf seine Unschuld – gesagt habe all das doch die Boil (dt.: Eiterbeule).

Nahaufnahme von Bagley im Krankenbett im Konflikt mit der verhüllten Eiterbeule.

Die Tricktechniker müssen großen Spaß gehabt haben: Wenn die unter dem Hemd verborgene Boil spricht, hebt und senkt sich Bagleys Kleidung; eines Morgens betrachtet er sich nackt im Spiegel und grinsend begrüßt ihn das inzwischen zum Gesicht gewordene Geschwür mit heiserer Stimme: „Hiya, handsome.“ Bagley kündigt seinen Job und will sich „reinigen“ von der Werbebranche – was darin, gipfelt, dass er sämtliche Produkte mit Werbeetiketten, die er in seinem Haus findet, buchstäblich reinzuwaschen sucht (u.a. landen ein Kassettenrekorder und mehrere Hühner-Torsi in der Badewanne). Seinem alten Metier – den Marketingprofis, die das gesamte moderne Kommunikationsnetz infiltriert hätten – gelten nur noch zornige Flüche: „They’re cutting down jungles to breed hamburgers, turning the whole world into a car park! They’d sell off the sea to satisfy the needs of their great god Greed!“

Weil Bagley lediglich mit einer Schürze bekleidet durch das Haus tobt und unablässig wirres Zeug redet, schickt ihn seine irritierte, aber britisch-gefasste Frau Julia (Rachel Ward) zum Psychiater. Der ergeht sich in grauenvollen Psychologieklischees („Do you have trouble in getting an erection?“) und lässt die Beule im Krankenhaus wegschneiden.

Nahaufnahme von Rachel Ward als Julia mit irritiertem Gesichtsausdruck.

Doch aus Bagleys Sicht verschwindet nicht die böse Boil, sondern er selbst – zurück bleibt nur noch ein entstelltes Überbleibsel seines Kopfes, der nun an der anderen Schulter seinerseits als Rest des Furunkels vegetiert und in ruhigen Momenten um Hilfe fleht („Julia! Julia!“). Derweil kehrt der „neue“ Bagley, markiert durch einen herrlich arroganten Schurrbart, nach Hause zurück – widerwärtiger und erfolgshungriger als jemals zuvor.

Bagley steht während einer Party am Mikrofon.

Wenn sich Leute wie Bagley jahrelang darauf spezialisieren, das menschliche Wahrnehmungsvermögen eiskalt für kommerzielle Zwecke auszunutzen, fragt man sich unweigerlich: Welch deformierte Seelen muss diese Branche eigentlich hervorbringen? Der Film mit der etwas plumpen Titelübersetzung „Kopf an Kopf“, die (wie so oft) nicht an das wortspielerische Original („How to Get Ahead in Marketing“) heranreicht, gibt hierauf mit Denis Dimbleby Bagley – dieser charakterlichen Mutation sondergleichen – eine überspitzte Antwort.

Bagley steht, lediglich mit einer Schürze bekleidet, inmitten eines heillosen Küchen-Chaos.

Erwartet man zu Beginn des Films noch eine sarkastische Abrechnung mit der hysterischen Marketing-Branche, so bekommt man eine bizarre Komödie, die zwar tatsächlich mit zynischem Humor einige Kritik an der Werbung im Zeitalter des Massenkonsums formuliert – aber eben mit völlig absurden Mitteln. Am Ende wird Bagley Geld und Erfolg im Überfluss haben, doch seine Frau hat ihn verlassen. In furioser Selbstherrlichkeit reitet der Marketing-Fürst auf einem seiner teuren Pferde der Abendsonne entgegen und spricht entgegen aller Romantik dieser Szenerie einen düsteren Monolog: „We’re living in a shop. The world is one magnificent fucking shop. And if it hasn’t got a price tag, it isn’t worth having.“