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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚All About Eve (1950)‘, Bildquelle: All About Eve (1950), Twentieth Century Fox

All About Eve (1950)

Ihre Karriere befand sich in der Krise und sie war nur der Ersatz für Claudette Colbert, die sich vor Dr […]

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All About Eve (1950)

Ihre Karriere befand sich in der Krise und sie war nur der Ersatz für Claudette Colbert, die sich vor Drehbeginn den Rücken verknackste – und doch wirkt die Rolle, als sei sie für Bette Davis, und keine andere, geschrieben worden. Davis lädt ihre Figur mit der faszinierenden Aura der Wirklichkeitsnähe auf, und sie spielt den gealterten Star – also in gewisser Weise sich selbst – brillant: die Augen meist zu einem Drittel mit den Lidern bedeckt, stets in eine Rauchwolke aus Zigarettenqualm gehüllt. Die Geschichte ist eine Showbusiness-Fabel – angeblich zu Teilen eine wahre Begebenheit –, in der eine junge Frau sich in die Entourage einer etablierten Broadway-Aktrice einschleicht und diese so energisch studiert und schließlich perfekt imitiert, dass sie selbst zum Star wird – auf Kosten des Originals. Joseph L. Mankiewicz erhielt für das Drehbuch und die Regie zwei „Oscars“, das Werk selbst wurde von der Academy zum besten Film gekürt – ein zeitloser Klassiker, voll messerscharfer Dialoge und starker Performances.
Genre: Drama
Länge: 133 Min.
Regie: Joseph L. Mankiewicz
Cast: u.a. Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Hugh Marlowe, Gregory Ratoff, Thelma Ritter, Barbara Bates, Marilyn Monroe, Walter Hampden
alt. Titel: Alles über Eva
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Szene aus ‚Messenger of Death (1988)‘, Bildquelle: Messenger of Death (1988), Cannon Films, Cannon Int.

Messenger of Death (1988)

Stimmungen: brutal, investigativ

Zwischen zwei verfeindeten Mormonenbrüdern entflammt ein waffenstrotzender Kleinkrieg – und zwischen den Fronten agiert Cha […]

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Messenger of Death (1988)

Zwischen zwei verfeindeten Mormonenbrüdern entflammt ein waffenstrotzender Kleinkrieg – und zwischen den Fronten agiert Charles Bronson als Journalist des Denver Tribune, der mit seinem investigativen Instinkt herausfindet, wer und was wirklich hinter dem todbringenden Konflikt steht. Die Anfangssequenz ist – explizit wie implizit – erstaunlich brutal; die Mormonentumler wirken in ihrer Abgeschiedenheit latent bedrohlich; die Kameraführung zeigt, indem man sich eine andere Variante vorstellt, wie sehr sie den Film veredelt und aus ihm weitaus mehr macht als bloß ein Stück über US-amerikanische Provinzgewalt und Elitenkriminalität. Sehenswert ist „Messenger of Death“ allerdings für seine Szenerie, seine Blicke auf die selbst noch in den besiedelten Regionen urwüchsige Landschaft der Rocky Mountains, in denen Bronsons Zeitungsheld recherchiert.
Genre: Action-Thriller
Länge: 88 Min.
Regie: J. Lee Thompson
Cast: u.a. Charles Bronson, Trish Van Devere, Jeff Corey, John Ireland, Marilyn Hassett, Charles Dierkop, Penny Peyser, Laurence Luckinbill, Daniel Benzali, Gene Davis, John Solari, Jon Cedar, Tom Everett
alt. Titel: Das Gesetz ist der Tod
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Szene aus ‚Love and Bullets (1979)‘, Bildquelle: Love and Bullets (1979), ITC Films

Love and Bullets (1979)

Stimmung: turbulent

Das meiste Geld verdiente man mit Bronson-Filmen in Europa, und sporadisch verfrachtete man den US-amerikanischen Protagonisten dann auch gleich dorthin –& […]

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Love and Bullets (1979)

Das meiste Geld verdiente man mit Bronson-Filmen in Europa, und sporadisch verfrachtete man den US-amerikanischen Protagonisten dann auch gleich dorthin – in „Love and Bullets“ verschlägt es den naturgemäß abgebrühten Detective Charles Congers aus Phoenix in die Schweiz. Dort soll er für das FBI, das im Ausland nicht agieren darf, eine Zeugin aufspüren und aus dem Land schleusen, auf dass sie gegen einen Gangsterboss – ihren Liebhaber – aussagt. Gemeinsam mit seiner Frau Jill Ireland, die Charles Bronson in vielen seiner Filme unterbrachte, stapft er durch die verschneite Alpenlandschaft, hier und da explodiert ein Auto und werden üble Typen von Bronson ebenso übel zugerichtet. Das alles ist wenig tiefsinnig, aber in einer Weise packend und unterhaltsam inszeniert, wie man es von der Action-Thriller-Magie etlicher Bronson-Streifen jener Zeit gewohnt ist. Der Film war ein Flop, spielte kaum Geld ein wurde von damaligen wie heutigen Kritikern gescholten; seine Figuren seien teils maßlos übertrieben, Bronson habe vielleicht nur ein, zwei schlechtere Filme gedreht. Dabei besticht „Love and Bullets“ doch vor allem durch seine ziemlich edle Besetzung: Die Wirkungsmacht von Bronsons Ausnahmegesicht wird in unendlich vielen Close-ups konsequent ausgenutzt; Jill Ireland gibt mit ihrem Heartland-Dialekt und dem Widerspruch aus Gangsterbraut und Wahrhaftigkeit eine ihrer besten Performances; Paul Koslo als Killer und Henry Silva als dessen psychopathischer Boss machen jede ihrer Szenen zu etwas Besonderem; und Rod Steiger spielt einen stotternden Gangsternarzissten, der in Tyrannenmanier seine Lakaien kommandiert, die das drohende Unheil längst voraussehen, aber jeder für sich nicht den Mut zum Widerspruch aufbringt – unter diesen servilen Bürokriminellen finden sich auch Val Avery und Strother Martin. Gerade die Action-Thriller-Gewöhnlichkeit von „Love and Bullets“ ist dessen Stärke, weil sie immer wieder durch interessante Figuren, Locations und Twists gebrochen wird.
Genre: Action-Thriller
Länge: 99 Min.
Regie: Stuart Rosenberg
Cast: u.a. Charles Bronson, Jill Ireland, Rod Steiger, Henry Silva, Paul Koslo, Strother Martin, Val Avery, Lorraine Chase, Bradford Dillman, Michael V. Gazzo
alt. Titel: Ein Mann räumt auf
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Szene aus ‚Nightbirds (1970)‘, Bildquelle: Nightbirds (1970), BFI, A. Milligan

Nightbirds (1970)

Stimmungen: amourös, britisch, englisch, hedonistisch, karg, sexuell, trist

Als Auftakt einer Reihe von Horrorfilmen, die er für den Betreiber eines Londoner Sexploitation-Kinos drehen sollte, schuf der New Yorker Filmemacher […]

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Nightbirds (1970)

Als Auftakt einer Reihe von Horrorfilmen, die er für den Betreiber eines Londoner Sexploitation-Kinos drehen sollte, schuf der New Yorker Filmemacher Andy Milligan – ein herrischer Exzentriker – diese Horrorversion der Swinging Sixties, eine Fratze jener permissive society, die am Ende einer weitreichenden Modernisierung von Moral und Gesetz im britischen Köngreich stand. Seinen im Schauspiel ganz und gar unerfahrenen Hauptdarsteller rekrutierte Milligan quasi aus dem Kinokassenhäuschen; Drehbuch, Kamera und Schnitt übernahm allesamt er selbst – eine radikale Variante des Auteur-Kinos und umso tragischer, dass der Film wegen Streitereien gar nicht erst auf die Londoner Leinwände kam. „Nightbirds“ beginnt auf der Straße, aber mündet gleich darauf in ein irres Kammerspiel: Apathisch schleppt sich Dink an einer Ziegelmauer entlang, als ihm Dee hilft und mit zu sich in ihr schäbiges Dachzimmer nimmt. Eingerichtet im „Early East End“-Stil, mit kargen Holzkisten als Mobiliar, hausen sie dort mit ein paar Pfund, die Dee mit dürften Versprechen auf amouröse Besuche von ihrem Vermieter schnorrt. Hinter den Liebesbekundungen und dem Oralsex verbirgt sich jedoch etwas anderes, als dieser freizügige Hedonismus zweier East-End-Hippies vermuten lässt. Das Schwarz-Weiß, die Handkamera und die unendlich triste Location machen „Nightbirds“ von der ersten Sekunde an zu einem außergewöhnlichen Filmerlebnis, das in seiner rauhen, ungeschliffenen Inszenierung einen ungeheuerlichen Kontrast zu manch anderer Blüte des britischen Kinos jener Zeit bildet – ein Film, der trotz seiner Low-budget-Mittel so ungemein lebendig ist. Der Sozialhorror, den Milligan hier entfaltet, ist schonungslos: die alternative, ganz und gar orientierungslose Lebensweise einer aus allen normativen Zwängen befreiten Jugend kannibalisiert sich selbst und führt unmittelbar ins Verderben.
Genre: Drama
Länge: 78 Min.
Regie: Andy Milligan
Cast: u.a. Julie Shaw, Berwick Kaler, Elaine Shore, Bill Clancy, Bay White, Jonathan Borkai, Tom Houlden, Susan McCormick
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Szene aus ‚Her Private Hell (1967)‘, Bildquelle: Her Private Hell (1967), Piccadilly Pictures

Her Private Hell (1967)

Stimmung: sexuell

Als erster „narrative sex film“ Großbritanniens ist „Her Private Hell“ schon originär skandalös und die Speerspitze der fil […]

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Her Private Hell (1967)

Als erster „narrative sex film“ Großbritanniens ist „Her Private Hell“ schon originär skandalös und die Speerspitze der filmischen Manifestation gelockerter Moral in der britischen Gesellschaft der viel zitierten Swinging Sixties. Die Themen indes, die „Her Private Hell“ behandelt, sind zeitlos und universell: Macht und ihr Missbrauch, Ambition und Ausbeutung. Die Italienerin Lucia Modugno spielt ein französisches Fotomodel, das mit Karriereträumen nach London fliegt und dort zum Spielball einer Fotoagentur wird, die mit Nacktbildern viel Geld verdient und ihre Models mit heimlichen Sexaufnahmen erpresst.
Genre: Drama
Länge: 80 Min.
Regie: Norman J. Warren
Cast: u.a. Lucia Modugno, Terence Skelton, Pearl Catlin, Daniel Ollier, Robert Crewdson, Jeannette Wild, Mary Land
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Szene aus ‚Shadows (1959)‘, Bildquelle: Shadows (1959), John Cassavetes

Shadows (1959)

Stimmungen: großstädtisch, nächtlich, urban

„Shadows“ ist die Mutter aller Independent-Filme. […]

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Shadows (1959)

Shadows“ ist die Mutter aller Independent-Filme. John Cassavetes, der Vater aller Independent-Filmemacher, drehte ihn in mehreren Etappen, ohne Studiobrimborium, ja nicht einmal mit einem Drehbuch, als dezidierte Improvisation in den grellen Straßen und tristen Appartements von New York am Ende der 1950er Jahre. Wo klassische Hollywood-Produktionen à la How to Marry a Millionaire“ (1953) oder On the Town“ (1949) nur wenige Jahre zuvor die Stadt in märchenhaftes Technicolor tauchten, macht Cassavetes eine realitätsnahe Momentaufnahme. Sein Film wirft einen Blick auf das Großstadtleben junger Menschen, die ziellos zwischen Krise und Hedonismus, Aufbruch und Untergang, oszillieren. „Shadows“ vermochte seinerzeit zweierlei: mit seiner Low-budget-Originalität zu beeindrucken und zugleich die üblichen Hollywoodfilme als artifizielle Traumwelten zu entlarven.
Genre: Drama
Länge: 82 Min.
Regie: John Cassavetes
Cast: u.a. Ben Carruthers, Lelia Goldoni, Rupert Crosse, Hugh Hurd, Dennis Sallas, Anthony Ray, Tom Reese, David Pokitillow, David Jones
alt. Titel: Schatten
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Szene aus ‚Paper Moon (1973)‘, Bildquelle: Paper Moon (1973), Paramount

Paper Moon (1973)

Stimmungen: kriminell, turbulent

Ein junger Mann, der sich Moses Pray nennt und über die Dörfer und Kleinstädte des Mittleren Westens tingelt, u […]

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Paper Moon (1973)

Ein junger Mann, der sich Moses Pray nennt und über die Dörfer und Kleinstädte des Mittleren Westens tingelt, um bei Witwen Geld für fingierte Bibelbestellungen ihrer kürzlich verstorbenen Ehemänner einzutreiben, gerät bei dem Begräbnis einer alten Freundin an deren nun elternlose Tochter, die eventuell auch sein Kind ist. Er nimmt sie mit, und während ihrer gemeinsamen Reise durch Kansas in der Great Depression der 1930er Jahre erweist sich die Neunjährige als kongeniale Komplizin: Zusammen betrügen sie alles und jeden – vom Ladenbesitzer bis zum Alkoholschmuggler. Mit dem Schwarz-Weiß, den exzellent ausgewählten Locations und den weitschweifenden Blicken in das amerikanische Heartland mit seinen schier endlosen Straßen und Feldern kreiert Peter Bogdanovich in „Paper Moon eine solch authentische Atmosphäre, dass man sich für kurze Zeit tatsächlich in den beklemmenden Jahren der amerikanischen Wirtschaftskrise wähnt. Tatum O’Neal, die Tochter des Hauptdarstellers, kaum zehn Jahre alt, erhielt damals den »Oscar« als »Beste Nebendarstellerin«.
Genre: Drama
Länge: 98 Min.
Regie: Peter Bogdanovich
Cast: u.a. Ryan O’Neal, Tatum O’Neal, Madeline Kahn, P.J. Johnson, John Hillerman, Jessie Lee Fulton, Randy Quaid, James N. Harrell, Lila Waters, Noble Willingham, Jack Saunders, Jody Wilbur, Liz Ross, Yvonne Harrison, Ed Reed, Dorothy Price, Eleanor Bogart, Dorothy Foster, Herschel Morris, Gilbert Milton, Hugh Gillin, Rose-Mary Rumbley
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Szene aus ‚Best Seller (1987)‘, Bildquelle: Best Seller (1987), Hemdale Film Corporation

Best Seller (1987)

Profikiller Cleve drängt den Bestseller-Autor und erfahrenen Cop Meechum […]

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Best Seller (1987)

Profikiller Cleve drängt den Bestseller-Autor und erfahrenen Cop Meechum, ein Enthüllungsbuch zu veröffentlichen; denn nur die Öffentlichkeit sei imstande, Cleves Ex-Arbeitgeber Madlock zu Fall zu bringen – einen Mann von solcher Machtfülle, dass ihm mit Gesetz und Behörden nicht beizukommen sei. „Best Seller“ steckt voller Allegorien der USA und ihrer politischen Leichen im Keller der Nixon-Administration, 25 Jahre nach dieser für die amerikanische Seele so unheilvollen Präsidentschaft. Und das Finale, das Regisseur John Flynn wie zehn Jahre zuvor in Rolling Thunder“ (1977) als Gewaltkatharsis inszeniert, lässt sich als pessimistische Botschaft verstehen, große Macht nur mit drastischen Mitteln brechen zu können.

Genre: Thriller
Länge: 91 Min.
Regie: John Flynn
Cast: u.a. Brian Dennehy, James Woods, Victoria Tennant, Paul Shenar, Allison Balson, George Coe
alt. Titel: Bestseller
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Szene aus ‚Girl With Green Eyes (1964)‘, Bildquelle: Girl With Green Eyes (1964), Woodfall Film Prod.

Girl With Green Eyes (1964)

Stimmungen: amourös, britisch, romantisch

Als die aufgebrachten Iren in das Cottage von Eugene Gaillard stürmen, weil der – obwohl formal noch verheiratet, eine Beziehung mit […]

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Girl With Green Eyes (1964)

Als die aufgebrachten Iren in das Cottage von Eugene Gaillard stürmen, weil der – obwohl formal noch verheiratet, eine Beziehung mit der Tochter eines der Dorfbewohner hat, könnte der Kontrast zwischen den kruden Kerlen mit ihrer Lynchmobemphase und dem distinguierten Habitus des Schriftstellers mit seinen Bücherwänden, seinen Boheme-Freunden und seiner kleinen Persiflage der Nouvelle Vague-Intellektuellen größer nicht sein. Und selbst mit einer Scheidung käme Gaillard nicht davon – denn die wäre für die Katholiken schlimmer als Mord. „Girl With Green Eyes“ erzählt von einer Romanze, wie sie für die britische Gesellschaft der frühen in der Tat noch skandalöser Natur war: zwischen der gerade dem Schülerinnenalter entwachsenen Kate Brady und dem nahezu doppelt so alten Eugene Gaillard, dessen Frau und Tochter in den USA leben. Rita Tushingham spielt die junge Frau, die – feministisch progressiv – stets diejenige ist, bei der die amouröse Initiative liegt: Sie lädt Gaillard ins Café ein, beginnt den Flirt und später bestimmt sie den Zeitpunkt ihrer ersten gemeinsamen Nacht im selben Bett. Die Woodfall-Produktion, quasi direkt aus der Herzkammer der , erzählt – wie bereits in Tushinghams Debüt A Taste of Honey“ (1961) – von der ersten Liebe einer jungen Frau und davon, wie in der britischen Gesellschaft allmählich der Moralbeton bröckelt. Als Kate Bradys Freundin und Zimmergenossin ist Lynn Redgrave in ihrer ersten größeren Rolle zu sehen, zwei Jahre, bevor sie dann mit Georgy Girl“ (1966) berühmt wurde. Als urbane Kulisse fungiert das Dublin der frühen Sechziger. Und am Ende steht, wie kurz darauf in Billy Liar“ (1963), London als vage Hoffnung auf ein neues Leben, als Fixpunkt der .
Genre: Drama
Länge: 92 Min.
Regie: Desmond Davis
Cast: u.a. Rita Tushingham, Peter Finch, Lynn Redgrave, Marie Kean, Arthur O’Sullivan, Julian Glover, Liselotte Goettinger, Eileen Crowe, Yolande Turner, T.P. KcKenna, Pat Laffan, May Craig, Harry Brogan
alt. Titel: Die erste Nacht
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Szene aus ‚A Taste of Honey (1961)‘, Bildquelle: A Taste of Honey (1961), Woodfall Film Prod.

A Taste of Honey (1961)

Stimmungen: amourös, britisch, englisch, karg

Mit unangenehmen Themen wird hier nicht gespart: eine alleinerziehende Mutter, die sich in promiskem Hedonismus ergeht, statt ihre minderjährige Tochter verantwortungsvoll zu erzi […]

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A Taste of Honey (1961)

Mit unangenehmen Themen wird hier nicht gespart: eine alleinerziehende Mutter, die sich in promiskem Hedonismus ergeht, statt ihre minderjährige Tochter verantwortungsvoll zu erziehen, Homosexualität, Teenagerschwangerschaft, der Leinwandkuss zwischen einer Weißen und einem Schwarzen – „A Taste of Honey“ versuchte erst gar nicht, sich verschwiegenen Alltagsphänomenen behutsam zu nähern, sondern zerrte sie gleich reihenweise zuerst auf die Theaterbühnen, dann in die Kinosäle. Während Mutter Helen eine neue Ehe eingeht, wird Tochter Jo von einem Seemann schwanger. Das Ganze spielt in trister Szenerie in , ein Kurztrip entführt in das eskapistische Blackpool als Vergnügungsstätte der unteren Mittelschicht. Die spitzzüngigen Dialoge zwischen Mutter und Tochter, in ihrer schonungslosen Offenheit, fesseln von der ersten Szene an.
Genre: Drama
Länge: 101 Min.
Regie: Tony Richardson
Cast: u.a. Rita Tushingham, Dora Bryan, Murray Melvin, Paul Danquash, Robert Stephens, Herbert Smith, Margo Cunningham
alt. Titel: Bitterer Honig
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Szene aus ‚The Browning Version (1994)‘, Bildquelle: The Browning Version (1994), Paramount British Pictures

The Browning Version (1994)

Stimmungen: akademisch, britisch, ehrwürdig, elitär, englisch, tragisch

Ein Mann im Herbst seiner Karriere, der stets unter seinenn Möglichkeiten blieb, weil ihn seine Privattugenden von Bescheidenheit und Zu […]

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The Browning Version (1994)

Ein Mann im Herbst seiner Karriere, der stets unter seinenn Möglichkeiten blieb, weil ihn seine Privattugenden von Bescheidenheit und Zurückhaltung auf tragische Weise blockiert haben: Andrew Crocker-Harris, Lehrer einer englischen Privatschule und Verfechter einer klassischen Sprachbildung mit einem Faible für Altgriechisch – Generationen von Schülern fürchten und respektieren ihn gleichermaßen, seiner versierten Kompetenz wegen, aber vor allem aufgrund einer gediegenen Strenge, die Albert Finney in einer der superbsten Performances der Filmgeschichte mit seiner Stimme und Körpersprache perfektioniert hat. Finney bringt eine Figur auf die Leinwand, die in ihrer inneren Geschlossenheit ebenso authentisch wie berührend ist – die übrigen starken Darbietungen von Greta Scacchi als reumütiger Sektgesellschaftsfiesling, Ben Silverstone als empathischer Lehrling, Matthew Modine als nonchalanter Lehrerstar oder Michael Gambon als umtriebiger Schuldirektor verblassen dagegen fast schon. Es geht darum, wie eine Institution ausgerechnet den Mann zerstört, der ihre Werte so formidabel repräsentiert, und um die Zurückeroberung von Selbstachtung. „The Browning Version“ visualisiert die erlauchte Atmosphäre englisch-elitärer Akademiewürde und ihrer Eitelkeit – zugespitzt in einem Kricketmatch –, woraus ein schlichtweg schöner Film entsteht.
Genre: Drama
Länge: 93 Min.
Regie: Mike Figgis
Cast: u.a. Albert Finney, Greta Scacchi, Ben Silverstone, Matthew Modine, Michael Gambon, Julian Sands, Maryam d’Abo, Oliver Milburn, Joseph Beattie, Jotham Annan, Jim Sturgess, Jeff Nuttall
alt. Titel: Schrei in die Vergangenheit
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Szene aus ‚The Dogs of War (1980)‘, Bildquelle: The Dogs of War (1980), Juniper Films

The Dogs of War (1980)

Stimmungen: explosiv, martialisch, strapaziös

„This whole country’s bought and paid for.“ Über einen Mittelsmann senden Konzerne eine Söldnerarmee aus, um den Diktator des kleinen afrikanischen T […]

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The Dogs of War (1980)

This whole country’s bought and paid for.“ Über einen Mittelsmann senden Konzerne eine Söldnerarmee aus, um den Diktator des kleinen afrikanischen Tyrannenstaats Zangaro gegen einen anderen, gekauften zu ersetzen – auf dass er ihnen die Ausbeutung der lukrativen Platinminen ermöglicht. Christopher Walken spielt Jamie Shannon, den Anführer der , einen Veteranen und chronisch ramponierten Mann, dem sein Hausarzt rät, sich besser einen anderen Job zu suchen, sofern er noch etwas älter werden will. Im Land des Despoten hat Shannon noch eine Rechnung offen, nachdem er dort bei einer Undercover-Erkundungsmission grausam gefoltert worden ist. Ganz subtil erreicht uns aus diesen Szenen die beklemmende Atmosphäre eines Überwachungsstaates – ihre Quelle ist Frederick Forsythe, Autor der gleichnamigen Literaturvorlage des Films, der als Journalist den nigerianischen Bürgerkrieg in den späten Sechzigern miterlebte. Die Kerle, mit denen Shannon loszieht, sind allesamt Geschöpfe des Krieges, waffennärrische Experten des Tötens, für die es in friedlichen Gesellschaften keine Verwendung gibt. Tom Berenger, Paul Freeman und Jean-François Stévenin spielen sie als vordergründig ganz sympathische Typen, die dann, in der Schlacht, zu entfesselten Tötungsmaschinen werden. Ebendiese Schlacht, die in der Garnison des Diktators entbrennt, inszenieren John Irvin und sein Kameramann Jack Cardiff als infernalisches Tohuwabohu.
Genre: Drama
Länge: 119 Min.
Regie: John Irvin
Cast: u.a. Christopher Walken, Tom Berenger, Colin Blakely, Hugh Millais, Paul Freeman, Maggie Scott, JoBeth Williams, George Harris, Winston Ntshona, Jean-François Stévenin, Olu Jacobs, Eddie Tagoe, Hugh Quarshie, Kelvin Thomas, Robert Urquhart, Ed O’Neill, Terence Rigby, David Schofield, Shane Rimmer, Ilario Bisi-Pedro
alt. Titel: Die Hunde des Krieges
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Szene aus ‚The Hunting Party (1971)‘, Bildquelle: The Hunting Party (1971), Brighton Pictures, MGM

The Hunting Party (1971)

Stimmungen: blutig, brutal, staubig, strapaziös, warm

Zuckende Körper, grauenvolle Schusswunden und kein Entrinnen: „The Hunting Party“ zeigt die Bilder, die uns 99 Prozent aller anderen Western vorent […]

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The Hunting Party (1971)

Zuckende Körper, grauenvolle Schusswunden und kein Entrinnen: „The Hunting Party“ zeigt die Bilder, die uns 99 Prozent aller anderen Western vorenthalten. Oliver Reed, damals auf dem Höhepunkt seiner Schauspielkunst (im selben Jahr lief Ken Russells The Devils mit Reed in der Hauptrolle), ist der Outlaw Frank Calder, Anführer eines Haufens Gesetzloser, gewaltbereiter Individualisten, die sich zusammengerauft haben, um gemeinsam möglichst viel Geld zu machen. Weil Calder das Lesen lernen will, kidnappt er eine Frau, die er für eine Lehrerin hält – tatsächlich ist sie die Ehefrau des -Tycoons Brandt Ruger, eines stinkreichen Unternehmers, der gerade mit seinen Kumpels zum Jagdausflug aufgebrochen ist, Sexorgie mit Prostituierten inklusive. Ruger ist ein psychopathischer Sadist, wie ihn nur Gene Hackman spielen kann; in jedem anderen Film wäre er der Held, durch das Kidnapping seiner Frau zur Gewaltanwendung gegen die Entführer, eine Bande zumal, fraglos berechtigt – nicht so in „The Hunting Party“. Ruger will die Gangster, professionelle gunmen, die ihm im klassischen haushoch überlegen wären, in feiger Rationalität aus der Distanz dezimieren – mit Gewehrungetümen, die er ursprünglich für den Spaßausflug beschafft hat und die mit Zielfernrohr über 800 Yards feuern können. Ruger und seine Leute richten unter den ein Massaker an, exekutieren sie aus dem Hinterhalt beim Feldlager, an Wasserlöchern, im Dorf. Der Reiche-Leute-Trip mutiert zur perfiden Menschenjagd, die irgendwann sogar ihr Ziel, die Befreiung der entführten Ehefrau, verliert. Die Ruger ist so brutal, dass sogar ihre eigenen Mitglieder, Geschäftsleute aus dem Selfmade-Geldadel des Frontier-Westens, die eben noch grinsend die Banditen unter Beschuss genommen haben, irgendwann aussteigen wollen, während Ruger sie wie Rotwild abknallen will. Die zwischenmenschliche Gewalt ist schonungslos in Peckinpah’scher Slow Motion inszeniert, sodass die (zahlreichen) Tode nicht inflationär über die Leinwand huschen, sondern jedesmal einen tiefen Eindruck hinterlassen. Gefilmt in der Spaghetti-Western-Wiege Andalusien, hat „The Hunting Party“ ohnehin eine latent dreckige Aura. Und er ist reich bestückt: mit den bedrohlichen Wild-West-Visagen eines L.Q. Jones oder Rayford Barnes; mit berührenden Szenen wie der Freundschaft zwischen Calder und seinem Kompagnon Doc, den Mitchell Ryan so exzellent spielt, und witzigen wie der Pfirsich-Speisung; der bizarren Wüsten-Odyssee oder dem mexikanischen Dorf. Die Grenzen zwischen Gut und Böse lösen sich auf, die erstaunlich realistische Brutalität des Tötens und die Handlung mit dem nihilistischen – alles irgendwo zwischen „The Wild Bunch“ (1969) und „Ulzana’s Raid“ (1972) – machen „The Hunting Party“ zu einem kompromisslosen Film, der in seiner Dramaturgie, dem Western-Gott sei Dank, sämtlichen Hollywood-Versuchungen bis zum Schluss widersteht.
Genre: Western
Länge: 111 Min.
Regie: Don Medford
Cast: u.a. Oliver Reed, Candice Bergen, Gene Hackman, Mitchell Ryan, L.Q. Jones, Simon Oakland, William Watson, G.D. Spradlin, Rayford Banes, Francesca Tu, Ronald Howard, Bernard Kay, Richard Adams, Ralph Brown, Dean Selmier
alt. Titel: Leise weht der Wind des Todes
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Szene aus ‚The Running Man (1963)‘, Bildquelle: The Running Man (1963), Peet Prod., Columbia Pictures

The Running Man (1963)

Stimmungen: kriminell, mediterran, sonnig, warm

Der Mann, der da durch den Hintereingang in die Wohnung der Witwe kommt, ist eigentlich tot und die Witwe gar keine Witwe. Rex Black hat seinen Tod vor dem S […]

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The Running Man (1963)

Der Mann, der da durch den Hintereingang in die Wohnung der Witwe kommt, ist eigentlich tot und die Witwe gar keine Witwe. Rex Black hat seinen Tod vor dem Strand von Brighton bloß inszeniert, setzt sich nach Spanien ab, seine Frau Stella soll die stattliche Summe der Lebensversicherung beizeiten ins Ausland transferieren. Doch bekommt sie Besuch von Stephen Maddox, einem Versicherungsangestellten, der sie mit unangenehmen Fragen löchert – reine Routine natürlich. Als Stella dann endlich im spanischen Málaga auftaucht, hat Rex eine dritte Identität – Namen, Habitus und Idiom eines australischen Schafherden-Millionärs – angenommen und liebäugelt längst mit einem weiteren Versicherungsbetrug. Im behäbigen Dolce Vita der andalusischen Mittelmeeridylle trifft Stella auf Maddox – der Mann mit dem drögen Bürokratencharme wird für sie zur ultimativen Bedrohung, als er bei ihnen im Hotel eincheckt. „The Running Man“ handelt von falschen Annamen, die zu falschen Schlüssen führen, von verführerischen Gelegenheiten, die den wahren Charakter eines Menschen hervorbringen. Alle drei Performances sind superp: Lee Remick mit der zunehmenden Nervosität der unbehaglichen Betrügerin; Laurence Harvey mit seinem moralischen Gestaltwandel vom Opfer des Schicksals zum Täter; und Alan Bates mit seiner latenten Bedrohlichkeit. In den Dialogen zwischen dem Urlauber Maddox und dem falschen Australier Rex knistert die Gefahr der Enthüllung und das mediterrane On location-Flair an der Meerenge von Gibraltar in den frühen Sechzigern mit Sonnenbrillen, Cabrios und Bloody Marys verleiht „The Running Man“ eine Extraportion Charme.
Genre: Thriller
Länge: 104 Min.
Regie: Carol Reed
Cast: u.a. Lee Remick, Laurence Harvey, Alan Bates, Noel Purcell, Felix Aylmer, Ramsay Ames, Fernando Rey, Allan Cuthbertson, John Meillon, Juanjo Menéndez, Fortunio Bonanova, Eddie Byrne, Roger Delgado, Ánghel Jiménez, Juan Jiménez
alt. Titel: Der zweite Mann
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Szene aus ‚Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982)‘, Bildquelle: Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982), Elephant Prod., Film A2, C.C.C. Film Kuntz

Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982)

Stimmungen: tragisch, traurig

Doppelt und dreifach tragisch ist dieser Film: Da ist zum einen Romy Schneiders Doppelrolle in der Gegenwart der frühen […]

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Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982)

Doppelt und dreifach tragisch ist dieser Film: Da ist zum einen Romy Schneiders Doppelrolle in der Gegenwart der frühen 1980er Jahre, als Lina Baumstein, die Frau eines politischen Aktivisten, der urplötzlich als Mörder vor Gericht steht; und in der Vergangenheit der 1930er Jahre, als Elsa Wiener, die Frau eines politischen Verlegers, die vor den Nazis aus Berlin nach Paris geflohen ist, wo sie sich erst als Nachtklubsängerin, dann als Trinkanimateurin an der Bar durchschlägt, während ihr Mann im KZ gequält wird. Und zum anderen ist da Romy Schneiders eigenes Schicksal: Den jüdischen Jungen, der in Elsa Wieners Obhut lebt, sollte ursprünglich Schneiders 14-jähriger Sohn David spielen – der allerdings vor Drehbeginn durch ein fürchterliches Unglück starb und ersetzt wurde. Und schließlich ist da noch die traurige Tatsache, dass „Die Spaziergängerin von Sans Souci“ Schneiders letzter Film ist – sie verstarb kurz nach der Premiere. Die auch so schon berührende Geschichte ist also noch durch das echte Leben hoch emotional aufgeladen; sie kreist um Max Baumstein (Michel Piccoli), der im Gerichtssaal auf seine Kindheit im Pariser Exil zurückblickt und dabei das Schicksal des Ehepaars Wiener einer breiten Öffentlichkeit offenbart, so die Vergangenheit in die Gegewart zurückholt. Zwar spielen bloß wenige Szenen im NS-Deutschland kurz nach Hitlers „Machtergreifung“; aber mit den SA-Schlägertrupps auf der Straße und den Gestapo-Häschern im Zug vermitteln sie eine ganz und gar beklemmende Stimmung. Beeindruckend ist hier vor allem Helmut Griem als bekennender Nazigegner, der seine Figur mit derselben Überzeugungskraft spielt, wie er in Voyage of the Damned“ (1976) zuvor einen NS-Karrieristen darstellt. Piccoli verwandelt einmal mehr seine Zigarettenzüge in stille Monologe; und in ihrer letzten Rolle ruft Schneider noch einmal das ganze Spektrum ihrer mimischen Kunst ab: Gesichter voller Liebe, Hoffnung, Schmerz – ein würdiger Leinwandabschied der Romy Schneider.
Genre: Drama
Länge: 110 Min.
Regie: Jacques Rouffio
Cast: u.a. Romy Schneider, Michel Piccoli, Wendelin Werner, Gérard Klein, Helmut Griem, Mathieu Carrière, Dominique Labourier, Maria Schell, Véronique Silver, Jean Reno
alt. Titel: La passante du Sans-Souci
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