Drei Uhr nachts (1956)

Filmtipp

Sehenswert: Atmosphärisches Frühwerk des französischen Gangsterfilmmaestros Melville

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

In „Drei Uhr nachts“ spielt Roger Duchesne nicht nur eine dieser Rollen, die einen stundenlang an den Film fesseln könnten; obendrein übt sich Jean-Pierre Melville in einem seiner frühen Regiewerke an vielen Facetten, die er später zur französischen Gangsterfilmmeisterschaft entwickeln sollte: der Inszenierung eines verhängnisvollen Verbrechergenius, großstädtischer Kriminalität und wortkarger Milieus. Bob – ein allseits respektierter Glücksspieler, der unermüdlich die Pariser Nacht auf der Suche nach immer weiteren Kartentischen durchreist, um erst im Morgengrauen in sein mondänes Appartement zurückzukehren – ist pleite, als in ihm sein altes Ganovenleben erwacht.

Mit einem Komplizen plant er einen phänomenalen Coup: Ein Casino an der Küste wollen sie überfallen, den mit vielen Geldscheinen gefüllten Tresor ausräumen, von dem sie zufällig gehört haben – Szenen aus Melvilles „Un Flic“ (1972) erinnern später daran. Kleine Bars und Hinterzimmer mit reichlich Zigarettenqualm sind Bobs Biotop, noch in seiner Wohnung lässt ihn sein innerer Spieltrieb mit bereitgelegten Münzen an einem einarmigen Banditen zocken. Wie er mit seinem US-amerikanischen Schlitten die urbane Tristesse im verruchten Stadtteil Pigalle aufhellt, macht Bob beinahe zu einer magischen Figur in diesem kurzweiligen Ganovendrama am Vorabend der Nouvelle Vague.