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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Einer weiß zuviel (1950)‘, Bildquelle: Einer weiß zuviel (1950), Fidelity Pictures, Film Noir Foundation

Einer weiß zuviel (1950)

Stimmungen: dunkel, großstädtisch, hektisch, schnell, urban

Ganz und gar untypisch für einen Film noir zeigt „Einer weiß zuviel“ eine Frau, die ihren untergetauchten Mann – de […]

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Einer weiß zuviel (1950)

Ganz und gar untypisch für einen Film noir zeigt „Einer weiß zuviel“ eine Frau, die ihren untergetauchten Mann – den einzigen Zeugen eines Mordes – sucht und dabei vor allem nicht ihn selbst, sondern seine vermeintlich abgekühlte Liebe zu ihr wiederentdeckt. Neben den schnellen, messerscharfen und für die späten Vierziger erstaunlichen Dialogen besticht „Einer weiß zuviel“ durch sein mit sattem Zeitkolorit durchzogenen Location shooting in San Francisco.
Genre: Noir-Thriller
Länge: 78 Min.
Regie: Norman Foster
Cast: u.a. Ann Sheridan, Dennis O’Keefe, Robert Keith, Ross Elliott, John Qualen, Frank Jenks, Jane Liddell, J. Farrell MacDonald, Reiko Sato, Victor Sen Yung, Joan Shawlee, Steven Geray
alt. Titel: Woman on the Run
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Detour (1945)‘, Bildquelle: Detour (1945), PRC Pictures

Detour (1945)

Stimmung: strapaziös

Nicht-intendierte Konsequenzen sind schon immer ein Faszinosum gewesen. In „Detour“ werden sie auf die Spitze getrieben. Der […]

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Detour (1945)

Nicht-intendierte Konsequenzen sind schon immer ein Faszinosum gewesen. In „Detour“ werden sie auf die Spitze getrieben. Der Pianist Al Roberts will endlich zu seiner gen Hollywood aufgebrochene, Freundin Sue, einer Nachtklubsängerin, aufbrechen, um sie zu heiraten. Auf dem Weg dorthin verstrickt er sich auf einem verhängnisvollen Roadtrip von New York durch Arizona nach Kalifornien immer tiefer in Täuschungen und Manipulationen, bis sie ihn verschlucken. Low-Budget-Produktionen haben einen eigentümlichen Charme, zu dem auch gehört, dass man ihnen die Sparsamkeit ansieht. Edgar G. Ulmer, neben Billy Wilder und Fred Zinnemann einer der großen Wiener Regietalente, gelingt in „Detour“ das Kunststück, den Film trotz seines kleinen Budgets gut aussehen zu lassen. Mit dem abgekämpften Protagonisten, der andauernd vom Schicksal verprügelt wird, und seinem Voiceover, den atmosphärischen Shots und einer Femme fatale gehört „Detour“ zu den sehenswertesten Noir-Filmen.
Genre: Noir-Drama
Länge: 68 Min.
Regie: Edgar G. Ulmer
Cast: u.a. Tom Neal, Ann Savage, Claudia Drake, Edmund MacDonald, Pat Gleason, Esther Howard, Tim Ryan, Harry Strang, Don Brodie
alt. Titel: Umleitung
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Fürsten der Dunkelheit (1987)‘, Bildquelle: Die Fürsten der Dunkelheit (1987), Universal, Carolco, Studiocanal

Die Fürsten der Dunkelheit (1987)

Stimmungen: blutig, brutal, diabolisch, dunkel, düster, gruselig, klaustrophobisch, mysteriös

In diesem Horror-Stück erlaubt sich John Carpenter, der im Alleingang Drehbuch, Regie und Musik v […]

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Die Fürsten der Dunkelheit (1987)

In diesem Horror-Stück erlaubt sich John Carpenter, der im Alleingang Drehbuch, Regie und Musik verantwortete, einen ganz besonders frechen Story-Coup: Er vermengt christliche Mystik mit harter Quantenphysik. Donald Pleasence, mit seiner geheimnisvollen Ausstrahlung, spielt den Priester, der einen Physikprofessor mitsamt einer Gruppe neugieriger Studierender in den Keller eines verlassenen Kirchengebäudes mitten in L.A. holt, um mit Computertechnik und wissenschaftlichen Methoden einen geheimnisvollen Zylinder untersuchen zu lassen – das Gefäß entpuppt sich als diabolische Bedrohung der gesamten Welt. „Fürsten der Dunkelheit“ lebt, ganz Carpenter-typisch, von seiner audiovisuellen Atmosphäre und dem Kunststück, dass die mittlerweile jahrzehntealten Spezialeffekte noch immer ansehnlich sind.
Genre: Mystery-Horror
Länge: 102 Min.
Regie: John Carpenter
Cast: u.a. Lisa Blount, Jameson Parker, Donald Pleasence, Victor Wong, Dennis Dun, Susan Blanchard, Alice Cooper, Anne Howard, Ann Yen, Ken Wright, Dirk Blocker, Jessie Lawrence Ferguson
alt. Titel: Prince of Darkness
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Das verrückte California-Hotel (1978)‘, Bildquelle: Das verrückte California-Hotel (1978), Columbia Pictures

Das verrückte California-Hotel (1978)

Das Hotel als soziale Clearing-Stelle: Vier separate Geschichten erzählen in einem wilden Genremix von Paaren, die im ber […]

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Das verrückte California-Hotel (1978)

Das Hotel als soziale Clearing-Stelle: Vier separate Geschichten erzählen in einem wilden Genremix von Paaren, die im berühmten kalifornischen »Beverly Hills Hotel« gastieren und allesamt unterschiedliche Konflikte austragen. »Das verrückte California-Hotel« ist zwar kein Film, über den man noch lange nach seinem Ende nachdenkt, aber eine kurzweilige Genre-Collage mit superbem Cast.
Genre: Dramatische Komödie
Länge: 103 Min.
Regie: Herbert Ross
Cast: u.a. Jane Fonda, Alan Alda, Richard Pryor, Gloria Gifford, Sheila Frazier, Bill Cosby, Maggie Smith, Michael Caine, Walter Matthau, Elaine May, Herb Edelman, Denise Galik
alt. Titel: California Suite
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Nacht der Vogelscheuche (1981)‘, Bildquelle: Die Nacht der Vogelscheuche (1981), Wizan T.V. Productions & Distribution Co.

Die Nacht der Vogelscheuche (1981)

Stimmungen: bedrohlich, kleinstädtisch, ländlich

Unter der Ägide des pädophilen Postboten Otis P. Hazelrigg (Charles Durning) […]

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Die Nacht der Vogelscheuche (1981)

Unter der Ägide des pädophilen Postboten Otis P. Hazelrigg (Charles Durning) rotten sich eine Handvoll Heartland-Kleinstädter zu einem Lynchmob zusammen, um Bubba Ritter – ein Kind im Körper eines Erwachsenen – für den Mord an der kleinen Marylee Williams zu richten. Bubba tarnt sich als Vogelscheuche und sie exekutieren ihn auf offenem Feld nahe des Haues seiner Mutter ehe sie über Funk erfahren, dass die Suche nach Bubba Ritter eingestellt ist, weil das Mädchen gar nicht tot, er also nicht ihr Mörder ist. „Die Nacht der Vogelscheuche“ ist ein Horrorfilm von großartigstem Minimalismus; aber noch mehr zeigt er en passant die hässliche Seite der (US-amerikanischen) Zivilgesellschaft, aus der immer wieder vorurteilsbeladene Kollektivhandlungen hervorgehen, eine derangierte Moral, die sich in der mörderischen Selbstgerechtigkeit waffenstrotzender Posses entlädt. Das Porträt der holzfällerhemdsärmeligen Dosenbiersolidarität einer Südstaatenkleinstadt macht „Die Nacht der Vogelscheuche“ über das Genre hinaus sehenswert.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 93 Min.
Regie: Frank De Felitta
Cast: u.a. Charles Durning, Lane Smith, Jocelyn Brando, Tonya Crowe, Larry Drake, Robert F. Lyons, Claude Earl Jones, Tom Taylor, Ivy Bethune, Richard McKenzie, Ivy Jones, James Tartan, Alice Nunn
alt. Titel: Dark Night of the Scarecrow
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Braut des Satans (1976)‘, Bildquelle: Die Braut des Satans (1976), Hammer Film Productions

Die Braut des Satans (1976)

Stimmung: okkult

Am Chiemsee in Bayern bereitet der exkommunizierte Father Raynor ein unheiliges Ereignis vor. In „Die Braut des Satans“ zeigen Close-ups ein […]

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Die Braut des Satans (1976)

Am Chiemsee in Bayern bereitet der exkommunizierte Father Raynor ein unheiliges Ereignis vor. In „Die Braut des Satans“ zeigen Close-ups einen wahrhaft teuflischen Christopher Lee als Kopf der Satanssekte, der über schwarze Magie gebietet, mit der er seinen Gegenspieler – den Okkultexperten und Bestsellerautor Verney – zu vernichten sucht. Die Widmark’sche Entschlossenheit verleiht diesem Literaten, der sich gegen übernatürliche Kräfte auflehnt, eine gewisse Glaubwürdigkeit, es quasi aus der Schreibstube heraus mit teuflischen Mächten aufzunehmen. Eine noch sehr junge Nastassja Kinski ist die Nonne im Zentrum von Raynors Plan; und Denholm Elliott ist ihr entfremdeter Vater, der mit Elliotts unnachahmlicher Darstellung gehetzter Verzweiflung irgendwann nur noch in einem selbstgekritzelten Pentagramm kauert.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 93 Min.
Regie: Peter Sykes
Cast: u.a. Richard Widmark, Nastassja Kinski, Christopher Lee, Denholm Elliott, Honor Blackman, Anthony Valentine, Eva Maria Meineke, Michael Goodliffe, Izabella Telezynska, Constantine Gregory, Anna Bentinck, Derek Francis, Brian Wilde, Frances de la Tour
alt. Titel: To the Devil … a Daughter
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Red River (1948)‘, Bildquelle: Red River (1948), Monterey Prod.

Red River (1948)

Stimmung: strapaziös

Der „Chisholm Trail“ führte in der Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg […]

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Red River (1948)

Der „Chisholm Trail“ führte in der Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg die Viehherden von Texas über den Red River nach Kansas. In „Red River“ erzählt Howard Hawks nur vordergründig von den ebenso uralten wie unsterblichen Sujets Liebe und Rache; in Wirklichkeit ist der ganze Film eine Hommage an all die Cowboys, die riesige Rinderherden in ungemein strapaziösen Cattle drives von ihrem Zucht- zu ihrem Verkaufsort führten. Der Film beginnt im Jahr 1851, als Thomas Dunson die Frau, die er liebt, im Siedlertreck zurücklässt, um an der Grenze zu Mexiko eine Ranch zu gründen. In begierigem Tonfall plädiert sie: „You’ll need me, you’ll need a woman, you need what a woman can give you to do what you have to do. Oh, listen to me, Tom. Listen with your head and your heart, too. The sun only shines half the time, Tom. The other half is night.“ Aber Dunson zieht weiter. Fünfzehn Jahre später will er die zehntausend Rinder, die er inzwischen besitzt, in einem Gewaltmarsch von Texas nach Missouri führen. John Wayne spielt Dunson, der im Verlauf des Films vom autoritären Boss zum unberechenbaren Tyrannen degeneriert, gegen den sich schließlich sogar sein Ziehsohn Matt Garth widersetzt – ein Rolle, die Gary Cooper wegen der zu großen Rücksichtslosigkeit des Charakters abgelehnt hatte. Garth wiederum spielt ein sehr junger Montgomery Clift, mit einer Detailfreude, die selten in Western zu sehen ist. Die Bilder, die Hawks und sein Kameramann Russell Harlan schufen, beeindrucken noch heute – die Planwagen, die durch den Fluss preschen, oder die Tiere, die außer Kontrolle geraten in einer Stampede alles und jeden niedertrampeln.
Genre: Western
Länge: 133 Min.
Regie: Howard Hawks
Cast: u.a. Montgomery Clift, John Wayne, Walter Brennan, Noah Beery Jr., John Ireland, Joanne Dru, Harry Carey Jr., Coleen Gray, Chief Yowlachie, Paul Fix, Hank Worden, Mickey Kuhn, Lane Chandler
alt. Titel: Panik am roten Fluß
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die schreckliche Wahrheit (1937)‘, Bildquelle: Die schreckliche Wahrheit (1937), Columbia Pictures

Die schreckliche Wahrheit (1937)

Stimmungen: heiter, lustig, luxuriös, romantisch, turbulent, urban, witzig

Ist „Die schreckliche Wahrheit“ eine essenzielle Screwballkomödie? Ja. Bilden Irene Dunne […]

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Die schreckliche Wahrheit (1937)

Ist „Die schreckliche Wahrheit“ eine essenzielle Screwballkomödie? Ja. Bilden Irene Dunne und Cary Grant das ultimative Screwball-Paar? Womöglich. Eines ist indes sicher: „Die schreckliche Wahrheit“ gehört neben den Klassikern von Howard Hawks und Preston Sturges zu den witzigsten, charmantesten, insgesamt sympathischsten Werke aus dem famosen Screwballkosmos jener Zeit. Regisseur Leo McCarey gilt mit diesem Film quasi als Erfinder des Cary Grant, wie man ihn heute erinnert: des verboten gut aussehenden Mannes mit dem leicht frechen Playboycharme, der mit spontanen Slapstickeinlagen unfassbar witzige Szenen hervorbringt – ebenso wie Irene Dunne, die hier höchstwahrscheinlich untreue Ehefrau eine für damalige Moralgebote äußerst provokante Rolle spielt. Der turbulente Spaß entfaltet sich hier an Lucy und Jerry Warriner, die sich scheiden lassen, obwohl sie doch so unverbrüchlich zusammenzugehören scheinen – sie verbindet ein vermeintlich infantiler Humor, der sie in Wirklichkeit über alle anderen Beziehungen erhebt. Dass der Film aus den späten Dreißigern stammt, merkt man ihm mit seinem romantisch-albernen Esprit kaum an.
Genre: Romantische Komödie, Screwballkomödie
Länge: 91 Min.
Regie: Leo McCarey
Cast: u.a. Irene Dunne, Cary Grant, Ralph Bellamy, Alexander D’Arcy, Cecil Cunningham, Joyce Compton, Molly Lamont, Esther Dale, Robert Warwick, Mary Forbes
alt. Titel: The Awful Truth
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Mein Mann Godfrey (1936)‘, Bildquelle: Mein Mann Godfrey (1936), Universal Pictures

Mein Mann Godfrey (1936)

Stimmungen: großbürgerlich, lustig, luxuriös, romantisch, turbulent, urban, witzig

Bei einer Scavenger Hunt der überdrehten High Society von Manhattan als „ […]

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Mein Mann Godfrey (1936)

Bei einer Scavenger Hunt der überdrehten High Society von Manhattan als „forgotton man“ aufgelesen, lässt sich der obdachlose Godfrey von den luxusverwöhnten Bullocks als Butler engagieren – und hält seine eigene Upperclass-Abkunft geheim. Während die eine Tochter ihn elitär schikaniert, hat sich die andere längst in ihn verliebt; der Vater versucht den ausschweifenden Lebensstil seiner Familie zu bändigen, während sich die Mutter einen Gigolo hält und wie eine direkte Vorlage für Jack Lemmons legendäre Travestieperformance in Some Like It Hot“ (1959) wirkt. In „Mein Mann Godfrey“ verewigte sich Carole Lombard mit einer irrwitzigen Performance als Screwball-Archetyp, dem William Powells entschleunigender Butler der perfekte Gegenpol ist. „Mein Mann Godfrey“ ist nicht nur einer der Screwballklassiker schlechthin, sondern bietet obendrein eine der besten – das heißt lustigsten – Gorilla-Imitationen der Filmgeschichte.
Genre: Screwballkomödie
Länge: 93 Min.
Regie: Gregory La Cava
Cast: u.a. William Powell, Carole Lombard, Alice Brady, Gail Patrick, Eugene Pallette, Jean Dixon, Alan Mowbray, Mischa Auer, Pat Flaherty, Robert Light, Grady Sutton, Franklin Pangborn
alt. Titel: My Man Godfrey
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Prinz und die Tänzerin (1957)‘, Bildquelle: Der Prinz und die Tänzerin (1957), Marilyn Monroe Prod., Warner Bros.

Der Prinz und die Tänzerin (1957)

Stimmungen: aristokratisch, frivol, lustig, luxuriös, romantisch, witzig

In den letzten Friedensjahren vor dem Ersten Weltkrieg ratterte bereits das diplomatische und polit […]

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Der Prinz und die Tänzerin (1957)

In den letzten Friedensjahren vor dem Ersten Weltkrieg ratterte bereits das diplomatische und politische Getriebe, dass die verhängnisvolle Menschheitskatastrophe schließlich auslöste. In diesem eigenartigen Klima spielt „Der Prinz und die Tänzerin“, in dem Marilyn Monroe, die den Film mit ihrer eigenen Firma produzierte, eine amerikanische Theater-Darstellerin in London spielt; ein Prinzregent vom Balkan lädt sie zum kalten Büfett in seine Gemächer – doch statt des erwarteten One-Night-Stands sitzt sie am darauffolgenden Tag bald in seiner Kutsche, auf dem Weg zur britischen Krönungsfeier. Nach außen hin erscheint sie als einfältige Schönheit, aber tatsächlich vollbringt sie in nur einem Tag Erstaunliches: Statt den Avancen des verwitweten Aristokraten zu erliegen, verführt sie ihn schließlich, überredet ihn, in seiner Monarchie demokratische Wahlen durchzuführen und kittet obendrein das zerrüttete Vater-Sohn-Verhältnis zwischen dem Interimsherrscher und seinem zum König berufenen Sohn. Obwohl sie am Set angeblich unprofessionell und anstrengend gewesen sei, spielt sie die entwaffnende Nonchalance, mit der die Theateraktrice Elsie das aristokratische Protokoll aufmischt und den Prinzregenten um den kleinen Finger wickelt, so bravourös, dass man als Zuschauer geneigt ist, diese als ihre beste Rolle zu bezeichnen. Als promisker Prinz liefert Laurence Olivier, der die Rolle auch in der Theatervorlage spielte, hier überdies Regie führte, eine ungemein unterhaltsame Performance, indem er seiner Figur mit dem ganzen Können der Olivier-Mimik und den deutsch gezürnten Flüchen große Komik einhaucht. Über die chaotischen, nicht selten absurden Dreharbeiten schrieb der Regieassistent Colin Clark ein ungemein unterhaltsames Buch.
Genre: Romantische Komödie
Länge: 112 Min.
Regie: Laurence Olivier
Cast: u.a. Marilyn Monroe, Laurence Olivier, Richard Wattis, Sybil Thorndike, Jeremy Spenser, Jean Kent, Gladys Henson, Paul Hardwick, Andreas Malandrinos, David Horne
alt. Titel: The Prince and the Showgirl
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Ein stahlharter Mann (1975)‘, Bildquelle: Ein stahlharter Mann (1975), Columbia, TriStar

Ein stahlharter Mann (1975)

„I knock people down“: Als Herumtreiber Chaney prügelt sich Charles Bronson […]

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Ein stahlharter Mann (1975)

I knock people down“: Als Herumtreiber Chaney prügelt sich Charles Bronson im New Orleans der frühen 1930er Jahre für Geld. Die brachialen, ausführlich gefilmten Faustwettstreits lassen die Kämpfe aus Fight Club“ (1999) wie harmlose Schulhofraufereien wirken. In seinem Regiedebüt fängt Walter Hill aber auch die eigenartige Aura des alten New Orleans ein – her­vor­ragend besetzt, stark gefilmt und für Manche Bronsons beste Rolle.
Genre: Drama
Länge: 90 Min.
Regie: Walter Hill
Cast: u.a. Charles Bronson, James Coburn, Robert Tessier, Jill Ireland, Strother Martin, Margaret Blye, Michael McGuire, Bruce Glover, Nick Dimitri, Edward Walsh
alt. Titel: Hard Times
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Panik (1946)‘, Bildquelle: Panik (1946), Filmsonor

Panik (1946)

Stimmungen: expressionistisch, karg, kleinstädtisch, misanthropisch, trist

Die Bilder – häufig Innenaufnahmen, aber auch die sanftmütig karge, latent surreale Kulissenvorstadt – bewegen sich atmosphärisch an der Grenze zum Expressionismus; kein Wun […]

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Panik (1946)

Die Bilder – häufig Innenaufnahmen, aber auch die sanftmütig karge, latent surreale Kulissenvorstadt – bewegen sich atmosphärisch an der Grenze zum Expressionismus; kein Wunder, war „Panik“ doch auch Julien Duviviers Reaktion auf die bunt-fröhliche Hollywoodoptik, die er als Regisseur in den USA ein halbes Jahrzehnt lang verinnerlicht hatte. In der Pariser Vorstadt wühlt ein Mord die Bewohner auf; und der wahre Mörder arbeitet derweil daran, in dem misanthropischen Exzentriker Monsieur Hire einen falschen erstehen zu lassen. Sukzessive entlarvt „Panik“ die Ansteckungskraft heimtückischer Anschuldigungen: eine Erzählung voll ungeheuerlicher Niedertracht und der menschlichen Schwäche kollektiven Handelns aus einem Gefühl der moralischen Berechtigung und Überlegenheit heraus, die eine Gesellschaft zeigt, in der nur ein Mord noch mehr Menschen anlockt als eine voyeuristische Wrestlingshow. Und wie in einem Fiebertraum erklingt als unentwegtes Hintergrundrauschen ein dumpf-trubeliges Jahrmarktsgedudel.
Genre: Drama
Länge: 99 Min.
Regie: Julien Duvivier
Cast: u.a. Michel Simon, Viviane Romance, Paul Bernard, Max Dalban, Émile Drain, Guy Favières, Charles Dorat, Louis Florencie, Marecel Pérès
alt. Titel: Panique
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966)‘, Bildquelle: Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966), Highland Films

Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966)

Stimmungen: historisch, karg, moralisch, politisch, rhetorisch

Ein Film der Gesichter: das des arrivierten Machtinhabers, dicklich und schwer, von Orson Welles in nur einer Szene mit so viel Ch […]

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Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966)

Ein Film der Gesichter: das des arrivierten Machtinhabers, dicklich und schwer, von Orson Welles in nur einer Szene mit so viel Charakter aufgeladen, dass man gleich alles über diese Figur, den englischen Kardinal und Lordkanzler Wolsey, zu wissen meint; dann das des Königs, dem seine Privatprobleme mehr gelten als die des Landes, mit wutentbrannten Blicken ebenso wie dem flamboyanten Lächeln des hedonistischen Hallodris, von Robert Shaw ebenso in lediglich einer Szene zur vollständigen Reife gebracht; der servile Aufsteiger in Person des machthungrigen Regierungsbeamten, dem für sein persönliches Fortkommen keine Schandtat zu niedrig ist, grandios abscheulich gespielt von Leo McKern und in seiner moralischen Niedertracht lediglich übertroffen von John Hurts jungem Opportunisten; Wendy Hiller als stoische Ehefrau, die erst im ultimativen Moment ihre Fassung verliert, mit einem von inneren Schmerzen verzerrten Gesicht; und schließlich Paul Scofields Märtyrergesicht, das Größe und Tragik des Sir Thomas More ein unvergessliches Antlitz verleiht – dass Scofield dafür einen „Oscar“ erhielt, verwundert jedenfalls nicht. „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“ erzählt die Leidensgeschichte des Thomas More, eines englischen Staatsmannes, der sich stärker in den Dienst von Recht und Ordnung denn des Monarchen Henry VIII. stellt – des Königs, der die anglikanische Kirche gründete, um wieder heiraten zu können. Trotz seiner hagiografischen Tendenz ist das gemächliche Historienstück dank seiner fantastischen Besetzung ein erstklassiges Filmerlebnis – so sehr, dass damals, am Vorabend des New Hollywood-Kinos ein im frühneuzeitlichen England des 16. Jahrhunderts angesiedeltes Drama den „Oscar“ als Bester Film erhielt.
Genre: Historien-Drama
Länge: 121 Min.
Regie: Fred Zinnemann
Cast: u.a. Paul Scofield, Leo McKern, Wendy Hiller, Susannah York, Nigel Davenport, Robert Shaw, John Hurt, Orson Welles, Corin Redgrave, Colin Blakely, Cyril Luckham, Vanessa Redgrave, Jack Gwillim, Thomas Heathcote, Yootha Joyce, Martin, Boddey Michael Latimer
alt. Titel: A Man for All Seasons
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Wild One (1953)‘, Bildquelle: The Wild One (1953), The Stanley Kramer Company

The Wild One (1953)

Stimmungen: aggressiv, laut, rebellisch

Zwei rivalisierende Motorradgangs terrorisieren eine US-amerikanische Kleinstadt. Obzwar der Film technisch verstaubt ist und beträchtlich an […]

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The Wild One (1953)

Zwei rivalisierende Motorradgangs terrorisieren eine US-amerikanische Kleinstadt. Obzwar der Film technisch verstaubt ist und beträchtlich an seiner einstigen Wirkungskraft verloren hat, ist er aufgrund seiner historischen Bedeutung für die damalige Zeit noch immer sehenswert. Marlon Brando und Lee Marvin spielen die beiden Anführer der gefährlichen Rowdys, die sich mit zielloser Aggressivität gegen alles und jeden auflehnen und keinerlei Autorität respektieren – Symbolfiguren rebellischer Jugend.
Genre: Drama
Länge: 79 Min.
Regie: Laslo Benedek
Cast: u.a. Marlon Brando, Mary Murphy, Lee Marvin, Robert Keith, Ray Teal, Jay C. Flippen
alt. Titel: Der Wilde
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Panther wird gehetzt (1960)‘, Bildquelle: Der Panther wird gehetzt (1960), TF1 International, Zebra Films

Der Panther wird gehetzt (1960)

Stimmungen: großstädtisch, kriminell, pessimistisch, urban

Nie war die malerische Côte d’Azur trister und einsamer: Es ist nicht die Handlung und auch nicht so sehr die Figuren […]

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Der Panther wird gehetzt (1960)

Nie war die malerische Côte d’Azur trister und einsamer: Es ist nicht die Handlung und auch nicht so sehr die Figuren, womit „Der Panther wird gehetzt“ sein Publikum packt und vereinnahmt, sondern die Atmosphäre, die diese finstere Gangsterballade – einer von Claude Sautets frühen Filmen – von der ersten Sekunde an entfaltet. Das oft romantisch angehauchte, metropolitane Paris erscheint gefühlskalt und leer. „Der Panther wird gehetzt“ erzählt vom schleichenden Verfall eines Ex-Gangsterbosses auf der Flucht, den seine arrivierten Freunde, die ihm fast alles zu verdanken haben, im Stich lassen, weil sie ihre neuerdings legale Position nicht aufs Spiel setzen wollen. Lino Ventura gibt diesem Abel Davos ein nachdenkliches, fatalistisches Gesicht – einem Mann, der einerseits ein schnell schießender Verbrecher, andererseits das Opfer irrtümlicher Loyalität ist. Und in der Nebenrolle des Eric Stark, eines kleinen, sympathischen Ganoven, der Davos beisteht, ist ein junger Jean-Paul Belmondo zu sehen. Wie als Vorgriff auf Sautets alltagsnahe Siebzigerjahre-Miniaturen fühlen sich die Gangster in „Der Panther wird gehetzt“ immer ein Stückchen realistischer an als in ähnlichen Filmen – vielleicht kein Wunder, war der Story-Urheber José Giovanni doch selbst einer gewesen.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 108 Min.
Regie: Claude Sautet
Cast: u.a. Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Sandra Milo, Claude Cerval, Michel Ardan, Marcel Dalio, Simone France, Michèle Méritz, Stan Krol, Robert Desnoux, Thierry Lavoye, René Génin, Jeanne Pérez, France Asselin, Evelyne Ker, Betty Schneider, Jean-Pierre Zola, Sylvain Levignac
alt. Titel: Classe tous risques
Text verfasst von: Robert Lorenz
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