Der Leopard (1963)
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Die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen des Risorgimento – der italienischen Nationalstaatsbewegung –, der Untergang der Aristokratie zugunsten eines neureichen Bürgertums bilden die historische Kulisse von Luchino Viscontis Bestsellerverfilmung, die im Ruf eines kinematografischen Meisterwerks steht.
Burt Lancaster spielt den sizilianischen Prinzen Don Fabrizio Salina, einen Aristokraten, der das nahende Ende der Adelsprivilegien erkennt, selbst aber nicht mehr zum Wandel fähig ist. Alain Delon ist sein opportunistischer Neffe Tancredi, der den verarmten Adel repräsentiert und in die wohlhabende Bourgeoisie einheiratet. Und Claudia Cardinale ist die junge Sizilianerin Angelica, die Tochter eines Revolutionsgewinners, der über das monetäre, nicht aber das kulturelle Kapital zum Eintritt in die Oberschicht verfügt.
„Der Leopard“ zeigt eine vom Aussterben bedrohte Welt, eine entkräftete Opulenz, einen seltsamen Mikrokosmos, in epischer Langatmigkeit erzählt. Grandios ist der statusbewusste Prunk einer alteingesessenen Elite, der sich in fabelhaften Bildern manifestiert. Fast wirkt Viscontis Werk wie ein Spiegel seines Objektes, der erodierenden Aristokratie – weil es sich um einen Film handelt, wie man ihn heute nicht mehr drehen würde. Sein Höhepunkt ist der große Ball am Ende, der noch einmal die ganze Pracht der anachronistischen Oberschicht entfaltet, während die politische und plutokratische Macht in Italien längst an andere übergegangen ist.