Filmtipp

Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung: In den Sechzigerjahren schwirrte durch etliche Gesellschaften das Misstrauen in den Staat mit seinen Behörden und Regierungen, die Angst vor neofaschistoiden, autokratischen Regimes im Zeitalter der Demokratie. Mit „Z“ schuf der Regisseur Costa-Gavras, in Griechenland geboren, einen Film, der in ebenjener Strömung fließt und trotz aller Anonymisierungen den Tod des pazifistischen Abgeordneten Grigoris Lambrakis im Mai 1963 in Saloniki aufgreift – die Behörden versuchten damals als Unfall zu tarnen, was kurze Zeit später als politischer Mord entlarvt wurde. Im Film wird der namenlose Abgeordnete, ein linksorientierter Charismatiker, im Nachgang einer Kundgebung einfach totgeschlagen; und die Polizei stellt das Ganze als bedauerliches Versehen eines Betrunkenen dar. Das enge Budget mit Dreharbeiten in Algier mündet in einer eigenartigen, dumpfen, leicht surrealen Atmosphäre, die in Filmen über autokratisch regierte Länder mit sonnigem Klima häufig aufkommt, wie in tropischen, afrikanischen oder eben hier: mediterranen Gefilden. Und Costa-Gavras spielt sein Talent aus, die schreiende Ungerechtigkeit, mit der legitime Anliegen kriminalisiert werden, im Kinoformat zu verdichten. Neben der nüchternen Optik wirkt vor allem der gesamte Cast, dessen Mitglieder sich in ihren Performances permament gegenseitig überbieten: Da ist Jean-Louis Trintignants Untersuchungsrichter, hinter dessen bürokratischer Fassade eine unstillbare Leidenschaft für die Wahrheit glüht; François Périers Staatsanwalt, der sich durch die Szenen schimpft und der Verantwortung seiner Position in keinem Moment gerecht wird; da ist Pierre Dux als Orden-behangener Offizier, der in unbekümmerter Selbstgerechtigkeit die vermeintlichen Kommunisten auslöschen will; oder Renato Salvatori und Marcel Bozzuffi als offenbar pädophile, in ihrem Vorgehen unendlich dreiste Schläger, die als kleine Handlanger der Mächtigen den politischen Mord ausführen sollen. In beinahe dokumentarischer Weise ergründet „Z“, wie sich Menschen in (faktischen) Diktaturen verhalten, wie solche Regime stabilisiert und gefährdet werden, wie Opportunismus, Erpressung und Widerstand eine brisante Gemengelage bilden, die jederzeit zur Explosion gebracht werden kann; aber auch die Gleichgültigkeit, mit der mediokre Staatseliten eine Verschwörung aushecken, um politische Gegner – buchstäblich – zu vernichten.
Szene aus ‚Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)‘, Copyright: Valoria Films, Fernsehjuwelen Szene aus ‚Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)‘, Copyright: Valoria Films, Fernsehjuwelen Szene aus ‚Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)‘, Copyright: Valoria Films, Fernsehjuwelen