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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚The Taking of Pelham One Two Three (1974)‘, Bildquelle: The Taking of Pelham One Two Three (1974), United Artists, MGM

The Taking of Pelham One Two Three (1974)

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The Taking of Pelham One Two Three (1974)

Das elektronische Überwachungssystem ist der ganze Stolz der New Yorker U-Bahn. Gerade als Zachary Garber, Sicherheitsinspektor der New York City Transit Authority, seinen Kollegen aus Tokio die Büros zeigt, entführen Gangster einen ganzen Wagen mit 18 Geiseln an Bord. Eine Million Dollar – damals freilich eine weitaus imposantere Summe als heute – wollen die Hijacker erpressen; ein enges Zeitlimit ist gesetzt, ehe mit jeder verspäteten Minute ein Fahrgast stirbt. Die Polizei steht unter Druck, der ohnehin unbeliebte Bürgermeister fürchtet um seine Wiederwahl und währenddessen steht Garber am Mikrofon in Kontakt mit dem Kopf der Entführer, einem Ex-Söldner. Ständig wird hin- und hergeschaltet zwischen dem Untergrundzug mit seinem Neonlicht in der Düsternis des Tunnels und der Schaltzentrale mit ihrer Technik und Optik in der charakteristischen Farbwelt der frühen 1970er Jahre. Die Gangster – deren Pseudonyme (Mr. Blue, Mr. Green, Mr. Grey und Mr. Brown) die Vorlage für Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs-Halunken bildeten – sind stark besetzt, auch die Gegenseite u.a. mit Jerry Stiller als Cop oder Julius Harris als Polizeikommandant ist gelungen, viel New Yorker Akzent inklusive. Robert Shaw als eiskaltes Mastermind und Walter Matthau als sein stoischer Gegenspieler finden hier zu einer extrem sehenswerten Balance. „The Taking of Pelham One Two Three“, eine Romanverfilmung, lenkt sein Publikum auf die Frage, wie die Behörden auf das Verbrechen reagieren – vom inkompetenten Stadtoberhaupt über schießfreudige Polizisten bis zum Nonkonformisten als einzigem echten Troubleshooter lässt der Film, ganz New Hoolywood like, kein gutes Haar an der Staatsmacht. Und im damaligen New York sieht obendrein alles immer eine Spur schmutziger aus als in heutigen Filmen.
Genre: Thriller
Länge: 105 Min.
Regie: Joseph Sargent
Cast: u.a. Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Jerry Stiller, Earl Hindman, James Broderick, Julius Harris, Dick O’Neill, Lee Wallace, Tony Roberts, Tom Pedi, Nathan George, Anna Berger, Christopher Murney, George Lee Miles, Michael Gorrin, Rudy Bond, Kenneth McMillan, Ruth Attaway, Doris Roberts
alt. Titel: Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3
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Szene aus ‚The Quiller Memorandum (1966)‘, Bildquelle: The Quiller Memorandum (1966), Ivan Foxwell Prod.

The Quiller Memorandum (1966)

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The Quiller Memorandum (1966)

Manche Agententhriller, die schon einige Jahrzehnte auf dem Filmbuckel haben, wirken nach heutiger Sehgewohnheit angestaubt, lahm, kraftlos. Nicht so „The Quiller Memorandum“: Als US-amerikanischer Agent im Dienste einer britischen Geheimoperation bewegt sich George Segal durch Westberlin, auf der Suche nach dem Hauptquartier einer Neonazi-Gruppe (in der deutschen Synchronfassung damals einfach unterschlagen und als anonyme Spionageorganisation entpolitisiert). Deren Kopf ist ein Mann namens „Oktober“, von aristokratischer Gestalt und exzellentem Umgangston, passenderweise mit Max von Sydow besetzt, der hier einen ganz hervorragenden Antagonisten abgibt. Daneben spielen Alec Guinness als mysteriös-spleeniger Geheimdienstler und Senta Berger als Lehrerin, von der man nie genau weiß, zu welcher Seite sie gehört. Interessant ist die Art, in der „The Quiller Memorandum“ die Geheimdienstwelt reduziert – die Handlanger der Gegenseite sind an Gewöhnlichkeit kaum zu übertreffen und das Exzentrischste an Quiller selbst ist sein Porsche Roadster. Wenn Quiller zu Beginn noch gänzlich unverbraucht ermittelt, ist hellichter Tag, die Sonne scheint; als er auf seine Gegenspieler trifft und seine Ausweglosigkeit immer größer wird, geschieht all das im nächtlichen Dunkel. Das Formidable am „Quiller Memorandum“ ist freilich das zeitgenössische Berlin des Jahres 1966, mit seinen noch immer vom Krieg verheerten Arealen, den Straßen voller VW „Käfer“ und piefigen Kneipen, von alledem dank der ausgedehnten Autofahrten und Location-Wechsel (u.a. Olympiastadion, Stadtbad Neukölln) besonders viel zu sehen ist.
Genre: Thriller
Länge: 105 Min.
Regie: Michael Anderson
Cast: u.a. George Segal, Senta Berger, Max von&nmbsp;Sydow, Alec Guinness, Peter Carsten, Edith Schneider, George Sanders, Robert Helpman, Robert Flemyng, Ernst Walder, Philip Madoc, Günter Meisner, John Rees, Harry Brooks Jr., Herbert Fux
alt. Titel: Das Quiller Memorandum – Gefahr aus dem Dunkel
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Szene aus ‚High Noon (1952)‘, Bildquelle: High Noon (1952), Stanley Kramer Prod., Fernsehjuwelen

High Noon (1952)

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High Noon (1952)

Der ultimative Western-Titel, eine archetypische Western-Story, aber eine gänzlich unkonventionelle, meisterhafte Inszenierung: „High Noon“ gehört nicht nur zu den großen Klassikern des inzwischen ein Jahrhundert umspannenden Hollywoodkinos, sondern wirkt selbst so viele Jahrzehnte später noch frisch und zeitlos. Gary Cooper, der für die Rolle seinen zweiten „Oscar“ gewann, ist Marshal Will Kane; der hat viel für die kleine Stadt geleistet, doch als berüchtigte Killer ihre Rache an Kane ankündigen, will ihm keiner seiner Freunde und Nachbarn – der Profiteure seiner Arbeit – helfen. Diese Sequenz, in der sich alle ehrbaren Bürger – der Richter, der Pastor, der Bürgermeister – in egoistischer Manier jeglicher Hilfe verweigern, formuliert eine drastische Kritik am totalen Versagen der US-amerikanischen Zivilgesellschaft, wie es sie in Filmen aus der Ära des moralinen Production Code selten gegeben hat. Statt mit seiner frischgetrauten Frau – Grace Kelly in ihrer ersten großen Rolle – zu verschwinden, beschließt der prinzipienfeste Kane, den aussichtslosen Kampf mit den Gesetzesbrechern aufzunehmen. Das Schwarz-Weiß wirkt nicht anachronistisch, sondern surreal; stumme Close-ups, in denen man nichts von der (ohnehin zurückhaltenden) Musikbegleitung hört, vertiefen sich in die Westernfiguren; dann das perfekte Casting jeder noch so nebensächlichen Figur; und während die Uhr unaufhaltsam der todbringenden Mittagssonne entgegentickt, spürt man, dass die einzelnen Bestandteile dieses Films wie ein Uhrwerk aufeinander abgestimmt sind – „High Noon“ besticht vor allem durch Fred Zinnemanns präzise, minimalistischen Inszenierung.
Genre: Western
Länge: 85 Min.
Regie: Fred Zinnemann
Cast: u.a. Gary Cooper, Grace Kelly, Katy Jurado, Lloyd Bridges, Lon Chaney Jr., Ian MacDonald, Lee Van Cleef, Robert J. Wilke, Sheb Wooley, Thomas Mitchell, Harry Morgan, Morgan Farley, Otto Kruger, Eve McVeagh
alt. Titel: Zwölf Uhr mittags
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Szene aus ‚Brighton Rock (1948)‘, Bildquelle: Brighton Rock (1948), Canal+, Image UK

Brighton Rock (1948)

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Brighton Rock (1948)

Seine bekannteste Rolle war vermutlich die des euphorischen Dinosaurier-Entrepreneurs John Hammond in „Jurassic Park“ (1993); aber am Anfang von Richard Attenboroughs Karriere stand der minderjährige Psychopath Pinkie Brown, der am Pier von Brighton sein Unwesen treibt. Hinter der Ferien-Fassade des damals, in den 1930er Jahren, überlaufenen Urlaubsortes im Süden Englands lauert die Bandenkriminalität düsterer Gestalten, die sich in morbiden Gebäuden verkrochen haben, von denen aus sie ihre Verbrechen begehen. Attenboroughs 17-jähriger Sadist und Gangsterboss ist mit seinen Spleens und der unbehaglichen Kälte eine für das damalige Kino ziemlich ungewöhnliche Figur, nahe am späteren New Yorker Method Acting. Weil eine Kellnerin brisante Informationen zur Aufklärung eines Mordes hat, manipuliert Pinkie Brown sie in eine Ehe, damit sie nicht gegen ihn aussagen kann – obwohl er sie in Wirklichkeit verachtet. „Brighton Rock“ als Film noir zu bezeichnen, reicht eigentlich nicht aus, um die moralische und optische Finsternis dieses Werkes zu erfassen.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 89 Min.
Regie: John Boulting
Cast: u.a. Richard Attenborough, Hermione Baddeley, Carol Marsh, William Hartnell, Wylie Watson, Nigel Stock, Harcourt Williams, Virginia Winter, Alan Wheatley, Charles Goldner
alt. Titel: Finstere Gassen
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Szene aus ‚Midway (1976)‘, Bildquelle: Midway (1976), Universal, The Mirisch Corp., Koch Media

Midway (1976)

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Midway (1976)

Als Schlacht, die Anfang Juni 1942 – ein halbes Jahr nach dem Angriff auf Pearl Harbor – für die Amerikaner die Wende im Pazifikkrieg brachte und nicht zuletzt deshalb zu einem Mythos der US-Militärgeschichte gerann, war die Operation am winzigen Midway-Atoll prädestiniert für eine Hollywood-Produktion. Ein All-Star-Cast, interessante Kameraperspektiven und die langsame Hinführung von den Kartentischen zu den Kampfhandlungen machen den Film trotz einiger Mängel (die militaristische Flugzeugträgerromantik, eine unkritische Sichtweise auf die Militärstrategen oder wild hineingeschnittenes Material aus anderen Filmen) dennoch zu einem sehenswerten Spektakel.
Genre: Kriegsdrama
Länge: 132 Min.
Regie: Jack Smight
Cast: u.a. Charlton Heston, James Shigeta, Henry Fonda, Glenn Ford, Toshirô Mifune, Edward Albert, Robert Webber, Christina Kokubo, Robert Ito, Hal Holbrook, John Fujioka, Conrad Yama, Monte Markham, Seth Sakai, Pat Morita, Clyde Kusatsu, Steve Kanaly, Dabney Coleman, Ed Nelson, Robert Wagner, Glenn Corbett, Gregory Walcott, Robert Mitchum, James Coburn, Tom Selleck, Cliff Robertson
alt. Titel: Schlacht um Midway
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Szene aus ‚Schornstein Nr. 4 (1966)‘, Bildquelle: Schornstein Nr. 4 (1966), Chronos Film, Procinex, Hans Oppenheimer Film, Fernsehjuwelen

Schornstein Nr. 4 (1966)

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Schornstein Nr. 4 (1966)

Romy Schneider als Stalkerin: Einst gab sie als 19-jährige Mutter ihr Neugeborenes weg, nun will sie den mittlerweile sechsjährigen Jungen zurückhaben. Von West-Berlin aus reist sie immer wieder nach Essen, um das Kind in immer geringer werdender Distanz zu beobachten, schließlich Kontakt aufzunehmen. Michel Piccoli spielt den mit der wachsenden Verzweiflung seiner Frau überforderten Ehemann, der sie schüttelt, einsperrt, immer wieder zurückholt – es war die erste Zusammenarbeit eines der besten Leinwandpaare. Die düster-pessimistische Handlung passt zu Schneiders Post-Sissi-Image, das sie damals pflegte und mit dem sie sich von ihrer Überrolle der k.u.k. Monarchin zu distanzieren suchte. Neben Hans Christian Blech als Ziehvater des Jungen, der sich mit Schneiders Mutter einen Wettstreit emotionaler Verzweiflung liefert, beeindruckt „Schornstein Nr. 4“ vor allem durch sein Zeitkolorit der alten Bundesrepublik am Ende des „Wirtschaftswunders“, mit dem Kontrast zwischen dem großurbanen West-Berlin und dem industriellen Ruhrgebiet, die beide in einer surrealen Tristesse erscheinen – und selten war die Einsamkeit in der Zweisamkeit so groß wie hier zwischen den Figuren von Romy Schneider und Michel Piccoli.
Genre: Drama
Länge: 83 Min.
Regie: Jean Chapot
Cast: u.a. Romy Schneider, Michel Piccoli, Hans Christian Blech, Mario Huth, Sonja Schwarz
alt. Titel: La voleuse, Die Diebin
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Szene aus ‚Terror Train (1980)‘, Bildquelle: Terror Train (1980), Tripe T Prod. (Astral), Twentieth Century Fox Home Entertainment

Terror Train (1980)

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Terror Train (1980)

Terror Train“ vereint auf formidable Weise die beiden Subgenres Slasher-Horror und Zugfilm: Ein Haufen College-Mediziner chartern einen historischen Zug für eine hedonistische Partyfahrt zum Neujahrsfest. Ihre kostümierte Unbeschwertheit wird ihnen zum Verhängnis, denn unter einer der Masken verbirgt sich ein blutrünstiger Killer. Als damals amtierende Scream Queen legt Jamie Lee Curtis auch hier ihr angstverzerrtes Gesicht auf; der alte Ben Johnson mit seinem lebenserfahrenen Faltengesicht spielt den Schaffner, der die erste Leiche entdeckt und mit seiner stoischen Autorität durch die Abteile wandelt; und in einem Cameo ist mit Anfang zwanzig der Illusionsvirtuose David Copperfield als Zauberkünstler zu sehen, einige Jahre bevor er die Freiheitsstatue verschwinden ließ und durch die Chinesische Mauer ging. „Terror Train“ versetzt die wohlige Hochschulatmosphäre, wie sie etwa in „Nation Lampoon’s Animal House“ (1978) zelebriert wird, in die klaustrophobische Isolation eines fahrenden Zugs – Perspektiven, Beleuchtung und Schockeffekte wirken manchmal wie eine Mixtur aus den beiden Carpenter-Horrorklassikern „Halloween“ (1978) und Nebel des Grauens“ (1980) (Review auf Filmkuratorium.de lesen), in denen ebenfalls Curtis mitschrie.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 97 Min.
Regie: Roger Spottiswoode
Cast: u.a. Jamie Lee Curtis, Ben Johnson, Hart Bochner, Derek McKinnon, Sandee Currie, David Copperfield, Timothy Webber, Anthony Sherwood, Vanity, Steve Michaels, Greg Swanson, Joy Boushel, Victor Knight, Donald Lamoreux
alt. Titel: Monster im Nacht-Express
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Szene aus ‚Walkabout (1971)‘, Bildquelle: Walkabout (1971), Max L. Raab-Si Litvinoff Films

Walkabout (1971)

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Walkabout (1971)

Am Beginn des Films steht der (notgedrungene) Weg in die weite Wildnis, der harte Kontrast zwischen geschäftiger Stadt und leiser, trockener Natur; es folgt eine Wüstendurchquerung von ungemeiner Strapaze, schließlich die Rückkehr. Ein Teenager und ein Kind, vom Vater im Nirgendwo des Outback alleingelassen, müssen sich in einer ihnen völlig fremden, unwegsamen Umgebung behaupten – unterwegs treffen sie einen jungen Aborigine auf seinem Walkabout einem archaischen Ritus. Er hilft ihnen, rettet sie als Experte dieser Umwelt. Was man hier geboten bekommt, ist ein audiovisuelles Kunstwerk, das zu immer neuen Interpretationen einlädt. Der bizarre Assoziativ-Schnitt mit seinen schonungslosen Jagdszenen ist eine misanthropische Zivilisationskritik, der Blick auf Flora und Fauna der australischen Wildnis, kombiniert mit verlassenen Siedlungsgebäuden und stillgelegter, dem Verfall preisgegebener Infrastruktur, ein Plädoyer für die Schönheit und Harmonie unberührter Natur. „Walkabout“ ist, eigentlich typisch für Nicolas-Roeg-Werke, ein ganz und gar sonderbarer, eigenwilliger, surrealer Film – einer jener wie sie vielleicht nur die Sechziger und Siebziger hervorgebracht haben. Hier und da ist zu lesen, dass man ihn nicht vergisst – und das stimmt.
Genre: Drama
Länge: 101 Min.
Regie: Nicolas Roeg
Cast: u.a. Jenny Agutter, Luc Roeg, David Gulpilil, John Meillon, Hilary Bamberger, Barry Donnelly
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Szene aus ‚Der Teufel mit der weißen Weste (1962)‘, Bildquelle: Der Teufel mit der weißen Weste (1962), Studiocanal, Compagnia Cinematografica Champion

Der Teufel mit der weißen Weste (1962)

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Der Teufel mit der weißen Weste (1962)

Eine Unterweltepisode, mit Hehlern und Räubern, Lügnern und Loyalen, ein finsteres Verwirrspiel, in dem Jean-Pierre Melville sein Publikum immer wieder mit falschem Verdacht und falschem Vertrauen irritiert – ein effizientes Werk, in kurzer Zeit und mit wenig Geld gedreht. Jean-Paul Belmondo ist einer der Trenchcoat-Gangster, mit einer Körpersprache, die immer wieder über seine wahren Absichten hinwegtäuscht. „Der Teufel mit der weißen Weste“ ist quasi der erste Melville-Krimi, mit der banalen Revolver- und Safeknacker-Kriminalität, der bereits die Charakteristika dieses beinahe eigenen Genres aufweist: die statischen Mienen, die Inszenierung von Räumen mit der gleichen Bedeutsamkeit wie die von Menschen, den Regen, die amerikanischen Limousinen in Paris, die Vergeudung des Lebens in der Kriminalität als immer wiederkehrendes Sujet. Und das Schwarz-Weiß macht diese französische Variante stets eine Spur düsterer, kälter, karger als den US-amerikanischen Film noir.
Genre: Kriminal-Thriller
Länge: 109 Min.
Regie: Jean-Pierre Melville
Cast: u.a. Jean-Paul Belmondo, Serge Reggiani, Jean Desailly, Fabienne Dali, Monique Hennessy, Philippe March, René Lefèvre, Michel Piccoli, Carl Studer, Christian Lude, Philippe Nahon, Paulette Breil, Daniel Crohem, Marcel Cuvelier
alt. Titel: Le doulos
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Szene aus ‚Peyton Place (1957)‘, Bildquelle: Peyton Place (1957), Twentieth Century-Fox

Peyton Place (1957)

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Peyton Place (1957)

Hinter den akkuraten Hauswänden des idyllisch anmutenden New-England-Nests Peyton Place verbirgt sich soziale und sexuelle Bigotterie. Erst ein Skandal konfrontiert die Einwohner mit ihrer scheinheiligen Lebensweise. Als wolle der Film das Klischee von den verklemmten 1950er Jahren widerlegen, wird in „Peyton Place“ mehr über Sex geredet, als man sich das für sämtliche Filme jener Zeit zusammengenommen vorgestellt hat – ein Ritt durch die Abgründe der Mittelklasse: Es wird vom „Liebemachen“ geträumt, geküsst und vergewaltigt; es geht um uneheliche Kinder, Generationen- und Geschlechterkonflikte, den Umgang mit Normverstößen und Werteverschiebungen, auch um Suizid, Abtreibung und Alkoholismus. Der Film, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Grace Metalious, ging einer erfolgreichen Soap-Opera auf ABC voraus.
Genre: Drama
Länge: 157 Min.
Regie: Mark Robson
Cast: u.a. Lana Turner, Lee Philips, Hope Lange, Lloyd Nolan, Arthur Kennedy, Barry Coe, Russ Tamblyn, Terry Moore, Diane Varsi, David Nelson, Betty Field, Mildred Dunnock, Leon Ames, Lorne Greene, Robert H. Harris, Tami Conner
alt. Titel: Glut unter der Asche
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Szene aus ‚Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964)‘, Bildquelle: Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964), The Associates & Aldrich Comp., Twentieth Century Fox

Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964)

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Hush…Hush, Sweet Charlotte (1964)

Allein das Setting einer herrschaftlichen Südstaatenvilla in den Zwanzigern entfaltet eine Atmosphäre, die das Publikum von der ersten Minute an in diesen Film hineinsaugt. Und auffe, denen das nicht genug sein sollte, wartet Olivia de Havilland mit einer atemberaubenden Metamorphose – dabei war sie eigentlich bloß der Ersatz für die bereits gecastete, aber während der Dreharbeiten ausgefallene Joan Crawford. Die Story von „Hush…Hush, Sweet Charlotte“ spielt mit der Gegenwart der Vergangenheit in dem alten Anwesen, das als anachronistische Insel einer längst vergangenen Epoche fortzuwirken scheint. Mitten auf einer der rauschenden Partys im reichen Hause der Familie Hollis, im Jahr 1927, geschieht ein grauenvoller Mord, der fortan wie ein Schatten über diesem Ort liegt – mehr als dreieinhalb Jahrzehnte später soll das Anwesen einem großen Infrastrukturprojekt weichen, aber die einzige und, seitdem sie unter Mordverdacht steht, vereinsamte Bewohnerin wehrt sich. Die konfliktreiche Begegnung der Gegenwart mit der Vergangenheit ist das große Thema dieses Films. Bette Davis spielt Charlotte Hollis, die einstige Südstaatenprinzessin, deren ganzes Leben in einer unheilvollen Nacht zerstört wurde und die nun in psychotischer Zerrüttung von dem Tod ihres Liebhabers beherrscht wird, den sie manchmal sogar noch am Leben wähnt. Mit seinem filigranen Licht- und Schattenspiel und der ständigen Einblendung eines Kinderliedes entfaltet der Film eine gruselige, tiefgründige Atmosphäre; und die ohnehin mit ihren Sümpfen, aber auch ihrer Kolonialvergangenheit mystisch und düster aufgeladene Südstaatenlandschaft erhält durch die eigenartig erstarrte Villa und die finsteren Geschehnisse darin eine nochmals eindringlichere Wirkung. Dass die Reunion von Davis und Crawford kurz nach What Ever Happened to Baby Jane? (Review auf Filmkuratorium.de lesen) (1962, ebenfalls unter der Regie von Robert Aldrich) nicht klappte, entpuppte sich für diesen Film als Glücksfall: Während Davis haarsträubend brillant durch die morbide Villa kriecht und kreischt, liefert de Havilland eine ebenbürtige Performance. „Hush…Hush, Sweet Charlotte“ ist ein Film des Augenspiels: Natürlich und zuvorderst von Bette Davis, deren raumgreifende Blicke voll Furcht, Misstrauen und Verwunderung hier fast schon eine eigene Rolle haben; aber auch jene von Olivia de Havilland, die gleichermaßen sanftes Mitgefühl und schauerliche Verachtung ausdrücken.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 133 Min.
Regie: Robert Aldrich
Cast: u.a. Bette Davis, Olivia de Havilland, Agnes Moorehead, Joseph Cotten, Cecil Kellaway, Victor Buono, Mary Astor, Bruce Dern, Wesley Addy, George Kennedy
alt. Titel: Wiegenlied für eine Leiche
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Szene aus ‚What Ever Happened to Baby Jane? (1962)‘, Bildquelle: What Ever Happened to Baby Jane? (1962), Seven Arts, Associates and Aldrich Prod., Warner Bros.

What Ever Happened to Baby Jane? (1962)

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What Ever Happened to Baby Jane? (1962)

Eine im Schatten der Vergangenheit ruhende Luxusvilla mit der Aura des alten, klassischen Hollywood, in der zwei Schwestern leben: Die eine war ein Superstar des Vierzigerjahrekinos und ist nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt; die andere ein einst auf der Bühne bejubelter Kinderstar, von deren Vaudeville-Ruhm nur noch eine Merchandisingpuppe zeugt. Die frühere „Baby“ Jane, zur Alkoholikerin deprimiert, ist dem Kindheitsgemüt nie ganz entwachsen und isoliert ihre viel berühmtere, doch inzwischen ebenfalls verblichene Schwester Blanche von der Außenwelt, um sie mit zunehmend grausameren Methoden zu strapazieren – vom Rattenkadaver unter der Tellerglocke bis zum Tritt in die Magengrube. Während Jane in gänzlich unrealistischen Comeback-Träumen schwelgt, pfercht sie Blanche in einer menschenunwürdigen Hilflosigkeit ein, in der sich die Verlorenheit verflossener Schauspielkarrieren zu manifestieren scheint. Die einem Roman entnommene Story ist originell und von Robert Aldrich als Hollywood-Has-been-Groteske so intensiv inszeniert, dass man von dem Film beinahe verschluckt wird. Der eigentliche Clou aber ist die Besetzung mit den beiden Altstars Bette Davis und Joan Crawford als die beiden Hudson-Schwestern, die sich in gegenseitigem Hass in den Untergang treiben – gab es in der reichen Hollywood-Geschichte doch wohl keine größere Rivalität als zwischen diesen beiden Schauspielerinnen, die hier das erste und einzige Mal gemeinsam vor der Kamera standen. „What Ever Happened to Baby Jane?“ ist aber nicht nur ein ungemein atmosphärischer Film, der wie Sunset Boulevard“ (1950) (Review auf Filmkuratorium.de lesen) den Verfall und die Vergänglichkeit von Showbusinesskarrieren zeigt, sondern auch ein Zeugnis, wie schwer unabhängige Produzenten es damals schon hatten, unkonventionelle Filmprojekte finanziert zu bekommen: Trotz der beiden großen Namen fand Aldrich erst nach langem Suchen ein Studio und musste mit seiner Firma volles Risiko gehen – zum Glück erwies sich „What Ever Happened to Baby Jane?“ als unerwarteter Publikumserfolg.
Genre: Drama
Länge: 134 Min.
Regie: Robert Aldrich
Cast: u.a. Bette Davis, Joan Crawford, Maidie Norman, Victor Buono, Marjorie Bennett, Anna Lee, Gina Gillespie, Julie Allred, Dave Willock, Anne Barton, Barbara Merrill, Ernest Anderson, Wesley Addy, Robert Cornthwaite
alt. Titel: Was geschah wirklich mit Baby Jane?
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Szene aus ‚Ulzana’s Raid (1972)‘, Bildquelle: Ulzana’s Raid (1972), Universal Pictures

Ulzana’s Raid (1972)

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Ulzana’s Raid (1972)

Einer der härtesten Western, die jemals mit Hollywoodmitteln gedreht worden sind: Robert Aldrich konfrontiert sein Publikum schonungslos mit der grauenvollen Gewalt des Frontier-Gebietes in Arizona. Als der Apache Ulzana mit einer Handvoll Kriegern aus dem Reservat entkommt (was eine historische Entsprechung hat), steht mit einem Mal das Schicksal all der Homesteader, der kleinen Farmer mit ihren Familien, auf dem Spiel – denn Ulzana ist müde geworden und verspürt den Drang, sich durch eine schreckliche Mordbrennerei an den weißen Eroberern neue Kraft zu verschaffen. Im Angesicht der herannahenden Apachen erschießen die Soldaten lieber ihre Schutzbefohlenen und sich selbst, als den Indianern in die Hände zu fallen. Die massakrierten Leichen der Siedler, die Aldrich einblendet, berichten von einem Martyrium, das nicht gezeigt werden muss, um seine Grausamkeit zu erahnen. Würde man die Hölle und Arizona besitzen, so würde man lieber in der Hölle leben wollen, greift der Kommandant des nächstgelegenen Forts ein Zitat auf, als er einen Kavallerietrupp aussendet, um Ulzana zu stoppen. Ein Greenhorn von der Militärakademie hat das Kommando; und die berittene Einheit geht nur deshalb nicht gleich unter, weil sie den Scout McIntosh dabei hat, der nicht nur ein Apachen-Experte ist, sondern auch einen Sinn für Militärstrategie besitzt – Burt Lancaster erkundet in dieser starken Rolle die Möglichkeiten, die sich einem Star wie ihm nach dem Verlust des Box-Office-Appeals noch bieten. Interessant ist, wie die Indianer als präzise operierende Guerilla-Kämpfer ganz Western-untypisch keine Schießbudenfiguren der weißen Helden sind. Der Verfolgungsritt ist ein Aufbruch in die Vergeblichkeit, wie schon in Too Late the Hero (Review auf Filmkuratorium.de lesen) (1970, ebenfalls von Aldrich) – all das ließ sich damals, kurz vor dem Truppenabzug der USA, natürlich als kritische Parallele zum kontroversen Vietnamkrieg betrachten.
Genre: Western
Länge: 103 Min.
Regie: Robert Aldrich
Cast: u.a. Burt Lancaster, Bruce Davison, Joaquín Martínez, Jorge Luke, Richard Jaeckel, Karl Swenson, Dran Hamilton, John Pearce, Lloyd Bochner, Douglass Watson, Gladys Holland, Dean Smith, Aimee Eccles
alt. Titel: Keine Gnade für Ulzana
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Szene aus ‚The African Queen (1951)‘, Bildquelle: The African Queen (1951), Romulus Films

The African Queen (1951)

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The African Queen (1951)

Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges überredet die englische Missionarin Rose Sayer ihren Landsmann Charlie Allnutt, der sie eigentlich nur mit seinem kleinen Kutter „African Queen“ aus Deutsch-Ostafrika evakuieren will, mit selbstgebastelten Torpedos ein deutsches Kriegsschiff zu versenken. Dieser patriotische Akt ist das Vehikel für einen der besten Abenteuerfilme, damals gänzlich untypisch on location und in Farbe gedreht. Die Strapazen der Dreharbeiten im afrikanischen Dschungel erreichen eine ungemein dichte Atmosphäre, die selbst mehr als ein halbes Jahrhundert später nichts an ihrer Wirkkraft verloren hat. Die beiden Protagonisten sind zwei Archetypen: die alte Jungfer und der Loner, die während ihrer beschwerlichen Fahrt im tropischen Klima einen Fluss hinab allmählich ihren ästhetisch-kulturellen Antagonismus überwinden – zwischen der distinguierten Methodisten-Abstinenzlerin und dem unrasierten Säufer entwickelt sich eine tiefe Zuneigung. Während in ihr eine ekstatische Gefahrenlust erwacht, öffnet sich in ihm eine romantische Ader – und so erhielt Humphrey Bogart, Hollywoods maskuliner Draufgänger par excellence, seinen einzigen „Oscar“ ausgerechnet für eine bezaubernde Liebesgeschichte.
Genre: Abenteuer-Komödie
Länge: 106 Min.
Regie: John Huston
Cast: u.a. Katharine Hepburn, Humphrey Bogart, Robert Morley, Peter Bull, Theodore Bikel, Walter Gotell, Peter Swanwick, Richard Marner, Errol John
alt. Titel: African Queen
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Szene aus ‚Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972)‘, Bildquelle: Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972), Josef Shaftel Prod.

Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972)

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Das Mädchen und der Mörder – Die Ermordung Trotzkis (1972)

Nach seiner Verbannung harrt der Architekt der Oktoberrevolution und bolschewistische Ideologe, Leo Trotzki, in seinem mexikanischen Exil der Dinge, verbarrikadiert in einer kleinen Festung, in der er unter der heißen Sonne unbeirrt seine politischen Postulate diktiert. Aber Stalins Häscher sind schon unterwegs, um den unangenehmen Sowjet-Kritiker zu ermorden. Richard Burton sieht manchmal tatsächlich aus wie der alte Trotzki, kurz vor seinem Tod im Sommer 1940, und spielt eine irre gute Schluss-Szene. Alain Delon, der heimliche Attentäter, der sich in Trotzkis Entourage einschleicht, wechselt zwischen enragierten Gefühlsausbrüchen und der eiskalten Unnahbarkeit seiner Melville-Figuren. Der Film fängt die leicht surreale Aura dieses Exil-Gefängnisses ein und gehört zu jenen, in denen Romy Schneider die Filmpartnerin ihres einst echten Partners Delon spielt.
Genre: Drama
Länge: 99 Min.
Regie: Joseph Losey
Cast: u.a. Richard Burton, Romy Schneider, Alain Delon, Valentina Cortese, Enrico Maria Salerno, Luigi Vannucchi, Jean Desailly, Simone Valère, Duilio Del Prete, Peter Chatel, Jack Betts, Michael Forest, Carlos Miranda, Joshua Sinclair, Pierangelo Civera, Marco Lucantoni
alt. Titel: The Assassination of Trotsky
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