Filmtipp

The Reckoning (1970)

Kurzbesprechung: Mick Marler ist ein Londoner Manager, der aus der Arbeiterklasse von Liverpool emporgeklettert ist und nun im fetten Jaguar über die Autobahn jagt und in einem großen Haus mit teurem Mobiliar wohnt, während seine Eltern und Schwester sozialweltlich zurückgeblieben sind, in der tristen Proletariersiedlung, die Marler einst mit 17 verließ. Mick Marler ist aber auch ein Mann, den das Leben lehrt, mit jeder noch so dreisten Schandtat davonzukommen – und Nicol Williamson, der spätere Merlin in „Excalibur“ (1981), spielt ihn unglaublich gut. Was folgt, ist eine Eskalation der Unverfrorenheit, in der Marler für Niedertracht, Rücksichtslosigkeit und Manipulation jedes Mal wieder belohnt wird – in manchen Szenen erinnern Williamsons Mimik, Gestik und Worte an Frank Underwood aus „House of Cards“ (2013–). Mit seiner Aggressivität mischt Marler die phlegmatische Chefetage auf, und seinen Erfolg in der Geschäftswelt begründen ausgerechnet jene Charakterzüge und Handlungsdispositionen, die im Moralkodex der gleichen Gesellschaft, in der sich das alles abspielt, verpönt sind. Bei seiner Rückkehr nach Liverpool gibt es einen ungemein faszinierenden Blick durch die nasskalten Reihenhausschluchten des Arbeiterviertels, stumme Relikte des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund eines Büroturms.
Szene aus ‚The Reckoning (1970)‘, Copyright: Columbia Pictures Szene aus ‚The Reckoning (1970)‘, Copyright: Columbia Pictures Szene aus ‚The Reckoning (1970)‘, Copyright: Columbia Pictures