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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Der Wildeste unter Tausend (1963)‘, Bildquelle: Der Wildeste unter Tausend (1963), Paramount Pictures, Salem Prod., Dover Prod.

Der Wildeste unter Tausend (1963)

Stimmungen: aggressiv, familiär, texanisch

Morgens begegnet er am Gartenzaun den Ehemännern, deren Frauen er in der Nacht geliebt hat; tagsüber rast er in seinem Cadillac Convertible durch da […]

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Der Wildeste unter Tausend (1963)

Morgens begegnet er am Gartenzaun den Ehemännern, deren Frauen er in der Nacht geliebt hat; tagsüber rast er in seinem Cadillac Convertible durch das texanische Nest, in dem ganze Neubaugebiete zwischen die benachbarten Häuser passen würden – die Whiskeyflasche immer griffbereit: Hud ist ein ausgemachtes Heartland-Arschloch, ein blendend aussehender Kerl, der sich mit unablässigen Provokationen und Eskapaden in einem aggressiven, selbstgerechten Hedonismus ergeht, weil er mit seinem moralisch überlegenen Vater, einem Viehbaron und Traditionalisten, nicht auskommt. Das Schwarz-Weiß verleiht dem Familiendrama einen surrealen Unterton, der Ort wirkt seltsam zwiegespalten zwischen technischer Moderne und architektonischer wie mentaler Rückständigkeit, Huds Chromungetüm aus der „Motor City“ Detroit passt nicht recht in den Texasstaub. „Der Wildeste unter Tausend“ bietet dutzende Momentaufnahmen von tragischer Schönheit und der Score von Elmer Bernstein gibt dem ganzen Film – der zwischen den cholerischen Ausfällen des renitenten Hud und der Besonnenheit seines ehreblich jüngeren Neffen Lonnie oszilliert – einen tief melancholischen Spin.
Genre: Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Martin Ritt
Cast: u.a. Brandon De Wilde, Paul Newman, Melvyn Douglas, Patricia Neal, Whit Bissell, Crahan Denton, John Ashley, Val Avery, George Petrie, Yvette Vickers
alt. Titel: Hud
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Szene aus ‚Misery (1990)‘, Bildquelle: Misery (1990), Castle Rock Entertainment, Twentieth Century Fox

Misery (1990)

Kathy Bates’ „Oscar“-Rolle als durchgedrehte Krankenschwester, die ihren Lieblingsautor nach einem Autounfall versorgt – und gefangen hält, dam […]

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Misery (1990)

Kathy Bates’ „Oscar“-Rolle als durchgedrehte Krankenschwester, die ihren Lieblingsautor nach einem Autounfall versorgt – und gefangen hält, damit er die Romanserie fortsetzt, die sie so liebt. James Caan spielt diesen Schriftsteller, für den sich die Rettung aus dem Fahrzeugwrack als Tortur herausstellt, der er mit wachsender Verzweiflung zu entfliehen sucht – ein irrsinnig gutes Kammerspiel in einem abgelegenen Haus im verschneiten Colorado.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Rob Reiner
Cast: u.a. Kathy Bates, James Caan, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen, J.T. Walsh
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Szene aus ‚The Big Sleep (1946)‘, Bildquelle: The Big Sleep (1946), Turner Entertainment, Warner Bros.

The Big Sleep (1946)

Stimmungen: amourös, kriminell

Humphrey Bogart ist Philip Marlowe, Privatdetektiv (aus der Feder von Raymond Chandler), der f […]

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The Big Sleep (1946)

Humphrey Bogart ist Philip Marlowe, Privatdetektiv (aus der Feder von Raymond Chandler), der für einen siechen Alten ein Familienproblem klären soll – natürlich diskret, damit man in den Kreisen der reichen Neoaristokratie nicht befleckt wird. Marlowe kommt dabei einem Mord auf die Schliche, trifft düstere Typen und laszive Frauen. Präzise konfrontiert er seine Gegenüber mit unangenehmen Wahrheiten – ein faszinierender Noir-Klassiker. Und während Bogart in seiner lakonischen Art unablässig flirtet, ist er für die Frauen im Film seinerseits ein Lustobjekt.

Genre: Noir-Thriller
Länge: 114 Min.
Regie: Howard Hawks
Cast: u.a. Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Martha Vickers, Dorothy Malone, John Ridgely, Regis Toomey, Peggy Knudsen, Charles Waldron, Elisha Cook Jr., Charles D. Brown
alt. Titel: Tote schlafen fest
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Szene aus ‚Love Story (1970)‘, Bildquelle: Love Story (1970), Love Story Company, Paramount Pictures

Love Story (1970)

Stimmungen: amourös, tragisch, traurig, universitär

Love Story“ ist eine der schönsten und zugleich traurigsten Liebesgeschichten, die je verfilmt wurden. Und es ist ein Film, der auf erstaunliche Weise […]

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Love Story (1970)

Love Story“ ist eine der schönsten und zugleich traurigsten Liebesgeschichten, die je verfilmt wurden. Und es ist ein Film, der auf erstaunliche Weise seine Widersprüchlichkeiten auflöst: Von der ersten Szene an kennt man den Ausgang der Geschichte, aber langweilt sich nie; und dieses tragische Ende der Erzählung verhindert doch nicht, dass eine sympathische Romantik den Film durchströmt – die trotz des Potenzials nie in sentimentalen Kitsch verfällt. „Love Story“ ist eine aus dem Leben gegriffene Introspektion des Schicksals – so, wie er zu Beginn hineinzoomt, entfernt sich der Film am Ende wieder aus diesem Leben, aus derselben Szene. Der Film erzählt von der Liebe zwischen der ambitionierten Studentin Jenny Cavilleri und dem Millionärssohn Oliver Barrett IV, einem angehenden Juristen, dem der Reichtum und das Prestige seines Elternhauses mehr Bürde denn Erleichterung sind. Von Beginn an liegt über den Bildern eine schwermütige Patina, verstärkt durch die unvergleichliche Atmosphäre des winterlichen New York am Ende der politisch und kutlurell turbulenten Sechziger, zumal angereichert mit der elitären Ivy-League-Aura. Ali MacGraws Performance vergrößert ihre Wirkkraft quasi minütlich; und Ryan O’Neal spielt perfekt einen romantischen Sturkopf, der an einem schwelenden Vater-Sohn-Konflikt leidet (eine famose Besetzung: der Vierziger-Jahre-Star Ray Milland). Visuell und erzählerisch bildet „Love Story“ eine interessante Schnittstelle zwischen dem Sechziger- und Siebzigerjahrekino.
Genre: Drama
Länge: 96 Min.
Regie: Arthur Hiller
Cast: u.a. Ali MacGraw, Ryan O’Neal, Ray Milland, John Marley, Russell Nype, Tommy Lee Jones, Katharine Balfour, Sydney Walker, Robert Modica, John Merensky
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Szene aus ‚The Big Heat (1953)‘, Bildquelle: The Big Heat (1953), Columbia Pictures

The Big Heat (1953)

Stimmung: düster

Der Kriminalkommissar Dave Bannion kommt einem korrupten Netzwerk auf die Schliche und macht sich mit seiner unnachgiebigen Fahndung mörderische Feinde. „ […]

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The Big Heat (1953)

Der Kriminalkommissar Dave Bannion kommt einem korrupten Netzwerk auf die Schliche und macht sich mit seiner unnachgiebigen Fahndung mörderische Feinde. „The Big Heat“ arbeitet gemäß dem klassischen Film-noir-Muster, bei dem der latent düstere Protagonist einen Parcours aus Lügnern, Egoisten und Mördern durchläuft, ehe er das ganze kriminelle Geflecht vollumfänglich aufdeckt. Was den Film aber besonders macht, ist zum einen Glenn Fords Verwandlung seines freudigen Familienvaters in einen finsteren Racheengel; und zum anderen die für das damalige Kino ungewohnt selbstbewussten Frauen, die Gangsterbosse erpressen oder sich selbst rächen. In einer Nebenrolle ist ein noch beinahe pausbäckiger Lee Marvin als Gewalttäter zu sehen.
Genre: Noir-Thriller
Länge: 86 Min.
Regie: Fritz Lang
Cast: u.a. Glenn Ford, Gloria Grahame, Lee Marvin, Jocelyn Brando, Alexander Scourby, Jeanette Nolan, Howard Wendell, Willis Bouchey, Adam Williams, Peter Whitney, Edith Evanson, Dorothy Green, Dan Seymour, John Crawford
alt. Titel: Heißes Eisen
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Szene aus ‚Human Desire (1954)‘, Bildquelle: Human Desire (1954), Columbia Pictures

Human Desire (1954)

Stimmung: amourös

Im Heartland-Kleinbürgertum der USA tappen drei Menschen im moralischen Dunkeln und entdecken die Schattenseiten ihrer selbst – und die Frage ist, wer am E […]

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Human Desire (1954)

Im Heartland-Kleinbürgertum der USA tappen drei Menschen im moralischen Dunkeln und entdecken die Schattenseiten ihrer selbst – und die Frage ist, wer am Ende in der seelischen Finsternis verschwindet. Ein Eifersuchtsmord, eine Frau, die im sozialen Überlebenskampf zu extremen Mitteln greifen will, ein Koreaveteran, der nach dem Krieg in seinen alten Beruf als Lokführer zurückkehrt: „Human Desire“ amalgamiert Alltägliches mit Außergewöhnlichem. Eine ganz eigene Note erhält dieser Film noir durch die aus dem Führerhaus gefilmten Eisenbahnfahrten am Anfang und Ende von „Human Desire“; überhaupt scheint eine Faszination der Regie für das Land und dessen technische Bändigung durch die Eisenbahn durch: die Einfahrt in die Kleinstädte des US-amerikanischen Südwestens, die erstaunlich modern-geräumigen Abteile, Close-ups der Mechanik – die Züge repräsentieren hier Modernität und Weite der Vereinigten Staaten.
Genre: Noir-Drama
Länge: 91 Min.
Regie: Fritz Lang
Cast: u.a. Glenn Ford, Gloria Grahame, Broderick Crawford, Kathleen Case, Edgar Buchanan, Diane DeLaire, Peggy Maley,Grandon Rhodes, Paul Brinegar, Dan Seymour
alt. Titel: Lebensgier
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Szene aus ‚Night and the City (1950)‘, Bildquelle: Night and the City (1950), Twentieth Century-Fox

Night and the City (1950)

Stimmungen: dunkel, düster, finster, kriminell, nächtlich, tragisch, urban

Nacht für Nacht lockt Harry Fabian in London Touristen in einen Nachtklub. Fabian ist ein Getriebener, ein kleines Unterweltgewächs, […]

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Night and the City (1950)

Nacht für Nacht lockt Harry Fabian in London Touristen in einen Nachtklub. Fabian ist ein Getriebener, ein kleines Unterweltgewächs, ständig bedroht, von seinem pathologischen Geltungsdrang zugrunde gerichtet zu werden. Die Obsession, etwas ganz Großes zu erreichen – hier: die Londoner Wrestlingszene zu kontrollieren –, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Seinen tragischen Größenwahn erkennt man, als er einmal Geld in die Hand bekommt und sich arriviert wähnt. Draußen am Gebäude, in das er sich mit seinem neuen Unternehmen eingemietet hat, prangt eine riesige Schildkonstruktion, drinnen auf seinem Schreibtisch trägt eine massive Figur das Namensschild mit dem Zusatz „Managing Director“ auf ihren Schultern. Mit fast manischen Blicken und Gesten hetzt Fabian – ungemein packend gespielt vom jungen Richard Widmark – durch die Londoner Nacht, um mit Intrigen und Manipulationen, die so filigran wie erbärmlich sind, die gewitterte, lang ersehnte Chance endlich zu ergreifen. „Night and the City“ ist originelle Noir-Variante, mit interessanter Kameraführung, magnetischen Perspektiven und gleich einer ganzen Reihe exzellenter Performances.
Genre: Noir-Thriller
Länge: 96 Min.
Regie: Jules Dassin
Cast: u.a. Richard Widmark, Googie Withers, Francis L. Sullivan, Herbert Lom, Gene Tierney, Stanislaus Zbyszko, Mike Mazurki, Ada Reeve, Hugh Marlowe, Ken Richmond, Charles Farrell
alt. Titel: Die Ratte von Soho
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Szene aus ‚The Taking of Pelham One Two Three (1974)‘, Bildquelle: The Taking of Pelham One Two Three (1974), United Artists, MGM

The Taking of Pelham One Two Three (1974)

Stimmungen: kriminell, spannend, urban

Das elektronische Überwachungssystem ist der ganze Stolz der New Yorker U-Bahn. Gerade als Zachary Garber, Sicherheitsinspektor der New York […]

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The Taking of Pelham One Two Three (1974)

Das elektronische Überwachungssystem ist der ganze Stolz der New Yorker U-Bahn. Gerade als Zachary Garber, Sicherheitsinspektor der New York City Transit Authority, seinen Kollegen aus Tokio die Büros zeigt, entführen Gangster einen ganzen Wagen mit 18 Geiseln an Bord. Eine Million Dollar – damals freilich eine weitaus imposantere Summe als heute – wollen die Hijacker erpressen; ein enges Zeitlimit ist gesetzt, ehe mit jeder verspäteten Minute ein Fahrgast stirbt. Die Polizei steht unter Druck, der ohnehin unbeliebte Bürgermeister fürchtet um seine Wiederwahl und währenddessen steht Garber am Mikrofon in Kontakt mit dem Kopf der Entführer, einem Ex-Söldner. Ständig wird hin- und hergeschaltet zwischen dem Untergrundzug mit seinem Neonlicht in der Düsternis des Tunnels und der Schaltzentrale mit ihrer Technik und Optik in der charakteristischen Farbwelt der frühen 1970er Jahre. Die Gangster – deren Pseudonyme (Mr. Blue, Mr. Green, Mr. Grey und Mr. Brown) die Vorlage für Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs-Halunken bildeten – sind stark besetzt, auch die Gegenseite u.a. mit Jerry Stiller als Cop oder Julius Harris als Polizeikommandant ist gelungen, viel New Yorker Akzent inklusive. Robert Shaw als eiskaltes Mastermind und Walter Matthau als sein stoischer Gegenspieler finden hier zu einer extrem sehenswerten Balance. „The Taking of Pelham One Two Three“, eine Romanverfilmung, lenkt sein Publikum auf die Frage, wie die Behörden auf das Verbrechen reagieren – vom inkompetenten Stadtoberhaupt über schießfreudige Polizisten bis zum Nonkonformisten als einzigem echten Troubleshooter lässt der Film, ganz New Hoolywood like, kein gutes Haar an der Staatsmacht. Und im damaligen New York sieht obendrein alles immer eine Spur schmutziger aus als in heutigen Filmen.
Genre: Thriller
Länge: 105 Min.
Regie: Joseph Sargent
Cast: u.a. Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Jerry Stiller, Earl Hindman, James Broderick, Julius Harris, Dick O’Neill, Lee Wallace, Tony Roberts, Tom Pedi, Nathan George, Anna Berger, Christopher Murney, George Lee Miles, Michael Gorrin, Rudy Bond, Kenneth McMillan, Ruth Attaway, Doris Roberts
alt. Titel: Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3
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Szene aus ‚The Quiller Memorandum (1966)‘, Bildquelle: The Quiller Memorandum (1966), Ivan Foxwell Prod.

The Quiller Memorandum (1966)

Stimmungen: geheimnisvoll, urban

Manche Agententhriller, die schon einige Jahrzehnte auf dem Filmbuckel haben, wirken nach heutiger Sehgewohnheit angestaubt, lahm, kraftlos. Nicht so „The Quiller […]

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The Quiller Memorandum (1966)

Manche Agententhriller, die schon einige Jahrzehnte auf dem Filmbuckel haben, wirken nach heutiger Sehgewohnheit angestaubt, lahm, kraftlos. Nicht so „The Quiller Memorandum“: Als US-amerikanischer Agent im Dienste einer britischen Geheimoperation bewegt sich George Segal durch Westberlin, auf der Suche nach dem Hauptquartier einer Neonazi-Gruppe (in der deutschen Synchronfassung damals einfach unterschlagen und als anonyme Spionageorganisation entpolitisiert). Deren Kopf ist ein Mann namens „Oktober“, von aristokratischer Gestalt und exzellentem Umgangston, passenderweise mit Max von Sydow besetzt, der hier einen ganz hervorragenden Antagonisten abgibt. Daneben spielen Alec Guinness als mysteriös-spleeniger Geheimdienstler und Senta Berger als Lehrerin, von der man nie genau weiß, zu welcher Seite sie gehört. Interessant ist die Art, in der „The Quiller Memorandum“ die Geheimdienstwelt reduziert – die Handlanger der Gegenseite sind an Gewöhnlichkeit kaum zu übertreffen und das Exzentrischste an Quiller selbst ist sein Porsche Roadster. Wenn Quiller zu Beginn noch gänzlich unverbraucht ermittelt, ist hellichter Tag, die Sonne scheint; als er auf seine Gegenspieler trifft und seine Ausweglosigkeit immer größer wird, geschieht all das im nächtlichen Dunkel. Das Formidable am „Quiller Memorandum“ ist freilich das zeitgenössische Berlin des Jahres 1966, mit seinen noch immer vom Krieg verheerten Arealen, den Straßen voller VW „Käfer“ und piefigen Kneipen, von alledem dank der ausgedehnten Autofahrten und Location-Wechsel (u.a. Olympiastadion, Stadtbad Neukölln) besonders viel zu sehen ist.
Genre: Thriller
Länge: 105 Min.
Regie: Michael Anderson
Cast: u.a. George Segal, Senta Berger, Max von&nmbsp;Sydow, Alec Guinness, Peter Carsten, Edith Schneider, George Sanders, Robert Helpman, Robert Flemyng, Ernst Walder, Philip Madoc, Günter Meisner, John Rees, Harry Brooks Jr., Herbert Fux
alt. Titel: Das Quiller Memorandum – Gefahr aus dem Dunkel
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Szene aus ‚High Noon (1952)‘, Bildquelle: High Noon (1952), Stanley Kramer Prod., Fernsehjuwelen

High Noon (1952)

Stimmungen: spannend, surreal

Der ultimative Western-Titel, eine archetypische Western-Story, aber eine gänzlich unkonventionelle, meisterhafte Inszenierung: „High Noon [Lesen …]

High Noon (1952)

Der ultimative Western-Titel, eine archetypische Western-Story, aber eine gänzlich unkonventionelle, meisterhafte Inszenierung: „High Noon“ gehört nicht nur zu den großen Klassikern des inzwischen ein Jahrhundert umspannenden Hollywoodkinos, sondern wirkt selbst so viele Jahrzehnte später noch frisch und zeitlos. Gary Cooper, der für die Rolle seinen zweiten „Oscar“ gewann, ist Marshal Will Kane; der hat viel für die kleine Stadt geleistet, doch als berüchtigte Killer ihre Rache an Kane ankündigen, will ihm keiner seiner Freunde und Nachbarn – der Profiteure seiner Arbeit – helfen. Diese Sequenz, in der sich alle ehrbaren Bürger – der Richter, der Pastor, der Bürgermeister – in egoistischer Manier jeglicher Hilfe verweigern, formuliert eine drastische Kritik am totalen Versagen der US-amerikanischen Zivilgesellschaft, wie es sie in Filmen aus der Ära des moralinen Production Code selten gegeben hat. Statt mit seiner frischgetrauten Frau – Grace Kelly in ihrer ersten großen Rolle – zu verschwinden, beschließt der prinzipienfeste Kane, den aussichtslosen Kampf mit den Gesetzesbrechern aufzunehmen. Das Schwarz-Weiß wirkt nicht anachronistisch, sondern surreal; stumme Close-ups, in denen man nichts von der (ohnehin zurückhaltenden) Musikbegleitung hört, vertiefen sich in die Westernfiguren; dann das perfekte Casting jeder noch so nebensächlichen Figur; und während die Uhr unaufhaltsam der todbringenden Mittagssonne entgegentickt, spürt man, dass die einzelnen Bestandteile dieses Films wie ein Uhrwerk aufeinander abgestimmt sind – „High Noon“ besticht vor allem durch Fred Zinnemanns präzise, minimalistischen Inszenierung.
Genre: Western
Länge: 85 Min.
Regie: Fred Zinnemann
Cast: u.a. Gary Cooper, Grace Kelly, Katy Jurado, Lloyd Bridges, Lon Chaney Jr., Ian MacDonald, Lee Van Cleef, Robert J. Wilke, Sheb Wooley, Thomas Mitchell, Harry Morgan, Morgan Farley, Otto Kruger, Eve McVeagh
alt. Titel: Zwölf Uhr mittags
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Szene aus ‚Brighton Rock (1948)‘, Bildquelle: Brighton Rock (1948), Canal+, Image UK

Brighton Rock (1948)

Stimmungen: dunkel, düster, kriminell, mörderisch

Seine bekannteste Rolle war vermutlich die des euphorischen Dinosaurier-Entrepreneurs John Hammond in „Jurassic Park“ (1993); aber am Anfang von [Lesen …]

Brighton Rock (1948)

Seine bekannteste Rolle war vermutlich die des euphorischen Dinosaurier-Entrepreneurs John Hammond in „Jurassic Park“ (1993); aber am Anfang von Richard Attenboroughs Karriere stand der minderjährige Psychopath Pinkie Brown, der am Pier von Brighton sein Unwesen treibt. Hinter der Ferien-Fassade des damals, in den 1930er Jahren, überlaufenen Urlaubsortes im Süden Englands lauert die Bandenkriminalität düsterer Gestalten, die sich in morbiden Gebäuden verkrochen haben, von denen aus sie ihre Verbrechen begehen. Attenboroughs 17-jähriger Sadist und Gangsterboss ist mit seinen Spleens und der unbehaglichen Kälte eine für das damalige Kino ziemlich ungewöhnliche Figur, nahe am späteren New Yorker Method Acting. Weil eine Kellnerin brisante Informationen zur Aufklärung eines Mordes hat, manipuliert Pinkie Brown sie in eine Ehe, damit sie nicht gegen ihn aussagen kann – obwohl er sie in Wirklichkeit verachtet. „Brighton Rock“ als Film noir zu bezeichnen, reicht eigentlich nicht aus, um die moralische und optische Finsternis dieses Werkes zu erfassen.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 89 Min.
Regie: John Boulting
Cast: u.a. Richard Attenborough, Hermione Baddeley, Carol Marsh, William Hartnell, Wylie Watson, Nigel Stock, Harcourt Williams, Virginia Winter, Alan Wheatley, Charles Goldner
alt. Titel: Finstere Gassen
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Szene aus ‚Midway (1976)‘, Bildquelle: Midway (1976), Universal, The Mirisch Corp., Koch Media

Midway (1976)

Als Schlacht, die Anfang Juni 1942 – ein halbes Jahr nach dem Angriff auf Pearl Harbor – für die Amerikaner die Wende im Pazifikkrieg bra […]

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Midway (1976)

Als Schlacht, die Anfang Juni 1942 – ein halbes Jahr nach dem Angriff auf Pearl Harbor – für die Amerikaner die Wende im Pazifikkrieg brachte und nicht zuletzt deshalb zu einem Mythos der US-Militärgeschichte gerann, war die Operation am winzigen Midway-Atoll prädestiniert für eine Hollywood-Produktion. Ein All-Star-Cast, interessante Kameraperspektiven und die langsame Hinführung von den Kartentischen zu den Kampfhandlungen machen den Film trotz einiger Mängel (die militaristische Flugzeugträgerromantik, eine unkritische Sichtweise auf die Militärstrategen oder wild hineingeschnittenes Material aus anderen Filmen) dennoch zu einem sehenswerten Spektakel.
Genre: Kriegsdrama
Länge: 132 Min.
Regie: Jack Smight
Cast: u.a. Charlton Heston, James Shigeta, Henry Fonda, Glenn Ford, Toshirô Mifune, Edward Albert, Robert Webber, Christina Kokubo, Robert Ito, Hal Holbrook, John Fujioka, Conrad Yama, Monte Markham, Seth Sakai, Pat Morita, Clyde Kusatsu, Steve Kanaly, Dabney Coleman, Ed Nelson, Robert Wagner, Glenn Corbett, Gregory Walcott, Robert Mitchum, James Coburn, Tom Selleck, Cliff Robertson
alt. Titel: Schlacht um Midway
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Szene aus ‚Schornstein Nr. 4 (1966)‘, Bildquelle: Schornstein Nr. 4 (1966), Chronos Film, Procinex, Hans Oppenheimer Film, Fernsehjuwelen

Schornstein Nr. 4 (1966)

Stimmungen: industriell, pessimistisch, trist, urban

Romy Schneider als Stalkerin: Einst gab sie als 19-jährige Mutter ihr Neugeborenes weg, nun will sie den mittlerweile sechsjährigen Jungen zurückhaben. Von West-Berlin aus reist […]

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Schornstein Nr. 4 (1966)

Romy Schneider als Stalkerin: Einst gab sie als 19-jährige Mutter ihr Neugeborenes weg, nun will sie den mittlerweile sechsjährigen Jungen zurückhaben. Von West-Berlin aus reist sie immer wieder nach Essen, um das Kind in immer geringer werdender Distanz zu beobachten, schließlich Kontakt aufzunehmen. Michel Piccoli spielt den mit der wachsenden Verzweiflung seiner Frau überforderten Ehemann, der sie schüttelt, einsperrt, immer wieder zurückholt – es war die erste Zusammenarbeit eines der besten Leinwandpaare. Die düster-pessimistische Handlung passt zu Schneiders Post-Sissi-Image, das sie damals pflegte und mit dem sie sich von ihrer Überrolle der k.u.k. Monarchin zu distanzieren suchte. Neben Hans Christian Blech als Ziehvater des Jungen, der sich mit Schneiders Mutter einen Wettstreit emotionaler Verzweiflung liefert, beeindruckt „Schornstein Nr. 4“ vor allem durch sein Zeitkolorit der alten Bundesrepublik am Ende des „Wirtschaftswunders“, mit dem Kontrast zwischen dem großurbanen West-Berlin und dem industriellen Ruhrgebiet, die beide in einer surrealen Tristesse erscheinen – und selten war die Einsamkeit in der Zweisamkeit so groß wie hier zwischen den Figuren von Romy Schneider und Michel Piccoli.
Genre: Drama
Länge: 83 Min.
Regie: Jean Chapot
Cast: u.a. Romy Schneider, Michel Piccoli, Hans Christian Blech, Mario Huth, Sonja Schwarz
alt. Titel: La voleuse, Die Diebin
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Szene aus ‚Terror Train (1980)‘, Bildquelle: Terror Train (1980), Tripe T Prod. (Astral), Twentieth Century Fox Home Entertainment

Terror Train (1980)

Stimmungen: blutig, brutal, hedonistisch, spannend, studentisch

Terror Train“ vereint auf formidable Weise die beiden Subgenres Slasher-Horror und Zugfilm: Ein Haufen College-Mediziner chartern einen […]

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Terror Train (1980)

Terror Train“ vereint auf formidable Weise die beiden Subgenres Slasher-Horror und Zugfilm: Ein Haufen College-Mediziner chartern einen historischen Zug für eine hedonistische Partyfahrt zum Neujahrsfest. Ihre kostümierte Unbeschwertheit wird ihnen zum Verhängnis, denn unter einer der Masken verbirgt sich ein blutrünstiger Killer. Als damals amtierende Scream Queen legt Jamie Lee Curtis auch hier ihr angstverzerrtes Gesicht auf; der alte Ben Johnson mit seinem lebenserfahrenen Faltengesicht spielt den Schaffner, der die erste Leiche entdeckt und mit seiner stoischen Autorität durch die Abteile wandelt; und in einem Cameo ist mit Anfang zwanzig der Illusionsvirtuose David Copperfield als Zauberkünstler zu sehen, einige Jahre bevor er die Freiheitsstatue verschwinden ließ und durch die Chinesische Mauer ging. „Terror Train“ versetzt die wohlige Hochschulatmosphäre, wie sie etwa in „Nation Lampoon’s Animal House“ (1978) zelebriert wird, in die klaustrophobische Isolation eines fahrenden Zugs – Perspektiven, Beleuchtung und Schockeffekte wirken manchmal wie eine Mixtur aus den beiden Carpenter-Horrorklassikern „Halloween“ (1978) und Nebel des Grauens“ (1980) (Review auf Filmkuratorium.de lesen), in denen ebenfalls Curtis mitschrie.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 97 Min.
Regie: Roger Spottiswoode
Cast: u.a. Jamie Lee Curtis, Ben Johnson, Hart Bochner, Derek McKinnon, Sandee Currie, David Copperfield, Timothy Webber, Anthony Sherwood, Vanity, Steve Michaels, Greg Swanson, Joy Boushel, Victor Knight, Donald Lamoreux
alt. Titel: Monster im Nacht-Express
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Szene aus ‚Walkabout (1971)‘, Bildquelle: Walkabout (1971), Max L. Raab-Si Litvinoff Films

Walkabout (1971)

Stimmungen: bizarr, brutal, heiß, strapaziös, surreal, trocken, warm

Am Beginn des Films steht der (notgedrungene) Weg in die weite Wildnis, der harte Kontrast zwischen geschäftiger Stadt und leiser, trockener Natur; es folgt eine Wüstendurchqueru […]

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Walkabout (1971)

Am Beginn des Films steht der (notgedrungene) Weg in die weite Wildnis, der harte Kontrast zwischen geschäftiger Stadt und leiser, trockener Natur; es folgt eine Wüstendurchquerung von ungemeiner Strapaze, schließlich die Rückkehr. Ein Teenager und ein Kind, vom Vater im Nirgendwo des Outback alleingelassen, müssen sich in einer ihnen völlig fremden, unwegsamen Umgebung behaupten – unterwegs treffen sie einen jungen Aborigine auf seinem Walkabout einem archaischen Ritus. Er hilft ihnen, rettet sie als Experte dieser Umwelt. Was man hier geboten bekommt, ist ein audiovisuelles Kunstwerk, das zu immer neuen Interpretationen einlädt. Der bizarre Assoziativ-Schnitt mit seinen schonungslosen Jagdszenen ist eine misanthropische Zivilisationskritik, der Blick auf Flora und Fauna der australischen Wildnis, kombiniert mit verlassenen Siedlungsgebäuden und stillgelegter, dem Verfall preisgegebener Infrastruktur, ein Plädoyer für die Schönheit und Harmonie unberührter Natur. „Walkabout“ ist, eigentlich typisch für Nicolas-Roeg-Werke, ein ganz und gar sonderbarer, eigenwilliger, surrealer Film – einer jener wie sie vielleicht nur die Sechziger und Siebziger hervorgebracht haben. Hier und da ist zu lesen, dass man ihn nicht vergisst – und das stimmt.
Genre: Drama
Länge: 101 Min.
Regie: Nicolas Roeg
Cast: u.a. Jenny Agutter, Luc Roeg, David Gulpilil, John Meillon, Hilary Bamberger, Barry Donnelly
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