Shortcuts

Shortcuts-Archiv:

Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Deathtrap (1982)‘, Bildquelle: Deathtrap (1982), Warner Bros.

Deathtrap (1982)

[Lesen …]

Deathtrap (1982)

Schon das Konzept dieses Films birgt mehrere Wendungen: Von der Bühne kam der Broadway-Hit, der um ein unfertiges Bühnenstück kreist, auf die Leinwand, und mit etlichen, perfiden, Wendungen ist die Handlung gespickt. Darin lädt der einst erfolgreiche, inzwischen verzweifelte Broadway-Autor Sidney Bruhl einen seiner begabten Eleven in sein abgelegenes Landhaus nach East Hampton, an der Peripherie New Yorks, ein. Aus der einstweilen gescheiterten Karriere scheint nun eine kirminelle Kreativität zu erwachsen. Bis auf wenige Ausnahmen spielt „Deathtrap“ ausschließlich in diesem spärlichen Gebäude – ein Setting, das wie im Theater die Schauspielkunst hervorhebt (aus Michael Caines Sicht ganz ähnlich wie zehn Jahre zuvor im klaustrophobischen Kammerspiel Sleuth(Kurzreview auf Filmkuratorium.de lesen); dass sich „Deathtrap“ angenehm leichter anfühlt, liegt an Andrzej Bartkowiaks dynamischer Kameraführung). Die Beziehungen zwischen den Akteuren befinden sich im permanenten Wandel; eine mittelalterliche Streitaxt, Houdinis Handschellen und eine Armbrust sind Utensilien dieser bitterbösen Handlung. Alle vier Hauptpersonen – der Dramatiker im Herbst seiner Karriere, das aufstrebende Talent, die skurrile Seherin und die hysterische Hausherrin – sind großartig besetzt und meistern den oft schwierigen Weg der filmischen Adaption eines erfolgreichen Theaterspiels.
Genre: Thriller
Länge: 112 Min.
Regie: Sidney Lumet
Cast: u.a. Michael Caine, Christopher Reeve, Dyan Cannon, Irene Worth, Henry Jones, Joe Silver, Tony DiBenedetto
alt. Titel: Das Mörderspiel
Screenshots
Szene aus ‚Monte Walsh (1970)‘, Bildquelle: Monte Walsh (1970), CBS

Monte Walsh (1970)

[Lesen …]

Monte Walsh (1970)

Lediglich mit Nuancen in ihrer Mimik drücken Jack Palance und Lee Marvin das Lebensgefühl einer ganzen Gesellschaftsgruppe aus: Sie sind cow hands, Haudegen der Prärie, die sich mit ständigen Gelegenheitsjobs für Rancher und Viehzüchter auf den cattle trails des amerikanischen Südwestens im Fin de Siècle durchschlagen. Der Film erfasst die trostlose Einsamkeit dieser Western-Vagabunden, die allmählich begreifen, dass diese – ihre Welt – im Angesicht von Maschinen und Automobilen langsam untergeht. Fast jede Szene ist mit einer ungeheuren Sentimentalität aufgeladen und die Geschichte entfaltet gleich mehrmals die Tragik verpasster Lebenschancen von Menschen, die auf ihrer Suche nach Glück scheitern.
Genre: Western-Drama
Länge: 99 Min.
Regie: William A. Fraker
Cast: u.a. Lee Marvin, Jeanne Moreau, Jack Palance, Mitchell Ryan, Jim Davis, Allyn Ann McLerie, Matt Clark, G.D. Spradlin, Michael Conrad, Charles Tyner, Bo Hopkins, Richard Farnsworth
Screenshots
Szene aus ‚Eyes of Laura Mars (1978)‘, Bildquelle: Eyes of Laura Mars (1978), Columbia Pictures

Eyes of Laura Mars (1978)

[Lesen …]

Eyes of Laura Mars (1978)

Weil seine damalige Partnerin Barbra Streisand, für die er den Film eigentlich drehen wollte, absagte, engagierte der Produzent Jon Peters eine andere große Siebziger-Aktrice: Faye Dunaway, die gerade einen „Oscar“ für ihre Performance in Network“ (1976) (Review auf Filmkuratorium.de lesen) gewonnen hatte. Dunaway ist die titelgebende New Yorker Modefotografin Laura Mars, die in ihren radikalen Bildern die Gewaltperversion der Gegenwartsgesellschaft manifestieren will. Urplötzlich sieht sie, wie durch ihre Kamera, aus der Distanz die Morde eines Serienkillers – aus dessen Perspektive, in der er sukzessive Menschen aus dem sozialen Umfeld von Mars meuchelt. Tommy Lee Jones, noch mit zarten Gesichtszügen, spielt einen Detective des NYPD, der beim Verhöhr mit den Models flirtet und sich während der Fahndung in Mars verliebt. Die nüchterne, meist triste Szenerie zeigt das verdreckte, schäbige, alte New York mit seinen glitschigen Nebenstraßen und den maroden Treppenhäusern anonymer Mietskasernen. Das Skript stammt, zumindest in seiner Urfassung, von dem vielseitig begabten John Carpenter, der da kurz vor der Veröffentlichung von „Halloween“ (1978) stand und in den folgenden Jahren zu einem der besten und bekanntesten Horrorfilm-Schöpfer avancierte.
Genre: Mystery-Thriller
Länge: 103 Min.
Regie: Irvin Kershner
Cast: u.a. Faye Dunaway, Tommy Lee Jones, Rene Auberjonois, Brad Dourif, Lisa Taylor, Darlanne Fluegel, Raul Julia, Frank Adonis, Rose Gregorio, Michael Tucker
alt. Titel: Die Augen der Laura Mars
Screenshots
Szene aus ‚The Hustler (1961)‘, Bildquelle: The Hustler (1961), Rossen Enterprises, Twentieth Century Fox

The Hustler (1961)

[Lesen …]

The Hustler (1961)

„Fast“ Eddie Felson, ein junger Pool-Spieler von phänomenalem Talent und voller Ambition, ist fest entschlossen, den berüchtigten Matador Minnesota Fats im Zweikampf zu besiegen – die Geschichte eines stürmischen Billard-Asses, dessen größter Gegner sein Übermut ist. Paul Newman spielt den furiosen Youngster, der außerhalb der verrauchten Kaschemmen, in denen sich die Spieler gegenseitig provozieren und um Geld spielen, ein Nobody ist und sich unvermittelt in der Großstadtanonymität verlieren würde. Gezeigt wird ein halbseidener Mikrokosmos; die originelle Kameraführung transportiert den Rausch der famosen Spielzüge und neben Newman brillieren Piper Laurie als depressive Alkoholikerin und George C. Scott als gefühlskalter Manager mit einem untrüglichen Blick für menschliche Schwächen.
Genre: Drama
Länge: 134 Min.
Regie: Robert Rosen
Cast: u.a. Paul Newman,George C. Scott, Piper Laurie, Jackie Gleason, Murray Hamilton, Myron McCormick, Michael Constantine, Jake LaMotta, Vincent Gardenia
alt. Titel: Haie der Großstadt
Screenshots
Szene aus ‚Performance (1970)‘, Bildquelle: Performance (1970), Warner Bros.

Performance (1970)

[Lesen …]

Performance (1970)

Im ersten Teil des Films tobt James Fox als besonders perfider Scherge des Gangsterbosses Harry Flowers durch London, um den Forderungen seines Chefs bei Zweiflern Nachdruck zu verleihen; im zweiten Part ist er auf der Flucht vor ebenjenem Flowers und taucht in einer anarchischen Beatnik-WG unter – dem vermeintlich perfekten Versteck. Mick Jagger und Anita Pallenberg, die damals zu den lasterhaftesten Figuren des öffentlichen Lebens zählten, sind die Bewohner, die den flüchtigen Ganoven in ihre hedonistisch-ziellose Welt voller Drogen und Sex ziehen.
Genre: Drama
Länge: 101 Min.
Regie: Donald Cammell, Nicolas Roeg
Cast: u.a. James Fox, Mick Jagger, Anita Pallenberg, Michèle Breton, Johnny Shannon, Ann Sidney, John Bindon, Stanley Meadows, Anthony Valentine, Billy Murray, Kenneth Colley
Screenshots
Szene aus ‚The Driver (1978)‘, Bildquelle: The Driver (1978), Twentieth Century-Fox, EMI Films

The Driver (1978)

[Lesen …]

The Driver (1978)

Ein Cop und ein professioneller Fluchtfahrer, zwei jeweils kompromisslose Individualisten, die Konfrontation zwischen einem berufsmäßigen Gesetzeshüter und einem berufsmäßigen Gesetzesbrecher: Das ist die zunächst wenig komplexe Handlung von The Driver“. Bruce Dern porträtiert seinen Polizisten, der nach klassischen Erzählmustern ja eigentlich der „Gute“ ist, als unsympathischen Kerl; und Ryan O’Neal seinen Fluchtfahrer mit einer unnahbaren Kälte, die ihn noch bei den schärfsten Drifts und rasantesten Beschleunigungen keine Miene verziehen lässt. Stark sind die brachialen Verfolgungsjagden durch Los Angeles. Obwohl in manchen Szenen das Geschehen völlig banal ist, bereits mit einer knappen Beschreibung erfasst wäre, und kaum etwas gesagt wird, sind gerade diese Szenen ugemein ausdrucksstark – athmosphärische Statements, die erstaunlich viel über dieses kriminelle Soziotop, die Zeit und den gesellschaftlichen Raum aussagen. In seiner Schlichtheit, seiner präzisen Action und dem überraschenden Finale ist „The Driver“ einer der besten Filme der an sehenswerten Filmen nicht gerade armen Siebziger.
Genre: Action-Thriller
Länge: 92 Min.
Regie: Walter Hill
Cast: u.a. Ryan O’Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley, Matt Clark, Felice Orlandi, Joseph Walsh, Rudy Ramos, Frank Bruno, Denny Macko, Nick Dimitri, Bob Minor
alt. Titel: Driver
Screenshots
Szene aus ‚Mickey One (1965)‘, Bildquelle: Mickey One (1965), Florin Corp., Tatira Prod.

Mickey One (1965)

[Lesen …]

Mickey One (1965)

Mickey One“ ist einer der wenigen Filme, in denen eine amerikanische Großstadt – Chicago – wie in einem Nouvelle Vague-Film aussieht. Und er ist, in seinen surrealen Bildern und seiner kaleidoskopischen Handlung, anstrengend, trist, in der Tat herausfordernd, wie es oftmals mit Blick auf dieses Prä-New-Hollywood-Werk heißt. Man mag sich kaum vorstellen, wie dieser Film – der noch heute unkonventionell und in seinem ganzen Charakter äußerst exzentrisch daherkommt – damals, Mitte der Sechziger, auf sein Publikum gewirkt haben muss. Und es ist der erste Film, in dem der angehende Star Warren Beatty omnipräsent von einer Szene in die nächste eilt, in Close-ups und Posen eine einzige Beatty-Show. Die Handlung? Sie ist einfach und doch kaum sichtbar in einem Wirrwarr aus Schnitten und Perspektivwechslen vergraben: Ein Stand-up-Comedian, jung und talentiert, ist auf der Flucht vor der Mafia, von Verfolgungs- und Versagensangst getrieben.
Genre: Drama
Länge: 89 Min.
Regie: Arthur Penn
Cast: u.a. Warren Beatty, Alexandra Stewart, Hurd Hatfield, Teddy Hart, Kamatari Fujiwara, Franchot Tone, Jeff Corey, Donna Michelle, Benny Dunn, Helen Witkowski, Lew Prentiss, Boris Gregurevitch, Dink Freeman
Screenshots
Szene aus ‚The Day of the Dolphin (1973)‘, Bildquelle: The Day of the Dolphin (1973), Studiocanal, AVCO Embassy Pictures

The Day of the Dolphin (1973)

[Lesen …]

The Day of the Dolphin (1973)

Dr. Jake Terrell hat in langwierigen Experimenten zwei Delfinen die englische Sprache so weit beigebracht, dass die beiden Tiere mit ihm kommunizieren können. Plötzlich steigt das Interesse der Stiftung, die seine Arbeiten auf einer entlegenen Insel finanziert und dubiose Geldgeber treten in Erscheinung. Der Film kreist um eines der schwerwiegendsten Probleme der Zivilisation, nämlich die Unfähigkeit der Wissenschaft, die Verwendung ihrer Forschungsergebnisse zu kontrollieren. Der Diebstahl der Delfine, mit dem Terrell und sein Team schließlich konfrontiert werden, repräsentiert die Missbrauchsanfälligkeit freier Forschung. Durch die Inszenierung kontrastiert die Idylle der entlegenen Forschungsinsel scharf mit der Bedrohung durch düstere Akteure.
Genre: Sci-Fi-Drama
Länge: 104 Min.
Regie: Mike Nichols
Cast: u.a. George C. Scott, Trish Van Devere, Paul Sorvino, Fritz Weaver, Jon Korkes, John Dehner, Victoria Racimo
alt. Titel: Der Tag des Delphins
Screenshots
Szene aus ‚Bad Company (1972)‘, Bildquelle: Bad Company (1972), Paramount, Jaffilms

Bad Company (1972)

[Lesen …]

Bad Company (1972)

Um der Zwangsrekrutierung für den Bürgerkrieg zu entgehen, flüchtet der junge Methodist Drew Dixon aus seiner Heimat Ohio. Auf seinem Weg nach Westen schließt er sich einer Bande kleinkrimineller junger Männer an, deren Kopf der junge, pausbäckige Jeff Bridges als Jake Rumsey ist. Gemeinsam schlagen sie sich durch die triste Einöde des amerikanischen Heartland, die dieser Anti-Western, gefilmt in der charakteristischen Mid-West-Optik von Kansas, in einer durch und durch pessimistischen, dadurch wirklichkeitsnahen Atmosphäre einfängt – und alles ist lakonisch: die Posse mit ihrer abgestumpften Lynchjustiz, die Gelegenheitsprostituierte, der Gunslinger mit vergeudetem Talent. Mit der nüchternen Darstellung von Verrat, Egoismus und schließlich des einsamen Todes selbst noch beim Kuchendiebstahl zerstört „Bad Company“ die Outlaw-Romantik eines jugendlichen Abenteuers und zeigt die Reise durch die Mitte der heutigen USA als beklemmenden Überlebenskampf.
Genre: Western-Drama
Länge: 89 Min.
Regie: Robert Benton
Cast: u.a. Barry Brown, Jeff Bridges, John Savage, Jerry Houser, Damon Douglas, Joshua Hill Lewis, David Huddleston, Jim Davis, Geoffrey Lewis, Raymond Guth, Ed Lauter, John Quade, Jean Allison, Ned Wertimer, Charles Tyner, Claudia Bryar, Ted Gehring, John Boyd, Monika Henreid, Todd Martin
alt. Titel: In schlechter Gesellschaft
Screenshots
Szene aus ‚Das Mädchen und der Kommissar (1971)‘, Bildquelle: Das Mädchen und der Kommissar (1971), Lira Films, Studiocanal, Fida

Das Mädchen und der Kommissar (1971)

[Lesen …]

Das Mädchen und der Kommissar (1971)

Verdrossen ob des ständigen Entkommens der Räuber mit ihrer fetten Beute, legt sich der Pariser Ermittler Felix auf eigene Faust eine Undercover-Identität als Bankier zu, mit der er eine Bande aus Gescheiterten, die mit Metallteilen handeln, in einen Raubüberfall lockt. Es sind dezente Beobachterperspektiven, aus denen Claude Sautet die Handlung zeigt; und jedes Mal, wenn sich zwei Charaktere allein in einem Raum befinden, lässt er die Kamera über die Schulter der einen Person die andere in den Blick nehmen – der ganze Film ist ein schier endloses Ensemble perfekter Porträtaufnahmen. Die schmierige Kleinkriminellen-Aura der Schrottleute, wenn sie tagsüber auf ihrer Halde herumlungern, wird kontrastiert mit Exkursionen in lebhafte Kneipen und Cafés. Michel Piccolis Kriminalkomissar wirkt in seiner Stille und Melancholie, mit tristem Mantel und Hut wie der Protagonist eines amerikanischen Film noir. Und Romy Schneider wirft sich für ihre Straßenprostituierte Lily in anmutige Posen, aus denen jederzeit ein Gemälde entstehen könnte. Dieses audiovisuell ungemein attraktive Werk wird komplettiert durch die feinfühlig eingesträuten Trompeten- und Xyolophonklänge von Philippe Sardes Instrumental-Score.
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Claude Sautet
Cast: u.a. Michel Piccoli, Romy Schneider, Bernard Fresson, Georges Wilson, François Périer, Boby Lapointe, Michel Creton, Henri-Jaques Huet, Jacques Canselier, Alain Grellier, Maurice Auzel, Dominique Zardi, Philippe Léotard, Robert Favart
alt. Titel: Max et les ferrailleurs
Screenshots
Szene aus ‚Zardoz (1974)‘, Bildquelle: Zardoz (1974), Twentieth Century Fox

Zardoz (1974)

[Lesen …]

Zardoz (1974)

Geschrieben, produziert und gedreht von John Boorman ist „Zardoz“ eine esoterische Dystopie, die in Irland in einer 320 Jahre fernen Zukunft spielt. Der von einem vermeintlichen Gott auserkorene Mutant Zed gerät in ein elitäres Kollektiv Unsterblicher, die sich vor Langeweile nichts sehnlicher als den Tod wünschen. Eine von Sean Connerys skurrilen Rollen, in denen er anderthalb Stunden halbnackt in Shorts herumläuft – in vielen Szenen auch ein visueller Vorgriff auf Boormans „Excalibur aus dem Jahr 1981.
Genre: Fantasy-Drama
Länge: 105 Min.
Regie: John Boorman
Cast: u.a. Sean Connery, Sara Kestelman, Chralotte Rampling, John Alderton, Niall Buggy, Sally Anne Newton, Jessica Swift
Screenshots
Szene aus ‚Station Six-Sahara (1963)‘, Bildquelle: Station Six-Sahara (1963), CCC Filmkunst

Station Six-Sahara (1963)

[Lesen …]

Station Six-Sahara (1963)

Eine Handvoll Männer im Nirgendwo der nordafrikanischen Wüste, beauftragt, für die Medina Oil Company eine Pumpstation am Laufen zu halten – das Setting ist das einer einsamen Insel westlicher Zivilisation inmitten eines endlosen Sandmeeres. Die Ölleute fristen ein Dasein in verschwitzter Monotonie, durch das Schwarz-Weiß entfaltet die gleißende Hitze der libyschen Sonne eine surreale Aura. Auf dem engen Raum, angefüllt mit Testosteron und Aggressivität, entlädt sich die Frustration der Männer, als urplötzlich eine Frau auftaucht und den Sahara-Arbeitern mit lasziven Blicken und frivolen Gesten die Köpfe verdreht. Carroll Baker spielt diese Femme fatale exzellent; Denholm Elliott ist der autoritär-servile Opportunist; Ian Bannen der sexuell frustrierte Arbeiter; Mario Adorf der folg- und schweigsame Öl-Malocher; Peter van Eyck der autoritäre Chef, unhinterfragten Gehorsam gewohnt; und Hansjörg Felmy der gelassene Freigeist, der – stellvertretend für eine jüngere Generation – diesen Kommissgehorsam herausfordert. Auch Ron Grainers markanter Score bereichert die besondere Atmosphäre dieses Wüstendramas. Seth Holts Regie fokussiert die zerstörerischen Momente dieser Schicksalsgemeinschaft und heraus kommt aus dieser deutsch-britischen Koproduktion ein formidabel besetzter, glänzend gespielter Film, der für seine Zeit erstaunlich modern ist.
Genre: Drama
Länge: 96 Min.
Regie: Seth Holt
Cast: u.a. Hansjörg Felmy, Peter van Eyck, Carroll Baker, Ian Bannen, Denholm Elliott, Mario Adorf, Biff McGuire, Harry Baird
alt. Titel: Endstation 13 Sahara
Screenshots
Szene aus ‚Der Prozeß (1962)‘, Bildquelle: Der Prozeß (1962), Cantharus Prod.

Der Prozeß (1962)

[Lesen …]

Der Prozeß (1962)

Josef K. wird eines morgens verhaftet, beschuldigt und einem Gerichtsverfahren unterzogen – von wem, weshalb und wann bleibt jedoch ungesagt. Ein Albtraum ohne Erwachen, eine ziellose Hatz durch den Wahnsinn anonymer Autoritäten in einer Gesellschaft ohne jegliche Dissidenz und Courage. In seiner fahrigen Art und mit der Emphase nervöser Empörung passt Anthony Perkins perfekt auf seine Figur; aber auch sonst ist der dystopische Film exzellent besetzt, u.a. mit Jeanne Morau, Akim Tamiroff und Romy Schneider in peripheren Rollen. Orson Welles, der Kafkas Vorlage nach Gusto umschrieb und im typischen Welles-Pensum auch noch eine Nebenrolle spielt, gelingt vor allem, den beklemmenden, klaustrophobischen Subtext der Handlung mit seinen Bildern und Perspektiven in eine triste, ausweglose, durchweg pessimistische Atmosphäre zu übersetzen.
Genre: Drama
Länge: 114 Min.
Regie: Orson Welles
Cast: u.a. Anthony Perkins, Romy Schneider, Akim Tamiroff, Arnoldo Foà, Orson Welles, Madeleine Robinson, Jeanne Moreau, Jess Hahn, Billy Kearns, Maurice Teynac, Max Haufler, Naydra Shore, Suzanne Flon, Elsa Martinelli, Fernand Leboux, William Chappell, Thomas Holtzmann, Wolfgang Reichmann, Michael Lonsdale
alt. Titel: Le Procès
Screenshots
Szene aus ‚Far from the Madding Crowd (1967)‘, Bildquelle: Far from the Madding Crowd (1967), Studiocanal

Far from the Madding Crowd (1967)

[Lesen …]

Far from the Madding Crowd (1967)

Im Zentrum der atmosphärisch unglaublich dichten Verfilmung von Thomas Hardys Roman steht die junge Witwe Bathsheba (Julie Christie), die sich im männerdominierten Agrarsektor des viktorianischen England mit ihrem Farmbetrieb als Geschäftsfrau behauptet. Zwei loyale, tatkräftige, ehrliche Männer lässt sie abblitzen und heiratet stattdessen einen feschen Soldaten; doch der egoistische Hallodri lässt sie bald im Stich. Der Film profitiert ungemein von John Schlesingers dokumentarischem Blick auf das zwischenmenschliche Zusammenleben und den Zeitkolorit – das filmische Resultat ist nicht nur ein leichtgängiges Beziehungsdrama, sondern auch ein detailreiches Epochenporträt des englischen Landlebens.
Genre: Drama
Länge: 160 Min.
Regie: John Schlesinger
Cast: u.a. Julie Christie, Alan Bates, Terence Stamp, Peter Finch, Fiona Walker, Harriet Harper, Denise Coffey, Marie Hopps, Paul Dawkins, Freddie Jones, John Barrett, Andrew Robertson, Vincent Harding, Brian Rawlinson, Jonathan Newth
alt. Titel: Die Herrin von Thornhill
Screenshots
Szene aus ‚Viva Zapata! (1952)‘, Bildquelle: Viva Zapata! (1952), Twentieth Century Fox

Viva Zapata! (1952)

[Lesen …]

Viva Zapata! (1952)

Kurz nach seinem Megaerfolg A Streetcar Named Desire“ (1951) (Kurzeview auf Filmkuratorium.de lesen) spielte Marlon Brando den legendären Mexiko-Mythos Emiliano Zapata – einen charismatischen Freiheitskämpfer gegen korrupte Machteliten und skrupellose Militärjunten in den 1910er Jahren. Elia Kazans Film ist bemerkenswert progressiv: In der dreckigen Szenerie deutet sich der Stil des späteren Italo-Western an, und das brutale Finale ist ein Vorgriff auf das New Hollywood-Kino der späten 1960er und frühen 1970er Jahre.
Genre: Drama
Länge: 109 Min.
Regie: Elia Kazan
Cast: u.a. Marlon Brando, Anthony Quinn, Jean Peters, Joseph Wiseman, Harold Gordon, Arnold Moss, Alan Reed, Fay Roope, Frank Silvera, Richard Garrick, Lou Gilbert, Florenz Ames, Mildred Dunnock
alt. Titel: Viva Zapata
Screenshots