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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Tin Men (1987)‘, Bildquelle: Tin Men (1987), Touchstone Pictures, Buena Vista Home Entertainment

Tin Men (1987)

Eine stimmungsvolle Momentaufnahme des Amerikas der frühen Sechziger: Die „Tin Men“ sind Handelsvertreter, die ihr Geld m […]

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Tin Men (1987)

Eine stimmungsvolle Momentaufnahme des Amerikas der frühen Sechziger: Die „Tin Men“ sind Handelsvertreter, die ihr Geld mit dubiosen Methoden verdienen, indem sie ahnungslosen Kleinbürgern nutzlose Hausfassaden aus Aluminium aufschwatzen, und die ihren beruflichen Erfolg in der Strahlkraft ihrer verchromten Limousinen zelebrieren. Zwei von ihnen steigern sich wegen einer Lappalie in eine völlig überzogene Privatfehde hinein. Barry Levinsons Film liefert fast so schöne Bilder von der damaligen Büro- und Konsumkultur wie die Mad Men.
Genre: Drama
Länge: 112 Min.
Regie: Barry Levinson
Cast: u.a. Danny DeVito, Richard Dreyfuss, Barbara Hershey, Seymour Cassel, Bruno Kirby, J.T. Walsh, Jackie Gayle, Stanley Brock, John Mahoney, Michael Tucker, Richard Portnow
alt. Titel: Tin Men – Zwei haarsträubende Rivalen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Made (1972)‘, Bildquelle: Made (1972), Janet Productions, Studiocanal

Made (1972)

Stimmungen: britisch, englisch, musikalisch, pessimistisch, tragisch

Der unverbindliche Hedonismus des Folkrockstars Mike Preston, nur im Jetzt, nicht aber im Morgen zu leben steht dem soliden Verantwortungsimperativ des junge […]

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Made (1972)

Der unverbindliche Hedonismus des Folkrockstars Mike Preston, nur im Jetzt, nicht aber im Morgen zu leben steht dem soliden Verantwortungsimperativ des jungen Pfarrers Dyson gegenüber – aber eigentlich handelt „Made“ von der Alleinerziehenden Valerie Marshall, die zwischen beiden Männern, zwischen beiden Ideologien aufgerieben wird. Carol White spielt hier eine in der noch proletarisch angehauchten Mittelschicht gelagerte Frau, ähnlich wie ein paar Jahre zuvor in Ken Loachs Debüt Poor Cow“ (1967). „Made“ versetzt sein Publikum tief in die 1970er Jahre des britischen Königreiches; da ist die monotone Arbeit in einer Telefonzentrale, die explosive Stimmung vor einem Fußballmatch oder die tristen Mietskasernen mit ihrem piefigen Interieur; und eine kurze Brighton-Episode bietet einen Blick in den englischen Seebad-Eskapismus, der immer wieder in britischen Filmen aufflackert.
Genre: Drama
Länge: 105 Min.
Regie: John Mackenzie
Cast: u.a. Carol White, Roy Harper, John Castle, Margery Mason, Doremy Vernon, Sam Dastor, Richard Vanstone, Sean Hewitt, Michael Cashman
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Captain Newman (1963)‘, Bildquelle: Captain Newman (1963), Universal Pictures

Captain Newman (1963)

Stimmungen: militärisch, psychotisch, tragikomisch, tragisch

1944: Im Pazifik und in Europa tobt der Zweite Weltkrieg und in Captain Newmans psychiatrischer Abteilung auf einem […]

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Captain Newman (1963)

1944: Im Pazifik und in Europa tobt der Zweite Weltkrieg und in Captain Newmans psychiatrischer Abteilung auf einem US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt irgendwo in der Wüste von Arizona treffen unablässig neue Patienten ein. Im Lazarett ist Newman eine Autoritätsperson, ein couragierter Nonkonformist, der gegen die Skepsis seiner Vorgesetzten sich mit unerschütterlicher Fürsorge der kranken Soldaten annimmt, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Katatonie oder Schizophrenie leiden. Der titelgebende Protagonist hätte mit Gregory Peck nicht besser besetzt sein können; Angie Dickinson spielt eine Krankenschwester und Tony Curtis fällt als halbkriminell-sympathischem Pfleger die Funktion des Comic Relief zu – denn „Captain Newman“ präsentierten die Trailer damals als turbulente Komödie, als anarchischen Spaß im Kriegslazarett. Und tatsächlich entspricht er in Farbgebung und manchen Szenen diesem Esprit – in Wahrheit aber ist er eine ziemlich originelle Tragikomödie mit teils drastischen, nachdenklichen Momenten. Gerade was Kritiken als unentschlossenes Schwanken zwischen zwei Genres monierten, ist die Stärke des Films: Da mischen sich witzige Wortgefechte zwischen Newman und seinen Vorgesetzten, Patienten und Untergebenen mit tieftragischen Szenen, in denen etwa Bobby Darin eine haarsträubende Sequenz spielt, in der er unter Einfluss eines Wahrheitsserums seinem Trauma als einziger Überlebender einer Bomberbesatzung enthüllt; oder Eddie Albert einen am Kriegsbetrieb wahnsinnig gewordenen Strategen durchdrehen lässt; und nicht zuletzt der junge Robert Duvall als katatonischer Pilot.
Genre: Tragikomödie
Länge: 121 Min.
Regie: David Miller
Cast: u.a. Gregory Peck, Angie Dickinson, Tony Curtis, Bobby Darin, James Gregory, Larry Storch, Dick Sargent, Jane Withers, Eddie Albert, Robert Duvall, Bethel Leslie, Syl Lamont, Robert F. Simon, Vito Scotti, Paul Carr, Crahan Denton
alt. Titel: Captain Newman, M.D.
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Gefangene (1955)‘, Bildquelle: Der Gefangene (1955), London Independent Producers, Columbia Pictures

Der Gefangene (1955)

Stimmungen: beklemmend, düster, karg, klaustrophobisch, pessimistisch, psychologisch, steril, strapaziös, trist

Vom Beginn bis zum Ende ist „Der Gefangene“ voll quälendem Pessimismus: Als mutmaßlicher Verräter landet ein Kardinal direkt aus der prunkvollen Messe in der ka […]

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Der Gefangene (1955)

Vom Beginn bis zum Ende ist „Der Gefangene“ voll quälendem Pessimismus: Als mutmaßlicher Verräter landet ein Kardinal direkt aus der prunkvollen Messe in der kargen Gefängniszelle. In einem Schauprozess soll er als Symbol der Kirche als vermeintlich subversiver Institution verurteilt werden. Jack Hawkins spielt den namenlosen Experten, der seine Fähigkeiten in den Dienst einer Diktatur stellt, um einen Menschen kaputtzumachen, um dessen Unschuld er eigentlich weiß. Und Alec Guinness ist der geistliche Würdenträger, ein Volksheld, der einst der grausamen Gestapofolter trotzte und nun einem neuen Kampf gegenübersteht. Während der Verhörmeister in stundenlangen Befragungen systematisch im Kopf des Kardinals nach psychologischen Sollbruchstellen sucht, schwinden die Widerstandskräfte des Häftlings und die disziplinierte Körperkontrolle weicht allmählich fahrigen Bewegungen und irren Blicken. Über die politischen Hintergründe des Regimes, das dem Kardinal ein falsches Geständnis abpressen will, erfährt man wenig; aber die Atmosphäre auf den Straßen und in den Cafés, welche die wenigen Außenszenen vermitteln, ist durch und durch beklemmend gibt mit nur wenigen Bildern ein unbehagliches Gefühl vom Leben in einer Diktatur, deren Handlanger an jeder Straßenecke lauern. Noch weitaus bedrückender macht den Film die Tatsache, dass er auf einem realen Schicksal basiert: 1948 verhafteten die stalinistischen Vasallen in Ungarn den politisch unbequemen Kardinal und Primas Jozsef Mindszenty, an den Guinness’ Figur angelehnt ist – Mindszenty kam vor ein Volksgericht und unterzeichnete seine Geständnisse offenbar unter körperlichen und seelischen Torturen. Die strapaziöse Zermürbung durch Einsamkeit und die stundenlange Befragungsroutine ergeben ein packendes Psychoduell zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich nicht fremd sind. In Kammerspielen wie „Der Gefangene“ kommt die Schauspielkunst oft am besten zur Geltung – und was für große Schauspieler Alec Guinness und Jack Hawkins doch waren!
Genre: Drama
Länge: 94 Min.
Regie: Peter Glenville
Cast: u.a. Alec Guinness, Jack Hawkins, Wilfrid Lawson, Ronald Lewis, Jeanette Sterke, Kenneth Griffith, Raymond Huntley, Gerard Heinz
alt. Titel: The Prisoner
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Bob Roberts (1992)‘, Bildquelle: Bob Roberts (1992), PolyGram FilmProduktion

Bob Roberts (1992)

Stimmungen: lustig, politisch, satirisch, witzig, zynisch

In der Manier einer Dokumentation wird der US-Senatskandidat Bob Roberts im Wahlkampf gegen den demokratischen Amtsinhaber Brickley Paiste […]

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Bob Roberts (1992)

In der Manier einer Dokumentation wird der US-Senatskandidat Bob Roberts im Wahlkampf gegen den demokratischen Amtsinhaber Brickley Paiste, gespielt von dem Literaten Gore Vidal, begleitet. Der konservative Republikaner Roberts ist ein Folksänger, ein unverblümt schlechtes Bob-Dylan-Imitat, der in seinen Songs einen naiven Patriotismus kredenzt und auf dessen Wahlkampfbus „Pride“ steht. „Bob Roberts“ ist ein Auteur-Film, bei dem Tim Robbins nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Regie geführt und das Drehbuch verfasst hat. Fast genau 25 Jahre vor Donald Trumps Wahlsieg zeigt die Story von „Bob Roberts“, wie unter dem Banner von Demokratie, Patriotismus und Gerechtigkeit ein korrupter Scharlatan die Massen betört und in seinem rücksichtslosen Populismus – unschwer erkennbar, aber dennoch wirksam – scheinbar von niemandem gestoppt werden kann. Wenn Roberts oder Paiste auf den Mattscheiben flimmern, entsteht aus dieser inzwischen obsoleten TV-Optik ein unfreiwilliger Nostalgieeffekt. Robbins liefert eine ziemlich geniale Performance ab; und dass sie im Rückblick, unter der Wirklichkeit der Trump-Präsidentschaft viel von ihrem Satirecharakter verloren hat, unterstreicht noch einmal die Absurdität von Trumps Politikerfolg. Alan Rickman spielt den bedrohlichen Mastermind Lukas Hart III, dessen dubiose Vergangenheit Giancarlo Esposito als investigativer Journalist Bugs Raplin zu enthüllen sucht. Überdies ist der Film garniert mit unzähligen Cameos, darunter Jack Black als verblendeter Bob-Roberts-Fanatiker, John Cusack als TV-Comedian oder Susan Sarandon, Peter Gallagher, James Spader, Pamela Reed und Fred Ward als Nachrichtensprecher. Großartig sind auch die von Robbins mitgeschriebenen und gesungenen Stücke sowie die Musikvideo-Persiflagen.
Genre: Politsatire
Länge: 90 Min.
Regie: Tim Robbins
Cast: u.a. Tim Robbins, Giancarlo Esposito, Alan Rickman, Ray Wise, Brian Murray, Gore Vidal, Rebecca Jenkins, Jack Black Harry Lennix, David Strathairn, Lynne Thigpen, John Ottavino, Tom Atkins, Merrilee Dale, Bob Balaban, John Cusack, Anita Gillette, Susan Sarandon, Fred Ward, Peter Gallagher, Pamela Reed, James Spader, Helen Hunt, Brent Hinkley, Jeremy Piven
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Videodrome (1983)‘, Bildquelle: Videodrome (1983), Guardian Trust Company

Videodrome (1983)

Der leicht schmierige Programmplaner eines kanadischen Schmuddel-TV-Senders war eine von James Woods’ ersten großen Rollen. […]

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Videodrome (1983)

Der leicht schmierige Programmplaner eines kanadischen Schmuddel-TV-Senders war eine von James Woods’ ersten großen Rollen. David Cronenberg (Regie und Drehbuch) schickt seinen Protagonisten Max Renn auf einen bizarren Trip voller Halluzinationen und manipulativer Medienexperimente, auf dem die Grenze zwischen Medium und Mensch verwischt. Bei seiner routinemäßigen Suche nach perversen Fernsehformaten stößt Renn auf das ungemein faszinierende, radikale „Videodrome“, das Fernsehen zu einer extremen Erfahrung macht. Der Fernseher gerät hier zum Medium grenzenloser Massenmanipulation.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 89 Min.
Regie: David Cronenberg
Cast: u.a. James Woods, Debbie Harry, Sonja Smits, Peter Dvorsky, Leslie Carlson, Jack Creley, Julie Khaner
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Duell in den Wolken (1957)‘, Bildquelle: Duell in den Wolken (1957), Universal Pictures

Duell in den Wolken (1957)

Stimmungen: aeronautisch, aviatisch, düster, tragisch

Die Hitze elementarer Emotionen – Liebe, Leidenschaft, Angst – wird hier in eiskalter Noir-Optik dargestellt. Das passt zu der pessimistischen Grundstimmung der […]

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Duell in den Wolken (1957)

Die Hitze elementarer Emotionen – Liebe, Leidenschaft, Angst – wird hier in eiskalter Noir-Optik dargestellt. Das passt zu der pessimistischen Grundstimmung der Great Depression, in der „Duell in den Wolken“ spielt. Im Zentrum stehen waghalsige Schauflieger, die sich ihr Geld in lebensgefährlichen Rennen verdienen, zugleich aber auch ihre Sucht nach dem Rausch der Lüfte befriedigen. Einer von ihnen ist der Weltkriegsveteran Roger Shumann, der seine im Krieg gewonnenen Fähigkeiten für todesmutige Manöver nutzt; seine Frau LaVerne ergänzt die Show mit Fallschirmsprüngen, während der gemeinsame Sohn Jack ungerührt sein Eis schleckt. Zu dieser allzeit prekären Truppe gehört noch der geniale Mechaniker Jiggs, der sich um die Einsatzfähigkeit von Shumanns Doppeldecker kümmert. Rock Hudson spielt den Journalisten Burke Devlin, der zunächst bloß eine sensationelle Story sucht, dann aber selbst interveniert und sich an den fatalen Geschehnissen mitschuldig macht – im Redaktionsbüro, aus dem Devlin zwischenzeitlich rausfliegt, hängen überall „Is it interesting?“-Schilder, obwohl gerade er doch eine interessante Reportage in petto hat. „Duell in den Wolken“ hat die Zeit nicht zuletzt wegen seiner realistischen Flug-Action gut überdauert, die aus authentischen Maschinen und eigens für den Film gedrehten Sequenzen resultiert. Rock Hudsons Leistung besteht nicht zuletzt darin, trotz seines enormen Star-Gewichts den anderen Figuren – einprägsam gespielt von Dorothy Malone, Robert Stack und Jack Carson – genügend Raum auf der Leinwand freizugeben.
Genre: Drama
Länge: 91 Min.
Regie: Douglas Sirk
Cast: u.a. Dorothy Malone, Rock Hudson, Robert Stack, Jack Carson, Christopher Olsen, Robert Middleton, Alan Reed, Phil Harvey, Troy Donahue, Robert J. Wilke
alt. Titel: The Tarnished Angels
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚What Price Hollywood? (1932)‘, Bildquelle: What Price Hollywood? (1932), RKO Pathé Pictures

What Price Hollywood? (1932)

Stimmungen: glamourös, hollywoodesk, kalifornisch

Über die Jahrzehnte hinweg hat sich „A Star Is Born“ zu einem regelrechten Franchise eine […]

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What Price Hollywood? (1932)

Über die Jahrzehnte hinweg hat sich A Star Is Born zu einem regelrechten Franchise einer tragischen Selbstreflexion der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie entwickelt – mit seinem Showbusiness-Equilibrium, demnach der Aufstieg eines neuen mit dem Abstieg eines alten Stars einhergeht. Den Ausgangspunkt dieser Serie bildet allerdings „What Price Hollywood?“, gedreht fünf Jahre vor dem ursprünglichen „A Star Is Born“ von 1937. Beide Filme wurden von David O. Selznick produziert, der anders als seine Kollegen und Konkurrenten dem Hollywoodfilm über Hollywood ein großes kommerzielles Potenzial voraussagte und zugleich die Schicksale verblichener und zerrütteter Künstler:innen der Vergessenheit entreißen wollte. „What Price Hollywood?“ erzählt von der Star-Werdung einer Kellnerin, die sich einen Screen test verschafft und den Untergang ihres versoffenen Mentors miterlebt. In Constance Bennett steckt viel von ihrer Leinwandfigur Mary Evans; aber noch weitaus drastischer ist diese Nähe von Fiktion und Wirklichkeit bei Lowell Sherman und seinem Filmpendant Max Carey: Beide sind Regisseure – und Alkoholiker. Lange vor Billy Wilders „The Lost Weekend“ (1945) zeigte „What Price Hollywood?Alkoholismus nicht in Gestalt eines komischen Trunkenboldes, sondern als erschütternden Ruin eines Menschen. Der gewitzte Carey betäubt seinen Verdruss über die Mechanismen der Hollywoodwelt mit Whiskey und ruiniert dabei seine außerordentliche Begabung – die eindrückliche Schluss-Szene offenbart das Wuchtpotenzial des Pre-Code-Hollywood-Kinos.
Genre: Drama
Länge: 88 Min.
Regie: George Cukor
Cast: u.a. Constance Bennett, Lowell Sherman, Gregory Ratoff, Neilm Hamilton, Louise Beavers, Eddie „Rochester“ Anderson, Josephine Whittell, Zeena Baer, Brooks Benedict, Aggie Herring
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Heiße Erde (1957)‘, Bildquelle: Heiße Erde (1957), Twentieth Century-Fox

Heiße Erde (1957)

Stimmungen: aggressiv, elitär, idyllisch, karibisch, sonnig, tropisch, warm

„Heiße Erde“ zeigt mit seinem Location shooting auf Barbados und […]

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Heiße Erde (1957)

Heiße Erde“ zeigt mit seinem Location shooting auf Barbados und Granada endlich in seiner ganzen Fülle das Karibik-Ambiente, das einem die Hollywoodkulissen in den Studios stets vorenthalten haben. Gleich zu Beginn befindet sich die Kamera im Anflug auf eine Küstenstadt mit ihrer halbmondförmigen Bucht, wie man sie aus Piratenfilmen kennt. Und wie hier die satten blauen Wellen sanft über den hellen Sandstrand strömen, der von einem wundervoll blauen Himmel und einem Palmenwald eingerahmt ist, damit können nicht einmal die Katalogbilder der Tourismusunternehmern mithalten. Joan Collins und Stephen Boyd brutzeln da in der Sonne – sie sind eines von mehreren kontroversen Liebespaaren der Insel, um die der Film kreist. Die britische Kronkolonie Santa Marta wird demokratisiert und nun branden die Rassenprobleme auf, die der brutale Kolonialismus so lange unterdrückt hielt. James Mason verkörpert den weißen Plantagenbesitzer, Harry Belafonte seinen politischen Kontrahenten. Mit der Aneinanderreihung von Romanzen hat die Story Soap-Potenzial und gewinnt allein dadurch an Brisanz, dass die Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen, also interracial, stattfinden – was damals für einen Hollywoodproduzenten vom Schlage Darryl F. Zanucks etwas mehr Mut gekostet haben dürfte, als man heute vielleicht vermuten würde. In den Südstaaten brandeten Proteste auf, der Ku-Klux-Klan schrieb böse Briefe. Und wenn auch die sozialen Konflikte nicht mehr so kontrovers wie damals aus den Szenen sprechen, so kann man doch immer im tropischen Calypso-Flair dieses Films baden.
Genre: Drama
Länge: 114 Min.
Regie: Robert Rossen
Cast: u.a. James Mason, Harry Belafonte, Dorothy Dandridge, Joan Collins, Stephen Boyd, Joan Fontaine, Patricia Owens, Diana Wynyard, John Williams, Michael Rennie, John Justin, Basil Sydney, Hartley Power, Ronald Squire
alt. Titel: Island in the Sun
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Des Teufels Lohn (1957)‘, Bildquelle: Des Teufels Lohn (1957), Universal Pictures

Des Teufels Lohn (1957)

Stimmungen: aggressiv, bedrohlich, texanisch

Orson Welles benötigt bloß eine halbe Minute, um den inneren Zorn der Zuschauer brodeln zu lassen. Als selbstgerechter Autokrat […]

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Des Teufels Lohn (1957)

Orson Welles benötigt bloß eine halbe Minute, um den inneren Zorn der Zuschauer brodeln zu lassen. Als selbstgerechter Autokrat bringt er die ohnedies enorm aggressive Atmosphäre seiner Riesenranch fast zur Implosion. Ihm gegenüber steht Sheriff Ben Sadler (Jeff Chandler), der einem mutmaßlichen Mord an einem mexikanischen Arbeiter nachgeht, welcher sich auf Virgil Renchlers gigantischem Grundstück ereignet haben soll. Obwohl der „Wilde Westen“ längst Geschichte ist, herrscht hier noch fast die gleiche Gesetzlosigkeit – in den Weiten einer Ranch, die das Ausmaß so manchen europäischen Landes erreicht, ein Überwachungsvakuum, das mit der Autorität eines Patriarchen gefüllt wird. „Des Teufels Lohn“ treibt den Konflikt zwischen dem Einzelnen oder einigen Wenigen und der Gemeinschaft, ja eines ganzes Rechtssystems auf die Spitze. Der Sheriff, der im US-amerikanischen Heartland zumindest im Film meist ein verbohrter Handlanger des einen oder anderen Lokalmatadoren ist, wird hier wie sein berühmtes Pendant in High Noon“ (1952) zum beinahe aussichtslosen Einzelkämpfer – die Verteidigung der Moral wird zum Opfer des hartnäckigen Individualisten. „Des Teufels Lohn“ entlarvt vor allem einen beklemmenden Gesellschaftsmechanismus: Wie all die Ladenbesitzer und Händler nach Jahrzehnten des gemeinschaftlichen Zusammenlebens den Sheriff und seine Frau plötzlich ausgrenzen – eine lebensbedrohliche Stimmung entfachen –, weil sie fürchten, dass der Großgrundbesitzer Renchler sonst seine Waren andernorts einkauft.
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 80 Min.
Regie: Jack Arnold
Cast: u.a. Jeff Chandler, Orson Welles, John Larch, Ab Begley, Colleen Miller, Martin Garralaga, Ben Alexander, Mario Siletti, Paul Fix, Leo Gordon, Royal Dano, James Gleason, Barbara Lawrence, Joe Schneider, Harry Harvey, Forrest Lewis, Mort Mills, Charles Horvath, William Schallert, Joseph J. Greene
alt. Titel: Man in the Shadow
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Richter und sein Henker (1975)‘, Bildquelle: Der Richter und sein Henker (1975), Concorde Home Entertainment, MFG-Film, American Film Properties Two

Der Richter und sein Henker (1975)

Stimmungen: diesig, skurril, trist

Menschen lassen sich wie Figuren auf einem Schachbrett manipulieren – so lautet das Credo von Richard Gastmann, der mit seinem Kumpel, dem Berner Polizisten Hans Bärlach, wette […]

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Der Richter und sein Henker (1975)

Menschen lassen sich wie Figuren auf einem Schachbrett manipulieren – so lautet das Credo von Richard Gastmann, der mit seinem Kumpel, dem Berner Polizisten Hans Bärlach, wettet, in dessen Beisein einen Mord zu begehen, den ihm Bärlach niemals wird nachweisen können. Dreißig Jahre später ist es dem mittlerweile todkranken Bärlach noch immer nicht gelungen, den inzwischen steinreichen Gastmann zu überführen. Bärlach bleibt nicht mehr viel Zeit, ein neuer Mordfall – an seinem Assistenten – ist zu bearbeiten, und der junge Karrierist Walter Tschanz übernimmt die Ermittlung. Maximilian Schells Verfilmung des berühmten Bestsellers „Der Richter und sein Henker – dessen Autor Friedrich Dürrenmatt einen Gastauftritt als Schriftsteller Friedrich hat – zeigt ein diesiges Bern zur Mitte der Siebziger, trist und anachronistisch. Die Story zelebriert die Raffinesse der Manipulation, den Triumph von Geduld über Hybris. Martin Ritt spielt ziemlich famos den gleichermaßen verbrauchten wie gerissenen Kriminalkommissar, ein körperliches Wrack voll geistiger Energie; Robert Shaw ist Gastmann, in dem sich Sadismus und Plutokratentum zu einer ziemlich zerstörerischen Kraft vermengen, die Shaw in ein fieses Grinsen übersetzt; Jon Voight ist der aggressive Tschanz, der vor Selbstbewusstsein strotzt und gleich nach der Beerdigung eines ermordeten Kollegen mit dessen Verlobter schläft; ebendiese Frau spielt Jacqueline Bisset, die ziemlich unbeeindruckt in dem manipulativen Geschehen mitmischt, bei dem jeder Teilnehmer sich seiner vermeintlichen Überlegenheit gewiss ist. Untermalt von Ennio-Morricone-Klängen bewegt sich Schells „Der Richter und sein Henker“ stets an einer schmalen Grenze zum Absurden und profitiert immer wieder von dem dürremattesken Zynismus des Schicksals.
Genre: Kriminalthriller
Länge: 92 Min.
Regie: Maximilian Schell
Cast: u.a. Martin Ritt, Jon Voight, Jacqueline Bisset, Robert Shaw, Helmut Qualtinger, Friedrich Dürrenmatt, Rita Calderoni, Norbert Schiller, Toni Roth, Lil Dagover, Gabriele Ferzetti, Rudolf Hubacher, Rudolf Hunsperger, Donald Sutherland
alt. Titel: End of the Game
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Explosion in Kuba (1979)‘, Bildquelle: Explosion in Kuba (1979), MGM, Columbia Pictures

Explosion in Kuba (1979)

In den letzten Tagen der kubanischen Revolution trifft ein britischer Söldner in Havanna […]

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Explosion in Kuba (1979)

In den letzten Tagen der kubanischen Revolution trifft ein britischer Söldner in Havanna ein; als „Terrorismusexperte“ soll er dem kollabierenden Regime helfen. Anhand dieser Figur führt uns Regisseur Richard Lester durch die Revolutionswirren und fängt dabei die teils surreale Atmosphäre eines Landes im Chaos des politischen Umbruchs ein.
Genre: Drama
Länge: 122 Min.
Regie: Richard Lester
Cast: u.a. Sean Connery, Brooke Adams, Hector Elizondo, Jack Weston, Denholm Elliott, Chris Sarandon, Martin Balsam
alt. Titel: Cuba
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Beguiled (1971)‘, Bildquelle: The Beguiled (1971), Universal Pictures, The Malpaso Company

The Beguiled (1971)

Stimmungen: amourös, bedrohlich, morbid, sexuell

Während der Amerikanische Bürgerkrieg weiter tobt, schleppt si […]

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The Beguiled (1971)

Während der Amerikanische Bürgerkrieg weiter tobt, schleppt sich der Nordstaaten-Korporal McBurney schwer verwundet in eine riesige Südstaatenvilla, in der die strenge Hausherrin Martha Farsnworth eine Mädchenschule führt. Die – teils minderjährigen – Frauen verfallen dem ungebetenen Gast, pflegen ihn, während McBurney ihre Avancen mit den dreisten Lügen eines Charmeurs und Opportunisten befeuert. In „The Beguiled“ entfaltet sich eine bedrohlich-sexuelle Atmosphäre aus Lust und Lüge. Die Geschichte ist voll haarsträubender Wendungen, morbid und psychotisch, verstärkt durch die Südstaatenvilla als atmosphärisches Zentrum.
Genre: Drama
Länge: 105 Min.
Regie: Don Siegel
Cast: u.a. Clint Eastwood, Geraldine Page, Elizabeth Hartman, Mae Mercer, Jo Ann Harris, Pamelyn Ferdin, Darleen Carr, Melody Thomas Scott, Peggy Drier, Patricia Mattick, Charlie Biggs, Charles G. Martin, Matt Clarke, Patrick Culliton
alt. Titel: Betrogen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Landhaus der toten Seelen (1976)‘, Bildquelle: Landhaus der toten Seelen (1976), MGM

Landhaus der toten Seelen (1976)

Stimmungen: mysteriös, spannend

Im Horrorfilm der Siebzigerjahre war das Böse überall – sogar in einem Haus. „Landhaus der toten Seel […]

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Landhaus der toten Seelen (1976)

Im Horrorfilm der Siebzigerjahre war das Böse überall – sogar in einem Haus. „Landhaus der toten Seelen“ reiht sich ein in die Serie von Filmen à la The Exorcist“ (1973), The Omen“ (1976) oder The Sentinel“ (1977), in denen sich das Böse, Dämonische in urbane und/oder (bildungs-)bürgerliche Strukturen einschleicht. Als die Mitglieder der Familie Rolf – der Vater Ben, seine alte Tante Elizabeth, die Mutter Marian und der Sohn David – den läppischen Preis für die Miete einer phänomenalen Villa für den Sommer erfahren, da wundern sie sich, worin der Haken bestehen könnte. Für Marian nimmt die Beziehung zum Haus obsessive Züge an, am riesigen Pool blickt man immer wieder in tiefe Abgründe und im Gebäude geschehen rätselhafte Dinge – exzellenter Stoff also für einen kompakten Horrorfilm im Flair der 1970er Jahre. Karen Black und Oliver Reed wirken zunächst wie eine eigenwillige Kombination; aber da beide so herausragende Schauspieltalente sind, macht ihre Besetzung viel vom Reiz dieses Films aus. „Landhaus der toten Seelen“ entfaltet einen nahezu effektlosen Grusel, packt sein Publikum ganz primitiv bei der Neugier am Mysteriösen. Eileen Heckart und Burgess Meredith als Vermieter porträtieren ein bizarres Geschwisterpaar, das mit seiner diabolischen Liebenswürdigkeit die Leute ins Verderben lockt; Anthony James lächelt maliziös in einer Traumaphantasmagorie; und von Bette Davis, dem großen Hollywoodstar der Dreißiger, werden ihre entsetzlichen Todeskrämpfe im Bett in Erinnerung bleiben.
Genre: Horror-Drama
Länge: 116 Min.
Regie: Dan Curtis
Cast: u.a. Karen Black, Oliver Reed, Lee Montgomery, Bette Davis, Eileen Heckart, Burgess Meredith, Anthony James, Dub Taylor, Jim Myers
alt. Titel: Burnt Offerings
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Valdez Horses (1973)‘, Bildquelle: The Valdez Horses (1973), Produzioni De Laurentiis

The Valdez Horses (1973)

Stimmungen: melancholisch, staubig

Kochen, waschen, der behutsame Umgang mit den Pferden auf der kleinen Ranch, die Kleidung und die Körpersprache: Wie […]

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The Valdez Horses (1973)

Kochen, waschen, der behutsame Umgang mit den Pferden auf der kleinen Ranch, die Kleidung und die Körpersprache: Wie Charles Bronson hier seinen lakonischen Wildpferdzähmer spielt, würde manch anderem vermutlich als Method Acting ausgelegt werden. Wo andere Western sich ins Geschehen stürzen, nimmt sich „The Valdez Horses“ viel Zeit, eine streckenweise relativ ereignisarme Geschichte zu erzählen, wodurch man als Zuschauer aber ein Gefühl für das Leben am Rande der Zivilisation erhält. Im rauen Frontier-Jargon ist Bronsons Chino Valdez ein „Halbblut“; jedes Mal, wenn er in die nahegelegene Kleinstadt kommt, wird er das Opfer rassistischer Beleidigungen und Prügeleien. Aber erst, als er die Schwester des französischen Großgrundbesitzers Maral heiraten will, droht dieser ihm die völlige Vernichtung an. Die eigentliche Hauptfigur von „The Valdez Horses“ ist indes der Teenager Jamie, mit dem wir zu Beginn quasi in die Handlung hinein reiten. Jamie wird zu Valdez’ Ranch-Faktotum; und er ist es auch, der dem wortkargen Pferdehändler dessen warmherzigste Emotionen entlockt. Wie bei hunderten anderer Western liefern die andalusischen Täler von Almería in Spanien, wo „The Valdez Horses“ gedreht wurde, eine atmosphärische Kulisse, welche die Weite und Einsamkeit des amerikanischen Westens repräsentiert und die durch den Song „Freedom Rainbow“ und den Score von Guido und Maurizio De Angelis eine melancholische Note erhält.
Genre: Western-Drama
Länge: 93 Min.
Regie: John Sturges, Duilio Coletti
Cast: u.a. Charles Bronson, Vincent Van Patten, Jill Ireland, Marcel Bozzuffi, Fausto Tozzi, José Nieto, Ettore Manni, Melissa Chimenti, Corrado Gaipa, Diana Lorys
alt. Titel: Valdez, il mezzosangue/Chino/Wilde Pferde
Text verfasst von: Robert Lorenz
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