Die Vorstellung vom perfekten Mord in einer schaurigen Ausprägung: Als im Mai 1924 die beiden Studenten Nathan Leopold und Richard Loeb einen 14-jährigen Jungen in Chicago entführten und ermordeten, da sprach man vom „crime of the century“. Entsprechend geriet der „trial of the century“ zum Medienspektakel, nicht zuletzt als einer der prestigeträchtigsten Anwälte die Verteidigung übernahm. Wie im echten Fall sind die beiden Filmcharaktere Judd Steiner und Arthur A. Straus zwei arrogante Upperclass-Sprösse, die ihren Intellekt als Rechtfertigung missdeuten, sich über Gesetz und Moral hinwegzusetzen, um sich mit einem perfekten Verbrechen ihrer vermeintlichen Überlegenheit zu vergewissern.
Der Film spielt damit, dass Steiner und Straus ihrer Herkunft wegen diskriminiert werden, da die schockierte Öffentlichkeit den Tod der beiden Söhne reicher Eltern fordert. „Der Zwang zum Bösen“ entwickelt zunächst die beiden deformierten Charaktere – schier unerträglich durch die starken Performances von Dean Stockwell und Bradford Dillman –, um dann nicht wie in herkömmlichen Gerichtsthrillern juristische Finessen zu kredenzen, sondern schlicht einen moralischen Appell gegen die Todesstrafe starkzumachen – vorgetragen von Orson Welles als bekanntem Juristen, der allein durch seine stattliche Physis und der brummigen Stimme seinen messerscharfen Worten Nachdruck verleiht. Neben Stockwell und Dillman als den Übeltätern, die zugleich Opfer ihrer Hybris werden, und Welles als Anwalt voll bedächtigem Biss, brilliert E.G. Marshall als energischer Staatsanwalt, der die beiden jungen Männer an den Galgen bringen will.
Die filmische Wiedergabe geschichtsträchtiger Wirklichkeit, vermittelt durch eine Romanadaption (Meyer Levins gleichnamiges Buch aus dem Jahr 1956) und kombiniert mit einem hochkarätigen Cast, macht aus „Der Zwang zum Bösen“ einen der sehenswertesten Gerichtsfilme.