Panik (1946)

Filmtipp

Sehenswert: Atmosphärisches Schmuckstück des französischen Films mit entlarvendem Blick in die Untiefen kleiner Kollektive

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

Die Bilder – häufig Innenaufnahmen, aber auch die sanftmütig karge, latent surreale Kulissenvorstadt – bewegen sich atmosphärisch an der Grenze zum Expressionismus; kein Wunder, war „Panik“ doch auch Julien Duviviers Reaktion auf die bunt-fröhliche Hollywoodoptik, die er als Regisseur in den USA ein halbes Jahrzehnt lang verinnerlicht hatte. In der Pariser Vorstadt wühlt ein Mord die Bewohner auf; und der wahre Mörder arbeitet derweil daran, in dem misanthropischen Exzentriker Monsieur Hire einen falschen erstehen zu lassen.

Sukzessive entlarvt „Panik“ die Ansteckungskraft heimtückischer Anschuldigungen: eine Erzählung voll ungeheuerlicher Niedertracht und der menschlichen Schwäche kollektiven Handelns aus einem Gefühl der moralischen Berechtigung und Überlegenheit heraus, die eine Gesellschaft zeigt, in der nur ein Mord noch mehr Menschen anlockt als eine voyeuristische Wrestlingshow. Und wie in einem Fiebertraum erklingt als unentwegtes Hintergrundrauschen ein dumpf-trubeliges Jahrmarktsgedudel.