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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Red River (1948)‘, Bildquelle: Red River (1948), Monterey Prod.

Red River (1948)

Stimmung: strapaziös

Der „Chisholm Trail“ führte in der Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg […]

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Red River (1948)

Der „Chisholm Trail“ führte in der Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg die Viehherden von Texas über den Red River nach Kansas. In „Red River“ erzählt Howard Hawks nur vordergründig von den ebenso uralten wie unsterblichen Sujets Liebe und Rache; in Wirklichkeit ist der ganze Film eine Hommage an all die Cowboys, die riesige Rinderherden in ungemein strapaziösen Cattle drives von ihrem Zucht- zu ihrem Verkaufsort führten. Der Film beginnt im Jahr 1851, als Thomas Dunson die Frau, die er liebt, im Siedlertreck zurücklässt, um an der Grenze zu Mexiko eine Ranch zu gründen. In begierigem Tonfall plädiert sie: „You’ll need me, you’ll need a woman, you need what a woman can give you to do what you have to do. Oh, listen to me, Tom. Listen with your head and your heart, too. The sun only shines half the time, Tom. The other half is night.“ Aber Dunson zieht weiter. Fünfzehn Jahre später will er die zehntausend Rinder, die er inzwischen besitzt, in einem Gewaltmarsch von Texas nach Missouri führen. John Wayne spielt Dunson, der im Verlauf des Films vom autoritären Boss zum unberechenbaren Tyrannen degeneriert, gegen den sich schließlich sogar sein Ziehsohn Matt Garth widersetzt – ein Rolle, die Gary Cooper wegen der zu großen Rücksichtslosigkeit des Charakters abgelehnt hatte. Garth wiederum spielt ein sehr junger Montgomery Clift, mit einer Detailfreude, die selten in Western zu sehen ist. Die Bilder, die Hawks und sein Kameramann Russell Harlan schufen, beeindrucken noch heute – die Planwagen, die durch den Fluss preschen, oder die Tiere, die außer Kontrolle geraten in einer Stampede alles und jeden niedertrampeln.
Genre: Western
Länge: 133 Min.
Regie: Howard Hawks
Cast: u.a. Montgomery Clift, John Wayne, Walter Brennan, Noah Beery Jr., John Ireland, Joanne Dru, Harry Carey Jr., Coleen Gray, Chief Yowlachie, Paul Fix, Hank Worden, Mickey Kuhn, Lane Chandler
alt. Titel: Panik am roten Fluß
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die schreckliche Wahrheit (1937)‘, Bildquelle: Die schreckliche Wahrheit (1937), Columbia Pictures

Die schreckliche Wahrheit (1937)

Stimmungen: heiter, lustig, luxuriös, romantisch, turbulent, urban, witzig

Ist „Die schreckliche Wahrheit“ eine essenzielle Screwballkomödie? Ja. Bilden Irene Dunne […]

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Die schreckliche Wahrheit (1937)

Ist „Die schreckliche Wahrheit“ eine essenzielle Screwballkomödie? Ja. Bilden Irene Dunne und Cary Grant das ultimative Screwball-Paar? Womöglich. Eines ist indes sicher: „Die schreckliche Wahrheit“ gehört neben den Klassikern von Howard Hawks und Preston Sturges zu den witzigsten, charmantesten, insgesamt sympathischsten Werke aus dem famosen Screwballkosmos jener Zeit. Regisseur Leo McCarey gilt mit diesem Film quasi als Erfinder des Cary Grant, wie man ihn heute erinnert: des verboten gut aussehenden Mannes mit dem leicht frechen Playboycharme, der mit spontanen Slapstickeinlagen unfassbar witzige Szenen hervorbringt – ebenso wie Irene Dunne, die hier höchstwahrscheinlich untreue Ehefrau eine für damalige Moralgebote äußerst provokante Rolle spielt. Der turbulente Spaß entfaltet sich hier an Lucy und Jerry Warriner, die sich scheiden lassen, obwohl sie doch so unverbrüchlich zusammenzugehören scheinen – sie verbindet ein vermeintlich infantiler Humor, der sie in Wirklichkeit über alle anderen Beziehungen erhebt. Dass der Film aus den späten Dreißigern stammt, merkt man ihm mit seinem romantisch-albernen Esprit kaum an.
Genre: Romantische Komödie, Screwballkomödie
Länge: 91 Min.
Regie: Leo McCarey
Cast: u.a. Irene Dunne, Cary Grant, Ralph Bellamy, Alexander D’Arcy, Cecil Cunningham, Joyce Compton, Molly Lamont, Esther Dale, Robert Warwick, Mary Forbes
alt. Titel: The Awful Truth
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Mein Mann Godfrey (1936)‘, Bildquelle: Mein Mann Godfrey (1936), Universal Pictures

Mein Mann Godfrey (1936)

Stimmungen: großbürgerlich, lustig, luxuriös, romantisch, turbulent, urban, witzig

Bei einer Scavenger Hunt der überdrehten High Society von Manhattan als „ […]

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Mein Mann Godfrey (1936)

Bei einer Scavenger Hunt der überdrehten High Society von Manhattan als „forgotton man“ aufgelesen, lässt sich der obdachlose Godfrey von den luxusverwöhnten Bullocks als Butler engagieren – und hält seine eigene Upperclass-Abkunft geheim. Während die eine Tochter ihn elitär schikaniert, hat sich die andere längst in ihn verliebt; der Vater versucht den ausschweifenden Lebensstil seiner Familie zu bändigen, während sich die Mutter einen Gigolo hält und wie eine direkte Vorlage für Jack Lemmons legendäre Travestieperformance in Some Like It Hot“ (1959) wirkt. In „Mein Mann Godfrey“ verewigte sich Carole Lombard mit einer irrwitzigen Performance als Screwball-Archetyp, dem William Powells entschleunigender Butler der perfekte Gegenpol ist. „Mein Mann Godfrey“ ist nicht nur einer der Screwballklassiker schlechthin, sondern bietet obendrein eine der besten – das heißt lustigsten – Gorilla-Imitationen der Filmgeschichte.
Genre: Screwballkomödie
Länge: 93 Min.
Regie: Gregory La Cava
Cast: u.a. William Powell, Carole Lombard, Alice Brady, Gail Patrick, Eugene Pallette, Jean Dixon, Alan Mowbray, Mischa Auer, Pat Flaherty, Robert Light, Grady Sutton, Franklin Pangborn
alt. Titel: My Man Godfrey
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Prinz und die Tänzerin (1957)‘, Bildquelle: Der Prinz und die Tänzerin (1957), Marilyn Monroe Prod., Warner Bros.

Der Prinz und die Tänzerin (1957)

Stimmungen: aristokratisch, frivol, lustig, luxuriös, romantisch, witzig

In den letzten Friedensjahren vor dem Ersten Weltkrieg ratterte bereits das diplomatische und polit […]

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Der Prinz und die Tänzerin (1957)

In den letzten Friedensjahren vor dem Ersten Weltkrieg ratterte bereits das diplomatische und politische Getriebe, dass die verhängnisvolle Menschheitskatastrophe schließlich auslöste. In diesem eigenartigen Klima spielt „Der Prinz und die Tänzerin“, in dem Marilyn Monroe, die den Film mit ihrer eigenen Firma produzierte, eine amerikanische Theater-Darstellerin in London spielt; ein Prinzregent vom Balkan lädt sie zum kalten Büfett in seine Gemächer – doch statt des erwarteten One-Night-Stands sitzt sie am darauffolgenden Tag bald in seiner Kutsche, auf dem Weg zur britischen Krönungsfeier. Nach außen hin erscheint sie als einfältige Schönheit, aber tatsächlich vollbringt sie in nur einem Tag Erstaunliches: Statt den Avancen des verwitweten Aristokraten zu erliegen, verführt sie ihn schließlich, überredet ihn, in seiner Monarchie demokratische Wahlen durchzuführen und kittet obendrein das zerrüttete Vater-Sohn-Verhältnis zwischen dem Interimsherrscher und seinem zum König berufenen Sohn. Obwohl sie am Set angeblich unprofessionell und anstrengend gewesen sei, spielt sie die entwaffnende Nonchalance, mit der die Theateraktrice Elsie das aristokratische Protokoll aufmischt und den Prinzregenten um den kleinen Finger wickelt, so bravourös, dass man als Zuschauer geneigt ist, diese als ihre beste Rolle zu bezeichnen. Als promisker Prinz liefert Laurence Olivier, der die Rolle auch in der Theatervorlage spielte, hier überdies Regie führte, eine ungemein unterhaltsame Performance, indem er seiner Figur mit dem ganzen Können der Olivier-Mimik und den deutsch gezürnten Flüchen große Komik einhaucht. Über die chaotischen, nicht selten absurden Dreharbeiten schrieb der Regieassistent Colin Clark ein ungemein unterhaltsames Buch.
Genre: Romantische Komödie
Länge: 112 Min.
Regie: Laurence Olivier
Cast: u.a. Marilyn Monroe, Laurence Olivier, Richard Wattis, Sybil Thorndike, Jeremy Spenser, Jean Kent, Gladys Henson, Paul Hardwick, Andreas Malandrinos, David Horne
alt. Titel: The Prince and the Showgirl
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Ein stahlharter Mann (1975)‘, Bildquelle: Ein stahlharter Mann (1975), Columbia, TriStar

Ein stahlharter Mann (1975)

„I knock people down“: Als Herumtreiber Chaney prügelt sich Charles Bronson […]

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Ein stahlharter Mann (1975)

I knock people down“: Als Herumtreiber Chaney prügelt sich Charles Bronson im New Orleans der frühen 1930er Jahre für Geld. Die brachialen, ausführlich gefilmten Faustwettstreits lassen die Kämpfe aus Fight Club“ (1999) wie harmlose Schulhofraufereien wirken. In seinem Regiedebüt fängt Walter Hill aber auch die eigenartige Aura des alten New Orleans ein – her­vor­ragend besetzt, stark gefilmt und für Manche Bronsons beste Rolle.
Genre: Drama
Länge: 90 Min.
Regie: Walter Hill
Cast: u.a. Charles Bronson, James Coburn, Robert Tessier, Jill Ireland, Strother Martin, Margaret Blye, Michael McGuire, Bruce Glover, Nick Dimitri, Edward Walsh
alt. Titel: Hard Times
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Panik (1946)‘, Bildquelle: Panik (1946), Filmsonor

Panik (1946)

Stimmungen: expressionistisch, karg, kleinstädtisch, misanthropisch, trist

Die Bilder – häufig Innenaufnahmen, aber auch die sanftmütig karge, latent surreale Kulissenvorstadt – bewegen sich atmosphärisch an der Grenze zum Expressionismus; kein Wun […]

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Panik (1946)

Die Bilder – häufig Innenaufnahmen, aber auch die sanftmütig karge, latent surreale Kulissenvorstadt – bewegen sich atmosphärisch an der Grenze zum Expressionismus; kein Wunder, war „Panik“ doch auch Julien Duviviers Reaktion auf die bunt-fröhliche Hollywoodoptik, die er als Regisseur in den USA ein halbes Jahrzehnt lang verinnerlicht hatte. In der Pariser Vorstadt wühlt ein Mord die Bewohner auf; und der wahre Mörder arbeitet derweil daran, in dem misanthropischen Exzentriker Monsieur Hire einen falschen erstehen zu lassen. Sukzessive entlarvt „Panik“ die Ansteckungskraft heimtückischer Anschuldigungen: eine Erzählung voll ungeheuerlicher Niedertracht und der menschlichen Schwäche kollektiven Handelns aus einem Gefühl der moralischen Berechtigung und Überlegenheit heraus, die eine Gesellschaft zeigt, in der nur ein Mord noch mehr Menschen anlockt als eine voyeuristische Wrestlingshow. Und wie in einem Fiebertraum erklingt als unentwegtes Hintergrundrauschen ein dumpf-trubeliges Jahrmarktsgedudel.
Genre: Drama
Länge: 99 Min.
Regie: Julien Duvivier
Cast: u.a. Michel Simon, Viviane Romance, Paul Bernard, Max Dalban, Émile Drain, Guy Favières, Charles Dorat, Louis Florencie, Marecel Pérès
alt. Titel: Panique
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966)‘, Bildquelle: Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966), Highland Films

Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966)

Stimmungen: historisch, karg, moralisch, politisch, rhetorisch

Ein Film der Gesichter: das des arrivierten Machtinhabers, dicklich und schwer, von Orson Welles in nur einer Szene mit so viel Ch […]

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Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966)

Ein Film der Gesichter: das des arrivierten Machtinhabers, dicklich und schwer, von Orson Welles in nur einer Szene mit so viel Charakter aufgeladen, dass man gleich alles über diese Figur, den englischen Kardinal und Lordkanzler Wolsey, zu wissen meint; dann das des Königs, dem seine Privatprobleme mehr gelten als die des Landes, mit wutentbrannten Blicken ebenso wie dem flamboyanten Lächeln des hedonistischen Hallodris, von Robert Shaw ebenso in lediglich einer Szene zur vollständigen Reife gebracht; der servile Aufsteiger in Person des machthungrigen Regierungsbeamten, dem für sein persönliches Fortkommen keine Schandtat zu niedrig ist, grandios abscheulich gespielt von Leo McKern und in seiner moralischen Niedertracht lediglich übertroffen von John Hurts jungem Opportunisten; Wendy Hiller als stoische Ehefrau, die erst im ultimativen Moment ihre Fassung verliert, mit einem von inneren Schmerzen verzerrten Gesicht; und schließlich Paul Scofields Märtyrergesicht, das Größe und Tragik des Sir Thomas More ein unvergessliches Antlitz verleiht – dass Scofield dafür einen „Oscar“ erhielt, verwundert jedenfalls nicht. „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“ erzählt die Leidensgeschichte des Thomas More, eines englischen Staatsmannes, der sich stärker in den Dienst von Recht und Ordnung denn des Monarchen Henry VIII. stellt – des Königs, der die anglikanische Kirche gründete, um wieder heiraten zu können. Trotz seiner hagiografischen Tendenz ist das gemächliche Historienstück dank seiner fantastischen Besetzung ein erstklassiges Filmerlebnis – so sehr, dass damals, am Vorabend des New Hollywood-Kinos ein im frühneuzeitlichen England des 16. Jahrhunderts angesiedeltes Drama den „Oscar“ als Bester Film erhielt.
Genre: Historien-Drama
Länge: 121 Min.
Regie: Fred Zinnemann
Cast: u.a. Paul Scofield, Leo McKern, Wendy Hiller, Susannah York, Nigel Davenport, Robert Shaw, John Hurt, Orson Welles, Corin Redgrave, Colin Blakely, Cyril Luckham, Vanessa Redgrave, Jack Gwillim, Thomas Heathcote, Yootha Joyce, Martin, Boddey Michael Latimer
alt. Titel: A Man for All Seasons
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Wild One (1953)‘, Bildquelle: The Wild One (1953), The Stanley Kramer Company

The Wild One (1953)

Stimmungen: aggressiv, laut, rebellisch

Zwei rivalisierende Motorradgangs terrorisieren eine US-amerikanische Kleinstadt. Obzwar der Film technisch verstaubt ist und beträchtlich an […]

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The Wild One (1953)

Zwei rivalisierende Motorradgangs terrorisieren eine US-amerikanische Kleinstadt. Obzwar der Film technisch verstaubt ist und beträchtlich an seiner einstigen Wirkungskraft verloren hat, ist er aufgrund seiner historischen Bedeutung für die damalige Zeit noch immer sehenswert. Marlon Brando und Lee Marvin spielen die beiden Anführer der gefährlichen Rowdys, die sich mit zielloser Aggressivität gegen alles und jeden auflehnen und keinerlei Autorität respektieren – Symbolfiguren rebellischer Jugend.
Genre: Drama
Länge: 79 Min.
Regie: Laslo Benedek
Cast: u.a. Marlon Brando, Mary Murphy, Lee Marvin, Robert Keith, Ray Teal, Jay C. Flippen
alt. Titel: Der Wilde
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Panther wird gehetzt (1960)‘, Bildquelle: Der Panther wird gehetzt (1960), TF1 International, Zebra Films

Der Panther wird gehetzt (1960)

Stimmungen: großstädtisch, kriminell, pessimistisch, urban

Nie war die malerische Côte d’Azur trister und einsamer: Es ist nicht die Handlung und auch nicht so sehr die Figuren […]

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Der Panther wird gehetzt (1960)

Nie war die malerische Côte d’Azur trister und einsamer: Es ist nicht die Handlung und auch nicht so sehr die Figuren, womit „Der Panther wird gehetzt“ sein Publikum packt und vereinnahmt, sondern die Atmosphäre, die diese finstere Gangsterballade – einer von Claude Sautets frühen Filmen – von der ersten Sekunde an entfaltet. Das oft romantisch angehauchte, metropolitane Paris erscheint gefühlskalt und leer. „Der Panther wird gehetzt“ erzählt vom schleichenden Verfall eines Ex-Gangsterbosses auf der Flucht, den seine arrivierten Freunde, die ihm fast alles zu verdanken haben, im Stich lassen, weil sie ihre neuerdings legale Position nicht aufs Spiel setzen wollen. Lino Ventura gibt diesem Abel Davos ein nachdenkliches, fatalistisches Gesicht – einem Mann, der einerseits ein schnell schießender Verbrecher, andererseits das Opfer irrtümlicher Loyalität ist. Und in der Nebenrolle des Eric Stark, eines kleinen, sympathischen Ganoven, der Davos beisteht, ist ein junger Jean-Paul Belmondo zu sehen. Wie als Vorgriff auf Sautets alltagsnahe Siebzigerjahre-Miniaturen fühlen sich die Gangster in „Der Panther wird gehetzt“ immer ein Stückchen realistischer an als in ähnlichen Filmen – vielleicht kein Wunder, war der Story-Urheber José Giovanni doch selbst einer gewesen.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 108 Min.
Regie: Claude Sautet
Cast: u.a. Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Sandra Milo, Claude Cerval, Michel Ardan, Marcel Dalio, Simone France, Michèle Méritz, Stan Krol, Robert Desnoux, Thierry Lavoye, René Génin, Jeanne Pérez, France Asselin, Evelyne Ker, Betty Schneider, Jean-Pierre Zola, Sylvain Levignac
alt. Titel: Classe tous risques
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Singin’ in the Rain (1952)‘, Bildquelle: Singin’ in the Rain (1952), Loew’s Inc.

Singin’ in the Rain (1952)

Stimmungen: hollywoodesk, kalifornisch, musikalisch

Wenn Gene Kelly zum Titelsong, zu „Singin’ in the Rain“ ansetzt, nachdem sich […]

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Singin’ in the Rain (1952)

Wenn Gene Kelly zum Titelsong, zu „Singin’ in the Rain“ ansetzt, nachdem sich Debbie Reynolds als seine Angebetete mit einem kurzen Kuss von ihm verabschiedet hat und er liebestrunken durch die verregnete Nacht torkelt, dann entfaltet sich in dieser einen Szene ein Zauber, der in einer einzigen Sequenz die ganze Essenz des klassischen Unterhaltungskinos à la Hollywood aus sich selbst heraus erklärt. Ohnehin ist „Singin’ in the Rain“ ein Film aus Hollywood über Hollywood, und zwar das alte, am Vorabend der Tonfilmära. Gene Kelly ist Don Lockwood, ein Stummfilmstar, und Debbie Reynolds eine Tänzerin, die von einer Filmkarriere träumt und in die sich Lockwood verliebt hat. Aus den Szenen spricht die Magie des alten Hollywood – mit seinen großen Studiochefs; den champagnergetränkten Partys, den nicht ohne Filmvorführung auskommen; oder den sündhaft teuren Villen, deren Mobiliar und Architektur eine wilde Mischung aus Antike, Mittelalter und Biedermeier sind –; verschwiegen werden zugunsten der heiteren Aura des Films freilich die Abgründe, in die so viele stürzten. Und die Tanzeinlagen perfektionieren „Singin’ in the Rain“ zum idealtypischen Musical. Die spontane Performance von Donald O’Connor am Filmset etwa ist ein fast schon furchteinflößendes Zeugnis der künstlerischen Perfektion, zu der die Menschen hier in diesen minutenlangen Sequenzen mit nur ganz wenigen Schnitten getrieben werden – eine irrsinnig rasante Bewegungsmaschinerie, die heute vermutlich sofort unter CGI-Verdacht stände. Debbie Reynolds sagte später, dass die beiden härtesten Erfahrungen ihres Lebens die Entbindung und „Singin’ in the Rain“ gewesen seien – als Zuschauer indes wird man dank dieser ultimativen Perfektionisten bedingungslos gut unterhalten.
Genre: Romantisches Musical
Länge: 103 Min.
Regie: Stanley Donen, Gene Kelly
Cast: u.a. Gene Kelly, Debbie Reynolds, Donald O’Connor, Jean Hagen, Millard Mitchell, Rita Moreno, Cyd Charisse, Douglas Fowley, Kathleen Freeman
alt. Titel: Du sollst mein Glücksstern sein
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Mackintosh-Mann (1973)‘, Bildquelle: Der Mackintosh-Mann (1973), Warner Bros.

Der Mackintosh-Mann (1973)

Er ist nicht der, für den man ihn hält, und nichts ist so, wie es scheint. In diesem turbulenten, als James-Bond-Konkurrenz konzipierten […]

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Der Mackintosh-Mann (1973)

Er ist nicht der, für den man ihn hält, und nichts ist so, wie es scheint. In diesem turbulenten, als James-Bond-Konkurrenz konzipierten Thriller mit seinen zahllosen Wendungen gerät Paul Newman als Diamantendieb in einen Komplott, in den auch die politische Elite des Vereinigten Königreichs involviert ist. Zu sehen sind originelle Bösewichte wie Jenny Runacre als fiese Gerda oder James Mason als korrupter Politiker, der seine Szenen mit einer herrlich arroganten Gravität dominiert. All das gipfelt in einem überraschenden Finale, das keine Gewinner kennt.
Genre: Thriller
Länge: 98 Min.
Regie: John Huston
Cast: u.a. Paul Newman, Dominique Sanda, James Mason, Harry Andrews, Ian Bannen, Nigel Patrick, Peter Vaughan, Jenny Runacre
alt. Titel: The MacKintosh Man
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Rita, Sue und Bob dazu …(1987)‘, Bildquelle: Rita, Sue und Bob dazu …(1987), Film Four International

Rita, Sue und Bob dazu …(1987)

Stimmungen: britisch, englisch, proletarisch, sexuell, suburban

Mehr Achtzigerjahre-England der verrufenen Thatcher-Ära, als „Rita, Sue […]

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Rita, Sue und Bob dazu …(1987)

Mehr Achtzigerjahre-England der verrufenen Thatcher-Ära, als „Rita, Sue und Bob dazu …“ auf so geringer Vorstadtfläche versprüht, geht wohl nicht. Als die beiden proletarischen Schülerinnen Rita und Sue mit dem mittelschichtigen Vater ihres Babysitting-Kindes eine Ménage-à-trois beginnen, steht dieser Eskapismus der Arbeiterklasse ganz in der der Tradition des britischen Kitchen sink drama der späten 1950er Jahre. Die Story entstammt zwei Theaterstücken, die autobiografische Episoden aus dem Leben von Andrea Dunbar enthalten, die das Arbeiterkind aus dem Norden Englands mit 15 Jahren zu schreiben begonnen hatte. „Rita, Sue und Bob dazu …“ spielt denn auch in Dunbars Heimat, der miesesten Gegend von Bradford, die hier mit ihren baufälligen Häusern und ausweglosen Blicken der darin lebenden Menschen wie ein Fanal für die sozioökonomischen Verwerfungen der Thatcher-Jahre stehen – mehr Wasteland denn Wohnviertel. Der ganze Film ist erstklassig besetzt, aber das Highlight sind Sues Underclass-Eltern – natürlich neben der „Gang Bang“-Performance von Black Lace.
Genre: Dramatische Komödie
Länge: 93 Min.
Regie: Alan Clarke
Cast: u.a. Michelle Holmes, Siobhan Finneran, George Costigan, Lesley Sharp, Kulvinder Ghir, Willie Ross, Maureen Long, Danny O’Dea, Paul Hedges
alt. Titel: Rita, Sue and Bob Too
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Bulle von Paris (1985)‘, Bildquelle: Der Bulle von Paris (1985), Gaumont, TF1 Films Production

Der Bulle von Paris (1985)

Stimmungen: dunkel, kriminell, nächtlich, urban

Kleine und größere Kriminelle werden eingebuchtet, Alltag der Pariser Drogenfahndung. Einer ihrer Ermittler, Mangin, schlägt sich mit dem Fall einer Bande […]

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Der Bulle von Paris (1985)

Kleine und größere Kriminelle werden eingebuchtet, Alltag der Pariser Drogenfahndung. Einer ihrer Ermittler, Mangin, schlägt sich mit dem Fall einer Bande tunesischer Brüder herum, verliebt sich in die Freundin eines der Ganoven. In „Der Bulle von Paris“ entfaltet sich in den Trakten der Polizeidienststelle und im Pariser Nachtleben die seltsame Gleichzeitigkeit von routinierter Verbrechensbekämpfung und sinnlicher Romantik. Maurice Pialats atmosphärisches Kriminal-Drama verfängt mit seiner unaufdringlichen Authentizität und den superben Performances von Sophie Marceau und Gérard Depardieu.
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 109 Min.
Regie: Maurice Pialat
Cast: u.a. Gérard Depardieu, Sophie Marceau, Richard Anconina, Sandrine Bonnaire, Pascale Rocard, Franck Karoui, Jonathan Leïna, Jacques Mathou, Bernard Fuzellier, Bentahar Meaachou, Yann Dedet, Abdel Kader Touati, Taya Ouzrout, Mohamed Ayari
alt. Titel: Police
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Alles auf eine Karte (1961)‘, Bildquelle: Alles auf eine Karte (1961), Columbia Pictures

Alles auf eine Karte (1961)

Stimmungen: finster, kriminell

Wie Tolly Devlins Vater in einer New Yorker Nebengasse totgeprügelt wird, sieht man bloß an den düsteren Silhouetten seiner vier Mörder, die über eine B […]

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Alles auf eine Karte (1961)

Wie Tolly Devlins Vater in einer New Yorker Nebengasse totgeprügelt wird, sieht man bloß an den düsteren Silhouetten seiner vier Mörder, die über eine Backsteinfassade toben. Das ist das Gegenteil des späteren Scorsese-Gewaltrealismus der Neunziger in Goodfellas“ (1990) oder Casino“ (1995) – und doch wirken die Ganovenfiguren des Regisseurs Sam Fuller in „Alles auf eine Karte“ wie Blaupausen für Scorseses Mafiosi. Sie sind keine schon habituell als solche erkennbaren Kriminellen wie in den alten Hollywood-Gangsterfilmen à la The Public Enemy“ (1931) oder Scarface“ (1932); Fullers Verbrecher sind gekleidet wie Geschäftsleute, ihre Entscheidungen für Mord und Totschlag entspringen aus dem wirtschaftlichen Kalkül von Konzernlenkern. Fullers pessimistische Botschaft, dass sich organisiertes Verbrechen in den USA durchaus auszahlt, ließen ihm Hollywoods Zensoren damals freilich nicht durchgehen. Cliff Robertson spielt hier am Anfang seiner großen Karriere einen von Rache besessenen, schließlich vollends aufgezehrten Safeknacker, der sich geschworen hat, die Mörder seines Vaters zur Strecke zu bringen, und der für dieses Vorhaben mit kühler Raffinesse die Staatsgewalt ausnutzt. Der Film, den Fuller eigentlich drehen wollte, ließ mit seinen Bildern von Morden und Prostitution, nicht zuletzt auch der entrüstenden Hilflosigkeit der Staatsmacht den damaligen Hollywoodzensoren des Production Code die Haare zu Berge stehen und die panischen Studioleute von Columbia ihm etliches davon wieder ausreden. Was übrig blieb, ist trotz allem noch immer von erstaunlicher Härte und pessimistischem Realismus – so schaffte es auch die Szene ins Kino, in welcher der Gangsterboss mit seinen Sektionschefs für Drogen, Gewerkschaftskorruption und Prostitution am Swimmingpool über gegenwärtige Marktchancen konferiert: „Now there are at least 13 million kids in thiss country between the ages of ten and fifteen. Don’t tell me the end of a needle has a conscience.“
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 99 Min.
Regie: Samuel Fuller
Cast: u.a. Cliff Robertson, Dolores Dorn, Beatrice Kay, Paul Dubov, Robert Emhardt, Larry Gates, Richard Rust, Gerald Milton, Allan Gruener, David Kent, Peter Brocco, Robert P. Lieb
alt. Titel: Underworld U.S.A.
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Fahrstuhl zum Schafott (1958)‘, Bildquelle: Fahrstuhl zum Schafott (1958), Nouvelles Éditions de Films NEF

Fahrstuhl zum Schafott (1958)

Stimmungen: großstädtisch, spannend, urban

In einem Fahrstuhl bleibt der ewige Traum vom perfekten Mord stecken: Jeanne Moreau irrt im inneren Monolog durch die Pariser Nac […]

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Fahrstuhl zum Schafott (1958)

In einem Fahrstuhl bleibt der ewige Traum vom perfekten Mord stecken: Jeanne Moreau irrt im inneren Monolog durch die Pariser Nacht, ein junges Paar braust im geklauten Cabriolet davon und Lino Ventura lauert in einer seiner archetypischen Rollen als Kriminalkommissar gelassen darauf, dass sich die Täter selbst entlarven. Ein böser Zufall sabotiert den kriminellen Akt, der wiederum aus der Liebe geboren ist, im Hintergrund spielt die melancholische Jazztrompete von Miles Davis. Louis MallesFahrstuhl zum Schafott“ ist ein eloquenter Nouvelle Vague-Prolog – war zudem Malles Debüt und etablierte die Moreau als Leinwandstar –, er wirkt noch immer erstaunlich frisch und liefert eine Momentaufnahme vom Paris der späten Fünfziger als grauer Metropole, die wenig bis gar nichts mit ihrem romantischen Image gemein hat.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 92 Min.
Regie: Louis Malle
Cast: u.a. Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Georges Poujouly, Yori Bertin, Micheline Bona, Lino Ventura, Iván Petrovich, Elga Andersen, Jean Wall, Félix Marten
alt. Titel: Ascenseur pour l’échafaud
Text verfasst von: Robert Lorenz
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