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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Only Angels Have Wings (1939)‘, Bildquelle: Only Angels Have Wings (1939), Columbia Pictures

Only Angels Have Wings (1939)

Ein Schiff läuft in den nebelverhangenen Hafen irgendwo in Südamerika ein und an der Frau, die von Bord geht, werden Bananenstauden vorbeigetragen, im Dunkel des Abends tummeln s […]

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Only Angels Have Wings (1939)

Ein Schiff läuft in den nebelverhangenen Hafen irgendwo in Südamerika ein und an der Frau, die von Bord geht, werden Bananenstauden vorbeigetragen, im Dunkel des Abends tummeln sich betriebsame Menschen auf den Straßen, das Klima ist tropisch, in einer Bar wird zu mexikanischer Gitarrenmusik getanzt. Die beiden Männer, die Jean Arthurs junge Revuetänzerin aus New York auf der Straße aufgabeln und abschleppen wollen, sind Piloten, Postflieger in unwegsamem Gebiet, Teufelskerle, die mit jedem Flug ihr Leben aufs Spiel setzen. Auf der Landebahn wartet schon die nächste Maschine auf die tollkühnen Flieger, die so höhensüchtig sind, dass sie für einen Job sogar hierher kommen. Howard Hawks’ Abenteuer-Drama – eine Kompilation realer Menschen und wahrer Begebenheiten – erzählt von den waghalsigen Postfliegern und ihrem riskanten Alltag, in ein-, zwei- oder manchmal auch dreimotorigen Maschinen bei miserabler Sicht ihre Ladung durch enge Gebirgspässe an entlegene Orte zu transportieren. Bonnie Lee, die Frau auf der Durchreise, verliebt sich in Geoff Carter, den hartgesottenen Manager von „Barranca Airways“, der mit seiner Buschpilotenmentalität bereits mit dem Tod verheiratet ist. Mit „Only Angels Have Wings“ blickt man wie durch ein Periskop in eine Zeit, in der die Avionik zwar die Menschen in die Lüfte beförderte, aber noch nicht so ausgereift war, um sie darin sicher zu bewegen. Der Schauplatz ist ein Flugfeld am Fuße der Anden, von Palmen umgeben und vor dem Hintergrund der Berge, in deren Schluchten die Kondore kreisen und ein Ausguck per Funk ständig die Wetterlage meldet; die Maschinen in Ganzmetallbauweise starten bei Nacht, preschen beim Abheben durch Pfützen und ihre Sternmotoren verleihen dem Film mit ihrem sonoren Dröhnen einen unvergesslichen Sound. Weil es ständig dunkel ist, meist regnet und stürmt, fällt überhaupt nicht auf, dass der Film fast komplett im Studio entstanden ist – im Gegenteil verdichtet sich eine Atmosphäre, die im Dreißigerjahre-Schwarz-Weiß ähnlich abenteuerlich wirkt wie etwa Frank Capras „Lost Horizon (1937), nicht zuletzt das Werk des Kameramannes beider Werke: Joseph Walker.
Genre: Abenteuer-Drama
Länge: 121 Min.
Regie: Howard Hawks
Cast: u.a. Jean Arthur, Cary Grant, Thomas Mitchell, Richard Barthelmess, Rita Hayworth, Sig Ruman, Allyn Joslyn, Victor Kilian, John Carroll, Don „Red“ Barry, Noa Beery Jr., Lucio Villegas, Manuel Álvarez Maciste, Pat Flaherty, Cecilia Callejo, Pedro Regas, Pat West
alt. Titel: SOS Feuer an Bord
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Szene aus ‚Breezy (1973)‘, Bildquelle: Breezy (1973), Universal Pictures, The Malpaso Company

Breezy (1973)

Stimmungen: amourös, hedonistisch, hippiesk, kalifornisch, romantisch

Wie sentimental und romantisch die Inkarnation des lakonischen Westernhelden – Clint Eastwood – sein kann, zeigt „ […]

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Breezy (1973)

Wie sentimental und romantisch die Inkarnation des lakonischen Westernhelden – Clint Eastwood – sein kann, zeigt „Breezy“. Bei seiner dritten Regiearbeit in nur zwei Jahren spielte Eastwood (bis auf ein winziges Komparsencameo) nicht mit; die Titelheldin ist ein Hippie, eine Siebzehnjährige, die mit einer entwaffnenden Offenheit das Herz des dreißig Jahre älteren Immobilienmaklers Frank Harmon – eines Luxus-Loners – gewinnt. Durch die junge Frau wird Harmon mit seiner faktischen Einsamkeit, aber auch dem Odium des enormen Altersunterschiedes konfrontiert. „Breezy“ ist ein durchgängig angenehmer Film, ohne auch nur eine Sekunde in Kitsch zu verfallen, in dem materialistisches Establishment und ziellose Gegenkultur eine sympathische Synthese eingehen.
Genre: Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Clint Eastwood
Cast: u.a. Kay Lenz, William Holden, Roger C. Carmel, Marj Dusay, Jamie Smith-Jackson, Joan Hotchkis, Norman Bartold, Scott Holden, Dennis Olivieri
alt. Titel: Begegnung am Vormittag
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Szene aus ‚Ride the High Country (1962)‘, Bildquelle: Ride the High Country (1962), MGM, Turner Entertainment

Ride the High Country (1962)

Stimmung: melancholisch

„Justified“ will Steve Judd, einst Lawman und Revolverheld, aus dem Leben scheiden. Nachdem er sich am Ende des A […]

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Ride the High Country (1962)

Justified“ will Steve Judd, einst Lawman und Revolverheld, aus dem Leben scheiden. Nachdem er sich am Ende des Alten Westens mit ziemlich miesen Jobs über Wasser gehalten hat, will er sich mit einem neuen Engagement wieder Selbstrespekt verschaffen. Die Zeit, in der er aufgewachsen und auf die er spezialisiert ist – der Wilde Westen –, liegt in ihren letzten Zügen; aber weil Gangster die Goldtransporte aus den Bergen überfallen, brauchen die Banker, bei denen Judd anheuert, für ihr zukunftsfestes Geschäft einen Virtuosen der Schusswaffe und des Geländes, einen alten Hasen. Mit seinem Kompagnon Gil Westrum (Randolph Scott in seiner letzten Rolle), der als Buffalo-Bill-Verschnitt kostümiert einen Rummelstand betreibt, und dem schießfreudigen Heißsporn Heck Longtree reitet Judd in die Sierra Nevada, um das Gold abzuholen. Zehn Jahre später war er bei einigen Kritikern als blutrünstiger Gewaltverherrlicher verschrien, als „Bloody Sam“, einer der kontroversesten Köpfe der Kinogeschichte; aber damals, 1962, kannte ihn keiner: Sam Peckinpah. „Ride the High Country“ war sein zweiter Kinofilm und er noch nicht das Enfant terrible, als das ihn nur kurze Zeit später ganz Hollywood fürchtete. Man merkt die Studiobemühungen, den Film mit üblichen Zutaten zu garnieren, auf dass er ein Kassenerfolg werde: Mariette Hartley und Ron Starr sind als Sympathieträger für ein jüngeres Publikum im Cast platziert und in manchen Szenen blitzt der Humor von Technicolor-Westernklamauk auf. Aber das ficht Peckinpah nicht an: Man erkennt hier bereits viel von den Ideen und Sujets, die er dann in späteren und vor allem um ein Vielfacheres brutaleren Filmen ausstaffieren durfte. Das Peckinpah-Kino aus The Wild Bunch liegt da in der Tat noch einige Jahre in der Zukunft, aber was der junge Regisseur aus dem klassischen Westernstoff macht, den er hier verfilmen soll, ist auch heute noch von beeindruckender Originalität – auch wenn der Film streckenweise gewöhnlich erscheint. Aber Peckinpah-Western fühlen sich anders an als Genrekollegen und das ist auch schon in „Ride the High Country“ so. Es sind die Details, in denen Peckinpah die Hollywood’schen Konventionen unterminiert: Randolph Scott trägt fast den gesamten Film über eine Regenjacke, wie sie so räudig selten zu sehen war. Die Gespräche zwischen den zwei alten Männern sind ein Abgesang auf den alten Westen und der Weg in den unvermeidlichen Untergang wird in kameradschaftlicher Kollektivität beschritten; Warren Oates und L.Q. Jones spielen in ihren kleinen Nebenrollen Hillbilly-Hitzköpfe aus den kalifornischen Bergen, von denen man in anderen Filmen kaum Notiz nehmen würde, die hier aber zu kleinen Events werden; zum Lesen muss der alte Revolverheld eine Brille aufsetzen, ein anderer stößt seine Kaffeetasse um, da seine Hände gefesselt sind. Der Richter im Goldgräberdorf ist ein elender Trunkenbold, in dem sich bereits Peckinpahs Faible für die genüssliche Entblößung maroder Eliten zeigt. Einzig die Prostituierten in „Kate’s Place“ bilden eine unverrückbare Konstante. Aber die vielleicht größte Überraschung des Films ist das Finale, in dem die ganze Westernmelancholie, die den anderthalb Stunden zuvor innegewohnt hat, noch einmal explodiert.
Genre: Western
Länge: 94 Min.
Regie: Sam Peckinpah
Cast: u.a. Joel McCrea, Randolph Scott, Ron Starr, Mariette Hartley, James Drury, R.G. Armstrong, Edgar Buchanan, L.Q. Jones, Warren Oates, John Anderson, John Davis Chandler, Byron Foulger, Percy Helton
alt. Titel: Sacramento
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Szene aus ‚Sky Riders (1976)‘, Bildquelle: Sky Riders (1976), Twentieth Century-Fox

Sky Riders (1976)

Stimmungen: mediterran, spannend, terroristisch

Terroristen entführen in Griechenland Ellen Bracken und ihre beiden Kinder, die Angehörigen eines US-amerikanischen Millionärs; statt Lösegeld erpressen […]

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Sky Riders (1976)

Terroristen entführen in Griechenland Ellen Bracken und ihre beiden Kinder, die Angehörigen eines US-amerikanischen Millionärs; statt Lösegeld erpressen sie Waffen und Ausrüstung. Die politisch radikalisierte Gruppe hat sich schier unerreichbar in einem alten Kloster in den Bergen verschanzt, rechnet freilich nicht mit dem Abenteurer und Buschpiloten Jim McCabe – Brackens Ex-Mann und leiblicher Vater eines der Kinder. Während die griechische Polizei ermittelt – sehenswert: Charles Aznavour als Polizeichef mit dem Erscheinungsbild eines sonnenbebrillten Diktators –, heckt McCabe in einer Mischung aus Risikofreude und Familiensinn einen waghalsigen Plan aus: die Terrorfestung mit Paraglidern anzugreifen. McCabe verkörpert so etwas wie den geheimen Traum der Zivilgesellschaft: sich selbst aus der Patsche zu helfen, wo der Staat versagt. „Sky Riders“ kombiniert einen originellen Plot mit interessanten Figuren (u.a. die Sechziger-Ikone Zouzou als Terroristin) zu einem Prolog auf das Action-Kino à la Stallone und Schwarzenegger, das rund zehn Jahre vor dem Blockbuster-Heroismus der Achtziger stets so zurückhaltend ist, dass es seinen Realismus nie ganz aufgibt.
Genre: Action-Thriller
Länge: 91 Min.
Regie: Douglas Hickox
Cast: u.a. James Coburn, Susannah York, Charles Aznavour, Robert Culp, John Beck, Werner Pochath, Henry Brown, Zouzou, Harry Andrews, Barbara Trentham, Cherie Latimer, Ernie F. Orsatti, Simon Harrison, Steven Keats, Stephany Mathews
alt. Titel: Auf der Fährte des Adlers
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Szene aus ‚Being There (1979)‘, Bildquelle: Being There (1979), Warner Bros., Lorimar

Being There (1979)

Stimmungen: luxuriös, satirisch, sehr lustig, witzig

Peter Sellers spielt hier, in seinem letzten großen Film, einen Mann vom Gemüt eines Kindes, der durch einen Zufall binnen weni […]

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Being There (1979)

Peter Sellers spielt hier, in seinem letzten großen Film, einen Mann vom Gemüt eines Kindes, der durch einen Zufall binnen weniger Tage vom obdach- und ziellosen Verlorenen zum gefragten Wirtschaftsexperten und Präsidentschaftsanwärter avanciert. Chance, der Gärtner eines vermögenden Mannes, betritt nach dessen Tod zum ersten Mal die Außenwelt – eine geniale Szene, in der eine Funk-Version von Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ einsetzt, als Chance das Haus verlässt. Als Leidtragender eines harmlosen Unfalls gerät er in die Villa eines Washingtoner Multimillionenmoguls, der einen direkten Draht zum US-Präsidenten hat, aber mit schwerer Krankheit im Bett siecht. Chance, der durch ein Missverständnis nun als der Unternehmer Chauncey Gardiner firmiert, weckt in dem Todgeweihten die Lebensgeister und gerät im Nu zur charismatischen Gestalt der Hochpolitik, an dessen Lippen ganz US-Amerika klebt und dessen ernstgemeinte Ratschläge zum erfolgreichen Gärtnern als weise Metaphern eines Wirtschaftsgurus verstanden werden. Chance/Gardiner gerät zur Projektionsfläche einer überhitzten, in ihren Routinen erstarrten Elite, deren Konzepte, Strategiefähigkeit und Affinität für Geschwätz er mit seinem unfreiwilligen Erfolg entlarvt. Hal Ashbys Verfilmung eines Romans von Jerzy Kosinski ist eine ganz eigentümliche Politsatire, in manchen Momenten von feiner Situationskomik, in anderen von tiefer Melancholie. Wenn die über zwei Stunden von „Being There“ wie im Fluge vergangen sind, möchte man ihn am liebsten gleich ein weiteres Mal sehen – und dann noch einmal …
Genre: Politsatire
Länge: 125 Min.
Regie: Hal Ashby
Cast: u.a. Peter Sellers, Shirley MacLaine, Melvyn Douglas, Richard Dysart, Ruth Attaway, Jack Warden, Richard Baseheart, David Clennon, Fran Brill, Denise DuBarry
alt. Titel: Willkommen, Mr. Chance
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Szene aus ‚Life at the Top (1965)‘, Bildquelle: Life at the Top (1965), Romulus Films, Columbia Pictures

Life at the Top (1965)

Stimmungen: britisch, englisch

„Life at the Top“ zeigt quasi, was hinter dem Horizont liegt, zu dem das frisch vermählte Paar am Ende des Films auf der Rückbank einer Limousine aufbr […]

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Life at the Top (1965)

Life at the Top“ zeigt quasi, was hinter dem Horizont liegt, zu dem das frisch vermählte Paar am Ende des Films auf der Rückbank einer Limousine aufbricht. Der Film ist die Fortsetzung von Room at the Top (Review auf Filmkuratorium.de lesen), der 1959 in Gestalt von Joe Lampton erstmals den Angry Young Man auf die Leinwand brachte, den der junge Dramatiker John Osborne ein paar Jahre zuvor semiautobiografisch für die Bühne erdacht hatte (Look Back in Anger (Review auf Filmkuratorium.de lesen), 1956). Laurence Harvey spielte ihn als aggressiv ambitionierten Mann aus der Arbeiterklasse, der in reichere, feinere Gesellschaftsschichten strebt und schließlich die Tochter eines schwerreichen Fabrikanten heiratet. In „Life at the Top“ kehrt Lampton zurück, und wieder verkörpert ihn Harvey mit einer Mischung aus erzürntem Ehrgeiz und hilflosen Minderwertigkeitsgefühlen, da er ihm mangels Studium der Eton- und „Oxbridge“-Nimbus nicht anhaftet. Der frische New Wave-Charme des Vorgängers haftet der Fortsetzung mit ihrem konventionellen Drama zwar nicht mehr an, aber eine ganze Menge Close-ups und Perspektiven geben ihr eine besondere Note.
Genre: Drama
Länge: 111 Min.
Regie: Ted Kotcheff
Cast: u.a. Laurence Harvey, Jean Simmons, Honor Blackman, Donald Wolfit, Michael Craig, Allan Cuthbertson, Margaret Johnston, Nigel Davenport, Robert Morley, Frances Cosslett, Paul A. Martin, Ambrosine Phillpotts, Edward Fox
alt. Titel: Ein Platz ganz oben
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Szene aus ‚Room at the Top (1959)‘, Bildquelle: Room at the Top (1959), Remus Films

Room at the Top (1959)

Stimmungen: amourös, britisch, englisch, tragisch

Der – zumindest chronologisch – erste Film der British New Wave mit ihrem seinerzeit frischen, sezierenden Blick auf die englische Klassengesellschaf […]

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Room at the Top (1959)

Der – zumindest chronologisch – erste Film der British New Wave mit ihrem seinerzeit frischen, sezierenden Blick auf die englische Klassengesellschaft stammte ironischerweise nicht von der progressiven Avantgarde, die sich bei Woodfall Film einfand, sondern war eine dezidiert kommerzielle Produktion, die auch gleich zu den kassenträchtigsten Filmen des Jahres zählte. Laurence Harvey spielt darin einen ehrgeizigen Verwaltungsangestellten, der sich aus der Arbeiterklasse erhoben hat und sich nun anschickt, rücksichtslos in das Establishment vorzudringen. Dabei gerät er in ein soziales Niemandsland, da er einerseits die habituellen Gepflogenheiten der Upperclass nicht beherrscht, andererseits seine Herkunftsklasse ihn mit seiner vornehmen Kleidung und der schneidigen Frisur nicht mehr als einen der ihren erkennt. Die besten Momente hat „Room at the Top“ in der turbulenten, leidenschaftlichen, tragischen Romanze zwischen Harveys Joe Lampton und der Französin Alice Aisgill – völlig zu Recht wurde Simone Signoret für diese gigantische Performance mit Preisen überhäuft.
Genre: Drama
Länge: 117 Min.
Regie: Laurence Harvey, Simone Signoret, Heather Sears, Donald Houston, Donald Wolfit, Hermione Baddeley, John Westbrook, Allan Cuthbertson, Ambrosine Phillpotts, Mary Peach, Raymond Huntley, April Olrich
Cast: u.a. Jack Clayton
alt. Titel: Der Weg nach oben
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Szene aus ‚McQ (1974)‘, Bildquelle: McQ (1974), Warner Bros.

McQ (1974)

Als die Western-Helden Clint Eastwood und Charles Bronson zu resoluten Einz […]

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McQ (1974)

Als die Western-Helden Clint Eastwood und Charles Bronson zu resoluten Einzelkämpfern des Großstadtdschungels der schmutzigen Siebziger wurden, versetzte man auch den alten John Wayne in eine solche Rolle: Nachdem sein Partner ermordet worden ist, quittiert Lieutenant McQ den Dienst und ermittelt auf eigene Faust, gegen den Widerstand seiner einstigen Vorgesetzten. Kokain-Diebstahl, korrupte Cops und brutale Shotgun-Tode: John Sturges inszenierte mit „McQ“ einen harten Metropolen-Krimi im Seattle der Siebziger.
Genre: Action-Krimi
Länge: 111 Min.
Regie: John Sturges
Cast: u.a. John Wayne, Diana Muldaur, Colleen Dewhurst, Eddie Albert, Julian Christopher, Clu Gulager, Al Lettieri, Roger E. Mosley, David Huddleston, William Bryant
alt. Titel: McQ schlägt zu
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Szene aus ‚Georgy Girl (1966)‘, Bildquelle: Georgy Girl (1966), Columbia

Georgy Girl (1966)

Stimmungen: britisch, englisch, heiter, witzig

Hinter der heiteren Fassade verbergen sich lauter kleine Tragödien: Die Anfang zwanzigjährige Georgy – ungeküsste Jungfrau – ist eine fröhl […]

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Georgy Girl (1966)

Hinter der heiteren Fassade verbergen sich lauter kleine Tragödien: Die Anfang zwanzigjährige Georgy – ungeküsste Jungfrau – ist eine fröhliche Nonkonformistin, die sich allen Zwängen entzieht, aber im Kern trotzdem traditionell ist. Ihre Mitbewohnerin (die junge Charlotte Rampling), eine herzlos-promiskuitive Narzisstin, bekommt ein Kind, verweigert sich aber der Mutterschaft. Der reiche Arbeitgeber ihres Vaters, in dessen Haus sie aufwuchs, will Georgy vertraglich als seine Konkubine engagieren, während seine sieche Ehefrau auf den Tod wartet. Eine fast tänzerische Bewegung auf der Suche nach Glück im Swinging London der Sechziger – der eingängige Titelsong der Seekers stürmte damals die Hitparaden.
Genre: Dramatische Komödie
Länge: 95 Min.
Regie: Silvio Narizzano
Cast: u.a. Lynn Redgrave, Alan Bates, James Mason, Charlotte Rampling, Bill Owen, Clare Kelly, Rachel Kempson
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Szene aus ‚Seconds (1966)‘, Bildquelle: Seconds (1966), Paramount Pictures, Joel Productions, Gibraltar Productions

Seconds (1966)

Stimmungen: bizarr, psychedelisch, suburban, surreal

Wenn es so etwas wie Filmjuwelen gibt, dann ist John Frankenheimer sicherlich der Filmjuwelier schlechthin. Was er allein zwischen 196 […]

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Seconds (1966)

Wenn es so etwas wie Filmjuwelen gibt, dann ist John Frankenheimer sicherlich der Filmjuwelier schlechthin. Was er allein zwischen 1962 und 1966 drehte, genügte für ein mehr als imposantes Œuvre und einen weit überdurchschnittlichen Anteil an Hollywoods besten Werken. Am Ende dieser extrem kreativen wie produktiven Phase stand neben Grand Prix auch „Seconds“ – was besonders bemerkenswert ist, da diese beiden Filme so unterschiedlich sind und doch vom selben Regisseur aus der gleichen Zeit stammen. „Seconds“ erzählt die Geschichte eines radikalen Neubeginns; aber der Optimismus, die Euphorie, die mit diesem Sujet verbunden sein könnten, werden hier durch und durch konterkariert von beklemmenden Momenten, verstörend-psychedlischen Szenen und einem der härtesten Schlussmomente, die es jemals ins Mainstreamkino geschafft haben. Die Szenen zwischen Frances Reid und John Randolph, Frau und Mann, entblößen die New Yorker Vorstadtehe in materieller Sorglosigkeit als emotionslose Beziehungshülle – die Frau kümmert sich um den Rosengarten, während der Mann mit dem Zug in die Metropole aufbricht, um dort in einem Bürojob viel Geld zu verdienen, mit dem sie materialistisch die menschliche Distanz in einer eigentlich distanzlosen Beziehungsform – der Ehe – übertünchen. Dann kommt Rock Hudson in den Film, damals der größte Star der Welt, Frankenheimer traut ihm nicht so viel zu wie seinem ursprünglichen Favoriten auf die Rolle: Laurence Olivier. Den wollte das Studio nicht – ein Glück, es ist nicht nur Hudsons wohl beste Performance in seiner ganzen Karriere, sondern auch überhaupt eine der großen in der Geschichte Hollywoods. Wie er – teilweise real – betrunken durch seine Schickeria-Party torkelt (gedreht wurde in Frankenheimers Malibu-Strandhaus) und noch viel mehr, wie er auf einem Happening in den kalifornischen Hügeln mit beinahe hysterischer – abermals realer – Skeptik dem nackten Treiben gegenübersteht und dann in eine Weintraubenkatharsis buchstäblich hineingezogen wird, das wird allenfalls von der durch und durch schockierenden Schluss-Sequenz übertroffen.
Genre: Drama
Länge: 107 Min.
Regie: John Frankenheimer
Cast: u.a. Rock Hudson, John Randolph, Salome Jens, Frances Reid, Jeff Corey, Will Geer, Wesley Addy, Murray Hamilton, Khigh Dhiegh, Richard Anderson, Nedrick Young, Elisabeth Fraser, Françoise Ruggieri, Edgar Stehli, Aaron Magidow, Thom Conroy, Dodie Heath
alt. Titel: Der Mann, der zweimal lebte
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Szene aus ‚Young Man with a Horn (1950)‘, Bildquelle: Young Man with a Horn (1950), Warner Bros.

Young Man with a Horn (1950)

Stimmungen: amourös, musikalisch, tragisch, urban

Einer der schönsten, stimmungsvollsten Schwarz-Weiß-Filme der Fünfziger, im stilvollen Ambiente der späten Vierziger gedreht: Die gediegene […]

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Young Man with a Horn (1950)

Einer der schönsten, stimmungsvollsten Schwarz-Weiß-Filme der Fünfziger, im stilvollen Ambiente der späten Vierziger gedreht: Die gediegenen Nachtklubs, Tanzhallen und Appartements, durch die sich der Jazztrompeter Rick Martin bewegt, aber auch die Charaktere sind allesamt von Kamera und Beleuchtung derart atmosphärisch perfekt eingefangen, dass man geradezu froh ist, dass „Young Man with a Horn“ nicht später gedreht wurde, und schon gar nicht im zeitgenössischen Technicolor. Rick Martin ist ungemein begabt, hat in Art Hazzard einen großartigen Mentor, in dem Pianisten „Smoke“ einen guten Freund und in der Sängerin Jo Jordan eine Freundin, die gerne seine Zuneigung hätte – aber Martin jagt dem fixen Gedanken nach, wenigstens ein Mal einen bislang ungehörten Ton zu finden; und er lässt sich mit der falschen Frau ein, die ihn beinahe zerstört. In den Nachtklubs von Greenwich Village, zwischen den wabernden Rauchschleiern, taucht Lauren Bacall auf, die den jungen Kirk Douglas – der nicht unbedingt eine geringe Leinwandpräsenz zu zeigen weiß – in ihren gemeinsamen Szenen jedesmal verblassen lässt; Juano Hernandez liefert eine berührende Performance als alternder Lehrer und Freund des stürmischen Trompeters ab; Hoagy Carmichael wirkt an seinem Klavier wie verwachsen mit den Tasten und der ständigen Nikotinwolke, die ihn umgibt; Kirk Douglas wirft sich mit viel Energie in die Rolle und findet fast immer die passende Körpersprache für den Musiker; und Doris Day spielt quasi einen Teil ihrer eigenen Karriere: die Entertainerin, die in Jazzclubs auftritt.
Genre: Drama
Länge: 108 Min.
Regie: Michael Curtiz
Cast: u.a. Kirk Douglas, Doris Day, Juano Hernandez, Lauren Bacall, Hoagy Carmichael, Orley Lindgren, Jerome Cowan, Nestor Paiva, Walter Reed
alt. Titel: Der Jazztrompeter
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Szene aus ‚Cromwell (1970)‘, Bildquelle: Cromwell (1970), Irving Allen Ltd., Columbia Pictures

Cromwell (1970)

Stimmungen: aristokratisch, militärisch, politisch

Close-ups verraten hier mehr über die Charaktere als jeder noch so erhabene Wortschwall – Richard Harris als Oliver […]

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Cromwell (1970)

Close-ups verraten hier mehr über die Charaktere als jeder noch so erhabene Wortschwall – Richard Harris als Oliver Cromwell, der sich Mitte des 17. Jahrhunderts im Englischen Bürgerkrieg vom einfachen Abgeordneten zum Feldherrn und Staatschef aufschwang, und Alec Guinness als Cromwells Kontrahent König Charles I. liefern ein episches Mienenspiel. Historische Akkuratesse oder eine Klärung der kontroversen Frage, ob Cromwell ein Held der Freiheit oder rücksichtsloser Diktator und Charles I. ein Landesverräter oder Opfer einer Willkürjustiz waren, braucht man hier nicht zu erwarten. Vielmehr inszeniert Regisseur Ken Hughes eine visuell ansprechende Annäherung an die frühneuzeitliche Epoche und ihrer Menschen, taucht kurz ein in das politische Machtgehabe, um jedoch vor allem in zwei großen Schlachten die militärische Gewalt hinter dem Konflikt zwischen den Anhängern des Parlamentarismus und denen der Krone zu zeigen. Neben der glänzenden Besetzung sticht vor allem die Kameraführung von Geoffrey Unsworth ins Auge, der mitten in die Schlachtenreihen, sogar in die Ritte der Kavallerie hineingeht, ebenso wie er das Publikum in den Plenarsaal oder das Schafott mitnimmt – als sei man dabei.
Genre: Historien-Drama
Länge: 140 Min.
Regie: Ken Hughes
Cast: u.a. Richard Harris, Alec Guinness, Robert Morley, Dorothy Tutin, Frank Finlay, Timothy Dalton, Charles Gray, Michael Jayston, Zena Walker, Patrick Wymark, Patrick Magee, Nigel Stock, Richard Cornish, Michael Goodliffed, Anthony May, Llewellyn Rees, Doug-las Wilmer
alt. Titel: Cromwell – Der Unerbittliche
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Szene aus ‚Advise & Consent (1962)‘, Bildquelle: Advise & Consent (1962), Alpha-Aplina S.A., Otto Preminger Films

Advise & Consent (1962)

Stimmungen: demokratisch, politisch, rhetorisch

„Wer ‚The West Wing‘ mag, wird ‚Advise and Consent‘ lieben – so könnte ein Klappentext für diesen Film aus den frü […]

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Advise & Consent (1962)

„Wer ‚The West Wing‘ mag, wird ‚Advise and Consent‘ lieben – so könnte ein Klappentext für diesen Film aus den frühen 1960er Jahren, dem Ende der Ära Eisenhower und dem Beginn von Kennedys Präsidentschaft, lauten. Der ausgiebige Blick auf die Abläufe hinter den Fassaden der großen US-amerikanischen Politikgebäude – hier: des Kapitols – mit den informellen Gesprächen, die den öffentlichen Reden im Plenarsaal vorausgehen, bilden auch hier den Handlungsstrang; sogar die für The West Wing so charakteristisch gewordenen Walk and talk-Sequenzen finden sich bereits hier. Ein Professor, Robert Leffingwell, soll Außenminister werden; der todkranke Präsident hat ihn nominiert, weil er sich von ihm die Fortsetzung seiner Politik unter einem neuen Amtsinhaber verspricht. Es wird intrigiert, gelogen und erpresst. Otto Premingers Verfilmung eines Pulitzerpreis-gekrönten Romans von Allen Drury entblößt die unrühmlichen Schattenseiten des professionellen Politikbetriebs und zeigt, dass Politik eben nicht (nur) anhand von Idealen funktioniert, sondern die demokratische Mehrheitsfindung durchaus schmutzig sein kann und abgebrühter Typen bedarf. Einer von ihnen ist Seabright Cooley. Seine gespielte Ruhe, seine falsche Empörung, sein feistes Gesicht – der Südstaatensenator ist kaum zu ertragen und gerade deshalb so ungemein gut gespielt von Charles Laughton, einem Briten. In aufgebauschtem Patriotismus versucht der Konservative, Leffingwell zu Fall zu bringen, der ihm mit seiner Kompromissbereitschaft gegenüber der Sowjetunion als linksliberales Weichei gilt. Die wirklichen stehen hier zu den vorgeblichen Motiven des Politikerhandelns im Widerspruch, die Herstellung und Ausübung von Macht ist kein schöner Anblick. Damit ist „Advise & Consent“ so etwas wie die Brücke zwischen Frank Capras idealistischem Mr. Smith Goes to Washington“ (1939) aus der Ära des klassischen Hollywoodkinos und dem New Hollywood-Pessimismus eines All the President’s Men“ (1976) von Alan J. Pakula. In gewohnter Konfrontationslust übertritt Otto Preminger die moralischen Grenzen der Kinoleinwand, indem er in einer Sequenz eine Schwulenbar zeigt und damit die Bi- oder Homosexualität eines US-Senators andeutet. Kleine Parodien – wie die des permanent schlafenden Mandatsträgers, eines seiner Wiederwahl sicheren Amtsinhabers, der immer nur zu den Abstimmungen wachgerüttelt wird – oder kleine Sottisen – wie über die Vizepräsidentschaft, die „like living in a mansion with no furniture“ sei – zeigen die vermeintlichen Anomalien des Politikgeschäfts, die doch in Wirklichkeit die Normalität abbilden.
Genre: Politthriller
Länge: 133 Min.
Regie: Otto Preminger
Cast: u.a. Don Murray, Henry Fonda, Walter Pidgeon, Charles Laughton, Franchot Tone, Lew Ayres, Peter Lawford, Paul Ford, Inga Swenson, Burgess Meredith, Will Geer, Gene Tierney, Betty White, Larry Tucker, John Granger, Janet Jane Carty, Tiki Santos, Eddie Hodges, George Grizzard, Paul McGrath
alt. Titel: Sturm über Washington
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Szene aus ‚The Raging Moon (1971)‘, Bildquelle: The Raging Moon (1971), Studiocanal

The Raging Moon (1971)

Stimmungen: melancholisch, romantisch, tragisch

Eine mysteriöse Krankheit reißt einen jungen Mann aus seinem Leben, das er mit Sex, Fußball und Alkohol gerade genossen hat; seine Familie schickt ihn zur Pflege in ein Heim. Ei […]

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The Raging Moon (1971)

Eine mysteriöse Krankheit reißt einen jungen Mann aus seinem Leben, das er mit Sex, Fußball und Alkohol gerade genossen hat; seine Familie schickt ihn zur Pflege in ein Heim. Eine berührende, dabei gänzlich unkitschige Geschichte über Depression und neues Lebensglück, voller Flair der britischen Kultur zu Beginn der 1970er Jahre.
Genre: Drama
Länge: 108 Min.
Regie: Bryan Forbes
Cast: u.a. Malcom McDowell, Nanette Newman, Georgia Brown, Margery Mason, Michael Lees, Gerald Sim, Patsy Smart, Jack Woolgar, Bernard Lee, Theresa Watson, Michael Flanders, Geoffrey Whitehead, Sylvia Coleridge
alt. Titel: Der wütende Mond
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Szene aus ‚All About Eve (1950)‘, Bildquelle: All About Eve (1950), Twentieth Century Fox

All About Eve (1950)

Ihre Karriere befand sich in der Krise und sie war nur der Ersatz für Claudette Colbert, die sich vor Dr […]

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All About Eve (1950)

Ihre Karriere befand sich in der Krise und sie war nur der Ersatz für Claudette Colbert, die sich vor Drehbeginn den Rücken verknackste – und doch wirkt die Rolle, als sei sie für Bette Davis, und keine andere, geschrieben worden. Davis lädt ihre Figur mit der faszinierenden Aura der Wirklichkeitsnähe auf, und sie spielt den gealterten Star – also in gewisser Weise sich selbst – brillant: die Augen meist zu einem Drittel mit den Lidern bedeckt, stets in eine Rauchwolke aus Zigarettenqualm gehüllt. Die Geschichte ist eine Showbusiness-Fabel – angeblich zu Teilen eine wahre Begebenheit –, in der eine junge Frau sich in die Entourage einer etablierten Broadway-Aktrice einschleicht und diese so energisch studiert und schließlich perfekt imitiert, dass sie selbst zum Star wird – auf Kosten des Originals. Joseph L. Mankiewicz erhielt für das Drehbuch und die Regie zwei „Oscars“, das Werk selbst wurde von der Academy zum besten Film gekürt – ein zeitloser Klassiker, voll messerscharfer Dialoge und starker Performances.
Genre: Drama
Länge: 133 Min.
Regie: Joseph L. Mankiewicz
Cast: u.a. Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Hugh Marlowe, Gregory Ratoff, Thelma Ritter, Barbara Bates, Marilyn Monroe, Walter Hampden
alt. Titel: Alles über Eva
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