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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Traum meines Lebens (1955)‘, Bildquelle: Traum meines Lebens (1955), Lopert Films, The Criterion Collection

Traum meines Lebens (1955)

Stimmungen: mediterran, mondän, romantisch, sonnig, tragisch, warm

Mit „Traum meines Lebens“ (org.: Summertime) schuf David Lean einen der schönsten Venedig-Filme.

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Traum meines Lebens (1955)

Mit „Traum meines Lebens“ schuf David Lean eine der schönsten Momentaufnahmen der Tourismusmetropole Venedig. Und selten hat jemand vor der Kamera das Leiden unter sinnlos unnötiger Einsamkeit, die Angst vor unabwendbar vergebenen Chancen auf Glück und Zufriedenheit so eindrücklich in Körpersprache übersetzt wie Katharine Hepburn, die damals schon über zwanzig Jahre Schauspielerfahrung vorzuweisen hatte, aber deren Karriere noch weitere vierzig Jahre andauern sollte.

Als Jane Hudson, notorischer Single, aus Ohio in Venedig ankommt, da ist sie überwältigt von der Anmut und Romantik der Kanalstadt, zugleich, im Angesicht jüngerer und älterer Paare, zunehmend betrübter ob ihrer chronischen Unfähigkeit zur leidenschaftlichen Romanze – bis sie auf den Italiener Renato de Rossi trifft.

In wundervollen Bildern, die das eigentümliche Miteinander von historischer Grandezza und Fünfzigerjahre-Zeitkolorit einfangen, betört „Traum meines Lebens“ sein Publikum im Schatten des weitaus berühmteren „Roman Holiday“ (1953), mit dem William Wyler zwei Jahre zuvor einen der schönsten Rom-Filme geschaffen hatte.

Genre: Romantisches Drama
Länge: 100 Min.
Regie: David Lean
Cast: u.a. Katharine Hepburn, Rossano Brazzi, Gaetano Autiero, Isa Miranda, Mari Aldon, Darren McGavin, Jane Rose, MacDonald Parke, Jeremy Spenser, Virginia Simeon
alt. Titel: Summertime
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)‘, Bildquelle: Beim Sterben ist jeder der Erste (1972), Warner

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

„Beim Sterben ist jeder der Erste“ zeigt die brachiale Transformation selbstbewusster Großstädter zu desolaten Opfern der Hilbilly-Provinz.

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Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

Vier Männer freuen sich auf ein einzigartiges Freizeiterlebnis und starten eine Kanutour in der amerikanischen Wildnis. Anstatt sich an ihrem Kräftemessen mit der nackten Natur zu berauschen, gerät der Trip jedoch zu einem grauenvollen Desaster.

John Boormans Thriller zeigt eine extreme Variante, wie ein vermeintlich harmloses Unterfangen für die Beteiligten katastrophale Ausmaße annimmt und wie schnell soziale Normen außer Kraft gesetzt sein können.

Genre: Abenteuer-Drama
Länge: 109 Min.
Regie: John Boorman
Cast: u.a. Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty, Ronny Cox, Bill McKinney, Herbert „Cowboy“ Coward, Billy Redden
alt. Titel: Deliverance
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Abgekartetes Spiel (1947)‘, Bildquelle: Abgekartetes Spiel (1947), Columbia Pictures

Abgekartetes Spiel (1947)

Stimmung: fatal

„Abgekartetes Spiel“ (org.: Framed) hält einige der schönsten Noir-Aufnahmen bereit.

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Abgekartetes Spiel (1947)

Ein Film, den vor allem Noir-Enthusiast:innen goutieren werden: In „Abgekartetes Spiel“ kreiert Glenn Fords Antiheld einige der schönsten, archetypischen Noir-Posen und -Gesichtsausdrücke, die es jemals auf die Leinwand schafften.

Ford spielt den arbeitslosen Bergbauingenieur Mike Lambert, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und in einem misanthropischen Fundamentalmisstrauen allzeit den Betrug durch das Schicksal wittert. Janis Carter ist die obligatorische Femme fatale, in deren Fänge Lambert gerät. Und die einzig ehrbaren Akteure der Kleinstadt, in der „Abgekartetes Spiel“ spielt, sind die heimlichen Würfelzocker und ein erfolgloser Outcast, wohingegen Firmen, Banken und die Justiz die Ausgangspunkte moralischer Verwerflichkeit darstellen.

Genre: Noir-Drama
Länge: 82 Min.
Regie: Richard Wallace
Cast: u.a. Glenn Ford, Janis Carter, Barry Sullivan, Edgar Buchanan, Karen Morley
alt. Titel: Framed/Paula
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Ritt zurück (1957)‘, Bildquelle: Der Ritt zurück (1957), The Associates and Aldrich, MGM

Der Ritt zurück (1957)

Stimmungen: misstrauisch, verschwitzt

„Der Ritt zurück“ ist mit seinen zwielichtigen Charakterporträts ein sehenswerter Vorbote des New-Hollywood-Kinos.

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Der Ritt zurück (1957)

Der titelgebende „Ritt zurück“ von Mexiko in die Staaten unter einem leicht surrealen Himmel, entstanden in Robert Aldrichs kurzlebiger Independent-Schmiede, ist in vielen Aspekten kein gewöhnlicher Fünfzigerjahre-Western und liegt irgendwo zwischen den Hollywood-Klassikern High Noon“ (1952) und 3:10 to Yuma“ (1957).

Anthony Quinn, zum Zeitpunkt der Filmpremiere frischgebackener Oscarpreisträger, und William Conrad bringen hier Charaktere auf die Leinwand, die für damalige Western eher untypisch sind – überhaupt ist „Der Ritt zurück“ mit seinem schweigsamen Score, der schmutzigen Kleidung und unaufhörlichem Schweiß ein stilistischer Vorbote des späteren New Hollywood-Kinos.

Genre: Western-Drama
Länge: 80 Min.
Regie: Allen H. Miner
Cast: u.a. William Conrad, Anthony Quinn, Lita Milan, Ellen Hope Monroe, Victor Milan, Jorge Treviño
alt. Titel: The Ride Back
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Appointment (1982)‘, Bildquelle: The Appointment (1982), First Principle Film Productions

The Appointment (1982)

Stimmungen: britisch, englisch, mysteriös, spannend, suburban, unheimlich

Mysteriöse Bedrohlichkeit in der Akkuratesse der englischen Mittelschicht: „The Appointment“ ist britischer Slow-Horror vom Feinsten.

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The Appointment (1982)

Ein Meisterstück des minimalistischen, langsamen Horrors: In seiner einzigen Regiearbeit zeigt uns Lindsey Vickers, was man durch den klugen Einsatz von Close-ups, Slow Motion und kleinen Geräuschen für eine Spannung aufbauen kann.

Edward Woodward, der Antiheld aus dem kultisch verehrten The Wicker Man“ (1973), ist hier als Unternehmer unterwegs auf einer Dienstreise, im mittelschichtigen Komfort seines brandneuen Ford „Granada“, in sorgfältiger Gewöhnlichkeit den Aktenkoffer auf der Rückbank und das Sakko am Autokleiderhaken. In der Nacht vor seiner Abreise beginnen mysteriöse Mächte ihr Werk, das sich in der Einsamkeit der nordwalisischen Serpentinen zuspitzt – der lange Zeit im Äther der Vergessenheit verschollene „The Appointment“ ist eine spät geborgene Perle des Heimvideozeitalters.

Genre: Horror-Drama
Länge: 89 Min.
Regie: Lindsey C. Vickers
Cast: u.a. Edward Woodward, Jane Merrow, Samantha Weysom, John Judd
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Johnny O’Clock (1947)‘, Bildquelle: Johnny O’Clock (1947), Columbia Pictures

Johnny O’Clock (1947)

Stimmungen: elegant, großstädtisch, kriminell, metropolitan, nächtlich, urban

Eleganz, Verrat und Misstrauen: „Johnny O’Clock“ gehört zu den besten Films noir.

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Johnny O’Clock (1947)

Von Rouletterädern schwärmt er wie von schönen Frauen und mit seinem Geld finanziert er eine gravitätische Eleganz: Johnny O’Clock ist ein Zampano des metropolitanen Glücksspiels – und darin ein Hollywood-Vorläufer des Nouvelle-Vague’schen Bob le flambeur von Jean-Pierre Melville, den Roger Duchesne in einer ähnlich abgeklärten Nachtwelterhabenheit spielt wie Dick Powell in „Johnny O’Clock“.

Ein penetranter Cop, dem Lee J. Cobb mit einer Nonstop-Zigarren-Performance ein imposantes Leinwandleben einhaucht, erschnüffelt sofort die Wahrheit hinter einer Serie von Glücksspieltoten, die verdächtig regelmäßig durch die Dienstwaffe eines Polizisten gestorben sind. Neben O’Clock steht dessen – natürlich zwielichtiger – Partner Gudio Marchettis in Verdacht (Thomas Gomez lässt in seinen Augen kriminelle Hinterlist aufleuchten). Ellen Drew ist die Femme fatale, Evelyn Keyes die Retterin.

Die für Columbia-Produktionen vergleichsweise üppige Ausstattung, kunstvolle Noir-Schattenspiele und unzählige kleine Gesten und Charakterdetails machen aus „Johnny O’Clock“ einen der besten der weniger bekannten Films noir.

Genre: Noir-Drama
Länge: 96 Min.
Regie: Robert Rossen
Cast: u.a. Dick Powell, Lee J. Cobb, Evelyn Keyes, Ellen Drew, Thomas Gomez, John Kellogg, Mabel Paige, Nina Foch, Jeff Chandler
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Big Combo (1955)‘, Bildquelle: The Big Combo (1955), Security Pictures, Theodora Productions

The Big Combo (1955)

Stimmungen: düster, finster, kriminell

„The Big Combo“ ist eine Perle des Noir-Kinos und führte seinerzeit die Hollywoodzensoren an der Nase herum.

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The Big Combo (1955)

The Big Combo“ ist eine Perle des Fünfzigerjahre-Kinos – und der Noir-Filme sowieso. Wie ein Besessener verheizt der Ermittler Leonard Diamond das Polizeibudget, um den Gangsterboss Mr. Brown zu überführen. Brown aber ist über jeden Verdacht erhaben – ein Mann, der nur Menschen ernst nimmt, die zu gewalttätigem Hass in der Lage sind.

The Big Combo“ ist nicht nur ein Meisterstück im Umgang mit geringen Mitteln, voller großartiger Kameraeinstellungen; auch merkt man dem Film an, wie genüsslich er die Hollywoodzensoren jener Zeit an der Nase herumführte.

In „The Big Combo“ finden sich etliche Szenen, deren Botschaften den moralischen Standards des Production Code fundamental zuwiderliefen – doch ließ sich daran wenig ändern, da Regisseur Joseph H. Lewis sie entweder bloß implizit oder vordergründig harmlos inszenierte: so die beiden schwulen Auftragsmörder Fante und Mingo (einen von ihnen spielt Lee Van Cleef), angedeuteter Oralsex oder eine sadistische Folterung mit einem Hörgerät.

Hinzu kommen Cornel Wildes Blicke voll aggressiver Entschlossenheit und Richard Contes süffisante Zurückhaltung im Bewusstsein vermeintlicher Überlegenheit.

Genre: Noir-Thriller
Länge: 88 Min.
Regie: Joseph H. Lewis
Cast: u.a. Cornel Wilde, Richard Conte, Jean Wallace, Lee Van Cleef, Earl Holliman, Brian Donlevy, Robert Middleton, Helen Walker, Jay Adler, John Hoyt, Ted de Corsia
alt. Titel: Geheimring 99
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Klute (1971)‘, Bildquelle: Klute (1971), Warner Bros.

Klute (1971)

„Klute“ ist ein düsterer Trip durch das New Yorker Prostituiertenmilieu der frühen Siebziger mit einer herausragenden Performance von Jane Fonda.

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Klute (1971)

Der Provinz-Cop Klute soll in New York einen verschollenen Freund ausfindig machen. Sein erster Anlaufpunkt in der Metropole ist ein Callgirl, dem der Vermisste anscheinend einen obszönen Brief geschrieben hat.

Alan J. Pakula schildert in seinem düsteren New Hollywood-Thriller nüchtern den Alltag einer Prostituierten – Jane Fonda bekam für ihre Rolle einen Oscar. Ihre unkonventionelle Filmfrisur hatte sie sich damals gerade als Ausweis ihrer unlängst emanzipierten Persönlichkeit zugelegt; und entgegen dem Titel spielt Fonda die tragende Filmfigur.

Noch mehr New-York-Filme entdecken.

Genre: Drama
Länge: 132 Min.
Regie: Alan J. Pakula
Cast: u.a. Jane Fonda, Donald Sutherland, Charles Cioffi, Roy Scheider, Dorothy Tristan, Vivian Nathan, Morris Strassberg, Rita Gam, Nathan George
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Union Pacific (1939)‘, Bildquelle: Union Pacific (1939), Paramount Pictures, EMKA

Union Pacific (1939)

Stimmung: abenteuerlich

„Union Pacific“, episch von dem Hollywoodgroßmeister Cecil B. DeMille inszeniert, verströmt reichlich Western-Nostalgie.

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Union Pacific (1939)

Als Cecil B. DeMille Ende der 1930er Jahre – damals einer der mächtigsten und kassenträchtigsten Regisseure der Welt – mit dem Zug von Los Angeles nach New York fuhr, war er angeblich so ergriffen und fasziniert von der Geschichte dieser gigantischen Bahnstrecke, dass er daraus seinen nächsten Film machte: ein fulminantes Frontier-Spektakel, das den Pioniergeist wagemutiger Visionäre und den Kraftakt einer ganzen Armee von Arbeitern glorifizierte.

In „Union Pacific“ versucht ein Spekulant heimlich, ein historisches Mammutprojekt zu untergraben: Kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg sollen der Osten und Westen miteinander verbunden werden, durch eine beispiellos lange Eisenbahnstrecke quer durch die USA, durch Wüsten, Prärien und Gebirge. Ein Spielcasino, das die Bahnarbeiter auf ihrem Weg begleitet, soll den Fortschritt verzögern; das Eisenbahnunternehmen wiederum heuert den buchstäblichen Troubleshooter Jeff Butler an, um die Glücksspieler zu vertreiben – einer von ihnen ist jedoch Butlers Kriegskamerad Dick Allen. Beide verlieben sich in Mollie Monahan, die Briefe zum „end of track“ zustellt.

Union Pacific“ ist ein klassischer Hollywoodwestern, der all die Klischees mitformulierte, an denen sich die Anti- und New-Hollywood-Western später abarbeiteten.

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Genre: Western
Länge: 135 Min.
Regie: Cecil B. DeMille
Cast: u.a. Joel McCrea, Barbara Stanwyck, Robert Preston, Akim Tamiroff, Lynne Overmile, Brian Donlevy, Henry Kolker, Anthony Quinn, Stanley Ridges, Francis McDonald, J.M. Kerrigan, Robert Barrat, William Haade, Willard Robertson, Evelyn Keyes, Regis Toomey
alt. Titel: Die Frau gehört mir
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Das vergessene Tal (1971)‘, Bildquelle: Das vergessene Tal (1971), ABC Features International

Das vergessene Tal (1971)

Stimmungen: brutal, düster, historisch, karg, kriegerisch, pessimistisch

„The Last Valley“ verströmt die düster-bedrohliche Atmosphäre des Dreißigjährigen Krieges.

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Das vergessene Tal (1971)

Für viel Geld ließ Regisseur, Produzent und Autor James Clavell Tiroler Dörfer nachbauen – und dieses kostspielige Streben nach einer authentischen Kinematografie der Epoche des Dreißigjährigen Krieges zahlt sich gleich zu Beginn von „Das vergessene Tal“ aus, wenn Omar Sharif als Vagabund aus einem finsteren Wald voller Leichenberge in das idyllische Tal am Fuße der Alpen stolpert, wo im satten Grün fruchtbarer Felder unter blauestem Himmel einer der verheerendsten Konflikte der Menschheitsgeschichte nicht zu existieren scheint. Die Ankunft einer brandschatzenden Söldnertruppe unter dem Kommando von Michael Caines Hauptmann ändert dort vieles.

Das vergessene Tal“ blickt letztlich nur für einen kurzen Moment unmittelbar auf die Kriegshandlungen jener schrecklichen Zeit – aber die Söldner, ihr Hauen und Stechen im eigentlichen Sinn, die Routine des Todes, vermitteln implizit ein Gefühl für die primitiv-archaische Form, auf die das jahrzehntelange Schlachten die Menschen seinerzeit zurückwarf. „I only do what is necessary“, beschreibt Caines Söldnerhauptmann die Maxime hinter dessen Mordbrennerei.

Genre: Kriegsdrama
Länge: 120 Min.
Regie: James Clavell
Cast: u.a. Michael Caine, Omar Sharif, Florinda Bolkan, Nigel Davenport, Madeleine Hinde, Per Oscarsson, Christian Roberts, Michael Gothard, Arthur O’Connell, Ian Hogg, Yorgo Voyagis, Miguel Alejandro, George Innes, Leon Lissek, Brian Blessed, Vladek Sheybal
alt. Titel: The Last Valley
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Radio Days (1987)‘, Bildquelle: Radio Days (1987), Orion Pictures

Radio Days (1987)

Stimmungen: atmosphärisch, familiär, sentimental, suburban, urban

Nostalgischer Blick zurück in das New York der 1940er Jahre, dem Zeitalter des Radios in den USA – kräftiges Zeitkolorit und tolle Besetzung.

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Radio Days (1987)

Eine Film gewordene Kindheitserinnerung, mit einer Handlung, die so wenig stringent ist wie der Alltag, den sie zeigt. Woody AllensRadio Days ist ein entspannt-nostalgischer Blick zurück, in die späten 1930er und frühen 1940er Jahre, mit dem Radio als ständigem Begleiter, von dem ein gewisser Zauber ausgeht.

Aus dem Off erzählt Allen aus dem Leben des jungen Joe (gespielt von einem 13-jährigen Seth Green) und seiner jüdischen Familie in Rockaway Beach, direkt an der Atlantikküste, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Im Radio laufen Musik, Shows, haarsträubende Reportagen wie die versuchte Rettung einer Achtjährigen, die in einen Brunnen gestürzt ist, oder es wird der japanische Angriff auf Pearl Harbor bekanntgegeben – das Zeitalter der Massenmedien hat längst begonnen.

Wie die meisten seiner New-York-Filme taucht Woody Allen auch „Radio Days“ in dunkle, fast düstere Farben, lässt ihn dabei allerdings weniger melodramatisch denn heiter und unbeschwert, angenehm kurzweilig wirken. Die historische Punktion mit ihrem kräftigen Zeitkolorit – die kleinen, längst abgerissenen Häuser mit ihren großen Familien, der flirrende Großstadttrubel Manhattans – versprüht reichlich urbanen Ostküstencharme und porträtiert eine Ära, in der das Radio die große Welt in die kleinen Haushalte holte.

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Genre: Dramatische Komödie
Länge: 85 Min.
Regie: Woody Allen
Cast: u.a. Seth Green, Mia Farrow, Dianne Wiest, Julie Kavner, Michael Tucker, Josh Mostel, Renée Lippin, Wallace Shawn, Danny Aiello, Gina DeAngeles, Mindy Morgenstern, Kenneth Mars, Diane Keaton, Jeff Daniels
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚All the Right Noises (1971)‘, Bildquelle: All the Right Noises (1971), Trigon Productions

All the Right Noises (1971)

Stimmungen: britisch, englisch, pessimistisch

„All the Right Noises“ ist ein kleines Stück Post-Sixties-Pessimismus.

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All the Right Noises (1971)

Ein über dreißigjähriger Familienvater hat eine Affäre mit einer minderjährigen Schülerin – er stört sich nicht an dem anfangs vom Mädchen verschwiegenen Altersunterschied, solange sie keine Schuluniform trägt. Sie liebt ihn, er findet in ihr eine Alltagsflucht aus seinem Familienleben in dem Appartementhaus im Londoner Stadtteil Battersea

All the Right Noises“ gehört zu den unterschwellig pessimistisch eingefärbten Post-Swinging-Sixties-Filmen, mit ihrem nüchternen Realismus und dem trüben Location shooting – die hedonistischen Strömungen wirken noch nach, sind aber längst in den Alltagsroutinen versickert. Der Film unternimmt auch Abstecher in das Seebadstädtchen Brighton und nach Manchester. „All the Right Noises“ steht am Beginn der großen Krise des britischen Kinos, als die US-Studios ihre Gelder abzogen.

Genre: Drama
Länge: 91 Min.
Regie: Gerry O’Hara
Cast: u.a. Tom Bell, Olivia Hussey, Judy Carne, Bob Keegan, John Standing, Lesley-Anne Down, Yootha Joyce
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Tunnel der lebenden Leichen (1972)‘, Bildquelle: Tunnel der lebenden Leichen (1972), Harbor Ventures

Tunnel der lebenden Leichen (1972)

Stimmungen: britisch, brutal, dunkel, englisch

„Tunnel der lebenden Leichen“ (org.: Death Line) ist einer der besten britischen Horrorfilme.

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Tunnel der lebenden Leichen (1972)

Im Londoner Underground schlummert ein grauenvolles Erbe des viktorianischen Zeitalters – einst wurden beim Graben eines U-Bahn-Schachtes die Arbeiter mitsamt ihren Ehefrauen verschüttet und die Baufirma hatte kein Geld mehr, um die Überlebenden zu befreien.

Der knapp anderthalbstündige, zeitgenössisch leider untergegangene „Tunnel der lebenden Leichen“ besticht gleich durch mehrere Facetten: Donald Pleasence, der Auffälligste unter den unauffälligen Schauspielern, amüsiert als proletarisch angehauchter Kriminalkommissar, der einen vermissten Regierungsangestellten sucht und dabei ein süffisantes Mimikspektrum zelebriert. Und dann ist da noch das Zeitkolorit der frühen Siebziger mit dem neonfarbenen Rotlichtmilieu, Arbeiterkindern gegen Upperclass-Privilegierte oder despektierlich Sprüche über das Studentenleben mit langen Haaren und Protestmärschen. Hugh Armstrong liefert zweifellos eine formidable Schauderrolle ab – doch bleibt es eines der großen uneingelösten Versprechen der Kinogeschichte, was der ursprünglich vorgesehene Marlon Brando aus dieser Figur gemacht hätte, wenn er wegen familiärer Gründe nicht zur Absage gezwungen worden wäre.

Tunnel der lebenden Leichen“ ist ein Horrorfilm, in den sich vieles hineininterpretieren lässt – allem voran die Metapher einer Gesellschaft, die irgendwann von den Verfehlungen ihrer Vergangenheit eingeholt wird, manchmal eben auf grausame Weise. In seinem Detailreichtum, seinen Performances und seiner Kinematografie gehört „Tunnel der lebenden Leichen“ jenseits allen filmintellektuellen Brimboriums jedoch schlicht zu den besten britischen Horrorfilmen aller Zeiten.

Genre: Horror
Länge: 88 Min.
Regie: Gary Sherman
Cast: u.a. Donald Pleasence, Sharon Gurney, David Ladd, Hugh Armstrong, Norman Rossington, Christopher Lee, Clive Swift, James Cossins, Heather Stoney, June Turner
alt. Titel: Death Line
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Star (1952)‘, Bildquelle: The Star (1952), Twentieth Century-Fox

The Star (1952)

Stimmungen: hollywoodesk, kalifornisch, tragisch, urban

In „The Star“ porträtiert Bette Davis das Schicksal, dem sie damals gerade entronnen war: die Zerrüttung einer Schauspielerin unter der Sonne Kaliforniens.

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The Star (1952)

In „The Star“ spielt Bette Davis einen Menschen, dessen Schicksal sie selbst gerade entronnen ist: Hollywood-Has-been Margaret Elliot, eine Frau Mitte vierzig, die ihren Star-Status eingebüßt hat und pleite ist.

Nach einem Sauftrip mit ihrer Oscar-Statuette landet sie in der Ausnüchterungszelle; ein früherer Kollege, der sie liebt, hinterlegt ihre Kaution und redet ihr mit Sätzen ins Gewissen, die das Problem vieler Hollywoodstars hervorheben, etwa: „With actors, it’s the next part, the next picture. Always chasing rainbows.“ Elliot redet sich ein: „Well, if you’re a star, you don’t stop being a star.“

The Star“ verdichtet eines der Hollywoodsyndrome, indem es einen verblichenen Star dabei zeigt, mit dem Verlust seiner einstigen Ressourcen umzugehen, den Verzicht auf riesige Villen, teuerste Parfüms und dicke Limousinen ebenso zu akzeptieren, wie ältere Menschen auf der Leinwand darzustellen, während Top billing und Hauptrolle an andere gehen.

Mit ihrer unterschwellig hysterischen Ausstrahlung und ihrem Gesichtsausdruck in einer Mischung aus Geringschätzung und Verletzlichkeit passt Bette Davis perfekt auf ihre Figur; Sterling Hayden spielt den Ex-Schauspieler, der den Absprung aus der unerbittlichen Filmbranche noch geschafft hat, und eine damals 14-jährige Natalie Wood tritt als Tochter des Ex-Stars Elliot auf.

Dass der abgestürzte Stern auf die Bette-Davis-Rivalin Joan Crawford anspielen soll, macht den Film umso interessanter.

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Genre: Drama
Länge: 91 Min.
Regie: Stuart Heisler
Cast: u.a. Bette Davis, Sterling Hayden, Natalie Wood, Warner Anderson, June Travis, Minor Watson, Kay Riehl, Fay Baker, Katherine Warren, Paul Frees, David Alpert, Al Hill, Barbara Lawrence, Claire Carleton, Marcia Mae Jones, Robert Warwick
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Stadt der Illusionen (1952)‘, Bildquelle: Stadt der Illusionen (1952), Loew’s Inc., John Houseman Productions

Stadt der Illusionen (1952)

Stimmungen: energisch, hollywoodesk, kalifornisch, luxuriös

Mit seinen Archetypen des kommerziellen Filmemachens und der grandiosen Inszenierung gehört „Stadt der Illusionen“ zu den besten Filmen über Hollywood.

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Stadt der Illusionen (1952)

Die Tudor-Villen und Pseudo-Schlösser der verstorbenen Stars als verwunschene Relikte des alten Hollywood, die zwischenmenschlichen Katastrophen des Filmemachens oder die Gleichzeitigkeit von rücksichtslosem Tatendrang und schöpferischem Genie: In drei Rückblenden erinnern sich in „Stadt der Illusionen“ der Regisseur, der Star und der Drehbuchautor an ihre Zeit mit dem Filmproduzenten Jonathan Shields, an dessen Seite sie zu Hollywoodgranden aufstiegen, aber zugleich getäuscht und verraten wurden.

Die Originalgeschichte, die „Stadt der Illusionen“ zugrunde liegt, erzählt eigentlich vom Broadway, aber Produzent John Houseman verlegte die Filmversion nach Hollywood, um sich bei seinem früheren Chef David O. Selznick zu revanchieren, an den die Figur des Jonathan Shields angelehnt ist. Auch sonst finden sich im Film etliche Wirklichkeitsbezüge: Lana Turner und Gilbert Roland spielen sich – den weiblichen Superstar mit seinem kassenträchtigen Sexappeal und den Latin Lover – teilweise selbst; und Turners Georgia Lorrison, die Tochter eines am Alkohol zugrunde gegangenen Hollywoodstars alter Tage, rekurriert auf Diana Barrymore mit ihrem berühmten Vater John Barrymore. Vor allem aber ist „Stadt der Illusionen“ mit seiner Kinematografie, seinen Kostümen und seinem Szenenbild einer der atmosphärisch dichtesten und elegantesten Schwarz-Weiß-Filme, die jemals gedreht worden sind.

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Genre: Drama
Länge: 118 Min.
Regie: Vincente Minnelli
Cast: u.a. Kirk Douglas, Lana Turner, Dick Powell, Barry Sullivan, Walter Pidgeon, Gloria Grahame, Gilbert Roland, Paul Stewart, Ivan Triesault, Leonbsp&;G. Carroll, Vanessa Brown, Elaine Stewart, Kathleen Freeman, Lucy Knoch
alt. Titel: The Bad and the Beautiful
Text verfasst von: Robert Lorenz
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