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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Teuflisches Alibi (1957)‘, Bildquelle: Teuflisches Alibi (1957), Harlequin Productions

Teuflisches Alibi (1957)

Stimmungen: alkoholisiert, spannend

Leo McKern und […]

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Teuflisches Alibi (1957)

Leo McKern und Michael Redgrave gehören zu den besten Schauspielern des Fünfziger- und Sechzigerjahre-Kinos; und wenn sie dann noch auf einen Regisseur wie Joseph Losey treffen, kommt etwas wie „Teuflisches Alibi“ dabei heraus: ein packender Thriller, der neben dem Zeitkolorit vor allem mit seiner famosen Inszenierung beeindruckt. David Graham, ein dem Alkohol verfallener Schriftsteller (gespielt von dem Alkoholiker Redgrave), ist aus der Entzugsklinik in Kanada nach London geeilt, wo in wenigen Stunden sein Sohn als Mörder gehängt werden soll. Mit dem natürlichen Instinkt des Vaters und dem Talent des Literaten begibt sich Graham in all seiner Verzweiflung auf die Suche nach entlastenden Indizien. Wo anderen Regisseuren allein schon der Nervenkitzel einer solchen Story genügt, garniert Losey diese Privatermittlung unter extremem Zeitdruck mit für die Zeit ungewöhnlichen Perspektiven und Geräuscheffekten – während der zitternde Graham mit einem unablässig ergreifenden Gesicht der wehrhaften Hilflosigkeit durch das Ereignisgeflecht irrt, das er um jeden Preis zu entwirren hat, klingeln ständig Wecker und Telefone, ticken Uhren als akustische Manifestationen der näher rückenden Hinrichtung, woraus sich eine ungemein hektische Atmosphäre entfaltet.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 89 Min.
Regie: Joseph Losey
Cast: u.a. Michael Redgrave, Leo McKern, Ann Todd, Paul Daneman, Peter Cushing, Alec McCowen, Renee Houston, Lois Maxwell, Joan Plowright, Richard Wordsworth, George Divine, Hugh Moxey, Ernest Clark
alt. Titel: Time Without Pity
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die drei Musketiere (1948)‘, Bildquelle: Die drei Musketiere (1948), Turner Entertainment, MGM, Loew’s Inc.

Die drei Musketiere (1948)

Stimmungen: amourös, furios, laut, rasant, turbulent

Dieses archetypische Mantel- und Degenabenteuer versucht sich erst gar nicht an einer realistischen Darstellung, sondern bietet rasante Unterhaltung im charmanten Ambiente des alte […]

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Die drei Musketiere (1948)

Dieses archetypische Mantel- und Degenabenteuer versucht sich erst gar nicht an einer realistischen Darstellung, sondern bietet rasante Unterhaltung im charmanten Ambiente des alten Hollywoodkinos. Seltenerweise für die damalige Zeit in Farbe produziert, strotzt der Film vor akrobatischer Kostüm-Action und ist hervorragend besetzt: die junge Angela Lansbury als französische Königin, die den Herrscher Louis XIII. mit dem Herzog von Buckingham betrügt; Gene Kelly als furioser Fecht-Heißsporn D’Artagnan; die spätere Horror-Ikone Vincent Price mit maliziösem Lächeln als machtgieriger Kardinal Richelieu; und Lana Turner, die mit ihrem Mund- und Augenspiel eine großartige Performance als die mörderische Opportunistin Lady de Winter ableistet, obwohl sie die Rolle zunächst partout nicht gewollt hatte.
Genre: Kostüm-Action
Länge: 121 Min.
Regie: George Sidney
Cast: u.a. Gene Kelly, Lana Turner, June Allyson, Van Heflin, Gig Young, Robert Coote, Vincent Price, Angela Lansbury, Frank Morgan, Keenan Wynn, John Sutton, Reginald Owen, Ian Keith, Sol Gorss, Marie Windsor, Patricia Medina, Richard Wyler, Dick Simmons, Robert Warwick
alt. Titel: The Three Musketeers
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Innenleben (1978)‘, Bildquelle: Innenleben (1978), United Artists, MGM

Innenleben (1978)

Stimmungen: familiär, intellektuell, neurotisch, psychotisch

Eine der soziologischen Signaturen der 1970er Jahre war der Postmaterialismus, also der Vorrang immaterieller Werte wie Selbsterfüllung o […]

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Innenleben (1978)

Eine der soziologischen Signaturen der 1970er Jahre war der Postmaterialismus, also der Vorrang immaterieller Werte wie Selbsterfüllung oder Kulturgenuss. Wie strapaziös und selbstzerstörerisch die postmaterialistische Orientierung allerdings sein kann, inszeniert Woody Allen in „Innenleben“ – einem Film voller herausragender Performances. Heraussticht Geraldine Page; denn ihre Eve, die Mutter dreier erwachsener Töchter, die mit ihrer psychotischen Selbstgerechtigkeit ihren Kindern Schuldgefühle für das Scheitern ihrer Ehe und ihrer Träume vermittelt, ist noch eine schwer erträgliche Figur, wo doch der ganze Film eine einzige Selbstzerfleischung einer eigentlich wohlsituierten Ostküstenfamilie ist – so gut ist sie gespielt. Daneben glänzen Diane Keaton und Mary Beth Hurt als soziopathische Töchter sowie Maureen Stapleton als lebensfrohe Frau aus Florida, die in der Rolle der neuen Ehefrau des Vaters wie ein Fremdkörper in der schwermütigen Ostküstenfamilie wirkt, in der sie als „vulgarian“ beschimpft wird. „Innenleben“ hat die typische Farbgebung eines Woody-Allen-New-York-Films der Siebziger, ist aber immer eine Spur düsterer, depressiver, hoffnungsloser als andere Allen-Dramen, die das Zusammenleben in einer vor Ambitionen und Neurosen überkochenden Metropole à la New York ergründen. Die besten New-York-Filme – eine kuratierte Auswahl
Genre: Drama
Länge: 88 Min.
Regie: Woody Allen
Cast: u.a. Mary Beth Hurt, Diane Keaton, Geraldine Page, Richard Jordan, Maureen Stapleton, E.G. Marshall, Sam Waterston, Kristin Griffith
alt. Titel: Interiors
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Prince of the City (1981)‘, Bildquelle: Prince of the City (1981), Orion Pictures, Warner Bros.

Prince of the City (1981)

Stimmungen: großstädtisch, urban

Das New Yorker Rauschgiftdezernat am Ende der 1970er Jahre, eine Spezialeinheit, die mit illegalen Methoden operiert und sich selbst berei […]

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Prince of the City (1981)

Das New Yorker Rauschgiftdezernat am Ende der 1970er Jahre, eine Spezialeinheit, die mit illegalen Methoden operiert und sich selbst bereichert: „Prince of the City“ zeigt den Zerfall einer blutsbrüderlich-eingeschweißten Truppe – und mit jedem Gewissensbiss für den Informanten Danny Ciello gerät die Kinematografie von Regisseur Sidney Lumet und seinem genialen Kameramann Andrzej Bartkowiak ein Stück klaustrophobischer. „Prince of the City“ ist nicht allein einer der gewichtigen Cop-Filme, sondern mit seinen rund 130 Locations mehr noch eine logistische Meisterleistung, ein cineastisches New-York-Dokument. Die Verfilmung eines Buches, das wiederum auf dem realen Ex-Cop Robert Leuci basiert, der in den frühen Siebzigern zur Aufdeckung korrupter Strukturen beitrug, berührte Lumet auch persönlich – war er in den Fünfzigern doch nur knapp der Entscheidung entronnen, Kollegen ans Messer der Kommunistenhatz zu liefern, um der Blacklist zu entgehen. Die besten New-York-Filme – eine kuratierte Auswahl
Genre: Drama
Länge: 160 Min.
Regie: Sidney Lumet
Cast: u.a. Treat Williams, Jerry Orbach, Tony Page, Lindsay Crouse, Norman Parker, Richard Foronjy, Lance Henriksen, Cosmo Allegretti, Tony Munafo, Don Billett, Kenny Marino, Carmine Caridi, Ron Karabatsos, Bob Balaban, Peter Friedman, James Tolkan
alt. Titel: Prince of the City – Die Herren der Stadt
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Midnight Express (1978)‘, Bildquelle: Midnight Express (1978), Columbia Pictures, Sony Pictures

Midnight Express (1978)

Selten hat ein Film so eindrücklich den Wert von Freiheit verdeutlicht: Der Amerikaner Billy Hayes ( […]

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Midnight Express (1978)

Selten hat ein Film so eindrücklich den Wert von Freiheit verdeutlicht: Der Amerikaner Billy Hayes (Brad Davis) wird in der Türkei beim Drogenschmuggel erwischt; die Justiz verurteilt ihn zu einer drakonischen Strafe. Im türkischen Gefängnis beginnt für ihn ein degenerativer Leidensweg aus Folter, Einöde und Hoffnungslosigkeit, an dessen Ende ein früher Tod droht.
Genre: Drama
Länge: 121 Min.
Regie: Alan Parker
Cast: u.a. Brad Davis, Randy Quaid, Mike Kellin, John Hurt, Paolo Bonacelli, Paul L. Smith, Irene Michaels, Bo Hopkins, Michael Ensign
alt. Titel: 12 Uhr nachts – Midnight Express
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Stadt im Dunkel (1950)‘, Bildquelle: Stadt im Dunkel (1950), Paramount Pictures

Stadt im Dunkel (1950)

Stimmungen: düster, finster, kleinkriminell, kriminell, urban

Die schweren Blasinstrumente im Score erinnern in ihrer epischen Bedrohlichkeit nicht nur an die eindrückliche Musik aus […]

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Stadt im Dunkel (1950)

Die schweren Blasinstrumente im Score erinnern in ihrer epischen Bedrohlichkeit nicht nur an die eindrückliche Musik aus Cape Fear“ (1962), sondern sind in ihrer fordernden Aggressivität sogar noch eine Spur unheilvoller – eben die Melodie einer „Stadt im Dunkel“, die der Filmtitel ankündigt und durch die im Intro ein junger Kerl marschiert, der binnen des anbrechenden Jahrzehnts zu einem von Hollywoods hellsten Sternen avancieren sollte. Charlton Heston spielt einen Veteranen, den eine emotionale Verletzung hat erkalten lassen und der – entgegen seiner bildungsbürgerlichen Herkunft – sich in der Unterwelt herumtreibt, als Kopf einer Pokerrunde, die naive Opfer ausnimmt. Als sie einen Mann in den Selbstmord treiben, sind bald auch die schmierigen Zocker nicht mehr ihres Lebens sicher, da ein Unbekannter sie der Reihe nach dezimiert.
Genre: Noir-Thriller
Länge: 98 Min.
Regie: William Dieterle
Cast: u.a. Charlton Heston, Lizabeth Scott, Viveca Lindfors, Dean Jagger, Jack Webb, Ed Begley, Harry Morgan, Don DeFore, Walter Sande, Mark Keuning, Mike Mazurki, Greta Granstedt
alt. Titel: Dark City
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Wenig Chancen für morgen (1959)‘, Bildquelle: Wenig Chancen für morgen (1959), HarBel Productions

Wenig Chancen für morgen (1959)

Stimmung: kriminell

Drei Ganoven, die mit einem ausgeklügelten Bankraub ihrer beengten Existenz entkommen wollen: […]

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Wenig Chancen für morgen (1959)

Drei Ganoven, die mit einem ausgeklügelten Bankraub ihrer beengten Existenz entkommen wollen: der alte Mastermind Burke, für den der Coup vielleicht die letzte Gelegenheit auf materielles Glück ist; der Spieler und Nachtklubsänger Ingram, der die Diskriminierung von Schwarzen leid ist; und der arbeitslose Rassist Slater, der nicht vom Geld seiner berufstätigen Freundin leben will und die wenigen Momente auskostet, in denen er jemanden fast totschlägt oder fremdgeht. „Wenig Chancen für morgen“ fasziniert nicht bloß mit seinem schwarz-weißen Location shooting im New York am Ende der Fünfziger oder der Kleinstadt Hudson, wo der Heist steigen soll, sondern noch viel mehr mit seiner beeindruckenden Frische, die sich in unzähligen Kameraeinstellungen und Schnitten manifestiert. Die besten New-York-Filme – eine kuratierte Auswahl
Genre: Gangsterdrama
Länge: 96 Min.
Regie: Robert Wise
Cast: u.a. Harry Belafonte, Robert Ryan, Ed Begley, Shelley Winters, Kim Hamilton, Gloria Grahame, Will Kuluva, Mae Barnes, Richard Bright
alt. Titel: Odds Against Tomorrow
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Teufelskreis (1961)‘, Bildquelle: Teufelskreis (1961), Parkway Films

Teufelskreis (1961)

Stimmungen: britisch, englisch, spannend

Ein Film, den man unbedingt im Kontext seiner Zeit zu betrachten hat, um seine Tragweite zu ermessen: Melville Farr ist ein aufstrebender […]

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Teufelskreis (1961)

Ein Film, den man unbedingt im Kontext seiner Zeit zu betrachten hat, um seine Tragweite zu ermessen: Melville Farr ist ein aufstrebender Jurist, auf dem sicheren Pfad zum hochangesehen Kronanwalt, als er seine Karriere aufs Spiel setzt, um eine Erpresserbande auffliegen zu lassen, die mit Fotografien kompromittierender Situationen reihenweise Homosexuelle ausnimmt. Die Bedeutsamkeit von „Teufelskreis“ liegt nicht in seiner Krimihandlung, die durch ein düsteres London der frühen Sechziger führt, sondern in der Brisanz des Themas: Denn in diesem Film wird ganz offen mit Homosexualität umgegangen, die damals noch unter Strafe stand – es brauchte noch ein halbes Jahrzehnt, ehe sie entkriminalisiert wurde, überhaupt war „Teufelskreis“ der erste britische Film, der das bloße Wort „Homosexualität“ offen aussprach. Im Rückblick lässt sich „Teufelskreis“ vielleicht der Vorwurf machen, nicht explizit gleichgeschlechtliche Beziehungen als erstrebenswerte Normalität darzustellen. Doch schaut man genauer hin, erscheint es umso überraschender und couragierter, dass damals ein Mainstreamfilm das Thema überhaupt aufgriff und auch noch in dieser Weise präsentierte: Im Verlauf der Handlung offenbart sich, dass Homosexualität kein vereinzeltes Phänomen ist, sondern etliche Menschen unter ihrer Diskriminierung leiden, was für viele Zuschauer damals ein erleichternder Gedanke gewesen sein muss – zumal diese Betroffenen sich nicht als heilungsbedürftig empfinden, wie dies viele ihrer Zeitgenossen wohl sahen. Und der Film legt seine Finger in eine legislative Wunde, waren doch die allermeisten Erpressungsfälle auf diese Gesetzgebung zurückzuführen, da die Angst vor den Konsequenzen eine beträchtliche Zahlungsbereitschaft bewirkte. Zwar gab es zum Zeitpunkt der Entstehung von „Teufelskreis“ schon erkennbare Tendenzen, die Gesetzeslage zu novellieren – aber erst noch wenige Jahre zuvor hatte die polizeiliche und juristische Härte gegen Homosexuelle einen Höhepunkt erreicht und in der Bevölkerung waren starke Vorbehalte, Hass und Abscheu, tief verwurzelt. Dass der Held des Films, zum Opfer seiner Karriere für eine gute Sache bereit, von dem Publikumsliebling Dirk Bogarde gespielt wurde, war da ein schlagkräftiges Statement; umso mehr, als Bogarde seine eigene Karriere kurz vor dem Sprung nach Hollywood riskierte – und selbst schwul war, was er bis an sein Lebensende der Öffentlichkeit konsequent verschwieg.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 100 Min.
Regie: Basil Dearden
Cast: u.a. Dirk Bogarde, Sylvia Syms, Peter McEnery, Derren Nesbitt, Dennis Price, John Barrie, Anthony Nicholls, Peter Copley, Norman Bird, Margaret Diamond, Donald Churchill, Frank Pettitt, Mavis Villiers, John Cairney, Nigel Stock, Hilton Edwards, Charles Lloyd Pack, Alan MacNaughtan, John Bennett, Noel Howlett, Alan Howard, Dawn Beret
alt. Titel: Victim
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Shooting Party (1984)‘, Bildquelle: The Shooting Party (1984), Geoff Reeve Films

The Shooting Party (1984)

Stimmungen: aristokratisch, bedrückt, britisch, elitär, englisch, glamourös, melancholisch, pessimistisch

England im Jahr 1913, Krieg liegt in der Luft. Sir Randolph Nettleby, Repräsentant einer untergehenden Welt, hat zur Jagdgesellschaft geladen. Die jung […]

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The Shooting Party (1984)

England im Jahr 1913, Krieg liegt in der Luft. Sir Randolph Nettleby, Repräsentant einer untergehenden Welt, hat zur Jagdgesellschaft geladen. Die jungen Männer, die so eitel-ehrbeflissen beim Schießen konkurrieren, werden in wenigen Jahren tot im Matsch an der Somme, in Flandern oder Gallipoli liegen. Der Film, der auf einer Kurzgeschichte basiert, ist eine Momentaufnahme der englischen Aristokratie am Vorabend eines Epochenwechsels und wirkt in vielen Szenen wie die Inspirationsquelle von Julian Fellowes, dem Autor der Serie Downton Abbey“ (2010–15).
Genre: Drama
Länge: 93 Min.
Regie: Alan Bridges
Cast: u.a. James Mason, Judi Bowker, Nicholas Pietrek, Dorothy Tutin, Cheryl Campbell, Rupert Frazer, Deborah Miles, Edward Fox, Gordon Jackson, Aharon Ipalé, John Gielgud, Rebecca Saire, Robert Hardy, Sahra Badel, Joris Stuyck
alt. Titel: Die letzte Jagd
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Valachi-Papiere (1972)‘, Bildquelle: Die Valachi-Papiere (1972), De Laurentiis, Studiocanal

Die Valachi-Papiere (1972)

Stimmungen: brutal, kriminell, mafiös

Joe Valachi war 1963 der Erste, der das sakrosankte Schweigegelübde der Omertà brach und die Öffentlichkeit in die Kultur und Verbrechen der […]

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Die Valachi-Papiere (1972)

Joe Valachi war 1963 der Erste, der das sakrosankte Schweigegelübde der Omertà brach und die Öffentlichkeit in die Kultur und Verbrechen der Cosa Nostra einweihte. Der Film schildert die Verbrecherkarriere des Joe Valachi, den Aufstieg vom Straßenganoven zum Mafiagangster, und ist zugleich eine Geschichte der italienischstämmigen Mafia in New York, erzählt im Zeitraffer über mehr als drei Jahrzehnte hinweg – ein Reigen von Unterweltlegenden wie „Lucky“ Luciano, Maranzano oder Anastasia, ein sorgfältig inszenierter Einblick in die Kultur und Machenschaften des organisierten Verbrechens im Wandel der Zeit, noch kurz vor Coppolas berühmtem „The Godfather“ (1972). Wie später bei Martin Scorsese arbeitet der Film das Unspektakuläre, Banale, Spießige am Mafiosodasein mit seinem scheinheiligen Ehrenkodex und Traditionsbewusstsein und dem bieder-rustikalen Habitus der skrupellosen Mörder und Manipulanten heraus. Charles Bronson passt erstaunlich gut in den Nadelstreifenanzug des Protagonisten, und Lino Ventura gibt einen exzellenten Obermafioso ab.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 126 Min.
Regie: Terence Young
Cast: u.a. Charles Bronson, Lino Ventura, Jill Ireland, Walter Chiari, Joseph Wiseman, Guido Leontini, Gerald S. O’Laughlin, Pupella Maggio, Amedeo Nazzari, Fausto Tozzi, Angelo Infanti
alt. Titel: The Valachi Papers
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Tin Men (1987)‘, Bildquelle: Tin Men (1987), Touchstone Pictures, Buena Vista Home Entertainment

Tin Men (1987)

Eine stimmungsvolle Momentaufnahme des Amerikas der frühen Sechziger: Die „Tin Men“ sind Handelsvertreter, die ihr Geld m […]

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Tin Men (1987)

Eine stimmungsvolle Momentaufnahme des Amerikas der frühen Sechziger: Die „Tin Men“ sind Handelsvertreter, die ihr Geld mit dubiosen Methoden verdienen, indem sie ahnungslosen Kleinbürgern nutzlose Hausfassaden aus Aluminium aufschwatzen, und die ihren beruflichen Erfolg in der Strahlkraft ihrer verchromten Limousinen zelebrieren. Zwei von ihnen steigern sich wegen einer Lappalie in eine völlig überzogene Privatfehde hinein. Barry Levinsons Film liefert fast so schöne Bilder von der damaligen Büro- und Konsumkultur wie die Mad Men.
Genre: Drama
Länge: 112 Min.
Regie: Barry Levinson
Cast: u.a. Danny DeVito, Richard Dreyfuss, Barbara Hershey, Seymour Cassel, Bruno Kirby, J.T. Walsh, Jackie Gayle, Stanley Brock, John Mahoney, Michael Tucker, Richard Portnow
alt. Titel: Tin Men – Zwei haarsträubende Rivalen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Made (1972)‘, Bildquelle: Made (1972), Janet Productions, Studiocanal

Made (1972)

Stimmungen: britisch, englisch, musikalisch, pessimistisch, tragisch

Der unverbindliche Hedonismus des Folkrockstars Mike Preston, nur im Jetzt, nicht aber im Morgen zu leben steht dem soliden Verantwortungsimperativ des junge […]

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Made (1972)

Der unverbindliche Hedonismus des Folkrockstars Mike Preston, nur im Jetzt, nicht aber im Morgen zu leben steht dem soliden Verantwortungsimperativ des jungen Pfarrers Dyson gegenüber – aber eigentlich handelt „Made“ von der Alleinerziehenden Valerie Marshall, die zwischen beiden Männern, zwischen beiden Ideologien aufgerieben wird. Carol White spielt hier eine in der noch proletarisch angehauchten Mittelschicht gelagerte Frau, ähnlich wie ein paar Jahre zuvor in Ken Loachs Debüt Poor Cow“ (1967). „Made“ versetzt sein Publikum tief in die 1970er Jahre des britischen Königreiches; da ist die monotone Arbeit in einer Telefonzentrale, die explosive Stimmung vor einem Fußballmatch oder die tristen Mietskasernen mit ihrem piefigen Interieur; und eine kurze Brighton-Episode bietet einen Blick in den englischen Seebad-Eskapismus, der immer wieder in britischen Filmen aufflackert.
Genre: Drama
Länge: 105 Min.
Regie: John Mackenzie
Cast: u.a. Carol White, Roy Harper, John Castle, Margery Mason, Doremy Vernon, Sam Dastor, Richard Vanstone, Sean Hewitt, Michael Cashman
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Captain Newman (1963)‘, Bildquelle: Captain Newman (1963), Universal Pictures

Captain Newman (1963)

Stimmungen: militärisch, psychotisch, tragikomisch, tragisch

1944: Im Pazifik und in Europa tobt der Zweite Weltkrieg und in Captain Newmans psychiatrischer Abteilung auf einem […]

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Captain Newman (1963)

1944: Im Pazifik und in Europa tobt der Zweite Weltkrieg und in Captain Newmans psychiatrischer Abteilung auf einem US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt irgendwo in der Wüste von Arizona treffen unablässig neue Patienten ein. Im Lazarett ist Newman eine Autoritätsperson, ein couragierter Nonkonformist, der gegen die Skepsis seiner Vorgesetzten sich mit unerschütterlicher Fürsorge der kranken Soldaten annimmt, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Katatonie oder Schizophrenie leiden. Der titelgebende Protagonist hätte mit Gregory Peck nicht besser besetzt sein können; Angie Dickinson spielt eine Krankenschwester und Tony Curtis fällt als halbkriminell-sympathischem Pfleger die Funktion des Comic Relief zu – denn „Captain Newman“ präsentierten die Trailer damals als turbulente Komödie, als anarchischen Spaß im Kriegslazarett. Und tatsächlich entspricht er in Farbgebung und manchen Szenen diesem Esprit – in Wahrheit aber ist er eine ziemlich originelle Tragikomödie mit teils drastischen, nachdenklichen Momenten. Gerade was Kritiken als unentschlossenes Schwanken zwischen zwei Genres monierten, ist die Stärke des Films: Da mischen sich witzige Wortgefechte zwischen Newman und seinen Vorgesetzten, Patienten und Untergebenen mit tieftragischen Szenen, in denen etwa Bobby Darin eine haarsträubende Sequenz spielt, in der er unter Einfluss eines Wahrheitsserums seinem Trauma als einziger Überlebender einer Bomberbesatzung enthüllt; oder Eddie Albert einen am Kriegsbetrieb wahnsinnig gewordenen Strategen durchdrehen lässt; und nicht zuletzt der junge Robert Duvall als katatonischer Pilot.
Genre: Tragikomödie
Länge: 121 Min.
Regie: David Miller
Cast: u.a. Gregory Peck, Angie Dickinson, Tony Curtis, Bobby Darin, James Gregory, Larry Storch, Dick Sargent, Jane Withers, Eddie Albert, Robert Duvall, Bethel Leslie, Syl Lamont, Robert F. Simon, Vito Scotti, Paul Carr, Crahan Denton
alt. Titel: Captain Newman, M.D.
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Gefangene (1955)‘, Bildquelle: Der Gefangene (1955), London Independent Producers, Columbia Pictures

Der Gefangene (1955)

Stimmungen: beklemmend, düster, karg, klaustrophobisch, pessimistisch, psychologisch, steril, strapaziös, trist

Vom Beginn bis zum Ende ist „Der Gefangene“ voll quälendem Pessimismus: Als mutmaßlicher Verräter landet ein Kardinal direkt aus der prunkvollen Messe in der ka […]

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Der Gefangene (1955)

Vom Beginn bis zum Ende ist „Der Gefangene“ voll quälendem Pessimismus: Als mutmaßlicher Verräter landet ein Kardinal direkt aus der prunkvollen Messe in der kargen Gefängniszelle. In einem Schauprozess soll er als Symbol der Kirche als vermeintlich subversiver Institution verurteilt werden. Jack Hawkins spielt den namenlosen Experten, der seine Fähigkeiten in den Dienst einer Diktatur stellt, um einen Menschen kaputtzumachen, um dessen Unschuld er eigentlich weiß. Und Alec Guinness ist der geistliche Würdenträger, ein Volksheld, der einst der grausamen Gestapofolter trotzte und nun einem neuen Kampf gegenübersteht. Während der Verhörmeister in stundenlangen Befragungen systematisch im Kopf des Kardinals nach psychologischen Sollbruchstellen sucht, schwinden die Widerstandskräfte des Häftlings und die disziplinierte Körperkontrolle weicht allmählich fahrigen Bewegungen und irren Blicken. Über die politischen Hintergründe des Regimes, das dem Kardinal ein falsches Geständnis abpressen will, erfährt man wenig; aber die Atmosphäre auf den Straßen und in den Cafés, welche die wenigen Außenszenen vermitteln, ist durch und durch beklemmend gibt mit nur wenigen Bildern ein unbehagliches Gefühl vom Leben in einer Diktatur, deren Handlanger an jeder Straßenecke lauern. Noch weitaus bedrückender macht den Film die Tatsache, dass er auf einem realen Schicksal basiert: 1948 verhafteten die stalinistischen Vasallen in Ungarn den politisch unbequemen Kardinal und Primas Jozsef Mindszenty, an den Guinness’ Figur angelehnt ist – Mindszenty kam vor ein Volksgericht und unterzeichnete seine Geständnisse offenbar unter körperlichen und seelischen Torturen. Die strapaziöse Zermürbung durch Einsamkeit und die stundenlange Befragungsroutine ergeben ein packendes Psychoduell zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich nicht fremd sind. In Kammerspielen wie „Der Gefangene“ kommt die Schauspielkunst oft am besten zur Geltung – und was für große Schauspieler Alec Guinness und Jack Hawkins doch waren!
Genre: Drama
Länge: 94 Min.
Regie: Peter Glenville
Cast: u.a. Alec Guinness, Jack Hawkins, Wilfrid Lawson, Ronald Lewis, Jeanette Sterke, Kenneth Griffith, Raymond Huntley, Gerard Heinz
alt. Titel: The Prisoner
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Bob Roberts (1992)‘, Bildquelle: Bob Roberts (1992), PolyGram FilmProduktion

Bob Roberts (1992)

Stimmungen: lustig, politisch, satirisch, witzig, zynisch

In der Manier einer Dokumentation wird der US-Senatskandidat Bob Roberts im Wahlkampf gegen den demokratischen Amtsinhaber Brickley Paiste […]

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Bob Roberts (1992)

In der Manier einer Dokumentation wird der US-Senatskandidat Bob Roberts im Wahlkampf gegen den demokratischen Amtsinhaber Brickley Paiste, gespielt von dem Literaten Gore Vidal, begleitet. Der konservative Republikaner Roberts ist ein Folksänger, ein unverblümt schlechtes Bob-Dylan-Imitat, der in seinen Songs einen naiven Patriotismus kredenzt und auf dessen Wahlkampfbus „Pride“ steht. „Bob Roberts“ ist ein Auteur-Film, bei dem Tim Robbins nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Regie geführt und das Drehbuch verfasst hat. Fast genau 25 Jahre vor Donald Trumps Wahlsieg zeigt die Story von „Bob Roberts“, wie unter dem Banner von Demokratie, Patriotismus und Gerechtigkeit ein korrupter Scharlatan die Massen betört und in seinem rücksichtslosen Populismus – unschwer erkennbar, aber dennoch wirksam – scheinbar von niemandem gestoppt werden kann. Wenn Roberts oder Paiste auf den Mattscheiben flimmern, entsteht aus dieser inzwischen obsoleten TV-Optik ein unfreiwilliger Nostalgieeffekt. Robbins liefert eine ziemlich geniale Performance ab; und dass sie im Rückblick, unter der Wirklichkeit der Trump-Präsidentschaft viel von ihrem Satirecharakter verloren hat, unterstreicht noch einmal die Absurdität von Trumps Politikerfolg. Alan Rickman spielt den bedrohlichen Mastermind Lukas Hart III, dessen dubiose Vergangenheit Giancarlo Esposito als investigativer Journalist Bugs Raplin zu enthüllen sucht. Überdies ist der Film garniert mit unzähligen Cameos, darunter Jack Black als verblendeter Bob-Roberts-Fanatiker, John Cusack als TV-Comedian oder Susan Sarandon, Peter Gallagher, James Spader, Pamela Reed und Fred Ward als Nachrichtensprecher. Großartig sind auch die von Robbins mitgeschriebenen und gesungenen Stücke sowie die Musikvideo-Persiflagen.
Genre: Politsatire
Länge: 90 Min.
Regie: Tim Robbins
Cast: u.a. Tim Robbins, Giancarlo Esposito, Alan Rickman, Ray Wise, Brian Murray, Gore Vidal, Rebecca Jenkins, Jack Black Harry Lennix, David Strathairn, Lynne Thigpen, John Ottavino, Tom Atkins, Merrilee Dale, Bob Balaban, John Cusack, Anita Gillette, Susan Sarandon, Fred Ward, Peter Gallagher, Pamela Reed, James Spader, Helen Hunt, Brent Hinkley, Jeremy Piven
Text verfasst von: Robert Lorenz
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