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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚All the Right Noises (1971)‘, Bildquelle: All the Right Noises (1971), Trigon Productions

All the Right Noises (1971)

Stimmungen: britisch, englisch, pessimistisch

„All the Right Noises“ ist ein kleines Stück Post-Sixties-Pessimismus.

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All the Right Noises (1971)

Ein über dreißigjähriger Familienvater hat eine Affäre mit einer minderjährigen Schülerin – er stört sich nicht an dem anfangs vom Mädchen verschwiegenen Altersunterschied, solange sie keine Schuluniform trägt. Sie liebt ihn, er findet in ihr eine Alltagsflucht aus seinem Familienleben in dem Appartementhaus im Londoner Stadtteil Battersea

All the Right Noises“ gehört zu den unterschwellig pessimistisch eingefärbten Post-Swinging-Sixties-Filmen, mit ihrem nüchternen Realismus und dem trüben Location shooting – die hedonistischen Strömungen wirken noch nach, sind aber längst in den Alltagsroutinen versickert. Der Film unternimmt auch Abstecher in das Seebadstädtchen Brighton und nach Manchester. „All the Right Noises“ steht am Beginn der großen Krise des britischen Kinos, als die US-Studios ihre Gelder abzogen.

Genre: Drama
Länge: 91 Min.
Regie: Gerry O’Hara
Cast: u.a. Tom Bell, Olivia Hussey, Judy Carne, Bob Keegan, John Standing, Lesley-Anne Down, Yootha Joyce
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Tunnel der lebenden Leichen (1972)‘, Bildquelle: Tunnel der lebenden Leichen (1972), Harbor Ventures

Tunnel der lebenden Leichen (1972)

Stimmungen: britisch, brutal, dunkel, englisch

„Tunnel der lebenden Leichen“ (org.: Death Line) ist einer der besten britischen Horrorfilme.

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Tunnel der lebenden Leichen (1972)

Im Londoner Underground schlummert ein grauenvolles Erbe des viktorianischen Zeitalters – einst wurden beim Graben eines U-Bahn-Schachtes die Arbeiter mitsamt ihren Ehefrauen verschüttet und die Baufirma hatte kein Geld mehr, um die Überlebenden zu befreien.

Der knapp anderthalbstündige, zeitgenössisch leider untergegangene „Tunnel der lebenden Leichen“ besticht gleich durch mehrere Facetten: Donald Pleasence, der Auffälligste unter den unauffälligen Schauspielern, amüsiert als proletarisch angehauchter Kriminalkommissar, der einen vermissten Regierungsangestellten sucht und dabei ein süffisantes Mimikspektrum zelebriert. Und dann ist da noch das Zeitkolorit der frühen Siebziger mit dem neonfarbenen Rotlichtmilieu, Arbeiterkindern gegen Upperclass-Privilegierte oder despektierlich Sprüche über das Studentenleben mit langen Haaren und Protestmärschen. Hugh Armstrong liefert zweifellos eine formidable Schauderrolle ab – doch bleibt es eines der großen uneingelösten Versprechen der Kinogeschichte, was der ursprünglich vorgesehene Marlon Brando aus dieser Figur gemacht hätte, wenn er wegen familiärer Gründe nicht zur Absage gezwungen worden wäre.

Tunnel der lebenden Leichen“ ist ein Horrorfilm, in den sich vieles hineininterpretieren lässt – allem voran die Metapher einer Gesellschaft, die irgendwann von den Verfehlungen ihrer Vergangenheit eingeholt wird, manchmal eben auf grausame Weise. In seinem Detailreichtum, seinen Performances und seiner Kinematografie gehört „Tunnel der lebenden Leichen“ jenseits allen filmintellektuellen Brimboriums jedoch schlicht zu den besten britischen Horrorfilmen aller Zeiten.

Genre: Horror
Länge: 88 Min.
Regie: Gary Sherman
Cast: u.a. Donald Pleasence, Sharon Gurney, David Ladd, Hugh Armstrong, Norman Rossington, Christopher Lee, Clive Swift, James Cossins, Heather Stoney, June Turner
alt. Titel: Death Line
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Star (1952)‘, Bildquelle: The Star (1952), Twentieth Century-Fox

The Star (1952)

Stimmungen: hollywoodesk, kalifornisch, tragisch, urban

In „The Star“ porträtiert Bette Davis das Schicksal, dem sie damals gerade entronnen war: die Zerrüttung einer Schauspielerin unter der Sonne Kaliforniens.

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The Star (1952)

In „The Star“ spielt Bette Davis einen Menschen, dessen Schicksal sie selbst gerade entronnen ist: Hollywood-Has-been Margaret Elliot, eine Frau Mitte vierzig, die ihren Star-Status eingebüßt hat und pleite ist. Nach einem Sauftrip mit ihrer Oscar-Statuette landet sie in der Ausnüchterungszelle; ein früherer Kollege, der sie liebt, hinterlegt ihre Kaution und redet ihr mit Sätzen ins Gewissen, die das Problem vieler Hollywoodstars hervorheben, etwa: „With actors, it’s the next part, the next picture. Always chasing rainbows.“ Elliot redet sich ein: „Well, if you’re a star, you don’t stop being a star.“

The Star“ verdichtet eines der Hollywoodsyndrome, indem es einen verblichenen Star dabei zeigt, mit dem Verlust seiner einstigen Ressourcen umzugehen, den Verzicht auf riesige Villen, teuerste Parfüms und dicke Limousinen ebenso zu akzeptieren, wie ältere Menschen auf der Leinwand darzustellen, während Top billing und Hauptrolle an andere geht.

Mit ihrer unterschwellig hysterischen Ausstrahlung und ihrem Gesichtsausdruck in einer Mischung aus Geringschätzung und Verletzlichkeit passt Bette Davis perfekt auf ihre Figur; Sterling Hayden spielt den Ex-Schauspieler, der den Absprung aus der unerbittlichen Filmbranche geschafft hat, und eine damals vierzehnjährige Natalie Wood tritt als Tochter des Ex-Stars Elliot auf. Dass der abgestürzte Stern auf die Bette-Davis-Rivalin Joan Crawford anspielen soll, macht den Film umso interessanter.

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Genre: Drama
Länge: 91 Min.
Regie: Stuart Heisler
Cast: u.a. Bette Davis, Sterling Hayden, Natalie Wood, Warner Anderson, June Travis, Minor Watson, Kay Riehl, Fay Baker, Katherine Warren, Paul Frees, David Alpert, Al Hill, Barbara Lawrence, Claire Carleton, Marcia Mae Jones, Robert Warwick
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Stadt der Illusionen (1952)‘, Bildquelle: Stadt der Illusionen (1952), Loew’s Inc., John Houseman Productions

Stadt der Illusionen (1952)

Stimmungen: energisch, hollywoodesk, kalifornisch, luxuriös

Mit seinen Archetypen des kommerziellen Filmemachens und der grandiosen Inszenierung gehört „Stadt der Illusionen“ zu den besten Filmen über Hollywood.

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Stadt der Illusionen (1952)

Die Tudor-Villen und Pseudo-Schlösser der verstorbenen Stars als verwunschene Relikte des alten Hollywood, die zwischenmenschlichen Katastrophen des Filmemachens oder die Gleichzeitigkeit von rücksichtslosem Tatendrang und schöpferischem Genie: In drei Rückblenden erinnern sich in „Stadt der Illusionen“ der Regisseur, der Star und der Drehbuchautor an ihre Zeit mit dem Filmproduzenten Jonathan Shields, an dessen Seite sie zu Hollywoodgranden aufstiegen, aber zugleich getäuscht und verraten wurden.

Die Originalgeschichte, die „Stadt der Illusionen“ zugrunde liegt, erzählt eigentlich vom Broadway, aber Produzent John Houseman verlegte die Filmversion nach Hollywood, um sich bei seinem früheren Chef David O. Selznick zu revanchieren, an den die Figur des Jonathan Shields angelehnt ist. Auch sonst finden sich im Film etliche Wirklichkeitsbezüge: Lana Turner und Gilbert Roland spielen sich – den weiblichen Superstar mit seinem kassenträchtigen Sexappeal und den Latin Lover – teilweise selbst; und Turners Georgia Lorrison, die Tochter eines am Alkohol zugrunde gegangenen Hollywoodstars alter Tage, rekurriert auf Diana Barrymore mit ihrem berühmten Vater John Barrymore. Vor allem aber ist „Stadt der Illusionen“ mit seiner Kinematografie, seinen Kostümen und seinem Szenenbild einer der atmosphärisch dichtesten und elegantesten Schwarz-Weiß-Filme, die jemals gedreht worden sind.

Noch mehr Empfehlungen: unsere Liste mit den besten Filmen über Hollywood.

Genre: Drama
Länge: 118 Min.
Regie: Vincente Minnelli
Cast: u.a. Kirk Douglas, Lana Turner, Dick Powell, Barry Sullivan, Walter Pidgeon, Gloria Grahame, Gilbert Roland, Paul Stewart, Ivan Triesault, Leonbsp&;G. Carroll, Vanessa Brown, Elaine Stewart, Kathleen Freeman, Lucy Knoch
alt. Titel: The Bad and the Beautiful
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Auf glühendem Pflaster (1962)‘, Bildquelle: Auf glühendem Pflaster (1962), Famous Artists Productions, Columbia Pictures Industries

Auf glühendem Pflaster (1962)

Stimmungen: bedrohlich, lasziv

„Auf glühendem Pflaster“ atmet laszives Flair der Great-Depression-Ära im Nouvelle-Vague-Look.

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Auf glühendem Pflaster (1962)

Nach einem der originellsten Intros der Filmgeschichte, in dem eine pechschwarze Katze durch die Opening credits schleicht, landet man mit „Auf glühendem Pflaster“ im schwülen Süden der USA der finsteren Great Depression-Jahre. Dove Linkhorn ist auf dem Weg nach New Orleans, wo er seine große Liebe wiederfinden will. Doch zuvor trifft er die Drifter-Göre Kitty Twist, gespielt von einer sehr jungen Jane Fonda, und die mexikanische Diner-Betreiberin Teresina Vidaverri (eine von Anne Baxters schönsten Performances).

Die bedrohliche Bordell-Atmosphäre, von der zu Beginn des Films noch nichts zu spüren ist, die einem aber abrupt ins Gesicht weht, nährt sich nicht etwa aus der unberechenbaren Gewaltsamkeit der aggressiven Männer, die dort arbeiten, sondern schlägt einem aus dem Gesicht einer der ganz großen Aktricen des klassischen Hollywoodkinos entgegen: aus der Mimik der Barbara Stanwyck am Ende ihrer Kinokarriere. Am Ende löst „Auf glühendem Pflaster“ die Story zwar artig nach den strengen Moralgeboten des Production Code auf; doch dazwischen liegen laszive Erotik und doppelbödige Szenen.

Genre: Drama
Länge: 114 Min.
Regie: Edward Dmytryk
Cast: u.a. Laurence Harvey, Capucine, Anne Baxter, Jane Fonda, Barbara Stanwyck, Richard Rust, Joanna Moore, Karl Swenson, Don „Red“ Barry
alt. Titel: Walk on the Wild Side
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Nackt (1993)‘, Bildquelle: Nackt (1993), Channel Four Television Corporation

Nackt (1993)

Stimmungen: aggressiv, britisch, desolat, englisch, großstädtisch, misanthropisch, pessimistisch, sexuell, trist, urban

„Naked“ zeigt eine Power-Performance von David Thewlis im deprimierten London kurz vor „Cool Britannia“.

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Nackt (1993)

Johnny kommt aus Manchester in die „big shitty“ London, in die WG seiner Ex-Freundin Louise – das ist mehr Heimsuchung denn Besuch. „Nackt“ ist eine schauspielerische Tour de Force, strapaziös, extrem, preisgekrönt – zu Recht.

David Thewlis liefert eine junge, stürmische Performance, ähnlich wie einst John Hurt in Little Malcolm and His Struggle Against the Eunuchs“ (1974) zwanzig Jahre zuvor. In Nebenrollen beeindrucken Katrin Cartlidge als verlebt-kaputte Sophie und Ewen Bremner (Spud aus Trainspotting). Der Stadtteil des Hauses, in das die Handlung immer wieder zurückkehrt, harrt seiner baldigen Gentrifizierung, an Johnnys Seite geht es in Londons desolate Nischen, die Großstadtanonymität hat mehr Bedrohliches als Befreiendes – Mike Leigh inszeniert zwei Stunden der pessimistischen Ausweglosigkeit. „Nackt“ wirkt wie eine depressive Metapher auf das seelisch verwundete Nach-Thatcher-England, das hier so gar nichts mit dem nur wenige Jahre in der Zukunft liegenden Cool Britannia gemein hat.

Genre: Drama
Länge: 132 Min.
Regie: Mike Leigh
Cast: u.a. David Thewlis, Katrin Cartlidge, Leslesy Sharp, Greg Cruttwell, Peter Wight, Ewen Bremner, Gina McKee, Claire Skinner, Deborah Maclaren, Susan Vidler, Carolina Giammetta
alt. Titel: Naked
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Trio Infernal (1974)‘, Bildquelle: Trio Infernal (1974), Belstar Production, Lira Films

Trio Infernal (1974)

Stimmungen: amourös, brutal, grotesk, hedonistisch, mörderisch, skurril

In „Trio Infernal“ verbinden sich Mord, Lust und Gier zu einer brutal-lasziven Mischung – inklusive der schönsten Romy-Schneider-Close-ups.

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Trio Infernal (1974)

Drastischer hätte Romy Schneider die Distanzierung von ihrem Sissy-Image wohl nicht mehr ausdrücken können: In „Trio Infernal“ spielt sie eine Deutsche in Marseille zu Beginn der 1930er Jahre, die von der unscheinbaren Krankenpflegerin zur Serienkillerin mutiert, die Mord eine laszive Erotik abgewinnt und für die der häufig gewählte Beiname „Teufelsweib“ kaum ausreicht. Zum titelgebenden Trio gehören neben Schneiders Philomene noch Michel Piccoli als ihr Liebhaber Georges Sarret und Mascha Gonska als ihre kleine Schwester Catherine – alle drei spielen ihre Rollen (erschreckend) großartig.

Die gemäldegleichen Aufnahmen von Schneiders hedonistischer Philomene in teuren Luxusfummeln zeigen zum einen mit den zunehmenden Schminkschichten die seelische Deformation der Killerin, gehören zum anderen aber auch schlicht zu den schönsten Leinwandrepräsentationen des modischen Chics jener Zeit und ergeben ein Sammelsurium der schönsten Romy-Schneider-Porträts. Und eine der krassesten Mord- und Beseitigungsszenen der Filmgeschichte wird von den verspielt-absurden Klängen des großen Score-Genies Ennio Morricone begleitet.

Genre: Horror-Komödie
Länge: 101 Min.
Regie: Francis Girod
Cast: u.a. Romy Schneider, Michel Piccoli, Mascha Gonska, Andréa Ferréol, Monica Fiorentini, Philippe Brizard, Jean Rigaux, Hubert Deschamps
alt. Titel: Le trio infernal
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Nacht vor der Hochzeit (1940)‘, Bildquelle: Die Nacht vor der Hochzeit (1940), Loew’s Inc., Turner Entertainment

Die Nacht vor der Hochzeit (1940)

Mit ihren genialen Performances in „Die Nacht vor der Hochzeit“ scheinen Katharine Hepburn, James Stewart und Cary Grant die Kamera regelrecht zu entflammen.

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Die Nacht vor der Hochzeit (1940)

Gleich drei Männer verfallen dem Charme von Katharine Hepburns Tracy Lord, der Tochter einer reichen Ostküstenfamilie, die sich in der Nacht vor ihrer Hochzeit noch nicht entschieden hat, wen sie heiraten wird. Hepburn hatte zuvor die Hauptrolle im dem Film zugrunde liegenden Broadway-Stück mit seinen fein geschliffenen Dialogen gespielt und wollte mit dieser Komödie nach mehreren Kassenflops wieder einen Hit landen, um sich ihres Stigmas des „box office poison“ zu entledigen – was ihr mit einem fulminanten Einspielergebnis dann auch gelang. Der Film erhielt 1956 mit dem ebenfalls starbesetzten High Society ein beinahe ebenbürtiges Remake.

Genre: Romantische Komödie, Screwballkomödie
Länge: 108 Min.
Regie: George Cukor
Cast: u.a. Katharine Hepburn, James Stewart, Cary Grant, Ruth Hussey, Virginia Weidler, John Howard, Mary Nash, John Halliday, Roland Young, Henry Daniell
alt. Titel: The Philadelphia Story
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Pesthauch des Dschungels (1956)‘, Bildquelle: Pesthauch des Dschungels (1956), Les grands films classiques

Pesthauch des Dschungels (1956)

Stimmungen: abenteuerlich, heiß, strapaziös, tropisch, verschwitzt, warm

„Pesthauch des Dschungels“, gedreht in der Farbe des Abenteuerfilms, zeigt einen strapaziösen Überlebenskampf von Outcasts in tropischen Gefilden.

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Pesthauch des Dschungels (1956)

Irgendwo in Südamerika: französische Minenarbeiter, die gegen eine Militärdiktatur aufbegehren, schließlich ein Trupp Unglückseliger, die sich in einem fürchterlich strapaziösen Überlebenskampf durch den Regenwald schlagen. „Pesthauch des Dschungels“ ist blendend besetzt – u.a. mit Georges Marchal in der Manier eines frühen Actionhelden, Simone Signoret als Prostituierter oder dem jungen Michel Piccoli als Pfarrer – und sollte wohl an den Überraschungserfolg von Henri-Georges Clouzots „Le salaire de la peur (1953) anknüpfen. Man mag in Luis Buñuels Film so manches hineininterpretieren; aber am meisten bannt einen doch die Spannung aus tropischer Dschungelatmosphäre und nihilistischem Pessimismus – und das Ganze in Eastmancolor, der Farbe des Abenteuerfilms.

Genre: Abenteuer-Drama
Länge: 104 Min.
Regie: Luis Buñuel
Cast: u.a. Georges Marchal, Simone Signoret, Michel Piccoli, Charles Vanel, Michèle Girardon, Tito Junco, Jorge Martínez de Hoyos, Alberto Pedret, Raúl Ramírez
alt. Titel: La mort en ce jardin
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Death Watch – Der gekaufte Tod (1980)‘, Bildquelle: Death Watch – Der gekaufte Tod (1980), Selta Film, Little Bear, Sara Film, TV 13, Gaumont, Corona, Films A2, SFP

Death Watch – Der gekaufte Tod (1980)

Stimmungen: dystopisch, melancholisch, nihilistisch, trist

„Death Watch“, einer von Romy Schneiders letzten Filmen, zeigt im düsteren Glasgow eine Mediendystopie des moralisch entgrenzten Fernsehzeitalters.

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Death Watch – Der gekaufte Tod (1980)

Einer von Romy Schneiders letzten Filmen, ein cineastischer Vorläufer bekannterer Werke à la The Truman Show“ (1998), eine düstere Vision des entgrenzten Fernsehzeitalters über die massenmediale Ausbeutung menschlicher Schicksale: All das ist „Death Watch“ – doch zuallererst ist er ein Glasgow-Film. Die schottische Metropole am Beginn der Thatcher-Ära wirkt wie ein postapokalyptisches Wasteland, surreal und nihilistisch – das visuelle Pendant zur dystopischen Story in einer nicht allzu fernen Zukunft: von skrupellosen Fernsehleuten (Harry Dean Stanton und Harvey Keitel), die einer Frau weißmachen, sie habe nur noch wenige Wochen zu leben, um sie für ein neues TV-Programm unter Vertrag zu nehmen, das sie vor aller Öffentlichkeit bei ihren letzten Schritten begleiten soll, die nur von Werbespots unterbrochen werden (Slogan: „Television did not REALLY exist before … Death Watch“).

Death Watch“, der Film, spielt freilich ein listiges Spiel mit seinem Publikum – denn er macht es zu Voyeur:innen des ultimativen Voyeurismus, den er anprangert, wenn die Menschen rund um den Globus dem Sterben eines Menschen beiwohnen, während man selbst wiederum ebendiesen Menschen zuschaut.

Genre: Sci-Fi-Drama
Länge: 130 Min.
Regie: Bertrand Tavernier
Cast: u.a. Romy Schneider, Harvey Keitel, Harry Dean Stanton, Thérèse Liotard, Max von Sydow, William Russell, Eva Maria Meineke, Vadim Glowna, Bernhard Wicki, Caroline Langrishe, Freddie Boardley, Peter Kelly, Robbie Coltrane
alt. Titel: La mort en direct
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Coma (1978)‘, Bildquelle: Coma (1978), Warner Bros., MGM

Coma (1978)

„Coma“ spielt makaber wie dystopisch mit menschlichen Urängsten in einem Krankenhaus in Boston am Ende der 70er.

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Coma (1978)

Regisseur Michael Crichton und Autor Robin Cook haben mit „Coma“ einen Krankenhausthriller inszeniert, in dem sie ebenso makaber wie futuristisch mit menschlichen Urängsten spielen: Die junge Ärztin Susan Wheeler (sehr stark: Geneviève Bujold) wundert sich über die ständigen Komafälle im „O. R. 8“ und beginnt riskante Recherchen – in einer Nebenrolle spielt der junge Michael Douglas.

Genre: Drama
Länge: 113 Min.
Regie: Michael Crichton
Cast: u.a. Geneviève Bujold, Michael Douglas, Richard Widmark, Rip Torn, Lois Chiles, Tom Selleck, Ed Harris, Bette McGuire, Gary Barton, Elizabeth Ashley, Hari Rhodes
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Schlacht um Algier (1966)‘, Bildquelle: Schlacht um Algier (1966), Casbah Films

Schlacht um Algier (1966)

Stimmungen: brutal, gewaltsam, karg, kolonialistisch, mediterran, revolutionär

„Schlacht um Algier“ ist schonungsloser Antikolonialismus à la Pontecorvo – die Brutalität des Freiheitskampfes in pseudo-dokumentarischem Schwarz-Weiß.

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Schlacht um Algier (1966)

Schlacht um Algier“ zeigt den brutalen Schlagabtausch zwischen algerischen Revolutionären und französischen Fallschirmjägern; der Film basiert auf den Berichten des algerischen Freiheitskämpfers Yacef Saadi, einem führenden Kopf der Front de Libération Nationale (FLN), der auch als Filmproduzent fungierte. Dass sich Saadi mit dem italienischen Regisseur Gillo Pontecorvo zusammentat (nachdem u.a. Luchino Visconti abgesagt hatte), war eine glückliche Fügung: Denn Pontecorvo bewahrte das Projekt, zur reinen FLN-Propaganda zusammenzuschrumpfen, Saadi verlieh dem Ganzen die Autorität der wahren Begebenheit.

Die Sechziger und frühen Siebziger brachten eine beeindruckende Reihe politischer Filme hervor, die das Grauen kolonialer Herrschaft und den brutalen Befreiungsagens der Unterdrückten zeigten. Pontecorvos Film, musikalisch getrieben von Ennio Morricones Score, ist eine besonders schonungslose Konfrontation mit den Abgründen der Wirklichkeit: Da sind nicht nur die Kinder in der Milchbar, ehe sie von den Bomben der Freiheitskämpfer aus dem Leben gerissen werden, sondern auch Attentate, Folter und Repressalien – dank der fast ausnahmslosen Laienschauspieler:innen und des Location shooting zu einer maximal authentischen Quasi-Dokumentation verdichtet.

Genre: Kriegsdrama
Länge: 121 Min.
Regie: Gillo Pontecorvo
Cast: u.a. Brahim Hadjadi, Yacef Saadi, Jean Martin, Samia Kerbash, Fusia El Kader, Mohamed Ben Kassen, Ugo Paletti
alt. Titel: La battaglia di Algeri
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die Göttin (1958)‘, Bildquelle: Die Göttin (1958), Carnegie Productions, Columbia Pictures Industries

Die Göttin (1958)

Stimmungen: dramatisch, hollywoodesk, luxuriös, tragisch

Kim Stanleys Performance in „Die Göttin“ allein macht den Film zum Pflichtprogramm – neben seinem Hollywood-Sujet.

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Die Göttin (1958)

Die Blicke, wenn sie ihre Einsamkeit im bedeutungslosen Bel-Air-Luxus realisiert oder nach vielen Jahren ihre Tochter wiedersieht: Das sind nur einige unzählige Beweismomente von Kim Stanleys Schauspielgabe, die sie als Protagonistin von „Die Göttin“ zeigt – einem ihrer wenigen Filme, was fraglos eines der größten Unglücke der Filmgeschichte ist.

Stanley, einst von Marlon Brando bewundert, spielt eine junge Frau, die alles und jeden für ihre Hollywoodkarriere opfert, ehe sie dann tatsächlich aus der Great Depression-Provinz heraus in den Fünfzigern zum ultimativen Filmstar avanciert, der noch die weltgrößten Kinos füllt, aber kein Glück findet. „Die Göttin“ strotzt vor starken Szenen, seine Bekanntheit steht indes umso gewaltiger hinter seinem Sehenswert zurück.

Genre: Drama
Länge: 105 Min.
Regie: John Cromwell
Cast: u.a. Kim Stanley, Lloyd Bridges, Betty Lou Holland, Steven Hill, Elizabeth Wilson, Bert Freed, Donald McKee, Gerald Hiken, Werner Klemperer, Joan Copeland, Joyce Van Patten, Patty Duke, Gail Haworth
alt. Titel: The Goddess
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Fluchtpunkt San Francisco (1971)‘, Bildquelle: Fluchtpunkt San Francisco (1971), Twentieth Century Fox

Fluchtpunkt San Francisco (1971)

In „Fluchtpunkt San Francisco“ wird das Muscle car zur Allegorie des trügerischen Freiheitsversprechens der USA.

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Fluchtpunkt San Francisco (1971)

Kowalski – Vietnam-Veteran, Ex-Cop, Ex-Rennfahrer – soll für eine Agentur einen getunten Dodge „Challenger“ von Denver nach San Francisco überführen. Mit seiner Raserei gerät er ins Visier der Polizei, die ihn durch drei Bundesstaaten verfolgt. Seine Flucht vor der Highway-Patrol wird bald zum Freiheitskampf des „last American hero“ verklärt und die banale Geschwindigkeitsübertretung eskaliert in der lebensgefährlichen Widerstandsfahrt eines mit Speed gedopten Nihilisten.

Genre: Action-Drama/Roadmovie
Länge: 99 Min.
Regie: Richard C. Sarafian
Cast: u.a. Barry Newman, Cleavon Little, Dean Jagger, Victoria Medlin, Robert Donner, Paul Koslo, Gilda Texter, Lee Weaver, John Amos, Karl Swenson, Timothy Scott, Anthony James, Arthur Malet
alt. Titel: Vanishing Point
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚On Golden Pond (1981)‘, Bildquelle: On Golden Pond (1981), ITC Films, IPC Films, Carlton

On Golden Pond (1981)

„On Golden Pond“ richtet eine optimistische Botschaft an die Altersgesellschaft und war die Vater-Tochter-Katharsis von Henry und Jane Fonda.

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On Golden Pond (1981)

Katharine Hepburn und Henry Fonda liefern eine hinreißende Performance, die gleich beiden je einen Oscar einbrachte. Die beiden Hollywoodgiganten spielen ein tattriges Ehepaar, das der strengen Familientradition gemäß den Sommerurlaub im Ferienhaus an einem idyllischen See in Neuengland verbringt. Die Thayers sind quasi ein Symbol des US-amerikanischen Ostküstenbildungsbürgertums, mit seinem akademischen Selbstbewusstsein und seiner finanziellen Solidität. Vor allem aber ist der Film Jane Fondas verzweifelter Versuch gewesen, ihrem emotional kühlen, dem Tode nahen Vater wenigstens am Set, hinter der Maske eines fiktiven Charakters, ein Liebesbekenntnis zu entlocken.

Genre: Drama
Länge: 104 Min.
Regie: Mark Rydell
Cast: u.a. Henry Fonda, Katharine Hepburn, Doug McKeon, Jane Fonda, Dabney Coleman, William Lanteau
alt. Titel: Am goldenen See
Text verfasst von: Robert Lorenz
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