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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Der Haß ist blind (1950)‘, Bildquelle: Der Haß ist blind (1950), Twentieth Century-Fox

Der Haß ist blind (1950)

Stimmung: rassistisch

Aus Cineastensicht ist der erste Film eines Stars eigentlich immer sehenswert. „Der Haß ist blind“ ist aber nicht bloß d […]

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Der Haß ist blind (1950)

Aus Cineastensicht ist der erste Film eines Stars eigentlich immer sehenswert. „Der Haß ist blind“ ist aber nicht bloß das Leinwanddebüt von Sidney Poitier – eine Zeit lang einer der größten Stars überhaupt –, sondern auch ein noiriges Drama voll brisanter Sujets seiner Zeit. Da ist natürlich zuallererst Poitiers Figur: Dr. Luther Brooks, ein schwarzer Arzt in einem von weißen dominierten Krankenhaus, bespuckt, geschlagen und beleidigt von seinen Patienten und ihren Angehörigen; seine erst 23 Jahre lassen Poitier selbst im Vergleich zu seinen nur wenige Jahre später gespielten Rollen, passend zu seinem Novizenstatus, blutjung erscheinen. Dann sind da aber auch Brooks’ Förderer und Mentoren, die es sich ein wenig mit ihrem liberalen Selbstbild bequem gemacht haben und das Maximum an möglichen Beiträgen zur Gleichstellung erfüllt sehen, indem sie einen schwarzen Arzt im Stab haben. Zur Sprache kommt aber auch der prekäre Status der Klinik, für die deren Chef wie ein Hausierer immer wieder Geld auftreiben muss und die in ihrer Personal- und Geräteausstattung stets hinter dem tatsächlichen Bedarf zu liegen scheint. Und schließlich natürlich das große Gesellschaftsproblem der USA, im Film personifiziert durch den geifernden Rassismus des Ray Biddle, den Richard Widmark voll aggressiver Hinterlist spielt.

Die Biddle-Brüder gehören zum Abschaum, die der soziale Brennpunkt Beaver Canal in die Mitte der Gesellschaft spült, als sie – angeschossen bei einem missglückten Raubüberfall – im Gefängnishospital landen. Als der eine Bruder während der Behandlung durch Dr. Brooks verstirbt, ist der verbliebene der unumstößlichen, beinahe verschwörungstheoretischen Meinung, der schwarze Arzt habe den weißen Patienten hinterrücks ermordet. In der Luft liegt von nun an Rache. Mit seiner souveränen Verschlagenheitsmimik porträtiert Widmark einen widerlichen Rassisten, der mit irrationalem Hass ausgerechnet den Menschen attackiert, der ihm medizinische Hilfe leisten will. Zwischen den beiden Doppel-„Oscars“ für Drehbuch und Regie, die der seinerzeit mit Preisen überhäufte Jospeh L. Mankiewicz 1950 für A Letter to Three Wives“ (1949) und 1951 für All About Eve“ (1950) erhielt, ging „Der Haß ist blind“ in der Filmhistorie etwas unter. Aber wie sich hier an einer Schnittstelle der Gesellschaft – im Krankenhaus – der Rassenhass offenbart, ist auch heute noch ein eindrückliches Filmerlebnis.

Genre: Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Joseph L. Mankiewicz
Cast: u.a. Sidney Poitier, Richard Widmark, Linda Darnell, Stephen McNally, Mildred Joanne Smith, Harry Bellaver, Dots Johnson, Maude Simmons, Will Wright, Stanley Ridges, Dick Paxton, Bert Freed, Ann Tyrrell
alt. Titel: No Way Out
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Die alles zur Sau machen (1971)‘, Bildquelle: Die alles zur Sau machen (1971), Anglo-E.M.I. Film, Atlantic United Productions

Die alles zur Sau machen (1971)

Ein klassischer Unterweltler, Londoner Proletarierkriminalität, sozialer Aufstieg in der Illegalität: […]

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Die alles zur Sau machen (1971)

Ein klassischer Unterweltler, Londoner Proletarierkriminalität, sozialer Aufstieg in der Illegalität: Richard Burton spielt Vic Dakin, der sein Geld mit Schutzgelderpressung macht. Dakin: Das ist ein brutaler Sadist, in dessen Augen eine hemmungslose Gewaltfreude liegt, der bei seiner alten Mutter wohnt und sich einen Toyboy namens Wolfie (Ian McShane) unterhält. Burton stand damals im Zenit seiner Karriere und drehte nur für Millionengagen – den Low-Budget-StreifenDie alles zur Sau machen“ machte er dagegen für einen Anteil am Gewinn. Der unheilvolle Protagonist von „Die alles zur Sau machen“ ist eine amalgamierte Anlehnung an die berüchtigten Kray-Zwillingsbrüder, die jahrelang das Londoner East End tyrannisierten, ehe sie Ende der Sechziger zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Das London, das „Die alles zur Sau machen“ zeigt, ist trist, pessimistisch, ein plausibles Soziotop für die Entstehung von Gangsterbossen à la Dakin/Kray.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 98 Min.
Regie: Michael Tuchner
Cast: u.a. Richard Burton, Ian McShane, Nigel Davenport, Joss Ackland, Colin Welland, T.P. McKenna, John Hallam, Tony Selby, Fiona Lewis, Cathleen Nesbitt, Donald Sinden, Elizabeth Knight
alt. Titel: Villain
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Millionen-Raub (1967)‘, Bildquelle: Millionen-Raub (1967), Oakhurst Productions, Studiocanal Films

Millionen-Raub (1967)

1967 schuf der spätere „Bullitt“-Regisseur […]

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Millionen-Raub (1967)

1967 schuf der spätere „Bullitt“-Regisseur Peter Yates einen der besten Heist-Filme aller Zeiten: „Millionen-Raub“, lose basierend auf dem großen Postzugraub im August 1963, als eine Bande dreist die damals fantastische Summe von 2,5 Millionen Pfund erbeutete (nach heutigem Wert mehr als sechzig Millionen Euro). Auch „Millionen-Raub“ handelt von der Planung und Ausführung eines gigantischen Coups, bei dem der kriminelle Mastermind Paul Clifton mit seinen Komplizen einen mit Geldsäcken vollgestopften Postzug auf dem Weg von Schottland nach England ausrauben will.

Am Beginn des Films steht, wie als Vorgriff auf „Bullitt“ (1968), eine rasante Verfolgungsjagd durch London, von ungeheuerlich aggressiver Präzision; es folgen minutiöse Vorbereitungen und schließlich die Nacht des Überfalls – alles mit dem harten, pessimistisch unterströmten Yates-Realismus, der auch Werke wie The Friends of Eddie Coyle“ (1973) durchzieht.

Genre: Kriminal-Thriller
Länge: 114 Min.
Regie: Peter Yates
Cast: u.a. Stanley Baker, William Marlowe, Joanna Pettet, James Booth, Barry Foster, Clinton Greyn, Frank Finlay, George Sewell, Rachel Herbert, Patrick Jordan
alt. Titel: Robbery
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚U23 – Tödliche Tiefen (1958)‘, Bildquelle: U23 – Tödliche Tiefen (1958), Jeffrey Productions

U23 – Tödliche Tiefen (1958)

Stimmungen: maritim, militärisch, spannend

„U23 – Tödliche Tiefen“ ist die Verfilmung eines Bestsellers des ehemaligen U-Bootkommandanten […]

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U23 – Tödliche Tiefen (1958)

U23 – Tödliche Tiefen“ ist die Verfilmung eines Bestsellers des ehemaligen U-Bootkommandanten Edward L. Beach Jr. und war von Burt Lancasters Produktionsfirma als todsicherer Kassenknüller einkalkuliert worden, erwies sich aber als Verlustgeschäft. Der Unterwasser-Thrill erreicht hier noch nicht das beklemmende Ausmaß von Das Boot Jahrzehnte später, doch besticht „U23 – Tödliche Tiefen“ mit erstaunlich authentischen U-Bootroutinen der eingepferchten Crew im Pazifikkrieg des Jahres 1942. Die Meerenge von Bungo ist für die US Navy ein unheilvolles Schiffsgrab; Commander Richardson überlebt die Versenkung seines Bootes, und die Jagd auf den damals gesichteten Zerstörer wird ihm zur Obsession. Mit der Seniorität des dienstälteren Offiziers greift er sich ein Jahr später das Kommando über die „USS Nerka“, mit dem eigentlich der jüngere Lieutenant Bledsoe gerechnet hat – darin liegt das Konfliktpotenzial, mit dem sich die beiden Männer auf Feindfahrt begeben. Unerbittlich lässt Richardson ein riskantes Angriffsmanöver einüben, das zwischen Wahnsinn und Raffinesse liegt. Burt Lancaster spielt den mustergültigen Offizier Bledsoe voller Selbstbewusstsein, Leistungsstolz und tatkräftiger Disziplin. Clark Gable ist der alte Kommandant, der seine Befehlsgewalt für eine persönliche Revanche zu missbrauchen scheint. Beide passen auf ihre Rollen: Lancaster bezieht aus seiner Athletik und natürlichen Autorität das Charisma des jungen Vorzeigesoldaten; und der ramponierte Gable ist gegen Ende seiner langen Karriere, ständig mit einem leichten Zittern, längst nicht mehr der geschliffene Star aus glorreichen Metro-Tagen, was hier freilich exzellent mit seiner Rolle konvergiert.
Genre: Kriegsthriller
Länge: 93 Min.
Regie: Robert Wise
Cast: u.a. Clark Gable, Burt Lancaster, Jack Warden, Brad Dexter, Don Rickles, Rudy Bond, Mary LaRoche, John Bryant, Jimmy Bates, Joe Maross, Nick Cravat , Eddie Foy III, Teru Shimada
alt. Titel: Run Silent, Run Deep
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Morituri (1965)‘, Bildquelle: Morituri (1965), Arcola-Colony Productions

Morituri (1965)

Stimmungen: klaustrophobisch, maritim, spannend

Die Kamera fliegt am Schiff vorbei, während die Besatzung ihren Dienst verrichtet, huscht über das Deck oder blickt heimlich durch die schweren Apparaturen im engen Maschinenraum […]

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Morituri (1965)

Die Kamera fliegt am Schiff vorbei, während die Besatzung ihren Dienst verrichtet, huscht über das Deck oder blickt heimlich durch die schweren Apparaturen im engen Maschinenraum – all das erinnert unweigerlich an Das Boot“ (1981) und hat eine kinematografische Frische und Dynamik, wie man sie im Sechzigerjahre-Film nicht oft sieht. Verantwortlich dafür war ein gewisser Conrad L. Hall, bald schon einer der besten und erfolgreichsten Kameraleute der Welt; für „Morituri“ erhielt er damals die erste seiner insgesamt zehn Oscarnominierungen. „Morituri“ ist ein Seekriegsthriller: Die deutsche Kriegsmarine will 1942 eine riesige Menge Gummi vom verbündeten Tokio aus in das besetzte Bordeaux verschiffen, die Alliierten wollen die für beide Seiten kriegswichtige Ladung abfangen. Trevor Howard perfektioniert zu Beginn des Films die höfliche Skrupellosigkeit, die britische Leinwandoffiziere oft an den Tag legen und mit der sein Colonel Statter den in Kalkutta untergetauchten deutschen Deserteur Robert Crain erpresst. Marlon Brando legt für diese Rolle einen deutschen Englischakzent auf und die Story zwingt ihn obendrein zu einer Doppelperformance: Der NS-kritische Sprengstoffexperte gibt sich in geheimer Mission für die Briten als SS-Offizier aus – charakterlich ein Mensch, den Crain verachtet und der nun all diejenigen bedrohen muss, denen eigentlich Crains Sympathie gilt, und das Vertrauen derjenigen zu gewinnen hat, die er in Wirklichkeit verabscheut. An Bord des deutschen Blockadebrechers soll er die Sprengladungen entschärfen und damit die Möglichkeit zu einer Selbstversenkung sabotieren. „Morituri“ ist exzellent besetzt: Yul Brynner ist der deutsche Kapitän, der die Nazis zwar verachtet, doch dessen Offiziersethos genau die Essenz enthält, die das verbrecherische Regime mit ermöglichte; Martin Benrath spielt den ersten Offizier, das folgsame Parteimitglied, dessen Vertrauen sich Crain erschleicht; Janet Margolin kommt als jüdischer Flüchtling an Bord und hat die härtesten Szenen im Film; Oscar Beregi Jr. spielt den jovialen Admiral; Wally Cox ist der morphiumsüchtige Schiffsarzt und Hans Christian Blech der proletarische Widerständler. „Morituri“ entfaltet eine maritime Klaustrophobie – ein kinematografisches Paradoxon aus der Weite des Ozeans und der Enge des Schiffes – und wird zu Unrecht selten als eines der besseren Brando-Werke genannt.
Genre: Kriegsdrama
Länge: 123 Min.
Regie: Bernhard Wicki
Cast: u.a. Marlon Brando, Yul Brynner, Marti Benrath, Hans Christian Blech, Janet Margolin, Trevor Howard, Rainer Penkert, Max Haufler, Oscar Beregi Jr., William Redfield, Wally Cox, Martin Brandt, Ivan Triesault, Carl Esmond, Martin Kosleck, Charles De Vries
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Drei Uhr nachts (1956)‘, Bildquelle: Drei Uhr nachts (1956), Studiocanal

Drei Uhr nachts (1956)

Stimmungen: großstädtisch, kriminell, melancholisch, resigniert, urban

In „Drei Uhr nachts“ spielt Roger Duchesne nicht nur eine dieser Rollen, die einen stund […]

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Drei Uhr nachts (1956)

In „Drei Uhr nachts“ spielt Roger Duchesne nicht nur eine dieser Rollen, die einen stundenlang an den Film fesseln könnten; obendrein übt sich Jean-Pierre Melville in einem seiner frühen Regiewerke an vielen Facetten, die er später zur französischen Gangsterfilmmeisterschaft entwickeln sollte: der Inszenierung eines verhängnisvollen Verbrechergenius, großstädtischer Kriminalität und wortkarger Milieus. Bob – ein allseits respektierter Glücksspieler, der unermüdlich die Pariser Nacht auf der Suche nach immer weiteren Kartentischen durchreist, um erst im Morgengrauen in sein mondänes Appartement zurückzukehren – ist pleite, als in ihm sein altes Ganovenleben erwacht. Mit einem Komplizen plant er einen phänomenalen Coup: Ein Casino an der Küste wollen sie überfallen, den mit vielen Geldscheinen gefüllten Tresor ausräumen, von dem sie zufällig gehört haben – Szenen aus Melvilles „Un Flic“ (1972) erinnern später daran. Kleine Bars und Hinterzimmer mit reichlich Zigarettenqualm sind Bobs Biotop, noch in seiner Wohnung lässt ihn sein innerer Spieltrieb mit bereitgelegten Münzen an einem einarmigen Banditen zocken. Wie er mit seinem US-amerikanischen Schlitten die urbane Tristesse im verruchten Stadtteil Pigalle aufhellt, macht Bob beinahe zu einer magischen Figur in diesem kurzweiligen Ganovendrama am Vorabend der Nouvelle Vague.
Genre: Gangsterdrama
Länge: 102 Min.
Regie: Jean-Pierre Melville
Cast: u.a. Roger Duchesne, Isabelle Corey, Daniel Cauchy, Guy Decomble, André Garet, Claude Cerval, Simone Paris, Colette Fleury, Gérard Buhr
alt. Titel: Bob le flambeur
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Permissive (1970)‘, Bildquelle: Permissive (1970), Shonteff Films, BFI

Permissive (1970)

Stimmungen: klaustrophobisch, musikalisch, pessimistisch, promisk, sexuell, trist

Sex, Drogen und Folk-Rock bilden das mythische Amalgam, das einen gehörigen Anteil an der Faszinationskraft der 1960er Jahre ausmacht – […]

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Permissive (1970)

Sex, Drogen und Folk-Rock bilden das mythische Amalgam, das einen gehörigen Anteil an der Faszinationskraft der 1960er Jahre ausmacht – jener Dekade der kulturell revolutionierten und sexuell befreiten Gesellschaft, die der Sexploitation-Regisseur Lindsay Shonteff in „Permissive“ völlig unsentimental demontiert. Darin kommt die Vorstadttochter Suzy als mittellose Dufflecoat-Vagabundin in einem abgebrühten London an, wo sie sich mit promiskuitiver Rücksichtslosigkeit in der hart umkämpften Groupie-Szene etabliert – voller junger Frauen, die unablässig mit kleinen Bands durch englische Nachtklubs touren. Was die Low-Budget-ProduktionPermissive“ auszeichnet, ist ihr entromantisierender Blick auf eine Szene, in der lässige Kleidung und eine scheinbar aufgeschlossene Moral lediglich trüben Egoismus und lieblose Zweisamkeiten verhüllen. Selten hat ein Film eine solch pessimistische Perspektive auf die vermeintlich optimistische Counterculture der Sechziger eingenommen, nie waren die Swinging Sixties kälter und ernüchterter – desolate Schicksale und eine bekümmerte Freiheit in klaustrophobisch tristen Hotelzimmern.
Genre: Drama
Länge: 90 Min.
Regie: Lindsay Shonteff
Cast: u.a. Maggie Stride, Gay Singleton, Gilbert Wynne, Robert Daubigny, Alan Gorrie, Stuart Francis, Mick Travis, Debbie Bowen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Out of the Past (1947)‘, Bildquelle: Out of the Past (1947), RKO Radio Pictures

Out of the Past (1947)

Stimmungen: dunkel, düster, turbulent

Ein hardboiled Schnüffler in den Diensten eines gefährlichen Glücksspielers: „ […]

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Out of the Past (1947)

Ein hardboiled Schnüffler in den Diensten eines gefährlichen Glücksspielers: „Out of the Past“ ist ein archetypischer Noir, der in Hülle und Fülle nahezu alle Genre-Ingredienzen enthält: den Protagonisten im Trenchcoat mit Fedora und Zigarette; eine verschlagene Femme fatale; und natürlich die charakteristische Beleuchtung mit ihrem fabelhaften Spiel der Silhouetten und Schatten, in denen sich verhängnisvolle Schicksale ankündigen und zum Besten gehören, das klassisches Hollywoodkino jemals hervorgebracht hat. Mit seinem lakonisch-fatalistischen Spiel schuf Robert Mitchum mit Jeff Markham eine maximale Noir-Figur; Jane Greer entwickelt vor der Kamera den Prototyp der gefährlichen Verführerin; und der damalige Nobody Kirk Douglas zeigt schon in einer seiner frühen Filmrollen die aggressive Vehemenz, mit der er bald zum Hollywoodsuperstar aufsteigen würde. Hinzu kommen Dialoge in Screwballgeschwindigkeit, klassische Noir-Posen en masse und abwechslungsreiche Locations: von der kalifornischen Kleinstadt am Fuße der Sierra Nevada über Lake Tahoe bis Acapulco und San Francisco.
Genre: Noir-Drama
Länge: 97 Min.
Regie: Jacques Tourneur
Cast: u.a. Robert Mitchum, Jane Greer, Paul Valentine, Kirk Douglas,Virginia Huston, Dickie Moore, Rhonda Fleming, Richard Webb, Steve Brodie, Ken Niles
alt. Titel: Goldenes Gift
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Player (1992)‘, Bildquelle: The Player (1992), Fine Line Features

The Player (1992)

Den legendären Tracking shot von Orson Welles’ „Touch of Evil“ von 1 […]

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The Player (1992)

Den legendären Tracking shot von Orson Welles’Touch of Evil“ von 1958 in einem Tracking shot um mehrere Minuten zu überbieten, in welchem sich über ebendiesen Welles’schen Kinomoment ausgetauscht wird, ist nur eine von zahllosen Spitzen Robert Altmans gegen Hollywoods Studiokultur in den frühen Neunzigern. Grandios ist diese Eingangssequenz von „The Player“ aber vor allem, weil sie (echte) Drehbuchautor:innen in Pitch-Gesprächen mit dem Produzenten Griffin Mill zeigt, der hier genüsslich seine Green-light-Autorität auskostet. In der Welt von Mill sind „suspense, laughter, violence, hope, heart, nudity, sex, happy endings“ die Essenzen erfolgreichen Filmemachens. Altman teilt hier gegen ein System von Filmemachen aus, in dem noch weniger als früher schon das Künstlerische etwas zählt, sondern nur, ob man Julia Roberts oder Dolly Parton castet. Die Opulenz an prominenten Cameos zeigt, wie viele Stars ihm damals beipflichteten.
Genre: Satire
Länge: 119 Min.
Regie: Robert Altman
Cast: u.a. Tim Robbins, Greta Scacchi, Cynthia Stevenson, Fred Ward, Peter Gallagher, Brion James, Lyle Lovett, Whoopi Goldberg, Angela Hall, Vincent D’Onofrio, Dean Stockwell, Richard E. Grant, Dina Merrill, Sydney Pollack, Julia Roberts, Bruce Willis, Leah Ayres, Jeremy Piven, Andie McDowell, Malcolm McDowell
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Frau ohne Gewissen (1944)‘, Bildquelle: Frau ohne Gewissen (1944), Paramount Pictures, EMKA

Frau ohne Gewissen (1944)

Stimmungen: amourös, düster, kalifornisch, mörderisch

„Frau ohne Gewissen“ war in den Tagen des Production Code so anrüchi […]

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Frau ohne Gewissen (1944)

Frau ohne Gewissen“ war in den Tagen des Production Code so anrüchig, dass Billy Wilders üblicher Ko-Autor Charles Brackett sich nicht damit in Verbindung gebracht wissen wollte; dass Barbara Stanwyck anfangs Angst hatte, die ihr angetragene Rolle anzunehmen; und dass vor dem ebenfalls zögerlichen Fred MacMurray – der die Figur dann so formidabel spielte – eine ganze Reihe von Stars abgelehnt hatten. Der Hautgout entstand aus dem Clou, dass die Kriminellen hier gewöhnliche Leute sind – und keine notorischen Gangster –; Habsucht und Begierde lassen sie zu Mördern werden und treiben sie in den Untergang. Als Brackett-Ersatz engagierte Wilder den Krimi-Autor Raymond Chandler; und weil die beiden sich mit ihren jeweiligen Marotten nicht ausstehen konnten, aber das ganze Drehbuch gemeinsam schrieben, gehören die Arbeiten am Skript zu „Frau ohne Gewissen“ vermutlich zu den strapaziösesten der Filmgeschichte, das Resultat dafür allerdings wiederum zu den besten Drehbüchern, die jemals verfasst wurden – messerscharfe Dialoge, perfektes Tempo und eine Story, der man anmerkt, wie viele Gedankenarbeit darin steckt. James M. Cain, der Autor der Literaturvorlage, soll Wilder mit Tränen in den Augen umarmt haben, wo doch die meisten Literaten über die Kinoumsetzung ihrer Werke, zumal seitens Hollywood, eher enttäuscht sind. Stanwyck sieht ein bisschen so aus wie die Kostümbildnerin Edith Head, die auch für diesen Film tätig war, und porträtiert eine der düstersten Femmes fatales des Noir-Kosmos. In einer Nebenrolle glänzt Edward G. Robinson, es gibt zwei, drei großartige Suspense-Momente und die stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotografie, mit den Schatten der Jalousielamellen, die immer wieder wie als Vorboten einer Gefängniszelle in die Räume hineinragen, aber auch das damals keineswegs selbstverständliche Location shooting in der spanischen Villa in den Hollywood Hills oder einem Supermarkt ergänzen sich zu einem famosen Gesamtwerk, Hollywood-Entertainment par excellence. Wilder hatte ursprünglich einen anderen Schluss gedreht, für den er eigens eine Gaskammer nachbauen ließ. Dann aber ließ er den Film in der Sequenz zuvor enden – vermutlich eine gute Entscheidung, denn „Frau ohne Gewissen“ wartet mit einem Finale auf, das den Film exzellent abrundet und inzwischen zu den besten in der gesamten Hollywoodgeschichte gezählt wird.
Genre: Noir-Thriller
Länge: 108 Min.
Regie: Billy Wilder
Cast: u.a. Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson, Jean Heather, Tom Powers, Porter Hall, Byron Barr, Richard Gaines, Betty Farrington, Fortunio Bonanova, John Philliber
alt. Titel: Double Indemnity
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Gumshoe (1971)‘, Bildquelle: Gumshoe (1971), Memorial Enterprises, Columbia Pictures

Gumshoe (1971)

Stimmungen: britisch, englisch, turbulent

Stephen Frears’ Regiedebüt ist eine humorvolle Hommage an den […]

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Gumshoe (1971)

Stephen Frears’ Regiedebüt ist eine humorvolle Hommage an den Film noir – im Liverpool der frühen Siebziger, mit seinen brachliegenden Arbeitervierteln. Albert Finney spielt einen verhinderten Entertainer, der sich als Bingo-Ansager durchschlägt. Aus einer Laune heraus schaltet der Kenner und Fan amerikanischer hardboiled-Literatur eine Anzeige als Privatdetektiv und wird prompt in eine mörderische Affäre verwickelt. Finney, der hier fast nur im beigen Trenchcoat unterwegs ist, spielt die Rolle ziemlich charmant – für das heutige Publikum ist „Gumshoe“ aber vor allem wegen seines Zeitkolorits sehenswert.
Genre: Noir-Hommage
Länge: 82 Min.
Regie: Stephen Frears
Cast: u.a. Albert Finney, Billie Whitelaw, Frank Finlay, Janice Rule, Carolyn Seymour, Bill Dean, Oscar James, Fulton Mackay, George Innes, George Silver, Wendy Richard
alt. Titel: Auf leisen Sohlen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Jeremiah Johnson (1972)‘, Bildquelle: Jeremiah Johnson (1972), Warner Bros., Sanford Prod.

Jeremiah Johnson (1972)

Der Veteran Jeremiah Johnson hat keine Lust mehr auf die selbstzerstörerische Zivilisation und zieht Mitte des 19. J […]

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Jeremiah Johnson (1972)

Der Veteran Jeremiah Johnson hat keine Lust mehr auf die selbstzerstörerische Zivilisation und zieht Mitte des 19. Jahr­hun­derts in die Wildnis der verschneiten Berge von Colorado. Das Greenhorn eignet sich dort die nötigen Qualifikationen für den Überlebenskampf an und wird zur Obsession einer fanatischen Indianer-Vendetta, zum unablässig Gejagten. Der Film zeigt die mörderische Beziehung zwischen egoistischen Frontier-Siedlern und bedrängten Ureinwohnern sowie die Selbstbehauptung eines Menschen unter extremen Bedingungen.
Genre: Western-Drama
Länge: 108 Min.
Regie: Sydney Pollack
Cast: u.a. Robert Redford, Delle Bolton, Will Geer, Josh Albee, Joacquín Martínez, Allyn Ann McLerie, Richard Angarola, Charles Tyner, Paul Benedict, Jack Colvin, Matt Clark
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Insignificance – Die verflixte Nacht (1985)‘, Bildquelle: Insignificance – Die verflixte Nacht (1985), Zenith Productions

Insignificance – Die verflixte Nacht (1985)

Stimmungen: großstädtisch, rhetorisch, turbulent, urban

Wenn Vor- und Rückblenden die Stringenz der Erzählung irritieren und am Ende eine (irre) Zeitlupensequenz dieses Filmerlebnis beschließt, dann wird man (wieder einmal) von dem G […]

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Insignificance – Die verflixte Nacht (1985)

Wenn Vor- und Rückblenden die Stringenz der Erzählung irritieren und am Ende eine (irre) Zeitlupensequenz dieses Filmerlebnis beschließt, dann wird man (wieder einmal) von dem Gedanken erfüllt, was für ein einzigartiger Regisseur Nicolas Roeg doch gewesen ist. „Insignificance“ ist die Adaption eines ziemlich erfolgreichen Theaterstücks, in dem 1954 eine Schauspielerin, ihr Ex-Baseballstar-Mann, ein Physikprofessor und ein Senator in einem New Yorker Hotelzimmer aufeinandertreffen. Namen werden keine genannt, aber die Bezüge zu Marilyn Monroe, Joe DiMaggio, Albert Einstein und Joseph McCarthy sind eindeutig. Immer wieder blitzt auf, wie die Gegenwart der Vergangenheit die Menschen (de-)formiert; wie sie nahezu unfähig sind, simple Zufriedenheit zu erlangen, wie die Grundlagen ihrer herausragenden Positionen sie permanent und für alle Zeit unterminieren.
Genre: Drama
Länge: 109 Min.
Regie: Nicolas Roeg
Cast: u.a. Theresa Russell, Michael Emil, Gray Busey, Tony Curtis, Will Sampson, Patrick Kilpatrick
alt. Titel: Insignificance
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Einer weiß zuviel (1950)‘, Bildquelle: Einer weiß zuviel (1950), Fidelity Pictures, Film Noir Foundation

Einer weiß zuviel (1950)

Stimmungen: dunkel, großstädtisch, hektisch, schnell, urban

Ganz und gar untypisch für einen Film noir zeigt „Einer weiß zuviel“ eine Frau, die ihren untergetauchten Mann – de […]

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Einer weiß zuviel (1950)

Ganz und gar untypisch für einen Film noir zeigt „Einer weiß zuviel“ eine Frau, die ihren untergetauchten Mann – den einzigen Zeugen eines Mordes – sucht und dabei vor allem nicht ihn selbst, sondern seine vermeintlich abgekühlte Liebe zu ihr wiederentdeckt. Neben den schnellen, messerscharfen und für die späten Vierziger erstaunlichen Dialogen besticht „Einer weiß zuviel“ durch sein mit sattem Zeitkolorit durchzogenen Location shooting in San Francisco.
Genre: Noir-Thriller
Länge: 78 Min.
Regie: Norman Foster
Cast: u.a. Ann Sheridan, Dennis O’Keefe, Robert Keith, Ross Elliott, John Qualen, Frank Jenks, Jane Liddell, J. Farrell MacDonald, Reiko Sato, Victor Sen Yung, Joan Shawlee, Steven Geray
alt. Titel: Woman on the Run
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Detour (1945)‘, Bildquelle: Detour (1945), PRC Pictures

Detour (1945)

Stimmung: strapaziös

Nicht-intendierte Konsequenzen sind schon immer ein Faszinosum gewesen. In „Detour“ werden sie auf die Spitze getrieben. Der […]

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Detour (1945)

Nicht-intendierte Konsequenzen sind schon immer ein Faszinosum gewesen. In „Detour“ werden sie auf die Spitze getrieben. Der Pianist Al Roberts will endlich zu seiner gen Hollywood aufgebrochene, Freundin Sue, einer Nachtklubsängerin, aufbrechen, um sie zu heiraten. Auf dem Weg dorthin verstrickt er sich auf einem verhängnisvollen Roadtrip von New York durch Arizona nach Kalifornien immer tiefer in Täuschungen und Manipulationen, bis sie ihn verschlucken. Low-Budget-Produktionen haben einen eigentümlichen Charme, zu dem auch gehört, dass man ihnen die Sparsamkeit ansieht. Edgar G. Ulmer, neben Billy Wilder und Fred Zinnemann einer der großen Wiener Regietalente, gelingt in „Detour“ das Kunststück, den Film trotz seines kleinen Budgets gut aussehen zu lassen. Mit dem abgekämpften Protagonisten, der andauernd vom Schicksal verprügelt wird, und seinem Voiceover, den atmosphärischen Shots und einer Femme fatale gehört „Detour“ zu den sehenswertesten Noir-Filmen.
Genre: Noir-Drama
Länge: 68 Min.
Regie: Edgar G. Ulmer
Cast: u.a. Tom Neal, Ann Savage, Claudia Drake, Edmund MacDonald, Pat Gleason, Esther Howard, Tim Ryan, Harry Strang, Don Brodie
alt. Titel: Umleitung
Text verfasst von: Robert Lorenz
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