Filmtipp

Das dreifache Echo (1972)

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

Der Bauernhof im englischen Wiltshire ist so abgelegen, dass die Weite der Umgebung, einer grasbewachsenen Hügellandschaft mit sporadischen Waldeinschnitten, das Leben auf dem Gut wie eine klaustrophobische Isolation wirken lässt. Diese paradoxe Verbindung erhält eine surreale Note durch das Wrack einer im Wald abgestürzten „Stuka“, die als stummes Monument an das tobende Kriegsgeschehen gemahnt, wodurch die friedliche Landluft gleich noch einmal paradoxer erscheint. Alice Charlesworth bewirtschaftet den Hof notgedrungen alleine, da ihr Mann in japanischer Kriegsgefangenschaft vegetiert. Ihre spärlichen Rationen bessert sie mit Dutzenden Eiern ihrer Hühner auf, die sie im Krämerladen des nahegelegenen Dorfes tauscht. Glenda Jackson spielt die Frau mit einem pragmatischen Gesicht, in das sich manchmal die unterdrückte Lebensfreude mischt.

Der Zweite Weltkrieg und die Homefront bilden das Hintergrundrauschen von „Das dreifache Echo“ – eine fiktive Geschichte, die tatsächlich im Zweiten Weltkrieg im Kopf des britischen Schriftstellers H.E. Bates entstand, aber 25 Jahre lang ihrer Fertigstellung harrte. Die im Film perfekt eingefangene Einsamkeit durchbricht eines Tages der in der Nähe stationierte Artilleriesoldat Barton, der immer häufiger vorbeischaut, irgendwann bleiben will und schließlich desertiert. Charlesworth versteckt den Fahnenflüchtigen und gibt ihn als ihre jüngere Schwester Jill aus – weshalb er sich zu schminken und Frauenkleidung zu tragen hat. Die anfänglich unbeschwerte Romanze weicht einer zunehmenden Aggression im Innern des Bauernhaues, das nun immer enger wird. Und als ein Sergeant von der Militärpolizei auf der Suche nach einer Begleitung für den Weihnachtstanz und anschließendem Liebesspiel auftaucht, bricht die ultimative Bedrohung über Alice und Barton herein. Diesen frivolen Mann mit seinen derben Sprüchen und der Soldateska-Menatlität spielt Oliver Reed mit einer detaillierten Körpersprache, von der vom ersten Moment an Gefahr ausgeht. „Das dreifache Echo“ ist eine originelle Variation der zerstörerischen Wirkung von Eindringlingen auf ein isoliertes Soziotop.

Szene aus ‚Das dreifache Echo (1972)‘, Copyright: HandMade Films, Senta Prod. Szene aus ‚Das dreifache Echo (1972)‘, Copyright: HandMade Films, Senta Prod. Szene aus ‚Das dreifache Echo (1972)‘, Copyright: HandMade Films, Senta Prod.