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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Five Graves to Cairo (1943)‘, Bildquelle: Five Graves to Cairo (1943), Paramount Pictures, EMKA

Five Graves to Cairo (1943)

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Five Graves to Cairo (1943)

Gerade als der echte Erwin Rommel mit seinem „Afrikakorps“ an der Schwelle zum Nil, im ägyptischen El Alamein, mit dem versuchten Vormarsch in den Nahen Osten gescheitert war, kam dieser Film in die Kinos, der eine – fiktive – Vorgeschichte des historischen Sieges der 8. britischen Armee über die Wehrmachtstruppen lieferte. Mit „Five Graves to Cairo“ wagte Billy Wilder damals ausgerechnet vor diesem ernsten Hintergrund einen kühnen Genremix aus Verwechslungskomödie, Kriminal- und Kriegsdrama (es geht um den einzigen überlebenden einer britischen Panzerbesatzung, der in einem von Deutschen besetzten Hotel landet und sich unwissentlich mit der brisanten Identität eines kürzlich Verstorbenen tarnt). Und er traf eine glänzende Wahl für die Rommel-Rolle: Erich v. Stroheim, der für seine maßlosen Budgetüberschreitungen berüchtigte Stummfilmregisseur, liefert mit seiner Aufmerksamkeit für winzige Details – kurze Handbewegungen, beiläufige Augen-Blicke – ein imposantes Porträt des deutschen Generalfeldmarschalls, das bisweilen an Method Acting im Stile von Brando oder Pacino erinnert. Für die heutige Regielegende Wilder war sein zweiter Film als Regisseur einer der schwierigsten – sah er sich doch unter dem Erwartungsdruck, seine Befähigung zum Regiehandwerk abermals unter Beweis zu stellen. Er bestand mit Bravour; mit seinem Setting in der Abgeschiedenheit der nordafrikanischen Wüste (die in Wirklichkeit in Arizona lag), seiner Dialoglastigkeit und dem Hotel als de facto einziger Location wirkt Wilders Film selbst heute noch recht flott.
Genre: Drama
Länge: 92 Min.
Regie: Billy Wilder
Cast: u.a. Franchot Tone, Anne Baxter, Erich v. Stroheim, Akim Tamiroff, Peter van Eyck, Fortunio Bonanova, Miles Mander, Konstantin Shayne, Ian Keith
alt. Titel: Fünf Gräber bis Kairo
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Szene aus ‚Picknick im Pyjama (1957)‘, Bildquelle: Picknick im Pyjama (1957), Warner Bros. Pictures

Picknick im Pyjama (1957)

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Picknick im Pyjama (1957)

Eine Pyjamafabrik im Mittleren Westen, die Belegschaft geht für eine Gehaltserhöhung in den Streik – Doris Day ist die Gewerkschaftsführerin, John Raitt der Produktionsverantwortliche, doch die beiden Arbeitskontrahenten sind eigentlich ein Liebespaar. „Picknick im Pyjama“ ist die Verfilmung eines erfolgreichen Musicals, dessen Ensemble, mit Ausnahme der Protagonistin, für die Hollywood-Adaption übernommen wurde. Der Film schockiert in manchen Szenen durch seine patriarchalen Geschlechterrollen, nur um sie sogleich selbst in anderen Szenen wieder feministisch zu konterkarieren. Und für seine Zeit ist er bemerkenswert sexuell, die Texte der Songs und mancher Dialoge lassen sich jedenfalls ganz eindeutig zweideutig verstehen. Aber das Herz des Films sind doch die von Bob Fosse choreografierten Tanznummern. Sie sind, ganz Fosse-typisch, auf ultimative Perfektion ausgelegt – und die Drangsal der Tänzerinnen und Tänzer bei ihrer Ausführung ist förmlich spürbar, beinhalten sie doch so unglaublich viele Fallstricke, die den Dreh vermutlich zu einer Tortur gestaltet haben. Besonders die (ungeschnittene) Szene mit den beiden Protagonisten – von Doris Day und John Raitt exzellent dargeboten –, in der sie vor einem kleinen Haus „There Once Was a Man“ performen, lässt einen ob der präzisen Bewegungsabläufe staunen. Was die Fosse-Choreografie – mehr Tumult als Tanz – hier leistet, ist so genial, dass sie allein den Film lohnt.
Genre: Romantisches Musical
Länge: 97 Min.
Regie: George Abbott, Stanley Donen
Cast: u.a. Doris Day, John Raitt, Carol Haney, Eddie Foy Jr., Reta Shaw, Thelma Pelish, Barbara Nichols, Jack Straw, Ralph Dunn, Franklyn Fox
alt. Titel: The Pajama Game
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Szene aus ‚Five Easy Pieces (1970)‘, Bildquelle: Five Easy Pieces (1970), Columbia Tristar

Five Easy Pieces (1970)

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Five Easy Pieces (1970)

Robert Eroica Dupea ist ein Aussteiger, ein Eskapist, der lieber auf einem Ölfeld malocht, als dem sozialen Hintergrund seiner Familie aus dem kultivierten Bildungsbürgertum gerecht zu werden. Seine musikalischen Talente lässt er im Lebensstil eines Rednecks in Bars und Bowlinghallen verkommen, mit seiner bildungsfernen Freundin Rayette, die er gelegentlich betrügt, haust er in White-trash-Manier in einem kleinen Appartement. Als Dupea von den Schlaganfällen seines Vaters hört, sieht er sich zum Besuch seines Elternhauses an der Nordwestküste genötigt. „Five Easy Pieces“, den manche Kritiker für den besten Film über die US-amerikanische Gesellschaft jener Zeit halten, verströmt in der Tat die ernüchterte Atmosphäre der Vietnamkriegs-USA, als mit den Kennedy-Brüdern und Martin Luther King liberale Hoffnungsträger ausgelöscht worden waren. Für seine starke Rolle erhielt Jack Nicholson die zweite „Oscar“-Nominierung.
Genre: Drama
Länge: 98 Min.
Regie: Bob Rafelson
Cast: u.a. Jack Nicholson, Karen Black, Susan Anspach, Billy Green Bush, Ralph Waite, Helena Kallianiotes, John P. Ryan, William Challee, Sally Struthers
alt. Titel: Ein Mann sucht sich selbst
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Szene aus ‚This Sporting Life (1963)‘, Bildquelle: This Sporting Life (1963), Independent Artists

This Sporting Life (1963)

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This Sporting Life (1963)

Das Kitchen sink-Drama der British New Wave konzentriert sich vorzugsweise auf die unteren Schichten der britischen Gesellschaft, dabei häufig auf Menschen, die überkommene Klassenschranken nicht mehr akzeptieren und ihren Ambitionen freien Lauf lassen. Insofern lieferte Richard Harris damals eine geradezu archetypische Performance, als er den kraftstrotzenden Bergarbeiter Frank Machin sehr lebendig konturierte, mit seinem unbedinten Aufstiegs- und Erfolgswillen, den er ganz verbissen als hartgesottener Rugby-Profi in einer englischen Industriestadt verfolgte. Großartig, wie er als neureicher Parvenü den Habitus der Upperclass zu imitieren versucht – aber weitaus großartiger ist Rachel Roberts als junge Witwe Mrs. Hammond, die sich von alledem nicht beeindrucken lässt, zugleich aber ähnlich unfähig zum Glück wie Machin ist.
Genre: Drama
Länge: 124 Min.
Regie: Lindsay Anderson
Cast: u.a. Richard Harris, Rachel Roberts, Colin Blakely, Alan Badel, William Hartnell, Vanda Godsell, Arthur Lowe, Anne Cunningham, Jack Watson, Leonard Rossiter, Bernadette Benson, Andrew Nolan, Frank Windsor
alt. Titel: Lockender Lorbeer
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Szene aus ‚Eddie Macon’s Run (1983)‘, Bildquelle: Eddie Macon’s Run (1983), Universal City Studios

Eddie Macon’s Run (1983)

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Eddie Macon’s Run (1983)

Rückblenden erzählen von der Ungerechtigkeit, die den jungen Familienvater Eddie Macon in den texanischen Knast von Huntsville gebracht hat – aus dem bricht er während eines Gefängnisrodeos aus und begibt sich auf eine minutiös geplante Flucht zur mexikanischen Grenze. Der alte New Yorker Cop Marzack, gespielt vom damals bereits alten Kirk Douglas, jagt Macon durch Texas – es geht ihm um eine kleine Revanche, noch mehr aber um die Selbstbestätigung, flüchtige Verbrecher mit überlegener Rafinesse wieder einzufangen. In der Titelrolle debütiert der „Dukes of Hazard“-Serienheld John Schneider sehr souverän auf der großen Leinwand, in filigranen Nebenrollen tauchen später namhafte Schauspieler wie John Goodman oder J.T. Walsh auf. Ohnehin ist „Eddie Macon’s Run“ ein Film der Performances: Lee Purcell gibt dem letzten Teil einen Touch sanfter Romantik; und Jay O. Sanders, Tom Noonan sowie Lisa Dunsheath legen eine aberwitzige Sequenz als durchgeknallte Texas-Rancher in Lynchlaune hin – ihre psychopathisch selbstgerechten Charaktere könnten nahezu unverändert in einer „Fargo“-Staffel auftauchen.
Genre: Drama
Länge: 95 Min.
Regie: Jeff Kanew
Cast: u.a. John Schneider, Kirk Douglas, Lee Purcell, Lisa Dunsheath, Leah Ayres, Jay O. Sanders, Tom Noonan, J.C. Quinn, Gil Rogers, Todd Allen, Nesbitt Blaisdell, John Goodman, Matthew Cowles, Dann Florek, J.T. Walsh, Mark Margolis, Jim Gough, Lou Hancock
alt. Titel: Eddie Macons Flucht/Kopfjagd
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Szene aus ‚Das Attentat (1972)‘, Bildquelle: Das Attentat (1972), Studiocanal

Das Attentat (1972)

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Das Attentat (1972)

Die Handlung von „Das Attentat“ würde heute kaum mehr jemanden sonderlich bewegen, aber damals – so kurz nach ’68 –, zu einer ideologisch aufgeheizten Zeit, dürfte der Thriller ungleich brisanter gewesen sein; nicht zuletzt, da er auf die reale Ermordung des marokkanischen Oppositionellen Ben Barka im Jahr 1965 anspielte. Ein afrikanischer Diktator will einen gefährlichen Kontrahenten ausschalten und gewinnt dafür die Geheimdienste des Westens. Jean-Louis Trintignant spielt den eigentlich links gesonnenen Journalisten Darien, der sich zum Handlanger dieser düsteren Allianz macht, um sich von der Polizei freizukaufen. Der neben Trintignant u.a. mit Jean Seberg, Michel Piccoli oder Philippe Noiret hervorragend besetzte Film legt über das Paris der frühen Siebziger eine triste, pessimistische Patina und inszeniert einen spannenden Reigen gewissenloser Bürokraten, eiskalter Killer und selbtgefälliger Manipulanten.
Genre: Thriller
Länge: 118 Min.
Regie: Yves Boisset
Cast: u.a. Jean-Louis Trintignant, Jean Seberg, Gian Maria Volontè, Michel Piccoli, Michel Bouquet, Bruno Cremer, Daniel Ivernel, Philippe Noiret, François Périer, Roy Scheider, Jacques François, Jean Bouise, Nigel Davenport, Karl-Otto Alberty
alt. Titel: L’Attentat
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Szene aus ‚400 Meilen westwärts (1975)‘, Bildquelle: 400 Meilen westwärts (1975), Vista Company, Columbia Pictures

400 Meilen westwärts (1975)

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400 Meilen westwärts (1975)

Eine Handvoll Reiter nehmen im Jahr 1906 an einem Wettrennen teil, das sie über 700 Meilen durch die US-amerikanische Wildnis führt – die Yellow Press, die den Voyeurismus der Massen genau kennt, will das Spektakel mit einer weltweiten Berichterstattung ausbeuten. Die Beteiligten: Gene Hackman als Tierfreund, der den Umgang mit Pferden durch die vermeintlich zivilisierten Menschen mit immer neuer Fassungslosigkeit beobachtet; James Coburn, der mit seinem Haudegengesicht perfekt in die Szenerie dieses Films passt; Candice Bergen als Gelegenheitsprostituierte, Jan-Michael Vincent als überheblicher Heißsporn; Mario Artega als Mexikaner, der seines kaputten Zahnes wegen auf die titelgebende Patronenhülse beißt; Ian Bannen als englischer Edelmann, der eine berühernde Szene spielt, als er mit den Konsequenzen seines naiven Sportsmanngeistes konfrontiert wird; und Ben Johnson, dessen ausgemusterter Cowhand am Lagerfeuer einen Epilog auf den Alten Westen hält, der allein „400 Meilen westwärts“ bereits sehenswert macht (neben der beeindruckenden Kamera von Harry Stradling Jr.).
Genre: Western-Drama
Länge: 126 Min.
Regie: Richard Brooks
Cast: u.a. Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Jan-Michael Vincent, Mario Artega, Ian Bannen, Ben Johnson, Jean Willes, Dabney Coleman, Robert Donner, Sally Kirkland, Paul Stewart
alt. Titel: Bite the Bullet
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Szene aus ‚Die Schlange im Regenbogen (1988)‘, Bildquelle: Die Schlange im Regenbogen (1988), Serpent and the Rainbow Prod.

Die Schlange im Regenbogen (1988)

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Die Schlange im Regenbogen (1988)

Es war nicht das erste Mal, dass in einem Film wissenschaftliche Neugier ins Verderben führt – hier aber wird sie zur Obsession, die den US-amerikanischen Anthropologe Dennis Alan in einen Folterkeller der paramilitärischen Tonton Macoute und sogar lebendig ins Grab versetzt. Bill Pullman spielt ziemlich stark eine Figur, die im diktatorisch regierten Haiti durch eine mysteriöse Voodoo-Welt taumelt, um im Auftrag eines Pharmakonzerns eine geheimnisvolle Substanz zu enträtseln. Regisseur Wes Craven inszeniert eine okkulte Atmosphäre, in welcher Realität und Wahnvorstellungen verschmelzen – so, wie auch Wirklichkeit und Fiktion, greift der Film doch den damaligen Zusammenbruch des Duvalier-Regimes in Haiti und den Voodoo-Kult einiger seiner Handlanger auf.
Genre: Horror-Mystery
Länge: 94 Min.
Regie: Wes Craven
Cast: u.a. Bill Pullman, Cathy Tyson, Zakes Mokae, Brent Jennings, Paul Winfield, Conrad Roberts, Badja Djola, Theresa Merritt, Michael Gough, Paul Guilfoyle, Dey Young, Evencio Mosquera Slaco
alt. Titel: The Serpent and the Rainbow
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Szene aus ‚Verdammt in alle Ewigkeit (1953)‘, Bildquelle: Verdammt in alle Ewigkeit (1953), Columbia Pictures

Verdammt in alle Ewigkeit (1953)

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Verdammt in alle Ewigkeit (1953)

Ein Film der Superlative: 13 „Oscar“-Nominierungen und davon acht Auszeichnungen (u.a. in den begehrten Premiumkategorien „Bester Film“, „Beste Nebendarstellerin“, „Bester Nebendarsteller“ und „Bester Regisseur“); Deborah Kerr und Burt Lancaster wälzen sich in einer der berühmtesten Liebesszenen überhaupt mit ihren nassen Körpern auf dem Strand von Hawaii; und Montgomery Clift legt eines der traurigsten Gesichter der Filmgeschichte auf. Hawaii 1941, im Jahr des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor, ist der Schauplatz für die Unbeugsamkeit des Gefreiten Prewitt (Clift), das tragische Scheitern seines Kameraden Maggio (Frank Sinatra) und die Affäre eines akkuraten Sergeants (Lancaster) mit der Frau seines Vorgesetzten (Kerr).
Genre: Drama
Länge: 113 Min.
Regie: Fred Zinnemann
Cast: u.a. Montgomery Clift, Burt Lancaster, Deborah Kerr, Donna Reed, Frank Sinatra, Philip Ober, Mickey Shaughnessy, Ernest Borgnine, Jack Warden, Harry Bellaver, Claude Akins, Barbara Morrison, John Dennis, Tim Ryan, Merle Travis
alt. Titel: From Here to Eternity
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Szene aus ‚Der Garten des Bösen (1954)‘, Bildquelle: Der Garten des Bösen (1954), Twentieth Century-Fox

Der Garten des Bösen (1954)

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Der Garten des Bösen (1954)

Wie Konquistadoren, in der Erwartung baldiger Selbstbereicherung, lassen sie ihre Blicke schweifen, am Strand des mexikanischen Küstenstädtchens, in dem sie gerade angekommen sind. Die drei Glücksritter, ein Ex-Sheriff, ein Kartenspieler und ein Heißsporn – gespielt von Gary Cooper, Richard Widmark und Cameron Mitchell – lassen sich für eine hohe Gage sogleich von einer Frau (Susan Hayward) für eine ominöse Rettungsaktion in den Bergen anheuern. Umzingelt von Apachen, scheint die ohnehin strapaziöse Mission, einen verschütteten Goldgräber zu bergen, ohne Wiederkehr. Aufgenommen in CinemaScope, taucht der Spezialist für Westernlandschaften Henry Hathaway die Szenerie in opulente Bilder, hinter denen die Figuren manches Mal zurückstehen. „Garden of Evil“ fasziniert weniger durch die Handlung, die Anspielung auf die verhängnisvolle Zerstörungskraft der Goldgräberparanoia oder die Performances des gelungenen Casts, als vielmehr durch seinen Breitbild-Technicolor-Charme – als herausragender Vertreter einer ganz eigenen Kategorie von Film.
Genre: Abenteuer-Western
Länge: 100 Min.
Regie: Henry Hathaway
Cast: u.a. Gary Cooper, Susan Hayward, Richard Widmark, Cameron Mitchell, Victor Manuel Mendoza, Hugh Marlowe, Rita Moreno
alt. Titel: Garden of Evil
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Szene aus ‚The Entertainer (1960)‘, Bildquelle: The Entertainer (1960), Woodfall Film Prod., British Lion Films, Bryanston Films

The Entertainer (1960)

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The Entertainer (1960)

Archie Rice schwingt seinen Stock, vollführt kleine Stepptänze und macht einen Scherz nach dem anderen, doch die Ränge vor ihm in den „Morecambe Winter Gardens“, seinem anachronistischen Unterhaltungstempel, sind lediglich sporadisch besetzt. Laurence Olivier, damals in seinen frühen Fünfzigern, porträtiert den gescheiterten, chronisch bankrotten Music-hall-Performer mit einer Perfektion und Detailliebe, die kaum anders denn als Ausweis überragender Schauspielkunst gesehen werden können. Die schicksalhaften Blicke, die geplagten Sottisen oder die Tanz- und Gageinlagen ergänzen sich zu einer großartigen Leinwandperformance. In tragikomischer, unterschwellig zynischer Manier arbeitet „The Entertainer“ heraus, welch Tragik und Leid sich hinter professioneller Publikumsunterhaltung verbergen können und wie die unaufhörliche Sehnsucht nach dem großen Erfolg eine Familie zerrüttet.
Genre: Drama
Länge: 104 Min.
Regie: Tony Richardson
Cast: u.a. Laurence Olivier, Joan Plowright, Brenda de Banzie, Roger Livesey, Alan Bates, Daniel Massey, Shirley Ann Field, Thora Hird, Albert Finney, Miriam Karlin, Geoffrey Toone, Charles Gray, Nigel Davenport
alt. Titel: Der Komödiant
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Szene aus ‚Saturday Night and Sunday Morning (1960)‘, Bildquelle: Saturday Night and Sunday Morning (1960), Woodfall Film Prod.

Saturday Night and Sunday Morning (1960)

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Saturday Night and Sunday Morning (1960)

Im Zentrum dieses Klassikers der British New Wave, die kontroverse Themen des „echten“ Lebens aufgriff und die Arbeiterklasse ins Zentrum ihrer Erzählungen rückte, steht der junge Fabrikarbeiter Arthur Seaton – ein selbstbewusster Sozialschuft, der keine Lust hat, sein Leben in den engen Moralgrenzen seiner Herkunftsschicht zu vergeuden. Albert Finney spielt ihn in seiner ersten großen Filmrolle. Finneys Prolet ergeht sich in einem hedonistischen Pub- und Rummeleskapismus, den sich auch die Arbeiterklasse von Nottingham leisten kann. Eine damals skandalöse Freizügigkeit im Umgang mit Promiskuität, Ehebruch oder Abtreibung; und eine frische Authentizität, transportiert durch kongeniale Performances.
Genre: Drama
Länge: 89 Min.
Regie: Karel Reisz
Cast: u.a. Albert Finney, Rachel Roberts, Shirley Ann Field, Norman Rossington, Hylda Baker, Bryan Pringle, Edna Morris, Elsie Wagstaff, Frank Pettitt, Robert Cawdron, Irene Richmond, Colin Blakely, Louise Dunn
alt. Titel: Samstagnacht bis Sonntagmorgen
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Szene aus ‚Kent State (1981)‘, Bildquelle: Kent State (1981), Inter Planetary, Osmond Communications

Kent State (1981)

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Kent State (1981)

Als Richard Nixon am 29. April 1970 die Invasion Kambodschas verkündete, erreichten die Anti-Vietnamkriegsproteste eine neue Phase – deren tragisches Kapitel das Kent-State-Massaker bildete. Vor dem hochpolitisierten Hintergrundrauschen der Megafonproteste marschierte in den ersten Maitagen urplötzlich die Nationalgarde von Ohio auf dem Campus der Kent State University auf – die großenteils gleichaltrigen Soldaten richteten ihre Bajonette gegen die protestierenden Studierenden, die mit ihren Demonstrationen gegen eine Ausgangssperre verstießen. Der ein Jahrzehnt später gedrehte Film geht wenig dramaturgische Kompromisse ein und ist eine akribische Rekonstruktion der kontroversen Ereignisse, der vor allem gelingt, die surreale Atmosphäre der eskalierenden Konfrontation einzufangen. Obendrein sind die beklemmenden Szenen mit Neil Youngs berühmtem Anklagesong „Ohio“ untermalt, der sich auf ebendiese Geschehnisse bezieht: „Tin soldiers and Nixon coming […] Four dead in Ohio.“ Trotz der optischen Fernsehfilmqualität ist James Goldstones Zweieinhalb-Stunden-Werk mit seiner packenden Inszenierung ungemein sehenswert.
Genre: Drama
Länge: 146 Min.
Regie: James Goldstone
Cast: u.a. Ellen Barkin, Talia Balsam, Will Patton, Mark Soper, Keith Gordon, Jane Fleiss, Charley Lang, Jeff McCracken, Peter Miner, Michael Higgins, John Getz, Michael Horton, Steve Beauchamp, David Marshall Grant, Barry Snider, John Kellogg, Jordan Williams, Ann Gillespie, Roxanne Hart, Shepperd Strudwick, Jerome Dempsey, Michael Horton, George Coe
alt. Titel: Tod auf dem Campus
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Szene aus ‚Bedazzled (1967)‘, Bildquelle: Bedazzled (1967), Twentieth Century Fox

Bedazzled (1967)

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Bedazzled (1967)

Goethes „Faust“ in den Swinging Sixties: Für sieben Wünsche verkauft Stanley Moon, der schüchterne Koch eines englischen Schnellrestaurants, seine Seele an den Teufel – auf dass der ihm hilft, Margaret rumzukriegen. Der Teufel, der sich in feinstem britischen understatement als George Spiggot vorstellt, lockt den gutgläubigen Verliebten immer wieder hinterlistig in den nächsten Wunsch. Die beiden Hauptdarsteller, Dudley Moore und Peter Cook, waren damals mit ihrer BBC-Show „Not Only … But also in Großbritannien als Vorboten von „Monty Python’s Flying Circus“ gerade zum erfolgreichen TV-Comedy-Duo avanciert und brennen in dieser Film-Komödie ein Feuerwerk absurden britischen Humors ab.
Genre: Fantasy-Komödie
Länge: 103 Min.
Regie: Stanley Donen
Cast: u.a. Dudley Moore, Peter Cook, Eleanor Bron, Raquel Welch, Robert Russell, Barry Humphries, Michael Bates, Robin Hawdon, Evelyn Moore, Alba, Parnell McGarry, Howard Goorney
alt. Titel: Mephisto ’68
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Szene aus ‚The Killing (1956)‘, Bildquelle: The Killing (1956), Harris-Kubrick Pictures, MGM

The Killing (1956)

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The Killing (1956)

Die Handlung ist zunächst nichts weiter als ein klassisches Heist-Szenario: Mit einer Handvoll Komplizen will Mastermind Johnny Clay bei einem Pferderennen ordentlich Verwirrung stiften und dabei die millionenschwere Wettkasse plündern – die meisten der Beteiligten sind unbescholtene Erwerbsbürger aus der unteren Mittelschicht, die eine einzigartige Chance zum finanziellen Ausbruch aus ihren blockierten Verhältnissen wittern. „The Killing“ zeigt dann die sukzessive Rekrutierung von Handlangern und die Ausführung der filigran aufeinander abgestimmten Schritte in einer Weise, die allein schon den ganzen Film sehenswert macht. Das Besondere aber, das „The Killing“ aus dem Genre-Einerlei herausragen lässt, ist das Tempo eines modernen Films, das schon weit weg vom klassischen Hollywood-Kino ist; und auch die Kamera, die mit den Charakteren in Gebäude hinein- oder hinausgeht, zwischen Schulter oder Bettstangen hindurchschaut, ein entflammtes Feuerzeug verfolgt, um von dem einen auf das andere Gesicht zu schwenken; und die Figuren wirken wie Vorlagen für spätere Tarantino- und Scorsese-Werke – ohnehin ist das Ganze mit einer für damalige Kinoverhältnisse unverschämten Blutbrutalität garniert. Das alles kündete schon damals von einer neuen, frischen Art, Filme zu drehen. Dahinter stand nicht zufällig kein Geringerer als Stanley Kubrick, einer der Protagonisten der innovativen, eigenwilligen New Hollywood-Ära, der sich mit dieser kommerziell erfolglosen Low-Budget-Produktion der Filmwelt als Regisseur voll ungeheurem Potenzial empfahl.
Genre: Thriller
Länge: 84 Min.
Regie: Stanley Kubrick
Cast: u.a. Sterling Hayden, Marie Windsor, Elisha Cook Jr., Jay C. Flippen, Coleen Gray, Ted de Corsia, Timothy Carey, Vince Edwards, Kola Kwariani, James Edwards, Joe Sawyer, Dorothy Adams, Jay Adler, Tito Vuolo, Joe Turkel
alt. Titel: Die Rechnung ging nicht auf
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