Ride the High Country (1962)

Filmtipp

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

Justified“ will Steve Judd, einst Lawman und Revolverheld, aus dem Leben scheiden. Nachdem er sich am Ende des Alten Westens mit ziemlich miesen Jobs über Wasser gehalten hat, will er sich mit einem neuen Engagement wieder Selbstrespekt verschaffen. Die Zeit, in der er aufgewachsen und auf die er spezialisiert ist – der Wilde Westen –, liegt in ihren letzten Zügen; aber weil Gangster die Goldtransporte aus den Bergen überfallen, brauchen die Banker, bei denen Judd anheuert, für ihr zukunftsfestes Geschäft einen Virtuosen der Schusswaffe und des Geländes, einen alten Hasen. Mit seinem Kompagnon Gil Westrum (Randolph Scott in seiner letzten Rolle), der als Buffalo-Bill-Verschnitt kostümiert einen Rummelstand betreibt, und dem schießfreudigen Heißsporn Heck Longtree reitet Judd in die Sierra Nevada, um das Gold abzuholen.

Zehn Jahre später war er bei einigen Kritikern als blutrünstiger Gewaltverherrlicher verschrien, als „Bloody Sam“, einer der kontroversesten Köpfe der Kinogeschichte; aber damals, 1962, kannte ihn keiner: Sam Peckinpah. „Ride the High Country“ war sein zweiter Kinofilm und er noch nicht das Enfant terrible, als das ihn nur kurze Zeit später ganz Hollywood fürchtete. Man merkt die Studiobemühungen, den Film mit üblichen Zutaten zu garnieren, auf dass er ein Kassenerfolg werde: Mariette Hartley und Ron Starr sind als Sympathieträger für ein jüngeres Publikum im Cast platziert und in manchen Szenen blitzt der Humor von Technicolor-Westernklamauk auf. Aber das ficht Peckinpah nicht an: Man erkennt hier bereits viel von den Ideen und Sujets, die er dann in späteren und vor allem um ein Vielfacheres brutaleren Filmen ausstaffieren durfte.

Das Peckinpah-Kino aus The Wild Bunch liegt da in der Tat noch einige Jahre in der Zukunft, aber was der junge Regisseur aus dem klassischen Westernstoff macht, den er hier verfilmen soll, ist auch heute noch von beeindruckender Originalität – auch wenn der Film streckenweise gewöhnlich erscheint. Aber Peckinpah-Western fühlen sich anders an als Genrekollegen und das ist auch schon in „Ride the High Country“ so. Es sind die Details, in denen Peckinpah die Hollywood’schen Konventionen unterminiert: Randolph Scott trägt fast den gesamten Film über eine Regenjacke, wie sie so räudig selten zu sehen war. Die Gespräche zwischen den zwei alten Männern sind ein Abgesang auf den alten Westen und der Weg in den unvermeidlichen Untergang wird in kameradschaftlicher Kollektivität beschritten; Warren Oates und L.Q. Jones spielen in ihren kleinen Nebenrollen Hillbilly-Hitzköpfe aus den kalifornischen Bergen, von denen man in anderen Filmen kaum Notiz nehmen würde, die hier aber zu kleinen Events werden; zum Lesen muss der alte Revolverheld eine Brille aufsetzen, ein anderer stößt seine Kaffeetasse um, da seine Hände gefesselt sind. Der Richter im Goldgräberdorf ist ein elender Trunkenbold, in dem sich bereits Peckinpahs Faible für die genüssliche Entblößung maroder Eliten zeigt. Einzig die Prostituierten in „Kate’s Place“ bilden eine unverrückbare Konstante. Aber die vielleicht größte Überraschung des Films ist das Finale, in dem die ganze Westernmelancholie, die den anderthalb Stunden zuvor innegewohnt hat, noch einmal explodiert.