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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Dead Reckoning (1947)‘, Bildquelle: Dead Reckoning (1947), Columbia Pictures

Dead Reckoning (1947)

Stimmungen: amourös, stilvoll

Die beiden Kriegsheimkehrer Rip Murdock und Johnny Drake sollen in Washington für ihr […]

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Dead Reckoning (1947)

Die beiden Kriegsheimkehrer Rip Murdock und Johnny Drake sollen in Washington für ihre Dienste als Helden ausgezeichnet werden – als Johnny unversehens verschwindet, macht sich sein loyaler Kamerad auf die Suche, die ihn unmittelbar in einen Film-noir-konformen Komplex aus Femme fatale, Gangsterboss und Mord versetzt. Das Whodunit-Stück spielt in Gulf City, tief im Süden Floridas.

Die Handlung ist wenig originell und teilweise sogar unplausibel, aber Humphrey Bogart passt in die Szenen, als sei er ein topografischer Bestandteil, ein genuiner Bewohner dieser Schattenwelt. Und so erweist sich „Dead Reckoning“ vor allem als faszinierende Ansammlung stilechter Bogart-Posen und -Sprüche, die das Leinwandcharisma dieses Ausnahmedarstellers für die Nachwelt konserviert hat. Überdies weht durch den gesamten Film – ob im Leichenschauhaus, in den Appartements oder dem Nachtclub mit Casino – das eigentümliche Flair der 1940er Jahre in den USA.

Genre: Noir-Thriller
Länge: 96 Min.
Regie: John Cromwell
Cast: u.a. Humphrey Bogart, Lizabeth Scott, Morris Carnovsky, Marvin Miller, Charles Cane, William Prince, Wallace Ford, James Bell, George Chandler, Ruby Dandridge
alt. Titel: Ein Mensch verschwindet
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Out of the Blue (1980)‘, Bildquelle: Out of the Blue (1980), Cebe Investments, Discovery Productions

Out of the Blue (1980)

Stimmungen: aggressiv, alkoholisiert, musikalisch, suburban, turbulent

Dass „Out of the Blue“ langsam Fahrt aufnimmt, um dann irgendwann in einem rasenden Absturz zu eskalieren, w […]

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Out of the Blue (1980)

Dass „Out of the Blue“ langsam Fahrt aufnimmt, um dann irgendwann in einem rasenden Absturz zu eskalieren, wäre wohl keine angemessene Aussage, da der Film im Grunde genommen schon auf einem Level beginnt, zu dem die meisten anderen (Familien- und Jugend-)Dramen erst hinstreben: Dennis Hopper ist der Alkoholikervater, der aus dem Knast kommt, nachdem er besoffen mit seinem Truck einen vollbesetzten Schulbus gerammt hat (Hopper rehabilitierte sich nach einer zehnjährigen Regieabstinenz infolge seiner „The Last Movie“-Eskapade); Sharon Farrell ist die Mutter, die sich in der Toilette ihr kleines Heroinrefugium sucht; und Linda Manz, die aus jeder Pore ihres pubertierenden Körpers eine furiose Rebellen- und Punkattitüde verströmt, ist das energische Herz dieses Films, der zu jenen besonderen Leinwandschätzen gehört, denen die Welt lange Zeit den gebührenden Ruhm schuldig geblieben ist. Ist das überhaupt noch Schauspiel?, fragt man sich in „Out of the Blue“ nicht nur einmal, während immer wieder Neil Youngs „Hey Hey, My My“ die kanadisch-suburbane Schwermut vertont.

Genre: Drama
Länge: 94 Min.
Regie: Dennis Hopper
Cast: u.a. Linda Manz, Dennis Hopper, Sharon Farrell, Don Gordon, Raymond Burr, David L. Crowley, Carl Nelson, Fiona Brody, Joan Hoffman
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Jacknife (1989)‘, Bildquelle: Jacknife (1989), Sandollar/Schaffel, Kings Road Entertainment, Poseidon

Jacknife (1989)

Ed Harris und Robert De Niro wie sie fast nicht zu erkennen sind: als zwei […]

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Jacknife (1989)

Ed Harris und Robert De Niro wie sie fast nicht zu erkennen sind: als zwei unterschiedlich stark traumatisierte Vietnam-Veteranen, die mit ihrer Reintegration in die Heimatgesellschaft zu kämpfen haben. Während Megs (De Niro) einigermaßen aus dem extremen Alltag im Dschungelkrieg herausgefunden hat, ist sein Kumpel Dave (Harris) vom Highschool-Helden zum Alkoholwrack degeneriert. Beide werden von Flashbacks heimgesucht.

Jacknife“ ist ein einfühlsames Drama über Kriegsheimkehrer, das in einer geduldigen, manchmal quälenden Ausführlichkeit schildert, wie die Veteranen durch ihre Horror­er­fahrungen beinahe aussichtslos von der Mehrheitsbevölkerung, in deren Namen sie einst loszogen, entfremdet sind.

Genre: Drama
Länge: 102 Min.
Regie: David Hugh Jones
Cast: u.a. Robert De Niro, Ed Harris, Kathy Baker, Tom Isbell, Sloane Shelton
alt. Titel: Jacknife – Vom Leben betrogen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Lilith (1964)‘, Bildquelle: Lilith (1964), Columbia

Lilith (1964)

Stimmungen: jugendlich, tragisch

In seinem vierten Film spielt Warren Beatty den jungen […]

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Lilith (1964)

In seinem vierten Film spielt Warren Beatty den jungen Kriegsveteranen Vincent Bruce, der in seine kleine Ostküsten-Heimatstadt zurückkehrt und in einer psychiatrischen Klinik einen Job als Pfleger antritt. Der bei den Patienten allseits beliebte Bruce lässt sich von der schizophrenen Lilith verführen – die junge Jean Seberg spielt sie mit einer superben Mimik: mal träumerisch verliebt, mal eiskalt manipulativ. Ein Film über tragische Liebe und deren dramatische Konsequenzen.

Genre: Drama
Länge: 109 Min.
Regie: Robert Rossen
Cast: u.a. Warren Beatty, Jean Seberg, Peter Fonda, Kim Hunter, Jessica Walter, Anne Meacham, James Patterson, Robert Reilly, Gene Hackman
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Mein Bruder, ein Lump (1962)‘, Bildquelle: Mein Bruder, ein Lump (1962), MGM, John Houseman Productions, Golem Video

Mein Bruder, ein Lump (1962)

Stimmungen: aggressiv, familiär, tragisch

Wie das Potenzial familiären Glücks verspielt wird und die Beteiligten sich stattdessen in desaströsen Beziehungskonf […]

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Mein Bruder, ein Lump (1962)

Wie das Potenzial familiären Glücks verspielt wird und die Beteiligten sich stattdessen in desaströsen Beziehungskonflikten aufreiben, davon erzählt die RomanverfilmungMein Bruder, ein Lump“. Die Besetzung ist exquisit: Warren Beatty als gut aussehender drifter und Gigolo, der seinen Körper an ältere Frauen verkauft; Brandon De Wilde als sein feinfühliger, kleiner Bruder; Eva Marie Saint als glücksuchende Frau; Angela Lansbury als manipulative Mutter, die zu ihren Söhnen eine übertrieben eifersüchtige Liebe zeigt; und Karl Malden – in einer seiner allerbesten Rollen – als Familienoberhaupt, das sich im Keller heimlich mit Whiskey die Sorgen wegtrinkt.

Genre: Drama
Länge: 111 Min.
Regie: John Frankenheimer
Cast: u.a. Brandon De Wilde, Warren Beatty, Angela Lansbury, Karl Malden, Eva Marie Saint, Constance Ford, Evans Evans
alt. Titel: All Fall Down
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der römische Frühling der Mrs. Stone (1961)‘, Bildquelle: Der römische Frühling der Mrs. Stone (1961), Warner Bros.

Der römische Frühling der Mrs. Stone (1961)

Stimmungen: dekadent, hedonistisch, mediterran, sonnig

Die dereinst gefeierte Broadway-Aktrice Karen Stone (Vivien Leigh […]

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Der römische Frühling der Mrs. Stone (1961)

Die dereinst gefeierte Broadway-Aktrice Karen Stone (Vivien Leigh in ihrem vorletzten Film) befindet sich im Herbst ihrer Schauspielkarriere, als sie das Schicksal durch den Herztod ihres Mannes zur tragischen Witwe macht. Mit ihrem Millionenerbe flüchtet sie sich nach Rom, wo sie sich mit Luxus und einem Toyboy umgibt. Warren Beatty spielt den jungen Italiener: einen unendlich eitlen Gigolo, der im Verbund mit einer gerissenen Matrone (superb: Lotte Lenya) reiche ältere Frauen ausnimmt, um das Dolce Vita in feinem Tuch und mit gutem Essen zu genießen.

Genre: Drama
Länge: 103 Min.
Regie: José Quintero
Cast: u.a. Vivien Leigh, Warren Beatty, Lotten Lenya, Coral Browne, Jill St. John, Jeremy Spenser, John Phillips, Paul Stassino
alt. Titel: The Roman Spring of Mrs. Stone
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Fieber im Blut (1961)‘, Bildquelle: Fieber im Blut (1961), Warner Bros.

Fieber im Blut (1961)

Stimmungen: dramatisch, tragisch

Zwei Menschen eines Kansas-Kaffs in den späten 1920er Jahren werden […]

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Fieber im Blut (1961)

Zwei Menschen eines Kansas-Kaffs in den späten 1920er Jahren werden über den pseudomoralischen Geboten ihrer Eltern, nicht miteinander zu schlafen, buchstäblich verrückt. Das Midwest-DramaFieber im Blut“ erzählt von den überkommenen Werten und Erwartungen der Eltern, unter deren Druck die Kinder zusammenzubrechen drohen. Nach einigen TV-Serienauftritten war dies der Beginn von Warren Beattys Filmkarriere.

Genre: Drama
Länge: 124 Min.
Regie: Elia Kazan
Cast: u.a. Natalie Wood, Warren Beatty, Audrey Christie, Pat Hingle, Fred Stewart, Barbara Loden, Joanna Roos, Zohra Lampert, Jan Norris, Gary Lockwood
alt. Titel: Splendor in the Grass
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Ein Mann für gewisse Stunden (1980)‘, Bildquelle: Ein Mann für gewisse Stunden (1980), Freddie Fields Productions, Paramount Pictures

Ein Mann für gewisse Stunden (1980)

Er verdient sein Geld mit Liebesdiensten für ältere Frauen aus der Oberschicht und führt ein Leben in […]

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Ein Mann für gewisse Stunden (1980)

Er verdient sein Geld mit Liebesdiensten für ältere Frauen aus der Oberschicht und führt ein Leben in Einsamkeit. Eines Tages wird dieser Edelcallboy, Julian Kaye, in einen Komplott verwickelt und muss sich als Einzelkämpfer in einer egoistischen Welt behaupten. Für Richard Gere war die Rolle des kalifornischen Sexarbeiters eine wichtige Etappe auf seinem Weg zum Hollywoodstar und Sexsymbol der Achtziger.

Genre: 117
Länge: Drama Min.
Regie: Paul Schrader
Cast: u.a. Richard Gere, Lauren Hutton, Nina van Pallandt, Hector Elizondo, Bill Duke, Brain Davies, K Callan, Carole Cook, Carol Bruce, Frances Bergen
alt. Titel: American Gigolo
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der nackte Kuß (1964)‘, Bildquelle: Der nackte Kuß (1964), Allied Artists

Der nackte Kuß (1964)

Stimmungen: amourös, kleinstädtisch

Prostitution und Pädophilie: Die Themen, die […]

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Der nackte Kuß (1964)

Prostitution und Pädophilie: Die Themen, die Samuel Fuller in „Der Nackte Kuß“ behandelt, waren in den frühen Sechzigern reichlich kontrovers und skandalös. Fuller – ganz in Auteur-Manier Regisseur, Produzent und Autor des Films in hochkreativer Personalunion – überwältigt sein Publikum damit, ohne diese Konfrontation mit viel Aufhebens zu inszenieren. Seine Protagonistin ist Constance Powers als Kelly, die zu Beginn des Films als Sexarbeiterin in eine US-amerikanische Kleinstadt kommt und sich als erfolgreiche Kinderkrankenschwester in einer Klinik für körperlich eingeschränkte Kinder ein neues Leben aufbaut, anstatt im örtlichen Bordell anzuheuern.

Der Nackte Kuß“ ist ein vielseitiger Film, der nicht nur mit seinem noch immer frischen Low-Budget-Charme begeistert, sondern auch gleich eine ganze Menge Sujets behandelt: Prostitution, die von der vermeintlich tugendhaften Mehrheitsgesellschaft abgelehnt, aber zugleich auch nachgefragt wird, solange sie sich in reglementierten Nischen versteckt; die Schwierigkeit, von einem einmal eingeschlagenen Pfad abzuweichen und die Last der Vergangenheit loszuwerden; und natürlich insgesamt die Doppelmoral der (US-amerikanischen) Kleinstadtmittelklasse. Überhaupt begibt sich Fuller, wie schon kurz zuvor in Shock Corridor“ (1963), an die Ränder der Gesellschaft, wo er – damals noch mehr als heute – kaum bekannte Orte wie ein Krankenhaus für invalide Kinder mit Amputationen oder eine psychiatrische Einrichtung exploriert. Veredelt wird „Der Nackte Kuß“ von den äußerst stimmungsvoll ausgeleuchteten Szenerien, mit einem raffinierten Licht- und Schattenspiel, in dem sich die düsteren Geheimnisse und Neigungen der Menschen spiegeln.

Genre: Drama
Länge: 87 Min.
Regie: Samuel Fuller
Cast: u.a. Constance Towers, Anthony Eisley, Michael Dante, Virginia Grey, Patsy Kelly, Betty Bronson, Karen Conrad, Marie Devereux
alt. Titel: The Naked Kiss
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Zähl bis drei und bete (1957)‘, Bildquelle: Zähl bis drei und bete (1957), Columbia Pictures

Zähl bis drei und bete (1957)

Stimmungen: einsam, klaustrophobisch, spannend

Mit seiner an der Grenze zum Expressionismus fotografierten Schwarz-Weiß-Optik und den ausführlichen, klaustrophobi […]

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Zähl bis drei und bete (1957)

Mit seiner an der Grenze zum Expressionismus fotografierten Schwarz-Weiß-Optik und den ausführlichen, klaustrophobisch arrangierten Close-ups ist „Zähl bis drei und bete“ einer der kinematografisch schönsten – und zugleich besten – Western aller Zeiten. Er verfügt über sämtliche Ingredienzen, die für Hollywoodwestern typisch und unverzichtbar sind: ein moralisch einwandfreier Protagonist, ein mörderischer Bandit als dessen Kontrahent, Postkutsche und Westernkleinstadt, Saloon und Sheriff, die Weite der Prärie und bleihaltige Schusswechsel. Doch vermischt „Zähl bis drei und bete“ all diese Zutaten auf ganz und gar unkonventionelle Weise zu einer fantastischen Mixtur, die diesen Film zu einem Western sui generis macht.

Der Held: simpel und unsicher, am Rande der Verzweiflung; der Kriminelle: überraschend und intelligent; die in Filmen sonst so laute, emsige Westernstadt: still und wie leergefegt; die Westernweite: erdrückend einsam. Hinzu kommt die Stille, die – für das damalige Orchesterklangkino ganz und gar untypisch – bloß sporadisch von elegischen Songs durchbrochen wird. Glenn Ford ist diesmal der Schurke Ben Wade, der notfalls ohne zu zögern auch ein Bandenmitglied umlegt, wenn es die Situation erfordert, und nach dem erfolgreichen Raubüberfall an einer Postkutsche ein paar Drinks verdrückt, ehe er sich mit der schönen Barkeeperin vergnügt; aber er beneidet andere um ihre Familie. Und Van Heflin spielt den unscheinbaren Rancher und Familienvater Dan Evans, der den zwischenzeitlich festgenommenen Wade in den Zug nach Yuma setzen soll, derweil dessen Bandenkompagnons schon mit ihren Revolvern bereitstehen – ein Himmelfahrtskommando, auf das sich Evans aus purer Verzweiflung einlässt, weil er das lukrative Honorar braucht und seinen beiden Jungs im hartgesottenen Normengefüge der Frontier-Moral nicht als Feigling gelten will. Großartig ist die kammerspielerische Konfrontation zwischen Evans und Wade, der messerscharf und mit teuflischer Gelassenheit die neuralgischen Punkte seines Bewachers drangsaliert. In einer der stärksten Szenen des Films lotet der in Handschellen auf ein Hotelbett gezwungene Outlaw die Grenzen der Korrumpierbarkeit eines Unbestechlichen aus, dessen erdrückende Alltagsprobleme sich mit einem Mal mit dem angebotenen Banditengeld in Luft auflösen könnten. Eindrucksvoller ist indes die Ehe(-Krise) der Wades, die der heimliche Story-Nukleus ist.

Genre: Western-Drama
Länge: 92 Min.
Regie: Delmer Daves
Cast: u.a. Van Heflin, Glenn Ford, Leora Dana, Felicia Farr, Henry Jones, Richard Jaeckel, Robert Emhardt, Sheridan Comerate, George Mitchell, Ford Rainey, Robert Ellenstein
alt. Titel: 3:10 to Yuma
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Mann mit den 1000 Gesichtern (1957)‘, Bildquelle: Der Mann mit den 1000 Gesichtern (1957), Universal Pictures Company

Der Mann mit den 1000 Gesichtern (1957)

Stimmungen: ehrgeizig, hollywoodesk

Der Film zeigt den harten Aufstieg […]

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Der Mann mit den 1000 Gesichtern (1957)

Der Film zeigt den harten Aufstieg Lon Chaneys (1883–1930) vom Vaudeville-Clown zum Hollywoodstar – und wie selten eine exzeptionelle Showbusiness-Karriere reibungslos verläuft, muss auch Chaney heftige Rückschläge wegstecken: seine Frau unternimmt auf offener Bühne einen Selbstmordversuch, sein kleiner Sohn kommt ins Heim. Der zweite Teil von „Der Mann mit den 1000 Gesichtern“ taucht dann tief hinab in die Hollywood-Inkunabeln, die Stummfilmzeit, als sich Chaney unter die unzähligen Komparsen mischt, die sich jeden Tag an den Studiopforten vor den Listen mit den gesuchten Statistenrollen in der Hoffnung auf ein kurzfristiges Engagement versammeln.

Chaneys Genius besteht in seiner Verwandlungskunst, durch die er als sein eigener Maskenbildner, gepaart mit einer unbändigen Selbstdisziplin in jede noch so exzentrische, unangenehme, schwierige Rolle schlüpft, ein unmenschliches Figurenpensum absolviert und bald unter Irving Thalberg, dem jungen Produktionsleiter (erst von Universal, dann von MGM), zum Kassenmagneten avanciert – Thalberg wird von Robert Evans gespielt, den Thalbergs Witwe für die Rolle am Hotelpool entdeckte und der später zum Paramount-Boss aufstieg. Neben dem Stück Hollywoodgeschichte, ganz und gar befangen von Hollywood selbst auf die Leinwand gebracht, fasziniert an dem Film insbesondere, wie hier der Dreißigerjahre-Superstar Cagney die tausend Gesichter des Zwanzigerjahre-Superstars Chaney in einer schauspielerischen Tour de Force rekonstruiert.

Genre: Biopic
Länge: 122 Min.
Regie: Joseph Pevney
Cast: u.a. James Cagney, Dorothy Malone, Jane Greer, Jim Backus, Robert Evans, Roger Smith, Robert Lyden, Rickie Sorensen, Dennis Rush, Marjorie Rambeau, Celia Lovsky, Nolan Leary, Jack Albertson, Simon Scott, Jeanne Cagney, Philip Van Zandt
alt. Titel: Man of a Thousand Faces
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Lolita (1962)‘, Bildquelle: Lolita (1962), Turner Entertainment

Lolita (1962)

Als Pornografie geächtet, mancherorts sogar verboten, kursierte „Lolita“ aus der Feder des Exil-Russen Vladimir Nabokov E […]

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Lolita (1962)

Als Pornografie geächtet, mancherorts sogar verboten, kursierte „Lolita“ aus der Feder des Exil-Russen Vladimir Nabokov Ende der 1950er Jahre unter dem Label eines Skandalromans. Stanley Kubricks kurze Zeit später folgende Verfilmung zeigt James Mason in der gewagten Rolle des pädophilen Literaturgelehrten, der seine pubertierende Stieftochter begehrt und mit ihr durch die USA reist.

Genre: Drama
Länge: 147 Min.
Regie: Stanley Kubrick
Cast: u.a. James Mason, Sue Lyon, Shelley Winters, Peters Sellers, Lois Maxwell, Diana Decker, Jerry Stovin, Gary Cockrell, Cec Linder, Bill Greene, Shirley Douglas
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Hindenburg (1975)‘, Bildquelle: Die Hindenburg (1975), Universal, Koch Films

Die Hindenburg (1975)

Stimmungen: aeronautisch, aviatisch, spannend

Es war die Urkatastrophe der Luftfahrtgeschichte, als am 6. Mai 1937 über dem US-amerikanischen Lakehurst […]

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Die Hindenburg (1975)

Es war die Urkatastrophe der Luftfahrtgeschichte, als am 6. Mai 1937 über dem US-amerikanischen Lakehurst der deutsche Mega-Zeppelin „Hindenburg“ binnen weniger Minuten von einem Inferno aufgezehrt wurde. Der Film „Die Hindenburg“ zeigt vor allem die Reise von Frankfurt am Main an die Ostküste der USA, auf der ein Luftwaffenoffizier (George C. Scott) im Auftrag der Gestapo heimlich nach Saboteuren fahndet, die das NS-Prestigeobjekt zum Beweis des innerdeutschen Widerstands zerstören wollen.

Präzise Perspektiven vermitteln die klaustrophobische Enge im Luftschiffskelett, in dem irgendwo eine Bombe versteckt ist. Fast jeder der Passagiere verbirgt ein kleines oder großes Geheimnis, was die allermeisten zu plausiblen Verdächtigen macht. Das Finale zeigt synchron zu den Originalaufnahmen sehr beeindruckend den dramatischen Untergang des Techniktraumes, bei dem die grauenvolle Zerstörung hart mit dem ästhetischen Interieur der vorherigen Szenen kontrastiert – für die Sound- und Bildeffekte gab es damals zwei Oscars.

Genre: Drama
Länge: 125 Min.
Regie: Robert Wise
Cast: u.a. George C. Scott, William Atherton, Anne Bancroft, Roy Thinnes, Charles Durning, Robert Clary, Peter Donat, Richard Dysart, Burgess Meredith, Gig Young, Alan Oppenheimer, Katherine Helmond, Rene Auberjonois, Joanna Moore, Joyce Davis, Ted Gehring, Rex Holman, Michael Richardson, David Mauro, Joe Turkel, William Sylvester
alt. Titel: The Hindenburg
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Haß ist blind (1950)‘, Bildquelle: Der Haß ist blind (1950), Twentieth Century-Fox

Der Haß ist blind (1950)

Stimmung: rassistisch

Aus Cineastensicht ist der erste Film eines Stars eigentlich immer sehenswert. „Der Haß ist blind“ ist aber nicht bloß d […]

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Der Haß ist blind (1950)

Aus Cineastensicht ist der erste Film eines Stars eigentlich immer sehenswert. „Der Haß ist blind“ ist aber nicht bloß das Leinwanddebüt von Sidney Poitier – eine Zeit lang einer der größten Stars überhaupt –, sondern auch ein noiriges Drama voll brisanter Sujets seiner Zeit. Da ist natürlich zuallererst Poitiers Figur: Dr. Luther Brooks, ein schwarzer Arzt in einem von weißen dominierten Krankenhaus, bespuckt, geschlagen und beleidigt von seinen Patienten und ihren Angehörigen; seine erst 23 Jahre lassen Poitier selbst im Vergleich zu seinen nur wenige Jahre später gespielten Rollen, passend zu seinem Novizenstatus, blutjung erscheinen. Dann sind da aber auch Brooks’ Förderer und Mentoren, die es sich ein wenig mit ihrem liberalen Selbstbild bequem gemacht haben und das Maximum an möglichen Beiträgen zur Gleichstellung erfüllt sehen, indem sie einen schwarzen Arzt im Stab haben. Zur Sprache kommt aber auch der prekäre Status der Klinik, für die deren Chef wie ein Hausierer immer wieder Geld auftreiben muss und die in ihrer Personal- und Geräteausstattung stets hinter dem tatsächlichen Bedarf zu liegen scheint. Und schließlich natürlich das große Gesellschaftsproblem der USA, im Film personifiziert durch den geifernden Rassismus des Ray Biddle, den Richard Widmark voll aggressiver Hinterlist spielt.

Die Biddle-Brüder gehören zum Abschaum, die der soziale Brennpunkt Beaver Canal in die Mitte der Gesellschaft spült, als sie – angeschossen bei einem missglückten Raubüberfall – im Gefängnishospital landen. Als der eine Bruder während der Behandlung durch Dr. Brooks verstirbt, ist der verbliebene der unumstößlichen, beinahe verschwörungstheoretischen Meinung, der schwarze Arzt habe den weißen Patienten hinterrücks ermordet. In der Luft liegt von nun an Rache. Mit seiner souveränen Verschlagenheitsmimik porträtiert Widmark einen widerlichen Rassisten, der mit irrationalem Hass ausgerechnet den Menschen attackiert, der ihm medizinische Hilfe leisten will. Zwischen den beiden Doppel-„Oscars“ für Drehbuch und Regie, die der seinerzeit mit Preisen überhäufte Jospeh L. Mankiewicz 1950 für A Letter to Three Wives“ (1949) und 1951 für All About Eve“ (1950) erhielt, ging „Der Haß ist blind“ in der Filmhistorie etwas unter. Aber wie sich hier an einer Schnittstelle der Gesellschaft – im Krankenhaus – der Rassenhass offenbart, ist auch heute noch ein eindrückliches Filmerlebnis.

Genre: Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Joseph L. Mankiewicz
Cast: u.a. Sidney Poitier, Richard Widmark, Linda Darnell, Stephen McNally, Mildred Joanne Smith, Harry Bellaver, Dots Johnson, Maude Simmons, Will Wright, Stanley Ridges, Dick Paxton, Bert Freed, Ann Tyrrell
alt. Titel: No Way Out
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die alles zur Sau machen (1971)‘, Bildquelle: Die alles zur Sau machen (1971), Anglo-E.M.I. Film, Atlantic United Productions

Die alles zur Sau machen (1971)

Ein klassischer Unterweltler, Londoner Proletarierkriminalität, sozialer Aufstieg in der Illegalität: […]

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Die alles zur Sau machen (1971)

Ein klassischer Unterweltler, Londoner Proletarierkriminalität, sozialer Aufstieg in der Illegalität: Richard Burton spielt Vic Dakin, der sein Geld mit Schutzgelderpressung macht. Dakin: Das ist ein brutaler Sadist, in dessen Augen eine hemmungslose Gewaltfreude liegt, der bei seiner alten Mutter wohnt und sich einen Toyboy namens Wolfie (Ian McShane) unterhält. Burton stand damals im Zenit seiner Karriere und drehte nur für Millionengagen – den Low-Budget-StreifenDie alles zur Sau machen“ machte er dagegen für einen Anteil am Gewinn. Der unheilvolle Protagonist von „Die alles zur Sau machen“ ist eine amalgamierte Anlehnung an die berüchtigten Kray-Zwillingsbrüder, die jahrelang das Londoner East End tyrannisierten, ehe sie Ende der Sechziger zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Das London, das „Die alles zur Sau machen“ zeigt, ist trist, pessimistisch, ein plausibles Soziotop für die Entstehung von Gangsterbossen à la Dakin/Kray.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 98 Min.
Regie: Michael Tuchner
Cast: u.a. Richard Burton, Ian McShane, Nigel Davenport, Joss Ackland, Colin Welland, T.P. McKenna, John Hallam, Tony Selby, Fiona Lewis, Cathleen Nesbitt, Donald Sinden, Elizabeth Knight
alt. Titel: Villain
Text verfasst von: Robert Lorenz
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