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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Terror Train (1980)‘, Bildquelle: Terror Train (1980), Tripe T Prod. (Astral), Twentieth Century Fox Home Entertainment

Terror Train (1980)

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Terror Train (1980)

Terror Train“ vereint auf formidable Weise die beiden Subgenres Slasher-Horror und Zugfilm: Ein Haufen College-Mediziner chartern einen historischen Zug für eine hedonistische Partyfahrt zum Neujahrsfest. Ihre kostümierte Unbeschwertheit wird ihnen zum Verhängnis, denn unter einer der Masken verbirgt sich ein blutrünstiger Killer. Als damals amtierende Scream Queen legt Jamie Lee Curtis auch hier ihr angstverzerrtes Gesicht auf; der alte Ben Johnson mit seinem lebenserfahrenen Faltengesicht spielt den Schaffner, der die erste Leiche entdeckt und mit seiner stoischen Autorität durch die Abteile wandelt; und in einem Cameo ist mit Anfang zwanzig der Illusionsvirtuose David Copperfield als Zauberkünstler zu sehen, einige Jahre bevor er die Freiheitsstatue verschwinden ließ und durch die Chinesische Mauer ging. „Terror Train“ versetzt die wohlige Hochschulatmosphäre, wie sie etwa in „Nation Lampoon’s Animal House“ (1978) zelebriert wird, in die klaustrophobische Isolation eines fahrenden Zugs – Perspektiven, Beleuchtung und Schockeffekte wirken manchmal wie eine Mixtur aus den beiden Carpenter-Horrorklassikern „Halloween“ (1978) und Nebel des Grauens“ (1980) (Review auf Filmkuratorium.de lesen), in denen ebenfalls Curtis mitschrie.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 97 Min.
Regie: Roger Spottiswoode
Cast: u.a. Jamie Lee Curtis, Ben Johnson, Hart Bochner, Derek McKinnon, Sandee Currie, David Copperfield, Timothy Webber, Anthony Sherwood, Vanity, Steve Michaels, Greg Swanson, Joy Boushel, Victor Knight, Donald Lamoreux
alt. Titel: Monster im Nacht-Express
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Szene aus ‚Walkabout (1971)‘, Bildquelle: Walkabout (1971), Max L. Raab-Si Litvinoff Films

Walkabout (1971)

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Walkabout (1971)

Am Beginn des Films steht der (notgedrungene) Weg in die weite Wildnis, der harte Kontrast zwischen geschäftiger Stadt und leiser, trockener Natur; es folgt eine Wüstendurchquerung von ungemeiner Strapaze, schließlich die Rückkehr. Ein Teenager und ein Kind, vom Vater im Nirgendwo des Outback alleingelassen, müssen sich in einer ihnen völlig fremden, unwegsamen Umgebung behaupten – unterwegs treffen sie einen jungen Aborigine auf seinem Walkabout einem archaischen Ritus. Er hilft ihnen, rettet sie als Experte dieser Umwelt. Was man hier geboten bekommt, ist ein audiovisuelles Kunstwerk, das zu immer neuen Interpretationen einlädt. Der bizarre Assoziativ-Schnitt mit seinen schonungslosen Jagdszenen ist eine misanthropische Zivilisationskritik, der Blick auf Flora und Fauna der australischen Wildnis, kombiniert mit verlassenen Siedlungsgebäuden und stillgelegter, dem Verfall preisgegebener Infrastruktur, ein Plädoyer für die Schönheit und Harmonie unberührter Natur. „Walkabout“ ist, eigentlich typisch für Nicolas-Roeg-Werke, ein ganz und gar sonderbarer, eigenwilliger, surrealer Film – einer jener wie sie vielleicht nur die Sechziger und Siebziger hervorgebracht haben. Hier und da ist zu lesen, dass man ihn nicht vergisst – und das stimmt.
Genre: Drama
Länge: 101 Min.
Regie: Nicolas Roeg
Cast: u.a. Jenny Agutter, Luc Roeg, David Gulpilil, John Meillon, Hilary Bamberger, Barry Donnelly
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Szene aus ‚Der Teufel mit der weißen Weste (1962)‘, Bildquelle: Der Teufel mit der weißen Weste (1962), Studiocanal, Compagnia Cinematografica Champion

Der Teufel mit der weißen Weste (1962)

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Der Teufel mit der weißen Weste (1962)

Eine Unterweltepisode, mit Hehlern und Räubern, Lügnern und Loyalen, ein finsteres Verwirrspiel, in dem Jean-Pierre Melville sein Publikum immer wieder mit falschem Verdacht und falschem Vertrauen irritiert – ein effizientes Werk, in kurzer Zeit und mit wenig Geld gedreht. Jean-Paul Belmondo ist einer der Trenchcoat-Gangster, mit einer Körpersprache, die immer wieder über seine wahren Absichten hinwegtäuscht. „Der Teufel mit der weißen Weste“ ist quasi der erste Melville-Krimi, mit der banalen Revolver- und Safeknacker-Kriminalität, der bereits die Charakteristika dieses beinahe eigenen Genres aufweist: die statischen Mienen, die Inszenierung von Räumen mit der gleichen Bedeutsamkeit wie die von Menschen, den Regen, die amerikanischen Limousinen in Paris, die Vergeudung des Lebens in der Kriminalität als immer wiederkehrendes Sujet. Und das Schwarz-Weiß macht diese französische Variante stets eine Spur düsterer, kälter, karger als den US-amerikanischen Film noir.
Genre: Kriminal-Thriller
Länge: 109 Min.
Regie: Jean-Pierre Melville
Cast: u.a. Jean-Paul Belmondo, Serge Reggiani, Jean Desailly, Fabienne Dali, Monique Hennessy, Philippe March, René Lefèvre, Michel Piccoli, Carl Studer, Christian Lude, Philippe Nahon, Paulette Breil, Daniel Crohem, Marcel Cuvelier
alt. Titel: Le doulos
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Szene aus ‚Peyton Place (1957)‘, Bildquelle: Peyton Place (1957), Twentieth Century-Fox

Peyton Place (1957)

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Peyton Place (1957)

Hinter den akkuraten Hauswänden des idyllisch anmutenden New-England-Nests Peyton Place verbirgt sich soziale und sexuelle Bigotterie. Erst ein Skandal konfrontiert die Einwohner mit ihrer scheinheiligen Lebensweise. Als wolle der Film das Klischee von den verklemmten 1950er Jahren widerlegen, wird in „Peyton Place“ mehr über Sex geredet, als man sich das für sämtliche Filme jener Zeit zusammengenommen vorgestellt hat – ein Ritt durch die Abgründe der Mittelklasse: Es wird vom „Liebemachen“ geträumt, geküsst und vergewaltigt; es geht um uneheliche Kinder, Generationen- und Geschlechterkonflikte, den Umgang mit Normverstößen und Werteverschiebungen, auch um Suizid, Abtreibung und Alkoholismus. Der Film, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Grace Metalious, ging einer erfolgreichen Soap-Opera auf ABC voraus.
Genre: Drama
Länge: 157 Min.
Regie: Mark Robson
Cast: u.a. Lana Turner, Lee Philips, Hope Lange, Lloyd Nolan, Arthur Kennedy, Barry Coe, Russ Tamblyn, Terry Moore, Diane Varsi, David Nelson, Betty Field, Mildred Dunnock, Leon Ames, Lorne Greene, Robert H. Harris, Tami Conner
alt. Titel: Glut unter der Asche
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Szene aus ‚Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964)‘, Bildquelle: Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964), The Associates & Aldrich Comp., Twentieth Century Fox

Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964)

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Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964)

Allein das Setting einer herrschaftlichen Südstaatenvilla in den Zwanzigern entfaltet eine Atmosphäre, die das Publikum von der ersten Minute an in diesen Film hineinsaugt. Und auffe, denen das nicht genug sein sollte, wartet Olivia de Havilland mit einer atemberaubenden Metamorphose – dabei war sie eigentlich bloß der Ersatz für die bereits gecastete, aber während der Dreharbeiten ausgefallene Joan Crawford. Die Story von „Hush…Hush, Sweet Charlotte“ spielt mit der Gegenwart der Vergangenheit in dem alten Anwesen, das als anachronistische Insel einer längst vergangenen Epoche fortzuwirken scheint. Mitten auf einer der rauschenden Partys im reichen Hause der Familie Hollis, im Jahr 1927, geschieht ein grauenvoller Mord, der fortan wie ein Schatten über diesem Ort liegt – mehr als dreieinhalb Jahrzehnte später soll das Anwesen einem großen Infrastrukturprojekt weichen, aber die einzige und, seitdem sie unter Mordverdacht steht, vereinsamte Bewohnerin wehrt sich. Die konfliktreiche Begegnung der Gegenwart mit der Vergangenheit ist das große Thema dieses Films. Bette Davis spielt Charlotte Hollis, die einstige Südstaatenprinzessin, deren ganzes Leben in einer unheilvollen Nacht zerstört wurde und die nun in psychotischer Zerrüttung von dem Tod ihres Liebhabers beherrscht wird, den sie manchmal sogar noch am Leben wähnt. Mit seinem filigranen Licht- und Schattenspiel und der ständigen Einblendung eines Kinderliedes entfaltet der Film eine gruselige, tiefgründige Atmosphäre; und die ohnehin mit ihren Sümpfen, aber auch ihrer Kolonialvergangenheit mystisch und düster aufgeladene Südstaatenlandschaft erhält durch die eigenartig erstarrte Villa und die finsteren Geschehnisse darin eine nochmals eindringlichere Wirkung. Dass die Reunion von Davis und Crawford kurz nach What Ever Happened to Baby Jane? (Review auf Filmkuratorium.de lesen) (1962, ebenfalls unter der Regie von Robert Aldrich) nicht klappte, entpuppte sich für diesen Film als Glücksfall: Während Davis haarsträubend brillant durch die morbide Villa kriecht und kreischt, liefert de Havilland eine ebenbürtige Performance. „Hush…Hush, Sweet Charlotte“ ist ein Film des Augenspiels: Natürlich und zuvorderst von Bette Davis, deren raumgreifende Blicke voll Furcht, Misstrauen und Verwunderung hier fast schon eine eigene Rolle haben; aber auch jene von Olivia de Havilland, die gleichermaßen sanftes Mitgefühl und schauerliche Verachtung ausdrücken.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 133 Min.
Regie: Robert Aldrich
Cast: u.a. Bette Davis, Olivia de Havilland, Agnes Moorehead, Joseph Cotten, Cecil Kellaway, Victor Buono, Mary Astor, Bruce Dern, Wesley Addy, George Kennedy
alt. Titel: Wiegenlied für eine Leiche
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Szene aus ‚What Ever Happened to Baby Jane? (1962)‘, Bildquelle: What Ever Happened to Baby Jane? (1962), Seven Arts, Associates and Aldrich Prod., Warner Bros.

What Ever Happened to Baby Jane? (1962)

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What Ever Happened to Baby Jane? (1962)

Eine im Schatten der Vergangenheit ruhende Luxusvilla mit der Aura des alten, klassischen Hollywood, in der zwei Schwestern leben: Die eine war ein Superstar des Vierzigerjahrekinos und ist nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt; die andere ein einst auf der Bühne bejubelter Kinderstar, von deren Vaudeville-Ruhm nur noch eine Merchandisingpuppe zeugt. Die frühere „Baby“ Jane, zur Alkoholikerin deprimiert, ist dem Kindheitsgemüt nie ganz entwachsen und isoliert ihre viel berühmtere, doch inzwischen ebenfalls verblichene Schwester Blanche von der Außenwelt, um sie mit zunehmend grausameren Methoden zu strapazieren – vom Rattenkadaver unter der Tellerglocke bis zum Tritt in die Magengrube. Während Jane in gänzlich unrealistischen Comeback-Träumen schwelgt, pfercht sie Blanche in einer menschenunwürdigen Hilflosigkeit ein, in der sich die Verlorenheit verflossener Schauspielkarrieren zu manifestieren scheint. Die einem Roman entnommene Story ist originell und von Robert Aldrich als Hollywood-Has-been-Groteske so intensiv inszeniert, dass man von dem Film beinahe verschluckt wird. Der eigentliche Clou aber ist die Besetzung mit den beiden Altstars Bette Davis und Joan Crawford als die beiden Hudson-Schwestern, die sich in gegenseitigem Hass in den Untergang treiben – gab es in der reichen Hollywood-Geschichte doch wohl keine größere Rivalität als zwischen diesen beiden Schauspielerinnen, die hier das erste und einzige Mal gemeinsam vor der Kamera standen. „What Ever Happened to Baby Jane?“ ist aber nicht nur ein ungemein atmosphärischer Film, der wie Sunset Boulevard“ (1950) (Review auf Filmkuratorium.de lesen) den Verfall und die Vergänglichkeit von Showbusinesskarrieren zeigt, sondern auch ein Zeugnis, wie schwer unabhängige Produzenten es damals schon hatten, unkonventionelle Filmprojekte finanziert zu bekommen: Trotz der beiden großen Namen fand Aldrich erst nach langem Suchen ein Studio und musste mit seiner Firma volles Risiko gehen – zum Glück erwies sich „What Ever Happened to Baby Jane?“ als unerwarteter Publikumserfolg.
Genre: Drama
Länge: 134 Min.
Regie: Robert Aldrich
Cast: u.a. Bette Davis, Joan Crawford, Maidie Norman, Victor Buono, Marjorie Bennett, Anna Lee, Gina Gillespie, Julie Allred, Dave Willock, Anne Barton, Barbara Merrill, Ernest Anderson, Wesley Addy, Robert Cornthwaite
alt. Titel: Was geschah wirklich mit Baby Jane?
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Szene aus ‚Ulzana’s Raid (1972)‘, Bildquelle: Ulzana’s Raid (1972), Universal Pictures

Ulzana’s Raid (1972)

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Ulzana’s Raid (1972)

Einer der härtesten Western, die jemals mit Hollywoodmitteln gedreht worden sind: Robert Aldrich konfrontiert sein Publikum schonungslos mit der grauenvollen Gewalt des Frontier-Gebietes in Arizona. Als der Apache Ulzana mit einer Handvoll Kriegern aus dem Reservat entkommt (was eine historische Entsprechung hat), steht mit einem Mal das Schicksal all der Homesteader, der kleinen Farmer mit ihren Familien, auf dem Spiel – denn Ulzana ist müde geworden und verspürt den Drang, sich durch eine schreckliche Mordbrennerei an den weißen Eroberern neue Kraft zu verschaffen. Im Angesicht der herannahenden Apachen erschießen die Soldaten lieber ihre Schutzbefohlenen und sich selbst, als den Indianern in die Hände zu fallen. Die massakrierten Leichen der Siedler, die Aldrich einblendet, berichten von einem Martyrium, das nicht gezeigt werden muss, um seine Grausamkeit zu erahnen. Würde man die Hölle und Arizona besitzen, so würde man lieber in der Hölle leben wollen, greift der Kommandant des nächstgelegenen Forts ein Zitat auf, als er einen Kavallerietrupp aussendet, um Ulzana zu stoppen. Ein Greenhorn von der Militärakademie hat das Kommando; und die berittene Einheit geht nur deshalb nicht gleich unter, weil sie den Scout McIntosh dabei hat, der nicht nur ein Apachen-Experte ist, sondern auch einen Sinn für Militärstrategie besitzt – Burt Lancaster erkundet in dieser starken Rolle die Möglichkeiten, die sich einem Star wie ihm nach dem Verlust des Box-Office-Appeals noch bieten. Interessant ist, wie die Indianer als präzise operierende Guerilla-Kämpfer ganz Western-untypisch keine Schießbudenfiguren der weißen Helden sind. Der Verfolgungsritt ist ein Aufbruch in die Vergeblichkeit, wie schon in Too Late the Hero (Review auf Filmkuratorium.de lesen) (1970, ebenfalls von Aldrich) – all das ließ sich damals, kurz vor dem Truppenabzug der USA, natürlich als kritische Parallele zum kontroversen Vietnamkrieg betrachten.
Genre: Western
Länge: 103 Min.
Regie: Robert Aldrich
Cast: u.a. Burt Lancaster, Bruce Davison, Joaquín Martínez, Jorge Luke, Richard Jaeckel, Karl Swenson, Dran Hamilton, John Pearce, Lloyd Bochner, Douglass Watson, Gladys Holland, Dean Smith, Aimee Eccles
alt. Titel: Keine Gnade für Ulzana
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Szene aus ‚The African Queen (1951)‘, Bildquelle: The African Queen (1951), Romulus Films

The African Queen (1951)

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The African Queen (1951)

Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges überredet die englische Missionarin Rose Sayer ihren Landsmann Charlie Allnutt, der sie eigentlich nur mit seinem kleinen Kutter „African Queen“ aus Deutsch-Ostafrika evakuieren will, mit selbstgebastelten Torpedos ein deutsches Kriegsschiff zu versenken. Dieser patriotische Akt ist das Vehikel für einen der besten Abenteuerfilme, damals gänzlich untypisch on location und in Farbe gedreht. Die Strapazen der Dreharbeiten im afrikanischen Dschungel erreichen eine ungemein dichte Atmosphäre, die selbst mehr als ein halbes Jahrhundert später nichts an ihrer Wirkkraft verloren hat. Die beiden Protagonisten sind zwei Archetypen: die alte Jungfer und der Loner, die während ihrer beschwerlichen Fahrt im tropischen Klima einen Fluss hinab allmählich ihren ästhetisch-kulturellen Antagonismus überwinden – zwischen der distinguierten Methodisten-Abstinenzlerin und dem unrasierten Säufer entwickelt sich eine tiefe Zuneigung. Während in ihr eine ekstatische Gefahrenlust erwacht, öffnet sich in ihm eine romantische Ader – und so erhielt Humphrey Bogart, Hollywoods maskuliner Draufgänger par excellence, seinen einzigen „Oscar“ ausgerechnet für eine bezaubernde Liebesgeschichte.
Genre: Abenteuer-Komödie
Länge: 106 Min.
Regie: John Huston
Cast: u.a. Katharine Hepburn, Humphrey Bogart, Robert Morley, Peter Bull, Theodore Bikel, Walter Gotell, Peter Swanwick, Richard Marner, Errol John
alt. Titel: African Queen
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Szene aus ‚Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972)‘, Bildquelle: Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972), Josef Shaftel Prod.

Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972)

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Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972)

Nach seiner Verbannung harrt der Architekt der Oktoberrevolution und bolschewistische Ideologe, Leo Trotzki, in seinem mexikanischen Exil der Dinge, verbarrikadiert in einer kleinen Festung, in der er unter der heißen Sonne unbeirrt seine politischen Postulate diktiert. Aber Stalins Häscher sind schon unterwegs, um den unangenehmen Sowjet-Kritiker zu ermorden. Richard Burton sieht manchmal tatsächlich aus wie der alte Trotzki, kurz vor seinem Tod im Sommer 1940, und spielt eine irre gute Schluss-Szene. Alain Delon, der heimliche Attentäter, der sich in Trotzkis Entourage einschleicht, wechselt zwischen enragierten Gefühlsausbrüchen und der eiskalten Unnahbarkeit seiner Melville-Figuren. Der Film fängt die leicht surreale Aura dieses Exil-Gefängnisses ein und gehört zu jenen, in denen Romy Schneider die Filmpartnerin ihres einst echten Partners Delon spielt.
Genre: Drama
Länge: 99 Min.
Regie: Joseph Losey
Cast: u.a. Richard Burton, Romy Schneider, Alain Delon, Valentina Cortese, Enrico Maria Salerno, Luigi Vannucchi, Jean Desailly, Simone Valère, Duilio Del Prete, Peter Chatel, Jack Betts, Michael Forest, Carlos Miranda, Joshua Sinclair, Pierangelo Civera, Marco Lucantoni
alt. Titel: The Assassination of Trotsky
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Szene aus ‚Jezebel (1938)‘, Bildquelle: Jezebel (1938), Warner Bros.

Jezebel (1938)

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Jezebel (1938)

Als Südstaatenerzählung verblasst „Jezebel“ vor dem anderthalb Jahre später erschienenen „Gone With the Wind“ (1939). Aber er zeigt Bette Davis’ zweite „Oscar“-Performance, als ebenso reiche wie eigenwillige Südstaatenprinzessin, und in manchen Momenten mag man in ihren fahrigen Bewegungen, großen Blicken und der kindlichen Stimmlage Davis’ spätere Psychowracks aus den beiden Aldrich-Dramen „What Ever Happened to Baby Jane?“ (1962) und „Hush…Hush, Sweet Charlotte“ (1964) erkennen; den jungen Henry Fonda als Bankier, der in die Fußstapfen seines Vaters zu treten versucht; und mit einer der Gelbfieberepidemien von New Orleans bedient er sich im historischen Fundus der USA. In ihrer unzähmbaren Provokationsbereitschaft blamiert die junge Julie Marsden ihren Verlobten Preston Dillard, der daraufhin in den beargwöhnten Norden geht und eine andere heiratet – die Erzählung einer durch wenige Taten verhinderten Liebesbeziehung. Wie „Gone With the Wind“ zeigt auch „Jezebel“ die Sklaverei in viel zu hellem Licht (etwa Lew Payton als loyaler Butler Uncle Cato oder Theresa Harris als Julies Zofe Zette); und in seinen Performances ist er immer fast so nahe an der Bühne wie auf der Leinwand; aber zugleich repräsentiert er eine spezifische Art des Filmemachens während der klassischen Hollywoodära.
Genre: Drama
Länge: 104 Min.
Regie: William Wyler
Cast: u.a. Bette Davis, Henry Fonda, George Bent, Fay Bainter, Lew Payton, Margaret Lindsay, Donald Crisp, Theresa Harris, Richard Cromwell, Henry O’Neill
alt. Titel: Jezebel – Die boshafte Lady
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Szene aus ‚Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)‘, Bildquelle: Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969), Valoria Films, Fernsehjuwelen

Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)

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Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969)

In den Sechzigerjahren schwirrte durch etliche Gesellschaften das Misstrauen in den Staat mit seinen Behörden und Regierungen, die Angst vor neofaschistoiden, autokratischen Regimes im Zeitalter der Demokratie. Mit „Z“ schuf der Regisseur Costa-Gavras, in Griechenland geboren, einen Film, der in ebenjener Strömung fließt und trotz aller Anonymisierungen den Tod des pazifistischen Abgeordneten Grigoris Lambrakis im Mai 1963 in Saloniki aufgreift – die Behörden versuchten damals als Unfall zu tarnen, was kurze Zeit später als politischer Mord entlarvt wurde. Im Film wird der namenlose Abgeordnete, ein linksorientierter Charismatiker, im Nachgang einer Kundgebung einfach totgeschlagen; und die Polizei stellt das Ganze als bedauerliches Versehen eines Betrunkenen dar. Das enge Budget mit Dreharbeiten in Algier mündet in einer eigenartigen, dumpfen, leicht surrealen Atmosphäre, die in Filmen über autokratisch regierte Länder mit sonnigem Klima häufig aufkommt, wie in tropischen, afrikanischen oder eben hier: mediterranen Gefilden. Und Costa-Gavras spielt sein Talent aus, die schreiende Ungerechtigkeit, mit der legitime Anliegen kriminalisiert werden, im Kinoformat zu verdichten. Neben der nüchternen Optik wirkt vor allem der gesamte Cast, dessen Mitglieder sich in ihren Performances permament gegenseitig überbieten: Da ist Jean-Louis Trintignants Untersuchungsrichter, hinter dessen bürokratischer Fassade eine unstillbare Leidenschaft für die Wahrheit glüht; François Périers Staatsanwalt, der sich durch die Szenen schimpft und der Verantwortung seiner Position in keinem Moment gerecht wird; da ist Pierre Dux als Orden-behangener Offizier, der in unbekümmerter Selbstgerechtigkeit die vermeintlichen Kommunisten auslöschen will; oder Renato Salvatori und Marcel Bozzuffi als offenbar pädophile, in ihrem Vorgehen unendlich dreiste Schläger, die als kleine Handlanger der Mächtigen den politischen Mord ausführen sollen. In beinahe dokumentarischer Weise ergründet „Z“, wie sich Menschen in (faktischen) Diktaturen verhalten, wie solche Regime stabilisiert und gefährdet werden, wie Opportunismus, Erpressung und Widerstand eine brisante Gemengelage bilden, die jederzeit zur Explosion gebracht werden kann; aber auch die Gleichgültigkeit, mit der mediokre Staatseliten eine Verschwörung aushecken, um politische Gegner – buchstäblich – zu vernichten.
Genre: Thriller
Länge: 122 Min.
Regie: Costa-Gavras
Cast: u.a. Jean-Louis Trintignant, Yves Montand, Pierre Dux, François Périer, Bernard Fresson, Charles Denner, Jacques Perrin, Julien Guiomar, Jean Bousie, Irene Papas, Renato Salvatori, Marcel Bozzuffi, Gérard Darrieu, Habib Reda, Georges Géret, Clotilde Joano, Maurice Baquet, Magali Noël, Ilya Coste, Hassan Hassani, Van Doude
alt. Titel: Z
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Szene aus ‚Scorpio (1973)‘, Bildquelle: Scorpio (1973), The Mirisch Corporation, Scimitar Films, United Artists

Scorpio (1973)

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Scorpio (1973)

CIA-Veteran Cross will raus aus der düsteren Spionagewelt – woraufhin ihn seine Vorgesetzten zum Verräter erklären und seinen Tod anordnen. Als Cross flieht, wird für die Jagd auf ihn der Profikiller „Scorpio“ angeheuert – Cross’ einstiger Weggefährte. Interessant ist vor allem die Szenerie: das „alte“ Wien unweit des Eisernen Vorhanges. Minimalistisches Thriller-Drama über ein kaltblütiges Mikromilieu, das Regisseur Michael Winner als irres Karussell aus Misstrauen, Mord und Maskerade zeigt.
Genre: Thriller
Länge: 110 Min.
Regie: Michael Winner
Cast: u.a. Burt Lancaster, Alain Delon, Paul Scofield, John Colicos, Gayle Hunnicutt, Joanne Linville, J.D. Cannon, William Smithers, Vladek Sheybal, James Sikking
alt. Titel: Scorpio, der Killer
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Szene aus ‚Flucht in Ketten (1958)‘, Bildquelle: Flucht in Ketten (1958), Lomitas Prod., Curtleigh Prod., MGM

Flucht in Ketten (1958)

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Flucht in Ketten (1958)

Für Stanley Kramers Humanismusfabel spannt Hollywood einmal mehr die unanfechtbare Raffinesse des Zufalls für sich ein: Zwei Männer, ein Schwarzer und ein Weißer, die das Schicksal buchstäblich aneinandergekettet hat, fliehen – noch zur Zeit rassistischer Segregation – durch den Süden der USA, eine Rotte teils aggressiver (Hilfs-)Polizisten dicht auf den Fersen. Elendig schlagen sie sich bei Regen und Hitze durch sumpfige Tümpel und trockenes Dickicht, und die gemeinsame Strapaze lässt sie allmählich ihre gegenseitige Abneigung überwinden – wie als Veranschaulichung der sozialpsychologischen Weisheit, dass Nähe meist zum Abbau von Vorurteilen führt. Sidney Poitier und Tony Curtis gelingt eine imposante Visualisierung nicht nur der körperlichen Härte ihrer Flucht, sondern vor allem auch der menschlichen Metamorphose von bitteren Kontrahenten zu aufopferungsvollen Kompagnons.
Genre: Drama
Länge: 97 Min.
Regie: Stanley Kramer
Cast: u.a. Sidney Poitier, Tony Curtis, Theodore Bikel, Cara Williams, Charles McGraw, Whit Bissell, Lon Chaney Jr., Kevin Coughlin, Claude Akins, King Donovan
alt. Titel: The Defiant Ones
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Szene aus ‚Bunny Lake Is Missing (1965)‘, Bildquelle: Bunny Lake Is Missing (1965), Wheel Prod., Otto Preminger Films

Bunny Lake Is Missing (1965)

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Bunny Lake Is Missing (1965)

Die Londoner Polizei fahndet nach einem am hellichten Tag verschwundenen Kind, an dessen Existenz sie bald zu zweifeln beginnt. Otto Preminger, der damals nach Filmbeginn keine verspäteten Zuschauer im Kinosaal gestattete, lässt den Film als Kriminalfall beginnen, die Handlung dann mit außergewöhnlichen Darbietungen von Carol Lynley als verzweifelter Mutter, Keir Dullea als deren aufbrausendem Bruder und Laurence Olivier als routiniertem, mitunter manipulativem Ermittler eine Zeit lang dahinplätschern, ehe er sie mit einem Mal in einem psychotischen Finale kulminieren lässt – wie Preminger sein Werk urplötzlich ein rasantes Tempo aufnehmen lässt, ist auch nach mehr als einem halben Jahrhundert noch phänomenal.
Genre: Kriminal-Thriller
Länge: 103 Min.
Regie: Otto Preminger
Cast: u.a. Carol Lynley, Keir Dullea, Laurence Olivier, Martita Hunt, Anna Massey, Noël Coward, Clive Revill, Finlay Currie, Lucie Mannheim, Adrienne Corri, John Sharp
alt. Titel: Bunny Lake ist verschwunden
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Szene aus ‚Stranger in the House (1967)‘, Bildquelle: Stranger in the House (1967), De Grunwald Prod.

Stranger in the House (1967)

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Stranger in the House (1967)

Man kommt der Handlung nicht sofort auf die Schliche – was letztlich auch daran liegt, dass der Film einfach eine Vielzahl von Themata aufgreift: den sorglosen Hedonismus der jungen Erwachsenen, selbstgerechte Selfmade-Leute, die Bigotterie der Upperclass, die ob eines einzigen Ereignisses lange Zeit zerrüttete Familie oder schlicht scheinbar unverrückbare Klassengegensätze. Aber man schaut „Stranger in the House“ wegen des Zeitkolorits der Hafenstadt Southampton in den späten Sechzigern, wegen der Performances von Geraldine Chaplin und ganz besonders James Mason, der am Schluss des Films eine glänzende Sequenz spielt. Masons Figur ist ein derangierter Alkoholiker, der einst als allseits respektierter Anwalt erfolgreich war, aber am Ehebruch seiner Frau zerbrach. Die Villa, die Vater und Tochter bewohnen, ist in einer fast schon expressionistischen Düsternis inszeniert; auf dem Dachboden geschieht ein Mord – und der Verdächtige ist der Freund der Tochter.
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 104 Min.
Regie: Pierre Rouve
Cast: u.a.
alt. Titel: Der Fremde im Haus
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