Alles auf eine Karte (1961)

Filmtipp

Atmosphäre des Films:

Kurzbesprechung:

Wie Tolly Devlins Vater in einer New Yorker Nebengasse totgeprügelt wird, sieht man bloß an den düsteren Silhouetten seiner vier Mörder, die über eine Backsteinfassade toben. Das ist das Gegenteil des späteren Scorsese-Gewaltrealismus der Neunziger in Goodfellas“ (1990) oder Casino“ (1995) – und doch wirken die Ganovenfiguren des Regisseurs Sam Fuller in „Alles auf eine Karte“ wie Blaupausen für Scorseses Mafiosi. Sie sind keine schon habituell als solche erkennbaren Kriminellen wie in den alten Hollywood-Gangsterfilmen à la The Public Enemy“ (1931) oder Scarface“ (1932); Fullers Verbrecher sind gekleidet wie Geschäftsleute, ihre Entscheidungen für Mord und Totschlag entspringen aus dem wirtschaftlichen Kalkül von Konzernlenkern. Fullers pessimistische Botschaft, dass sich organisiertes Verbrechen in den USA durchaus auszahlt, ließen ihm Hollywoods Zensoren damals freilich nicht durchgehen.

Cliff Robertson spielt hier am Anfang seiner großen Karriere einen von Rache besessenen, schließlich vollends aufgezehrten Safeknacker, der sich geschworen hat, die Mörder seines Vaters zur Strecke zu bringen, und der für dieses Vorhaben mit kühler Raffinesse die Staatsgewalt ausnutzt. Der Film, den Fuller eigentlich drehen wollte, ließ mit seinen Bildern von Morden und Prostitution, nicht zuletzt auch der entrüstenden Hilflosigkeit der Staatsmacht den damaligen Hollywoodzensoren des Production Code die Haare zu Berge stehen und die panischen Studioleute von Columbia ihm etliches davon wieder ausreden. Was übrig blieb, ist trotz allem noch immer von erstaunlicher Härte und pessimistischem Realismus – so schaffte es auch die Szene ins Kino, in welcher der Gangsterboss mit seinen Sektionschefs für Drogen, Gewerkschaftskorruption und Prostitution am Swimmingpool über gegenwärtige Marktchancen konferiert: „Now there are at least 13 million kids in thiss country between the ages of ten and fifteen. Don’t tell me the end of a needle has a conscience.“