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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Blue Collar (1978)‘, Bildquelle: Blue Collar (1978), Universal City Studios

Blue Collar (1978)

Stimmungen: industriell, pessimistisch, proletarisch, trist

Blue Collar ist ein sich zunehmend verdunkelnder Blick in die US-amerikanische Arbeiterklasse.

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Blue Collar (1978)

Die soziale Anspannung, die sich von der ersten Filmsekunde an in „Blue Collar“ – der ersten Regiearbeit des „Taxi Driver“-Autors Paul Schrader – verdichtet, ist irgendwann so drückend, dass man noch Jahrzehnte später in der Rückschau das US-amerikanische Gesellschaftsklima der 1970er Jahre zu erahnen vermag.

Im Intro schwebt die Kamera über die Fertigungsstraße einer Autofabrik, nimmt die Schweißer und Monteure in den Blick, als gelte es, eine den meisten Menschen unbekannte Welt als latent bedrohliches Faszinosum vorzustellen. In seinen knapp zwei Stunden begibt sich „Blue Collar“ dann klammheimlich in eine seltsame Metamorphose, die von einem komödiantischen Ansatz in einen düsteren Macht-, Korruptions- und Mord-Thriller führt.

Drei Freunde – die Fabrikproleten Zeke, Smokey und Jerry – werden von ihrer prekären Lage in die Kriminalität getrieben und lehnen sich schließlich gegen korrupte Gewerkschaftsfunktionäre auf. Richard Pryor, Yaphet Kotto und Harvey Keitel spielen sie so formidabel natürlich, dass man an die angeblichen Konflikte hinter der Kamera gar nicht denken würde.

Blue Collar“ ist ein zeitlos brillant inszenierter Film, der vor allem durch seine Details, seine industriell-proletarische Milieuatmosphäre, besticht. Das angespannte Leben zwischen Fabrikjob, Familie, Bowlingbahn und gelegentlichen Kokaineskapaden visualisiert sich etwa in der mit einem Plastiküberzug verhüllten Couch, dem Fernsehgerät, das gefälligst nonstop zu laufen habe, damit es sich auch ordentlich amortisiere, und den müden Gesichtern von Menschen, die sich mit der Ausweglosigkeit ihres Daseins in der Fließbandroutine arrangiert zu haben scheinen.

Wie die Story auf eine mörderische Verteidigung illegaler Privilegien zusteuert, ist entweder eine dramaturgische Notwendigkeit kommerziellen Kinos oder eben der für New Hollywood typische Sezierblick in die Abgründe der US-amerikanischen Gesellschaft und ihrer Institutionen.

Genre: Drama
Länge: 114 Min.
Regie: Paul Schrader
Cast: u.a. Richard Pryor, Harvey Keitel, Yaphet Kotto, Chip Fields, Lucy Saroyan, Lane Smith, Harry Bellaver, Cliff De Young, Borah Silver, Ed Begley Jr., George Memmoli, Harry Northup, Leonard Gaines, Milton Selzer, Sammy Warren, Rock Riddle
alt. Titel: Blue Collar – Kampf am Fließband
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Rattle of a Simple Man (1964)‘, Bildquelle: Rattle of a Simple Man (1964), Martello Film Productions, Studiocanal Films

Rattle of a Simple Man (1964)

Stimmungen: bohemehaft, britisch, englisch, nächtlich, romantisch, urban

Im Swinging-Sixties-Kammerspiel Rattle of a Simple Man erzählt von der symbiotischen Katharsis zwischen einem Fußballfan und einer Prostituierten

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Rattle of a Simple Man (1964)

Ausgerechnet der Schüchternste einer bierseligen Runde von United-Fans, angereist zum Pokalfinale in London, geht mit der begehrtesten Frau im Stripclub nach Hause. Mit den Kumpels hat er eine Wette abgeschlossen – Sex vor der Abreise gegen Mitternacht. Zwischen der Prostituierten Cyrenne und der 39-jährigen Jungfrau Percy entwickelt sich eine platonische Appartementromanze, eine symbiotische Katharsis, die einen der schönsten britischen Sechzigerjahre-Filme ausfüllt.

Gedreht von Muriel Box, einer der wenigen britischen Filmemacherinnen, schlägt „Rattle of a Simple Man“ eine Brücke zwischen dem postproletarischen Milieu einer Männerrunde und dem hedonistischen Boheme-Flair des sexuell freizügigen Swinging London in seiner Frühphase. Und mittendrin versteckt sich eine Aufnahme, die sich den Zuschauer:innen wie als Vorlage für die berühmte Bein-Szene aus The Graduate“ (1967) aufdrängt.

Genre: Drama
Länge: 95 Min.
Regie: Muriel Box
Cast: u.a. Harry H. Corbett, Diane Cilento, Michael Medwin, Charles Dyer, Hugh Futcher, Brian Wilde, Alexander Davion, David Saire, Marie Burke, George Roderick, Barbara Archer, Thora Hird
alt. Titel: Verführen will gelernt sein …
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚I Am a Camera (1955)‘, Bildquelle: I Am a Camera (1955), Remus Films

I Am a Camera (1955)

Stimmungen: amourös, bohemehaft, hedonistisch, urban

I Am a Camera taucht ein in das Berliner Boheme-Leben am Vorabend des Nationalsozialismus.

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I Am a Camera (1955)

Als sexuelle Freizügigkeit von Frauen noch ein Fall für die Filmzensur war: „I Am a Camera“ ist die Verfilmung eines erfolgreichen Bühnenstücks, das wiederum auf mehreren Romanen basierte, den autobiografisch gefärbten Erzählungen des englischen Schriftstellers Christopher Isherwood am Vorabend des Nationalsozialismus in den hedonistischen Nischen der Reichshauptstadt Berlin.

Mit ihrer Nachtklubsängerin Sally Bowles, für deren Broadway-Version sie bereits einen „Tony“ erhalten hatte, kreierte Julie Harris eine Leinwandfigur voll atemlosen Genussstrebens, deren expressiver Lebensfreude sich niemand entziehen kann – und die dem Film, zusammen mit Laurence Harveys Performance voll sympathischer Komik, als Porträt einer unverbrüchlichen Freundschaft eine eigene Note verleiht, auch wenn sie lange nicht an Liza Minnellis Bowles rund 25 Jahre später im ungleich berühmteren Cabaret“ (1972) heranreicht.

Genre: Dramatische Komödie
Länge: 99 Min.
Regie: Henry Cornelius
Cast: u.a. Julie Harris, Laurence Harvey, Anton Diffring, Lea Seidl, Shelley Winters, Ron Randell, Patrick McGoohan
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der große Atlantik (1953)‘, Bildquelle: Der große Atlantik (1953), Ealing Studios, Canal+ Image UK

Der große Atlantik (1953)

Stimmungen: britisch, englisch, expressionistisch, kalt, kriegerisch, martialisch, militärisch, nautisch, soldatisch

The Cruel Sea zeigt die andere Seite des Seekrieges – eines der besten Kriegsdramen.

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Der große Atlantik (1953)

Die angespannten Gesichter im Maschinenraum, die konzentrierte Bedienung ausgeklügelter Mechanismen der U-Boot-Jagd, die Kühle der in leichten Expressionismus getauchten Bilder: „Der große Atlantik“ ist so nah am Seekrieg, wie ein Spielfilm das in den frühen 1950er Jahren nur sein konnte.

Eingereiht in eine ganze Generation von Werken, die einzelne Schlachten oder spezifische Bereiche des britischen Militärs während des Zweiten Weltkrieges porträtieren, beleuchtet „Der große Atlantik“ die Bekämpfung deutscher U-Boote im Atlantik aus der Perspektive eines Zerstörers der Royal Navy – die Gegenseite des U-Boot-Films.

Gezeigt werden typische Situationen wie verlustreiche Geleitzugfahrten, der Einsatz von ASDIC und Wasserbomben, Versenkungen und die Bergung Schiffbrüchiger, die in den Öllachen ihrer untergegangenen Schiffe zu verrecken drohen.

Genre: Kriegsdrama
Länge: 126 Min.
Regie: Charles Frend
Cast: u.a. Jack Hawkins, Donald Sinden, John Stratton, Denholm Elliott, John Warner, Virginia McKenna, Stanley Baker, Bruce Seton, Liam Redmond, Moira Lister, June Thorburn, Meredith Edwards, Alec McCowen, Dafydd Havard
alt. Titel: The Cruel Sea
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Most Dangerous Game (1978)‘, Bildquelle: The Most Dangerous Game (1978), Toei Company

The Most Dangerous Game (1978)

Stimmungen: brutal, gewaltsam, lakonisch, turbulent

In Tôru Murakawas The Most Dangerous Game gerinnt Auftragskiller-Action zur Filmkunst.

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The Most Dangerous Game (1978)

Mit einer originellen Coolness, mit der jeweils die großen Waffengewalt- und Auftragskillergesichter der Kinogeschichte – Darsteller wie Alain Delon oder Clint Eastwood – ihren Charakteren unverwechselbare Persönlichkeit einhauchten, prügelt und ballert sich Yûsaku Matsuda in „The Most Dangerous Game“ als Profi-Ausknipser Shouhei Narumi durch ein Dickicht von Habgier, Gewalt und Korruption.

The Most Dangerous Game“ zeigt einen versierten Einzelgänger, der sich für viel Geld in den Dienst eines Industriekonzerns stellt, um den Kopf eines Konkurrenten auszuschalten. Aus dieser eher platten Story macht der Ex-Softporno-Regisseur Tôru Murakawa ein Konzert der stürmischen Gewalt, die zwischen Ruhephasen von seltsam melancholischer Romantik aufflammen.

Genre: Gangster-Action
Länge: 89 Min.
Regie: Tôru Murakawa
Cast: u.a. Yûsaku Matsuda, Keiko Tasaka, Yôko Ichiji, Asao Uchida, Daigo Kusano, Hiroshi Nawa, Kai Atô, Bontarô Miake
alt. Titel: Mottomo kiken na yuugi
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Spur führt ins Nichts (1960)‘, Bildquelle: Die Spur führt ins Nichts (1960), Studiocanal Films

Die Spur führt ins Nichts (1960)

Stimmungen: britisch, englisch, kameradschaftlich, kriminell

The Criminal ist im Losey-Stil observierte Kriminalität – und einer der kinematografisch interessantesten Gefängnisfilme.

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Die Spur führt ins Nichts (1960)

Joseph Loseys Filme aus den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren wirken ihrer Zeit stets weit voraus. Und das gilt auch für „Die Spur führt ins Nichts“, in dem zu Beginn Cleo Laines elegische Stimme die Routine des Gefängnisalltags in eine surreale Melancholie eintaucht und der aus dem kohleverstaubten Proletariat auf die Leinwand gestürmte Stanley Baker den notorischen Räuber Johnny Bannion spielt, der dank seines Geldes im Knast als kleiner Fürst lebt.

Bannion nimmt mit einer Handvoll Komplizen eine Pferderennbahn aus, versteckt die Beute, landet erneut im Knast – und neben dem Staat fragen sich auch die Ganoven, wo Bannion seine Geldkoffer vergraben hat.

Robert Kraskers Kamera, die auch schon The Third Man“ (1949) seine unverkennbare visuelle Signatur verlieh, schwebt hier förmlich durch die Gefängnishalle, hinzu kommt ein kakophonisches Jazz-Gewitter, dazu Losey’sche Neugier und Penetranz.

Genre: Drama
Länge: 98 Min.
Regie: Joseph Losey
Cast: u.a. Stanley Baker, Sam Wannamaker, Margit Saad, Patrick Magee, Kenneth Cope, Brian Phelan, Grégoire Aslan, Paul Stassino, Nigel Green, Jack Rodney, John Molloy, Jill Bennett, Murray Melvin, Neil McCarthy, Kenneth J. Warren, Noel William, Patrick Wymark, Rupert Davies, Larry Taylor
alt. Titel: The Criminal
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The ‚Maggie‘ (1954)‘, Bildquelle: The ‚Maggie‘ (1954), Ealing Studios, Studiocanal Films

The ‚Maggie‘ (1954)

Stimmungen: absurd, bizarr, britisch, lustig, schottisch, skurril, witzig

Absurde Charaktere und eine bizarre Story: The ‚Maggie‘ ist nicht nur eine filmische Ode an den Clyde Puffer, sondern persifliert auch die schottische Unbekümmertheit.

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The ‚Maggie‘ (1954)

Mit seiner schottisch-unverdrossenen Nonchalance bringt Captain MacTaggart, der mit seiner Handvoll Besatzung auf einem Seelenmacher wertvolle Ladung transportiert, einen amerikanischen Geschäftsmann zur Verzweiflung – dessen Assistent Pusey hat das teure Gut irrtümlich dem bis auf den letzten Penny abgebrannten Seemann mit dem maroden Kahn anvertraut.

The ‚Maggie‘“ überrascht, so lange Zeit nach seiner Entstehung, mit seiner bizarren Konstellation und den absurden Charakteren als Persiflage schottischer Unbekümmertheit.

Genre: Komödie
Länge: 92 Min.
Regie: Alexander Mackendrick
Cast: u.a. Alex Mackenzie, Paul Douglas, James Copeland, Abe Barker, Tommy Kearins, Hubert Gregg, Geoffrey Keen, Andrew Keir, Mark Dignam
alt. Titel: Oller Kahn mit Größenwahn
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Dead Ringers (1988)‘, Bildquelle: Dead Ringers (1988), The Mantle Clinic II

Dead Ringers (1988)

Stimmungen: amourös, sinister, steril

In Dead Ringers inszeniert David Cronenberg seine Faszination für das abgründige Potenzial der menschlichen Anatomie.

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Dead Ringers (1988)

Pathologische Geschwisterliebe, medizinischer Größenwahn und blanke Eifersucht sind die Sujets von David Cronenbergs Psycho-Horror mit Jeremy Irons in einer genialen Doppelperformance als Zwillingspaar Beverly und Elliot Mantle, zwei erfolgreiche Gynäkologen, die in Toronto gemeinsam mit großem Erfolg eine Klinik betreiben und beide eine Affäre mit derselben Frau haben – durch die ihre extrem enge, schier unzertrennliche Nähe urplötzlich zu erodieren beginnt.

Unablässige Jeremy-Irons-Close-ups, meist im janusköpfigen Schattenspiel, und die steril-technokratische Aura der Mantle-Klinik sind hier die visuellen Essenzen von David Cronenbergs Zwillingshorrorfilm, in dem einmal mehr die Faszination des Regisseurs für die menschliche Anatomie heraussticht.

Genre: Drama
Länge: 111 Min.
Regie: David Cronenberg
Cast: u.a. Jeremy Irons, Geneviève Bujold, Heidi v. Palleske, Barbara Gordon, Shirley Douglas, Stephen Lack
alt. Titel: Die Unzertrennlichen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Nachtblende (1975)‘, Bildquelle: Nachtblende (1975), Albina Prod., Rizzoli Film, Tit Film Prod., VZ Handelsgesellschaft

Nachtblende (1975)

Stimmungen: depressiv, emotional, erotisch, pessimistisch, schmutzig, trist

In Nachtblende vermischen sich Kunst und Erotik mit Düsternis und Zerstörung.

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Nachtblende (1975)

Liebe, Fotografie und Theater sind die Sujets, von denen „Nachtblende“ handelt – aber völlig entgegen ihrem Potenzial sind sie die Quellen von Düsternis und Zerstörung. Der Theatersaal und die Garderobe: dunkel und dreckig; die Foto-Shootings: Sie dienen nicht der Kunst, sondern zielen auf gierige Voyeure ab; und die Liebe: verzweifelt und brüchig.

In Romy Schneiders beachtlichem Oeuvre gehört „Nachtblende“ zu den Filmen, die am deutlichsten ihre enorme Begabung, ihr faszinierendes Mimikspiel, zeigen. Die zwar talentierte, doch erfolglose, von Gefühlsausbrüchen blockierte Schauspielerin Nadine Chevalier lebt in einer geräumigen Pariser Villa, in der sie eine Gönnerin mit ihrem Mann Jacques, einem tagediebischen Cineasten, wohnen lässt. Der Fotograf Servais verliebt sich in sie, finanziert ihr heimlich eine Bühnenproduktion, in der sie mitspielen soll. Dafür leiht er sich Geld bei einem Ganoven, für den er kleine und große Perversionen knipst („Der Mensch ist der hässlichsten Dinge fähig.“) – die kriminelle Unterwelt, in die Servais mit seiner Kamera abtaucht, verdüstert das visuelle Klima dieses sowieso schon durch und durch schmutzigen, depressiven, tristen Films noch einmal mehr.

Bei dem Theaterstück, das im Film aufgeführt wird, heißt es, der exzentrische Regisseur habe ihr, Nadine, konsternierende Gefühle entlockt. Das lässt sich auf die Nadine-Darstellerin Schneider übertragen: Auch sie, so meint man, lässt sich im Rahmen ihrer Performance zu Gefühlsregungen verleiten, die ihrer Darbietung etwas verstörend Echtes, Wahrhaftiges verleihen, wie das nur in ganz wenigen Fällen geschieht.

In der Anfangssequenz, als ein Paparazzo sie heimlich am Set eines Sexfilms fotografiert, zeigt ein Close-up Romy Schneider, wie sie mit einer Stimme voller Verzweiflung und Scham sagt: „Nein, ich bin Schauspielerin, wissen Sie. Ich kann wirklich was“ – eine Träne rinnt ihr dabei aus dem verschminkten Auge, während im Hintergrund die garstige Regisseurin ihre Anweisungen bellt. Und bei der Theaterprobe flieht sie mit verweintem Gesicht in die schäbige Garderobe und stammelt: „Ich bin völlig kaputt. Ich fühl’ mich alt, ich bin müde! Und keiner wollte mehr machen als ich!“ Oder Klaus Kinski als der Theaterschauspieler Karl-Heinz Zimmer, impulsiver Exzentriker und „Homosexueller aus gutem Hause“, provoziert eine Café-Prügelei, da ein hereinkommender Gast seinen Mantel mit dessen „Proletarierpfoten“ berührt habe – leicht kann man sich da den echten Kinski vorstellen, wie er wegen einer Nichtigkeit in Rage gerät, um sich daraufhin maximal unmöglich aufzuführen.

Genre: Drama
Länge: 108 Min.
Regie: Andrzej Zulawski
Cast: u.a. Romy Schneider, Fabio Test, Jacques Dutronc, Klaus Kinski, Claude Dauphin, Gabrielle Doulcet, Roger Blin, Michel Robin, Guy Mairesse, Katia Tchenko, Nicoletta Machiavelli
alt. Titel: L’important c’est d’aimer
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚L.A. Story (1991)‘, Bildquelle: L.A. Story (1991), Carolco Pictures, Studiocanal

L.A. Story (1991)

Stimmungen: amourös, großstädtisch, heiter, kalifornisch, komisch, lustig, romantisch, sonnig, urban, warm, witzig, yuppiesk

L.A. Story ist Steve Martins kongeniales Kalifornien-Pendant zum Woody-Allen’schen New-York.

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L.A. Story (1991)

Steve Martins romantische Komödie über einen TV-Meteorologen, dessen Leben von einem Wechselverkehrszeichenmast verändert wird, gehört zum Besten, was die Kino-Neunzigerjahre hervorgebracht haben.

L.A. Story“ ist eine verzauberte Liebeserklärung an die versmogte Kalifornienmetropole mit ihren verstopften Freeways, der unablässigen Sonne und den Yuppie-Marotten ihrer Bewohner:innen – der Los-Angeles-Film, der Woody Allen am nächsten kommt.

Genre: Romantische Komödie
Länge: 95 Min.
Regie: Mick Jackson
Cast: u.a. Steve Martin, Victoria Tennant, Richard E. Grant, Sarah Jessica Parker, Marilu Henner, Susan Forristal, Rick Moranis, Patrick Stewart
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Sophies Entscheidung (1982)‘, Bildquelle: Sophies Entscheidung (1982), ITC Film, Universal Studios

Sophies Entscheidung (1982)

Stimmungen: tragisch, traurig

Merly Streeps zweite „Oscar“-Rolle ist eine ganz besonders tragische: die der KZ-Überlebenden Polin, die in den USA versucht, ein neues Leben zu beginnen.

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Sophies Entscheidung (1982)

Ihr zweiter „Oscar“ binnen drei Jahren: Die polnische KZ-Überlebende Sophie, in die USA immigriert, in einer bohemehaften Villa in Brooklyn, wo sie gegen ihre Traumata ankämpft und Details ihrer Vergangenheit verbirgt – Meryl Streep mit polnischem Akzent; für die Szenen in Auschwitz nahm sie etliche Kilo ab.

In New York lebt Sophie mit Nathan (Kevin Kline in seinem ersten Kinofilm) zusammen und beginnt eine Freundschaft mit dem Nachbarn Stingo (Peter MacNicol), einem debütierenden Schriftsteller aus dem Süden. Ein emotional turbulenter, unterschwellig stets tragischer Film, über das Leben mit schrecklichen Erinnerungen und bitteren Geheimnissen.

Genre: Drama
Länge: 145 Min.
Regie: Alan J. Pakula
Cast: u.a. Meryl Streep, Peter MacNicol, Kevin Kline, Rita Karin, Günther Maria Halmer, Melanie Pianka, Karlheinz Hackl, Katharina Thalbach, Ulli Fessl, Krystyna Karkowska, Eugeniusz Priwieziencew, Stephen D. Newman, Greta Turken, Eugene Lipinski, Nedim Prohic, John Rothman, David Wohl
alt. Titel: Sophie’s Choice
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Steiner – Das Eiserne Kreuz (1977)‘, Bildquelle: Steiner – Das Eiserne Kreuz (1977), Rapid Film, Terra Filmkunst, Studiocanal Films

Steiner – Das Eiserne Kreuz (1977)

Stimmungen: brutal, kameradschaftlich, kriegerisch, martialisch, militärisch, soldatisch

Mit Steiner – Das Eiserne Kreuz schuf Sam Peckinpah einen der realistischsten Einblicke in den Kriegsalltag an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges.

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Steiner – Das Eiserne Kreuz (1977)

Die Ostfront im Spätsommer 1943, Taman-Halbinsel, östlich der Krim: Unter dem Befehl von Oberfeldwebel Rolf Steiner, einem hochdekorierten Frontschwein, ist ein Zug von kampferprobten Infanteristen am Rande des Kaukasus mit dem eigenen Überleben beschäftigt. Der neue Kommandant, Hauptmann Stransky, indes ist nur gekommen, um mit sich mit dem Eisernen Kreuz auszeichnen zu lassen – so, wie es ihm die oberschichtige Militärtradition seiner Familie gebietet.

Mit der Detailversessenheit und dem Wirklichkeitsehrgeiz, die auch schon seine teils revolutionären Western ausmachten, erreicht Regisseur „Bloody“ Sam Peckinpah in „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ einen beklemmenden Realismus-Grad, wie ihn die Kinoleinwand davor und danach vielleicht nie wieder erlebt hat. Die bräunlich-karge Farbgebung, durchbrochen nur von der Wärme infernalischer Explosionen, die staubbedeckten Uniformen und die abgekämpften Landser-Visagen vermengen sich zu einer kinematografischen Textur des Krieges.

Weitere Peckinpah-Filme entdecken: unsere Retrospektive.

Genre: Anti-Kriegsfilm
Länge: 133 Min.
Regie: Sam Peckinpah
Cast: u.a. James Coburn, Maximilian Schell, Klaus Löwitsch, Vadim Glowna, Roger Fritz, Fred Stillkrauth, Dieter Schidor, James Mason, David Warner, Senta Berger, Burkhard Driest, Igor Galo, Michael Nowka, Arthur Brauss
alt. Titel: Cross of Iron
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Pleasure Girls (1965)‘, Bildquelle: The Pleasure Girls (1965), Compton-Tekli Film

The Pleasure Girls (1965)

Stimmungen: amourös, britisch, englisch, großstädtisch, hedonistisch, metropolitan, urban

The Pleasure Girls ist eine zeitgenössische Exkursion in die permissive society des Swinging London inmitten der freizügigen Sechziger.

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The Pleasure Girls (1965)

Ein Wochenende im Chelsea der Sechziger: „The Pleasure Girls“ verströmt von der ersten Sekunde an das Lebensgefühl, das man gemeinhin mit der permissive society der Swinging Sixties verbindet – mit gelockerten Moralvorstellungen, mit Sex und Partys.

Im Zentrum der Handlung steht eine Frauen-WG im viktorianisch angehauchten Stadtteil Kensington, und gezeigt werden im Film vor allem junge Menschen, die damals in die Metropole London strömen, um sich mit einem unbeschwerten Lebensstil von ihrem Elternhaus loszulösen und das Leben auszukosten. „The Pleasure Girls“ ist quasi die Fortsetzung all jener Filme der frühen Sechziger, in denen die jungen Menschen an der britischen Peripherie aufbrechen, um ihr Glück im fernen London zu suchen, etwa wie in „Girl With Green Eyes“ (1964) oder „Billy Liar“ (1963).

Das bemerkenswert altmodische Sozialverhalten der jungen Frauen entspricht indes alles andere als dem Swinging London-Klischee: Sally zögert ihr erstes Mal hinaus, ehe sie sich der Liebe ihres Partners sicher ist; Marion verweigert sich der Abtreibung und will das Kind behalten; und Dee würde gerne ihren älteren Freund heiraten und mit ihm zusammenziehen. In einer Nebenrolle spielt Klaus Kinski einen lebemännischen Gangster – und er tut das bereits mit dem Kinski-Gestus, der in jedem Blick, in jeder Lippenbewegung etwas ganz und gar Unberechenbares andeutet.

Genre: Drama
Länge: 87 Min.
Regie: Gerry O’Hara
Cast: u.a. Francesca Annis, Anneke Wills, Suzanna Leigh, Ian McShane, Mark Eden, Klaus Kinski, Tony Tanner, Rosemary Nicols, Colleen Fitzpatrick, Jonathan Hansen, Peter Diamond, Tony Doonan, Julian Holloway, Carol Cleveland, Hugh Futcher, David Cargill, David Graham, Hal Hamilton
alt. Titel: Die Goldpuppen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Alice (1990)‘, Bildquelle: Alice (1990), Orion Pictures

Alice (1990)

Stimmungen: amourös, großstädtisch, luxuriös, metropolitan, urban

Alice ist die romantische Fantasy-Komödie im Œuvre des Woody Allen.

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Alice (1990)

Bevor sie sich in einem Trennungskrieg aufrieben, drehten Mia Farrow und Woody Allen ein Dutzend teils buchstäblich märchenhafter Filme, zu denen auch „Alice“ gehört. Farrow ist die Titelheldin Alice Tate, Mutter zweier Schulkinder und Ehefrau des Yuppie-Managers Doug (in seiner ganz und gar unsympathischen Aura ziemlich gut von William Hurt zum Leinwandleben erweckt).

Durch immer mehr implizite und explizite Hinweise beschleicht sie der Verdacht, sich in den 15 Ehejahren allzu sehr von ihrer eigentlichen Persönlichkeit entfernt, sich selbst in all ihrem sinnentleerten Shopping- und Wellnessluxus fremd geworden zu sein.

Und weil die New Yorker Upperclass offenbar auf Alternativmedizin schwört, empfehlen ihre Freundinnen Alice den asiatischen Naturheilkundler Dr. Yang, der sie in seiner Praxis, durch die auch mal Opiumschwaden ziehen, mit allerlei geheimnisvollen Kräutern eindeckt – sie begegnet dem Geist eines Ex-Lovers, wird unsichtbar oder überkommt ihre Schüchternheit und bringt mit einem unerhört erotischen Flirt Joe Mantegna als Jazzmusiker ins Schwitzen.

Genre: Romantische Fantasy-Komödie
Länge: 106 Min.
Regie: Woody Allen
Cast: u.a. Mia Farrow, Joe Mantegna, Keye Luke, William Hurt, Robin Bartlett, Alec Baldwin, Blythe Danner, Cybill Shepherd, Marceline Hugot, Bernadette Peters, Gwen Verdon, Caroline Aaron, June Squibb, Julie Kavner, Bob Balaban, David Spielberg, Elle Macpherson
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Scandal Sheet (1952)‘, Bildquelle: Scandal Sheet (1952), Columbia Pictures

Scandal Sheet (1952)

Stimmungen: großstädtisch, investigativ, urban

Scandal Sheet blickt in die kleinen Abgründe, die sich im großen Erfolg auftun.

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Scandal Sheet (1952)

Ein Film der Gesichter: Broderick Crawfords Mimik voll mörderischer Entschlossenheit zur Karriere; John Dereks gieriger Blick des rücksichtslosen Spektakeljournalismus; oder Donna Reeds Miene des lauernden Moralismus in einem unmoralischen Milieu. In „Scandal Sheet“ treibt Mark Chapman die Auflage des New York Express in ungeahnte Höhen, aber das Blatt verkommt dafür zur reißerischen Boulevardgazette – ein mörderisches Geheimnis beginnt, die Karriere des erfolgsverwöhnten Chapman zu bedrohen.

Gleich von der ersten Szene an, in der die Journalisten sich am Tatort noch vor Eintreffen der Polizei die Aussage einer Zeugin erschwindeln, zeigt die großstädtische Kriminalreportage als erbarmungslosen Vorgang. Die New Yorker Reporter von „Scandal Sheet“ operieren jedenfalls mit unerbittlichen Methoden, um mit delikaten Bildern und selbst der Polizei unbekannten Informationen die Auflagen ihrer Zeitungen zu pushen – in der Redaktion misst eine riesige Ziffernanzeige tagesaktuell die verkauften Exemplare.

Sam Fuller, auf dessen Roman „Dark Page“ der Film basiert, kannte Park-Row-Milieu der großen Redaktionen in Manhattan aus eigener Erfahrung. Schon als Zeitungsjunge war er auf den Straßen von Manhattan unterwegs gewesen, hatte anschließend als Copyboy in Randolph Hearsts New York Journal gearbeitet, um schließlich noch im Teenageralter als freier Journalist zu schreiben. Was das Studio aber aus seinem Stoff machte, gefiel Fuller ganz und gar nicht – „Scandal Sheet“ war dem Regisseur eine Lektion, seine Storys, wenn möglich, nur noch selbst zu verfilmen.

Die ursprünglich geplante Variante mit Howard Hawks auf dem Regiestuhl, Humphrey Bogart als Kriminalreporter und Edward G. Robinson als Chefredakteur gehört sicherlich zu den interessanteren Filmen, die nie gedreht worden sind. Nichtsdestotrotz ist der Thriller auch so eine kleine Perle des Columbia-Outputs der 1950er Jahre: ein Stück über die Bedrohlichkeit ungezügelter Ambition und die Verlockungen schier grenzenlosen Erfolgs.

Genre: Thriller
Länge: 82 Min.
Regie: Phil Karlson
Cast: u.a. Broderick Crawford, Donna Reed, John Derek, Henry O’Neill, Rosemary DeCamp, Harry Morgan, James Millican, Griff Barnett, Katherine Warren, Pierre Watkin, Jonathan Hale, Jay Adler
alt. Titel: Skandalblatt
Text verfasst von: Robert Lorenz
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