Dossier: 
Eine Liste mit 33 der besten Hollywood-Western [eine kuratierte Auswahl]

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Eine Auswahl der besten Western – die Nummerierung der Liste gibt keine Rangfolge an, sondern dient lediglich der Orientierung.

  • The Hunting Party (1971)

    Reitende Gunslinger.
    111 Min. | dt.: Leise weht der Wind des Todes | Regie: Don Medford | u.a. mit Candice Bergen, Oliver Reed, Gene Hackman, Mitchell Ryan, L.Q. Jones Simon Oakland, G.D. Spradlin

    Die Handlung: Outlaw-Gunslinger Frank Calder ist der Anführer einer Gangster-Truppe und kidnappt eine vermeintliche Lehrerin, die sich als Frau des völlig skrupelbefreiten Selfmademan Brandt Rutger entpuppt – unversehens werden die Gesetzlosen von einer Posse mit todbringenden Distanzgewehren gejagt.

    Brutal bis zum Gehtnichtmehr, und doch mit Gene Hackman, Candice Bergen und Oliver Reed im Hollywood-Mainstream geflossen: „The Hunting Party“ ist mit Sicherheit nicht der Western, den man von der Traumfabrik erwartet. Hier begegnen sich die kompromisslose Brutalität eines Sam Peckinpah und die schmutzige Moral der Italowestern (Kurzreview zu „The Hunting Party“ lesen).

  • Ulzana’s Raid (1972)

    Ein gerade erschossener Kavallerist im Staub.
    103 Min. | dt.: Keine Gnade für Ulzana | Regie: Robert Aldrich | u.a. mit Burt Lancaster, Bruce Davison, Joaquín Martínez, Jorge Luke

    Die Handlung: Apachenanführer Ulzana entkommt mit einer Handvoll Kriegern aus einem Reservat, um Arizona und dessen Homesteader mit einer grauenvollen Mordbrennerei heimzusuchen. Das Militär sendet eine Kavallerieeinheit aus, um die marodierenden Indianer zu stoppen.

    Wem „The Hunting Party“ in Sachen Westernbrutalität noch immer zu lasch sein sollte, der darf sich von Robert Aldrichs „Ulzana’s Raid überwältigen lassen. In seiner unbekümmerten Maverick-Attitüde lässt Aldrich nichts und niemanden davonkommen. Die US-Kavallerie wird hier komplett ihres Westernmythos beraubt – was nicht nur einer Genredemontage gleichkommt, sondern sich seinerzeit auch als Anspielung auf den Vietnamkrieg verstehen ließ. Burt Lancaster spielt den mit bitterer Weisheit angefüllten Scout, der die Kavalleristen zu den Indianern führen soll – eine Figur, in der Lancaster sich selbst wiederzuerkennen meinte. Ganz untypisch werden die Indianer nicht als Schießbudenfiguren, sondern präzise operierende Guerillakämpfer inszeniert (Kurzreview zu Ulzana’s Raid lesen).

  • McCabe & Mrs. Miller (1971)

    Nahaufnahme von Warren Beatty als John McCabe mit langer Zigarre und Julie Christie als Constance Miller, die ihn kritisch anblickt.
    120 Min. | Regie: Robert Altman | u.a. mit Warren Beatty, Julie Christie, Rene Auberjonois, Shelley Duvall

    Die Handlung: Der Frontier-Entrepreneur McCabe zieht mit einer Handvoll Prostituierter in eine gottverlassene Kleinstadt, um dort ein Bordell zu eröffnen.

    In feinster New Hollywood-Manier nimmt Robert Altman das Westerngenre auseinander. Die Harmonie der Bilder von Kameramann Vilmos Zsigmond und der Filmmusik von Leonard Cohen ist genial; und selten war die Szenerie eines Western durch die Kälte (sowohl des Klimas als auch der Gesellschaft) so unwirtlich wie in „McCabe & Mrs. Miller“ (ausführliches Review von „McCabe & Mrs. Miller“ lesen).

  • Jeremiah Johnson (1972)

    Robert Redford stapft als Jeremiah Johnson mit Pferd im an der Leine durch eine eisige Landschaft, im Hintergrund verschneites Gebirge.

    Die Handlung: Mitte des 19. Jahrhunderts sucht der Ex-Soldat Jeremiah Johnson sein Glück im Nirgendwo der verschneiten Berge von Colorado und wird zur Idée fixe einer Indianer-Vendetta.

    Wenn einen „McCabe & Mrs. Miller“ noch nicht ausreichend ob der Westerntopografie desillusioniert hat, dann tut das spätestens „Jeremiah Johnson“ mit seinen kalten Wäldern, wilden Wölfen und Grizzlys. Die Titelfigur ist ein Frontier-Greenhorn, das sich von einer selbstzerstörerischen Zivilisation abwendet, zum Preis eines unablässigen Überlebenskampfes. Während der Selbstbehauptung unter extremen Bedingungen offenbart sich nicht nur die Tüchtigkeit der Frontier-Pioniere als wagemutige Einzelgänger, sondern auch der mörderische Egoismus der Siedlungsbewegung. Die bewährte Pollack/Redford-Kombination zeichnet den Weg in ein neues Leben als endlose Odyssee voller Tod und Strapazen.

  • The Hired Hand (1971)

    Harry Collings und Arch Harris gehen in einer spärlich erleuchteten Hütte zu Bett.
    87 Min. | dt.: Der weite Ritt | Regie: Peter Fonda | u.a. mit Peter Fonda, Warren Oates, Verna Bloom

    Die Handlung: Nach vielen Jahren des Nomadendaseins im US-amerikanischen Südwesten kehrt Harry Collings heim zu seiner Frau, vor der er sich als einfacher Hilfsarbeiter auf der Farm für seine Abwesenheit zu rehabilitieren sucht. Dann wird sein Kompagnon Arch Harris einer alten Fehde wegen entführt und Collings muss sich entscheiden, wem seine Verbundenheit mehr gilt: der Frau oder dem Freund.

    In ihrer Hilflosigkeit gaben die großen Studios damals jungen Filmemachern wie Peter Fonda Geld und final cut-Privilegien, auf dass sie noch einmal ein Box-Office-Mirakel à la Easy Rider“ (1969) bewirken. Davon war „The Hired Hand“ freilich weit entfernt – aber für Westernliebhaber*innen ist der Film ein kleiner Schatz. In Fondas Western wird kaum geredet, ab und an geschossen, viel geritten und geschwiegen. Gezeigt werden die ganz und gar unromantische Realität der Homesteader, die wortkarge Kameraderie vagabundierender Cowboys und die Trübsal des Heldenmutes. Der experimentelle Schnitt, Vilmos Zsigmonds Kamera und ein denkbar unkonventioneller Showdown machen aus „The Hired Hand“ den etwas anderen Western (Kurzreview von „The Hired Hand“ lesen).

  • Johnny Guitar (1952)

    Mercedes McCambridge als Emma Small in kämpferischer Pose an der Spitze einer ansonsten rein männlichen Gruppe unter einem Kronleuchter.
    105 Min. | dt.: Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen | Regie: Nicholas Ray | u.a. mit Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Scott Brady, Ward Bond, Ben Cooper, John Carradine, Ernest Borgnine

    Die Handlung: Saloonbesitzerin Vienna muss sich gegen eine Posse zur Wehr setzen, die ihre Rivalin Emma für eine Privatfehde missbraucht.

    Ausgerechnet das Hollywood der männerdominierten Studio-Ära brachte einen der feministischsten Filme überhaupt hervor: In „Johnny Guitar“ haben die Frauen den Revolver in der Hand. Joan Crawfords Frontier-Geschäftsfrau Vienna lauscht am liebsten dem Rad ihres Roulettetisches; doch als ihre rachsüchtige Gegenspielerin, verkörpert von der späteren „Exorzisten“-Dämonenstimme Mercedes McCambridge, den Saloon niederbrennt und Vienna aufknüpfen will, bricht zwischen den beiden Frauen ein zerstörerischer Zweikampf aus, der noch die härtesten Gunslinger zu Nebenfiguren degradiert (Kurzreview von „Johnny Guitar“ lesen).

  • Cat Ballou (1965)

    Blick durch die Galgenschlinge auf Cat Ballou in weißem Kleid inmitten eines Lynchpublikums.
    92 Min. | dt.: Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming | Regie: Elliot Silverstein | u.a. mit Jane Fonda, Lee Marvin, Michael Callan, Tom Nardini

    Die Handlung: Der Vater ermordet, die Familie enteignet – die Farmerstochter Cat Ballou schwört Rache, wird zum Outlaw und will mit einem Gunslinger den Auftragskiller des Großinvestors, der ihr alles weggenommen hat, zur Strecke bringen.

    Die moralische Düsternis des Wilden Westens mit Rache, Korruption und der inflationär gebrauchten Todesstrafe ist hier im Format einer Komödie verhüllt. Und was für eine: Lee Marvin spielt einen besoffenen Revolverhelden, dessen Pferd mit ihm torkelt, wo Marvin doch selbst Alkoholiker war – für diese Vorstellung erhielt er, zu Recht, einen „Oscar“.

  • Two Mules for Sister Sara (1970)

    Schwester Sara hat einen Korken zwischen den Lippen und reicht dem von einem Pfeil verwundeten Hogan eine Flasche Whiskey.
    114 Min. | dt.: Ein Fressen für die Geier | Regie: Don Siegel | u.a. mit Shirley MacLaine, Clint Eastwood, Manolo Fábregas

    Die Handlung: Hogan rettet eine Nonne vor der Vergewaltigung durch eine Handvoll Halunken – anschließend verwickelt ihn die Frau in den mexikanischen Freiheitskampf gegen die französische Armee, wovon er sich wiederum einen Haufen Gold verspricht.

    Einer von Shirley MacLaines besten Streifen ist nicht an der Seite von Jack Lemmon unter Billy Wilders Regie, sondern an der Seite von Clint Eastwood unter der Regie von Don Siegel. Der Film in seiner Italowestern-Optik, passend dazu von einem MorriconeScore untermalt, zeigt eine Frau, wie sie mit ihrem Sex-Appeal einen ideologisch ernüchterten Einzelgänger in den kollektiven Kampf involviert, ihn all seiner Coolness und seines kultivierten Egoismus zum Trotz gnadenlos manipuliert.

  • How the West Was Won (1962)

    Ein Siedlertreck mit seinen Planwagen unterwegs durch die Prärie vor strahlend blauem Himmel.
    164 Min. | dt.: Das war der wilde Westen | Regie: John Ford, Henry Hathaway, George Marshall | u.a. mit Debbie Reynolds, Carroll Baker, George Peppard, Gregory Peck, Karl Malden, James Stewart

    Die Handlung: Am Schicksal einer europäischen Einwandererfamilie wird über mehrere Jahrzehnte hinweg die strapaziöse Besiedelung des US-amerikanischen Südwestens porträtiert.

    Wie die Menschen überhaupt zu ihren Farmen und Ranches kamen, zeigt „How the West Was Won“. Der mit unzähligen bekannten Namen garnierte Film ist ein epischer Kraftakt, der in mehreren Episoden – von mehreren Regisseuren inszeniert – die Widrigkeiten der Besiedelung der nordamerikanischen Weite durch europäische Emigranten zeigt. Die spektakulären Kamerafahrten, Szenen wie Gemälde, gigantischen Panoramen und eindringlichen Perspektiven mögen zwar nicht unbedingt realistisch sein, doch vermitteln sie ein vages Gefühl für all die Strapazen, die den heutigen USA vorausgingen – mit Floßfahrten durch reißende Flüsse und den Siedler-Trecks, um überhaupt in die entlegenen Gebiete vorzudringen, die dann mit Eisenbahnen erschlossen, den Indianern weggenommen und im Bürgerkrieg verheert wurden.

  • High Noon (1952)

    Nahaufnahme von Gary Cooper als Marshal Will Kane mit erschrocken-skeptischem Gesicht hinter einer zersplitterten Fensterscheibe.
    85 Min. | dt.: Zwölf Uhr mittags | Regie: Fred Zinnemann | u.a. mit Gary Cooper, Grace Kelly, Katy Jurado, Lloyd Bridges

    Die Handlung: Ausgerechnet am Tag seiner Abreise und der Hochzeit mit einer Quäkerin sieht sich Will Kane gezwungen, noch einmal seinen Marshal-Stern anzuheften, um sich dem Outlaw Frank Miller zu stellen, der mit dem Mittagszug in der Stadt eintreffen wird.

    Fred ZinnemannsHigh Noon“ zählt nicht nur zu den ultimativen Filmklassikern, sondern hat an Frische, Eleganz und Intensität nichts verloren – es gibt nur wenige Filme aus den Fünfzigern, an denen die Jahrzehnte so spurlos vorübergegangen sind. Die spartanische Musikbegleitung und stumme Close-ups, vermengt mit dem sonst oft anachronistisch wirkenden Schwarz-Weiß, verleihen „High Noon“ eine packende surreale Aura. Zinnemann und seine Crew liefern eine Komposition, die so präzise tickt wie die Uhr, die den nahenden Showdown anzeigt. Das Herz des Films ist die egoistische Undankbarkeit der tüchtigen Kleinstadtgemeinde, deren Mitglieder gerade denjenigen, dem sie alles zu verdanken haben, im Stich lassen – die US-amerikanische Zivilgesellschaft als feiger Haufen (Kurzreview von „High Noon“ lesen).

  • Will Penny (1967)

    Will Penny im Gespräch mit einem Rancharbeiter zu Pferd in Regenjacken.
    108 Min. | dt.: Der Verwegene | Regie: Tom Gries | u.a. mit Charlton Heston, Joan Hackett, Donald Pleasence, Lee Majors, Anthony Zerbe, Jon Gries

    Die Handlung: Will Penny ist ein waschechter Cowboy, ein Viehtreiber, den sein Nomadendasein durch endlose Einsamkeit führt, bis er in die Obhut einer alleinerziehenden Mutter gerät, die erstmals in seinem Leben den brutalen Egoismus als Überlebensstrategie infrage stellt.

    Obwohl er aus seinem Gesamtwerk keineswegs heraussticht, ist „Will Penny“ der Film, der Charlton Hestons Schauspielgröße mit am besten offenbart. Die Titelfigur Will Penny ist eine Gegendarstellung des zum Klischee geronnenen Westerners, wie ihn John Wayne so oft verkörpert hat – ein verbrauchter Mensch, der mehr am Ende denn am Anfang seines Lebens den Wert familiären Zusammenhalts kennenlernt. Der Film beginnt in der kargen Prärie und führt zum Fuße der Sierra Nevada mit ihren Bergwäldern, in denen nur die Hartgesottenen bestehen – ein Blick auf die Schattenseiten von Individualität, Mobilität und Flexibilität, am Ende von Don Cherrys elegisch besungen (ausführliches Review zu „Will Penny“ lesen).

  • The Ballad of Cable Hogue (1970)

    Cable Hogue, gespielt von Jason Robards, badet seine Freundin Hildy, gespielt von Stella Stevens, in einem großen Holzfass.
    121 Min. | dt.: Abgerechnet wird zum Schluß | Regie: Sam Peckinpah | u.a. mit Jason Robards, Stella Stevens, David Warner, Strother Martin, L.Q. Jones

    Die Handlung: Im Angesicht des Todes findet Cable Hogue ein Wasserloch, mit dem er sich auf einem Postkutschenpfad zum Wüstenunternehmer aufschwingen will. Seine Einsamkeit überkommt er mit der Prostituierten Hildy.

    Was für ein Sentimentalist „Bloody“ Sam Peckinpah, der sein Publikum schonungslos mit Gewaltszenen konfrontierte und regelmäßig den Zorn der Moralisten erregte, in Wirklichkeit gewesen war, zeigt „The Ballad of Cable Hogue“ – eine Liebesgeschichte im Szenario des Wilden Westens. Der Westen, den Peckinpah hier zeigt, steht freilich am Vorabend einer Zeitenwende, seines Unterganges; mit entgeisterten Blicken bestaunen die ihr Leben lang an Pferderitte gewöhnten Männer in einer Szene die Ankunft eines Automobils. Die Geschichte von Cable Hogues Wüstentränke ist nicht zuletzt auch ein märchenhaft verschleierter Blick auf Einsamkeit und Hinterlist als soziale Konstanten des Alten Westens.

  • Butch Cassidy and the Sundance Kid (1969)

    Paul Newman und Robert Redford als Butch Cassidy und Sundance Kid mit gezückten Revolvern inmitten einer Schießerei.
    110 Min. | dt.: Zwei Banditen | Regie: George Roy Hill | u.a. mit Paul Newman, Robert Redford, Katharine Ross, Strother Martin

    Die Handlung: Die beiden Gesetzlosen Butch Cassidy und Sundance Kid rauben Banken und Züge aus, bis sie vor der Übermacht eines Eisenbahntycoons nach Bolivien flüchten, wo sie sich an der Fortsetzung ihrer Kriminellenkarriere versuchen.

    Dass der Hollywoodwestern nicht nur Märchen, Utopien und Fiktionen erzählte, sondern hier und da auch auf reale Figuren und Begebenheiten zurückgriff, zeigt etwa „Butch Cassidy and the Sundance Kid“, durch den ein gewisser Robert Redford quasi über Nacht zum Star wurde. Redford und sein Leinwandpartner Paul Newman spielen zwei der charmantesten Outlaws der Filmgeschichte, die zum Schluss in einer legendären Szene in den Shooutout eilen, als gäbe es kein Morgen (Kurzreview zu „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ lesen).

  • Pat Garrett & Billy the Kid (1973)

    Kris Kristofferson als Billy the Kid, der lässig mit einem Drink in der Hand vor einer maroden Wand sitzt.
    122 Min. | dt.: Pat Garrett jagt Billy the Kid | Regie: Sam Peckinpah | u.a. mit James Coburn, Kris Kristofferson, Bob Dylan, Katy Jurado, Slim Pickens


    Die Handlung: Sheriff Pat Garrett soll seinen alten Weggefährten Billy the Kid zur Strecke bringen, der sich immer wieder Garretts Angebot verweigert, nach Mexiko zu entkommen.

    Sheriff Baker hockt auf einem Stein, durch einen Bauchschuss todgeweiht, im Hintergrund schwebt – erst leise, dann immer lauter – die Musik heran, die heute jeder kennt, damals aber für diese Szene erst geschrieben worden war – „Mama, take this badge off o’ me, ’cause I can’t use it anymore. It’s gettin’ dark, too dark to see. I feel like I’m knockin’ on Heaven’s door.“ Bob Dylan spielt denn auch in seinem Leinwanddebüt einen Mann ohne Namen, „Alias“ gerufen, Slim Pickens, der knapp zehn Jahre zuvor für Stanley Kubrick die Atombombe wie einen texanischen Stier ritt, den sterbenden Sheriff. In der Menschenjagd zwischen Pat Garrett und Billy the Kid, wie Cassidy und Sundance historische Persönlichkeiten, sind sie bloß Nebenfiguren; James Coburn und Kris Kristofferson spielen die Titelrollen – und das verdammt gut. Sam Peckinpah nutzt den Stoff, um die Verkommenheit des Establishments und die Sinnlosigkeit des Pistolentodes in einem facettenreichen Western zu verarbeiten. Und wie in The Wild Bunch zeigt der Regisseur die wiederkehrende Brutalisierung der Gesellschaft anhand unschuldiger Kinder, die hier vergnügt mit dem Galgenstrick schaukeln und mit den Gewaltakten der Erwachsenen sozialisiert werden (ausführliches Review zu „Pat Garrett & Billy the Kid “ lesen).

  • ‚Doc‘ (1971)

    Die Earp-Brüder marschieren gemeinsam mit Doc Holliday schwer bewaffnet durch Tombstone.
    96 Min. | dt.: Doc | Regie: Frank Perry | u.a. mit Stacy Keach, Faye Dunaway, Harris Yulin, Michael Witney


    Die Handlung: Der machtbewusste Gesetzeshüter Wyatt Earp und das schwindsüchtige Pokerass Doc Holliday wollen eine Minenstadt im verwegenen Arizona Territory ausnehmen – dabei geraten sie in einen eskalierenden Konflikt mit den Clanton-Brüdern.

    Ein weiterer Westernmythos, den Hollywood kommerziell auszubeuten verstand, ist die Schießerei am O.K. Corral im Jahre 1881 – ein Beispiel, dass manchmal tatsächlich der Sieger die Geschichte schreibt. In diesem Fall ist das Wyatt Earp, der sich als Überlebender des Shootouts zwischen ihm, flankiert von seinen Brüdern sowie dem Ex-Zahnarzt und nunmehrigem Gunslinger Doc Holliday, und der Clanton-Bande anschließend zum Law-and-Order-Bewahrer stilisierte. Nachdem Hollywood vierzig Jahre lang mit etlichen Filmen am Earp-Mythos verdient hatte, verdiente es nun an dessen Dekonstruktion im new hollywoodesken „‚Doc‘“. Darin wird die Earp-Mythologie so gründlich demontiert, dass die bis dahin moralisch einwandfreie Earp-Fraktion nicht nur in Zwielicht getaucht wird, sondern die Konfrontation mit den Clantons als selbstgerechte Hinrichtung erscheint (ausführliches Review zu „‚Doc‘“ lesen).

  • The Missouri Breaks (1976)

    Marlon Brando als exzentrischer Killer vor dem Hintergrund eines Ranchgebäudes.
    126 Min. | dt.: Duell am Missouri | Regie: Arthur Penn | u.a. mit Jack Nicholson, Marlon Brando, Kathleen Lloyd, Harry Dean Stanton, Randy Quaid, John P. Ryan

    Die Handlung: Eine Bande abgebrühter Pferdediebe steht im Visier eines „Regulator“, den ein Großgrundbesitzer als Quasi-Auftragskiller engagiert hat.

    The Missouri Breaks“ ist zunächst einmal formidabel besetzt: mit Harry Dean Stanton, Jack Nicholson (mit Bart), Randy Quaid oder auch John P. Ryan als professionellen Banditen, Kathleen Loyd als Farmerstochter, die mit einem von ihnen anbandelt. Aber das Highlight des Films ist Marlon Brando als exzentrischer Sadist Robert E. Lee Clayton, der genüsslich die Kriminellen dahinrafft. Frei von Pathos und Romantik arbeitet „The Missouri Breaks“ die archaische Brutalität des hartherzigen Frontier-Amerika heraus.

  • The Outlaw Josey Wales (1976)

    Nahaufnahme von Chief Dan George als Lone Watie, der von Clint Eastwood als Josey Wales mit einem Revolver bedroht wird.
    131 Min. | dt.: Der Texaner | Regie: Clint Eastwood | u.a. mit Clint Eastwood, Chief Dan George, Geraldine Keams

    Die Handlung: Nachdem die Familie des Farmers Josey Wales im Bürgerkrieg von einer Nordstaatler-Soldateska ermordet worden ist, widersetzt sich Wales sogar der Kapitulation, um auch weiterhin die Täter zu jagen. In seinem Rache- und Überlebenskampf durchquert er als Gesetzloser die endlosen Weiten von Texas und Kansas.

    Wie zur Zeit der Dreharbeiten der Vietnamkrieg, so hat auch einst der Amerikanische Bürgerkrieg effiziente Tötungsspezialisten hervorgebracht, die dann in Friedenszeiten keine Verwendung mehr fanden. Während er auf seiner Reise durch das US-amerikanische Heartland unzählige Menschen erschießt, schart Clint Eastwoods Rachereiter eine skurrile Entourage unterschiedlicher Menschen um sich, wodurch die zerrüttete Nachkriegszeit in einer Art Westernutopie einer multikulturellen Kleingemeinschaft aufgelöst wird.

  • Stagecoach (1939)

    Eine Postkutsche vor dem Hintergrund des Monument Valley.
    93 Min. | dt.: Höllenfahrt nach Sante Fé | Regie: John Ford | u.a. mit Claire Trevor, John Wayne, George Bancroft, Thomas Mitchell, Andy Devine, John Carradine


    Die Handlung: Eine Postkutsche wird zur Sammelstätte gesellschaftlicher Outcasts, die sich zu einer Überlebensgemeinschaft zusammenraufen müssen, als sie unterwegs von kriegerischen Apachen angegriffen werden.

    Für manche der ultimative Western: die einander Fremden – der flüchtige Gunslinger, der Marshal, der Kutscher, die Hure, die Schwangere, der versoffene Arzt, der kriminelle Banker, der Whiskey-Verkäufer und der Glücksspieler –, die im Angesicht mörderischer Indianer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. „Stagecoach“ ist der Film, mit dem John Ford den Monument Valley, an der Grenze zwischen Arizona und Utah gelegen, zum archetypischen Westernpanorama stilisierte – und John Wayne seinen Aufstieg zum Westernmonument begann (Kurzreview zu „Stagecoach“ lesen).

  • The Searchers (1956)

    John Wayne als Ethan Edwards mit zwei Kompagnons bei warmem Klima in der Wüste.
    119 Min. | dt.: Der schwarze Falke | Regie: John Ford | u.a. mit John Wayne, Jeffrey Hunter, Vera Miles, Natalie Wood


    Die Handlung: Bürgerkriegsveteran Ethan Edwards kehrt bei seinem Bruder und dessen Familie ein, die kurz danach von Comanchen ausgelöscht werden. Nur die kleine Nichte hat überlebt und Edwards beginnt eine jahrelange Suche nach ihr.

    Ein anderer Ford-Klassiker ist „The Searchers“, zugleich eine von John Waynes düstersten Rollen. Der Kriegsheimkehrer Edwards, der auf Verletzte und selbst Leichen schießt, steigert die Suche nach seiner von Indianern entführten Nichte bis zur Obsession. „The Searchers“ ist eine weitere Frontier-Fiktion, in der die andauernde Bedrohung der Homesteader durch die vertriebenen Indianer als Ausgangspunkt der Geschichte dient – abermals mit ungemein atmosphärischen Aufnahmen des zwischenzeitlich längst ikonischen Monument Valley (Kurzreview zu „The Searchers“ lesen).

  • Major Dundee (1965)

    Nahaufnahme von Charlton Heston als Major Dundee zu Pferd in Begleitung seiner Mitstreiter (unter anderen Richard Harris als Konföderiertenoffizier und James Coburn als Scout).
    123 Min. | dt.: Sierra Charriba | Regie: Sam Peckinpah | u.a. mit Charlton Heston, Richard Harris, Senta Berger, Jim Hutton, Michael Anderson Jr., James Coburn, Mario Adorf


    Die Handlung: Aus einem Kriegsgefangenenlager rekrutiert der Nordstaatenmajor Dundee eine Kavallerietruppe, mit der er völkerrechtswidrig in das Landesinnere von Mexiko eindringt, um marodierende Apachen zu jagen, die soeben eine Ranch und eine Armeeeinheit massakriert haben.

    Einige Jahre, bevor das New Hollywood-Kino Fahrt aufnahm, inszenierte Sam Peckinpah den Superstar Charlton Heston als ambivalente New Hollywood-Figur – sein Kavallerieoffizier ist ein egozentrischer Nonkonformist, der einen Kraftakt voller Zerstörung und Verderben anstrengt, um seine kaputte Karriere wieder voranzubringen. Gut und Böse lassen sich in diesem Western nicht differenzieren (ausführliches Review zu „Major Dundee“ lesen).

  • Garden of Evil (1954)

    Hooker, gespielt von Gary Cooper, steht bei schönem Wetter vor der Mauer einer mexikanischen Ruine und blickt zu Boden.
    100 Min. | dt.: Der Garten des Bösen | Regie: Henry Hathaway | u.a. mit Gary Cooper, Susan Hayward, Richard Widmark, Cameron Mitchell, Victor Manuel Mendoza


    Die Handlung: Drei Glücksritter – ein Ex-Sheriff, ein Kartenspieler und ein Heißsporn – sind eigentlich auf dem Weg in das goldberauschte Kalifornien, als sie sich bei einem Zwischenstopp an der mexikanischen Küste für ein beträchtliches Honorar von einer Frau für eine Rettungsaktion einspannen lassen. Die Reise ins Ungewisse entpuppt sich durch die Anwesenheit von Indianern freilich als lebensgefährliches Abenteuer.

    Henry Hathaway ist so etwas wie der Topograf des Westerns; und auch in „The Garden of Evil“ taucht er die Szenerie in opulente Bilder, vor denen die Protagonisten verblassen. Wie The Treasure of the Sierra Madre“ (1948) ein paar Jahre zuvor hebt der Film auf die verhängnisvolle Goldgräberparanoia an und das zynische Schicksal vergeblicher Strapazen (Kurzreview zu „Garden of Evil“ lesen).

  • Valdez is Coming (1971)

    Nahaufnahme von Burt Lancaster als Valdez, der mit strapaziös-ramponiertem Gesicht an ein Holzkreuz gefesselt durch die Wildnis torkelt.
    90 Min. | dt.: Valdez | Regie: Edwin Sherin | u.a. mit Burt Lancaster, Susan Clark, Jon Cypher, Frank Silvera


    Die Handlung: Der Mexikaner Valdez arbeitet als US-Hilfspolizist und wird von dem Waffenhändler Frank Tanner gedemütigt, beinahe getötet. Der friedfertige Valdez, der einst in den Indianerkriegen als Scharfschütze wütete, mutiert zum Racheengel.

    Als der Ex-Megastar Burt Lancaster einsehen musste, kein Geld mehr in die Studiokassen zu spülen, suchte er sich eine Altersrolle – und fand sie in erfahrungsgesättigten Westernhaudegen, die in unheilvolle Konstellationen geraten. Als die Mitmenschlichkeit dem diskriminierten Valdez zum Verhängnis wird, er beinahe in der Wüste krepiert, wird er mit den Ressourcen seiner düsteren Vergangenheit als Apachenjäger zur Killermaschine. „Valdez is Coming“ wirft nicht nur einen pessimistischen Blick auf die fragmentierte, gegenüber tyrannischen Matadoren weitgehend indifferente Gesellschaft des Alten Westens, sondern ist überdies packend inszeniert (Kurzreview zu „Valdez is Coming“ lesen).

  • Chato’s Land (1972)

    Charles Bronson als Chato vor blauem Himmel in kämpferischer Pose und mit Gewehr im Anschlag.


    Die Handlung: Als „Halbblut“-Indianer wird der unschuldige Chato als Mörder gebrandmarkt und eine Posse zieht los, um ihn zu jagen. Auf heimischem Terrain beginnt Chato, seine bis an die Zähne bewaffneten Verfolger sukzessive zu dezimieren.

    Wie in „Valdez is Coming“ wird ein Minoritätsmitglied von der Mehrheitsgesellschaft provoziert – von Menschen, die dessen wahre Fähigkeiten und Ressourcen unterschätzen; und im Western endet solch ein Lapsus meist tödlich. Die selbstgerechten Amerikaner, die in fremdes Territorium eindringen und Zivilisten meucheln, das musste (und sollte vermutlich) an Vietnam erinnern. Charles Bronson mit seiner Stoiker-Miene und dem athletischen Körper ist eine naheliegende Besetzung, Jack Palance ist der hartgesottene Anführer der Posse. „Chato’s Land“ handelt vom chauvinistischen Selbstjustizeifer vermeintlich ehrbarer Bürger – deren Auszug unter dem Panier der Gerechtigkeit zu einem Ritt ins Verderben wird.

  • The Man Who Shot Liberty Valance (1962)

    Die grinsende Visage von Liberty Valance am Esstisch eines Diners, gespielt von Lee Marvin.
    118 Min. | dt.: Der Mann, der Liberty Valance erschoß | Regie: John Ford | u.a. mit James Stewart, Vera Miles, John Wayne, Lee Marvin


    Die Handlung: Den idealistischen Rechtsanwalt Ransom Stoddard, einen unerschütterlichen Verfassungspatrioten, hat es in ein Wild-West-Nest verschlagen, wo er versucht, sich mit Paragrafen und Richtersprüchen der Revolverautorität des allseits gefürchteten Gunslingers Liberty Valance zu erwehren.

    The Man Who Shot Liberty Valance“ zeigt John Wayne in einer seiner interessantesten Rollen: Vom virilen Lokalmatador, der dem naiven Westküstenanwalt (gespielt von James Stewart) die ungeschriebenen Gesetze des Westens einbläut, launige Sprüche klopft und souverän über die Atmosphäre eines jeden Saloons, den er betritt, gebietet, verkommt er im Verlauf des Films zum verbitterten Wrack, verraucht und versoffen. Stewart wiederum spielt einen frühen Anti-Helden des Westerns – am Schicksal seiner Figur erfährt man von der Demokratielosigkeit der einfachen Menschen in der US-amerikanischen Demokratie und der Kraft von Legendenbildungen (Kurzreview zu „The Man Who Shot Liberty Valance“ lesen).

  • The Cowboys (1972)

    John Wayne als Viehbaron Wil Anderson vor großer Gruppe am Flussufer im Gespräch mit einem der Jungen, die er engagiert hat.
    135 Min. | dt.: Die Cowboys | Regie: Mark Rydell | u.a. mit John Wayne, Roscoe Lee Browne, Robert Carradine, A Martinez, Alfred Baker Jr.


    Die Handlung: Im Goldrausch laufen dem Rancher Will Andersen die Viehtreiber davon und notgedrungen engagiert er für seinen Cattle drive ein Dutzend jugendlicher Greenhorns – mehr Kinder denn Erwachsene.

    Der beschwerliche Marsch durch „400 miles of the meanest country in the West“ ist nicht nur ein unkonventioneller Coming-of-Age-Trip, sondern auch eine kleine Hommage John Waynes an sich selbst – ein Vierteljahrhundert zuvor führte er in „Red River“ schon einmal einen Cattle drive durch die Prärie, deren überwältigende Weite hier von Robert Surtees’ Kamera eingefangen wird. Dem Charme des „Duke“, einem politischen Rechtsaußen, erlagen am Set sogar die beiden Linksliberalen Mark Rydell (Regie) und Bruce Dern (Nebenrolle).

  • Red River (1948)

    Cowboys treiben zu Pferd eine Rinderherde in den Red River.
    133 Min. | dt.: Panik am roten Fluß | Regie: Howard Hawks | u.a. mit Montgomery Clift, John Wayne, Walter Brennan


    Die Handlung: In seinem rastlosen Wagemut bricht der Viehzüchter Thomas Dunson mit zehntausend Rindern auf, um von Texas nach Missouri zu marschieren, wo er seine Riesenherde verkaufen will. Weil er sich während der anstrengenden Reise immer mehr als Tyrann aufführt, meutern Dunsons Leute unter der Ägide seines Ziehsohnes Matt.

    Howard Hawks visualisierte damals in irren Bildern die Dauerstrapaze eines drei Monate langen Viehtriebs, der schließlich über den Chisholm Trail führte – ein über zweistündiges Kameraspektakel, dessen Highlight eine Stampede ist, bei der sich tausende Rinder ihren Weg bahnen. Neben dem Haudegen John Wayne, der hier entgegen seinem üblichen Leinwandimage streckenweise eine äußerst düstere Figur spielt, ist darin auch ein ganz junger Montgomery Clift zu sehen, der seinem fiktiven Charakter reichlich Leben einhaucht.

  • The Long Riders (1980)

    Zwei Gangster im Feuergefecht in einer von Kugeln durchlöcherten Holzhütte.
    95 Min. | dt.: Long Riders | Regie: Walter Hill | u.a. mit James Keach, Stacy Keach, David Carradine, Robert Carradine, Keith Carradine, Randy Quaid, Dennis Quaid, Christopher Guest, Nicholas Guest


    Die Handlung: Die James-Younger-Bande um den charismatischen Jesse James besteht aus gewalterprobten Bürgerkriegsveteranen, die nach der Kapitulation des Südens ihre Guerilla-Routine als Bank- und Zugräuber fortsetzen.

    Walter Hills Version der Jesse-James-Legende gehört zur New Hollywood-Spätlese und überzeugt durch seine realistische Szenerie und die lakonischen Dialoge. Als Clou sind die Film- jeweils mit den echten Brüdern Keach, Quaid, Guest und Carradine besetzt. Hill zeigt, wie die Gesichter und Körper der virilen Banditen als Folge ihrer Kriminalität grauenvoll deformiert und zerstört werden. Überhaupt ist der finale Shootout die Anatomie einer brachialen Schießerei und eine mit Slow-Motion-Sequenzen bestückte Neuinterpretation des Jesse James“ von 1939.

  • High Plains Drifter (1973)

    Vom Barbierstuhl aus erschießt Clint Eastwood als namenloser Fremder einen Kontrahenten.
    105 Min. | dt.: Ein Fremder ohne Namen | Regie: Clint Eastwood | u.a. mit Clint Eastwood, Verna Bloom, Geoffrey Lewis, Mitchell Ryan, Marianna Hill


    Die Handlung: Besorgte Kleinstädter engagieren einen Fremden, der im Umgang mit dem Revolver so sicher wie das Amen in der Kirche ist – er soll sie vor herannahenden Gangstern beschützen.

    Clint Eatswoods namenloser Racheengel entlarvt die Heuchelei tüchtiger Kleinstadtbürger, die sich in ihrer Verzweiflung von ihm entwürdigen lassen. Die pointierte Gewaltsamkeit fungiert hier als Symbol für die Härte, mit der die USA aufgebaut wurden (Kurzreview zu „High Plains Drifter“ lesen).

  • The Shootist (1976)

    Nahaufnahme von John Wayne als J.B. Book mit bedenklichem Gesicht und großem Hut.
    99 Min. | dt.: Der letzte Scharfschütze | Regie: Don Siegel | u.a. mit John Wayne, Lauren Bacall, Ron Howard, Scatman Crothers, James Stewart


    Die Handlung: Der gealterte Gunslinger J.B. Book zieht sich nach seiner Krebsdiagnose mit reichlich Laudanum in das von einer Witwe betriebene Hotel zurück, während Profitgeier und Feinde aus seiner Malaise Kapital schlagen wollen.

    Manchmal verweben sich im Hollywoodkino fiktive und reale Tragik, so wie in „The Shootist“, John Waynes letztem Film vor seinem Krebstod 1979 – der Abgang einer fiktiven und realen Westernlegende. Die Wirklichkeit von Waynes Schicksal verleiht dem Film sein dramaturgisches Gewicht.

  • The Revengers (1972)

    William Holden als John Benedict in Gesellschaft seiner Männer.
    108 Min. | dt.: Revengers | Regie: Daniel Mann | u.a. mit William Holden, Woody Strode, Ernest Borgnine, Jorge Luke, Susan Hayward


    Die Handlung: Bürgerkriegsheld und Rancher John Benedict will die Mörder seiner Familie zur Strecke bringen und heuert für seinen privaten Rachefeldzug ein halbes Dutzend Gesetzloser an, die er in einem mexikanischen Knast rekrutiert.

    Kein Meisterwerk, aber auch kein richtiger Trash: „The Revengers“ ist ein sonderbar unterhaltsamer Film, dessen Charme nicht in originellen Eigenleistungen, sondern einem gelungenen Arrangement von Altbekanntem besteht. Gezeigt wird, wie der schier endlose Racheritt einen einst aufrichtigen Mann moralisch deformiert und irgendwann zum ziellosen Selbstzweck verkommt – musikalisch begleitet von Pino Calvis prägnantem Score, dessen E-Gitarren so nonchalant das Western-Thema brechen.

  • Bad Company (1972)

    Blick in den düsteren Raum einer Holzhütte, in dem sich der Sheriff und ein junger Bandit gegenüberstehen.
    89 Min. | dt.: In schlechter Gesellschaft | Regie: Robert Benton | u.a. mit Barry Brown, Jeff Bridges, John Savage, Jerry Houser, Damon Douglas, Joshua Hill Lewis, David Huddleston, Jim Davis


    Die Handlung: Der junge Methodist Drew Dixon flieht aus seiner Heimat Ohio, um der Zwangsrekrutierung für den Bürgerkrieg zu entgehen. Auf seinem Weg nach Westen findet er Zuflucht in einer Bande junger Kleinkrimineller, die sich durch die Einöde des Heartland kämpfen.

    Die durch und durch pessimistische Stimmung macht „Bad Company“ zu einem Anti-Western, der jegliche Outlaw-Romantik pulverisiert und die Reise durch das Herz der USA nicht als Jugendabenteuer, sondern als beklemmenden Überlebenskampf in einer gnadenlosen Gesellschaft schildert (Kurzreview zu „Bad Company“ lesen).

  • Monte Walsh (1970)

    Nahaufnahme von Lee Marvin als Monte Walsh und Jack Palance als Chet Rollins, die in Stühlen auf einer Veranda sitzen.
    99 Min. | Regie: William A. Fraker | u.a. mit Lee Marvin, Jeanne Moreau, Jack Palance, Mitchell Ryan


    Die Handlung: Die beiden Cow hands Monte Walsh und Chet Rollins harren des Untergangs der ihnen bekannten Welt des Alten Westens.

    Mit feinen Nuancen ihrer Mimik gelingt Lee Marvin und Jack Palance, das Lebensgefühl einer ganzen Gesellschaftsgruppe auszudrücken: der Präriehaudegen, die sich ihr Leben lang auf den Cattle trails durchgeschlagen haben, die aber nun angesichts einer automobilen und mechanisierten Wirtschaft für immer zu verschwinden drohen. Fast jede Szene ist mit der unfassbaren Sentimentalität vertaner Lebenschancen aufgeladen (Kurzreview zu „Monte Walsh“ lesen).

  • The Wild Bunch (1969)

    Die Banditen marschieren bewaffnet durch einen mexikanischen Ort.
    145 Min. | dt.: The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz | Regie: Sam Peckinpah | u.a. mit William Holden, Ernest Borgnine, Warren Oates, Ben Johnson, Edmond O’Brien, Robert Ryan


    Die Handlung: Eine Outlaw-Gang zieht am Vorabend des Ersten Weltkrieges auf der Flucht vor Kopfgeldjägern nach Mexiko, wo sie unter den Vorzeichen einer sich wandelnden Welt ein letztes großes Ding drehen will.

    The Wild Bunch“ ist so etwas wie die Quintessenz des Peckinpah-Kinos – und des Hollywoodwesterns. In unzähligen Details zeigt Sam Peckinpah die Brutalität, die dem menschlichen Zusammenleben innewohnt. Seine Figuren sind hoffnungslos Verlorene, deren Welt im Angesicht von Motorisierung und Urbanisierung unweigerlich untergeht, die aber von der Gewalt als ihrem Lebensinhalt nicht loskommen und darin eine seltsame Zwischenmenschlichkeit finden – und in einem der brutalsten, von Leichen gepflasterten Streifen der Kinogeschichte entblößt Peckinpah in einem wahnsinnigen Showdown den Tod im Western als das, was er ist: sinnlos, grausam und ohne Heroik (Kurzreview zu „The Wild Bunch“ lesen).