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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Rita, Sue und Bob dazu …(1987)‘, Bildquelle: Rita, Sue und Bob dazu …(1987), Film Four International

Rita, Sue und Bob dazu …(1987)

Stimmungen: britisch, englisch, proletarisch, sexuell, suburban

Mehr Achtzigerjahre-England der verrufenen Thatcher-Ära, als „Rita, Sue […]

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Rita, Sue und Bob dazu …(1987)

Mehr Achtzigerjahre-England der verrufenen Thatcher-Ära, als „Rita, Sue und Bob dazu …“ auf so geringer Vorstadtfläche versprüht, geht wohl nicht. Als die beiden proletarischen Schülerinnen Rita und Sue mit dem mittelschichtigen Vater ihres Babysitting-Kindes eine Ménage-à-trois beginnen, steht dieser Eskapismus der Arbeiterklasse ganz in der der Tradition des britischen Kitchen sink drama der späten 1950er Jahre. Die Story entstammt zwei Theaterstücken, die autobiografische Episoden aus dem Leben von Andrea Dunbar enthalten, die das Arbeiterkind aus dem Norden Englands mit 15 Jahren zu schreiben begonnen hatte. „Rita, Sue und Bob dazu …“ spielt denn auch in Dunbars Heimat, der miesesten Gegend von Bradford, die hier mit ihren baufälligen Häusern und ausweglosen Blicken der darin lebenden Menschen wie ein Fanal für die sozioökonomischen Verwerfungen der Thatcher-Jahre stehen – mehr Wasteland denn Wohnviertel. Der ganze Film ist erstklassig besetzt, aber das Highlight sind Sues Underclass-Eltern – natürlich neben der „Gang Bang“-Performance von Black Lace.
Genre: Dramatische Komödie
Länge: 93 Min.
Regie: Alan Clarke
Cast: u.a. Michelle Holmes, Siobhan Finneran, George Costigan, Lesley Sharp, Kulvinder Ghir, Willie Ross, Maureen Long, Danny O’Dea, Paul Hedges
alt. Titel: Rita, Sue and Bob Too
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Bulle von Paris (1985)‘, Bildquelle: Der Bulle von Paris (1985), Gaumont, TF1 Films Production

Der Bulle von Paris (1985)

Stimmungen: dunkel, kriminell, nächtlich, urban

Kleine und größere Kriminelle werden eingebuchtet, Alltag der Pariser Drogenfahndung. Einer ihrer Ermittler, Mangin, schlägt sich mit dem Fall einer Bande […]

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Der Bulle von Paris (1985)

Kleine und größere Kriminelle werden eingebuchtet, Alltag der Pariser Drogenfahndung. Einer ihrer Ermittler, Mangin, schlägt sich mit dem Fall einer Bande tunesischer Brüder herum, verliebt sich in die Freundin eines der Ganoven. In „Der Bulle von Paris“ entfaltet sich in den Trakten der Polizeidienststelle und im Pariser Nachtleben die seltsame Gleichzeitigkeit von routinierter Verbrechensbekämpfung und sinnlicher Romantik. Maurice Pialats atmosphärisches Kriminal-Drama verfängt mit seiner unaufdringlichen Authentizität und den superben Performances von Sophie Marceau und Gérard Depardieu.
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 109 Min.
Regie: Maurice Pialat
Cast: u.a. Gérard Depardieu, Sophie Marceau, Richard Anconina, Sandrine Bonnaire, Pascale Rocard, Franck Karoui, Jonathan Leïna, Jacques Mathou, Bernard Fuzellier, Bentahar Meaachou, Yann Dedet, Abdel Kader Touati, Taya Ouzrout, Mohamed Ayari
alt. Titel: Police
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Alles auf eine Karte (1961)‘, Bildquelle: Alles auf eine Karte (1961), Columbia Pictures

Alles auf eine Karte (1961)

Stimmungen: finster, kriminell

Wie Tolly Devlins Vater in einer New Yorker Nebengasse totgeprügelt wird, sieht man bloß an den düsteren Silhouetten seiner vier Mörder, die über eine B […]

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Alles auf eine Karte (1961)

Wie Tolly Devlins Vater in einer New Yorker Nebengasse totgeprügelt wird, sieht man bloß an den düsteren Silhouetten seiner vier Mörder, die über eine Backsteinfassade toben. Das ist das Gegenteil des späteren Scorsese-Gewaltrealismus der Neunziger in Goodfellas“ (1990) oder Casino“ (1995) – und doch wirken die Ganovenfiguren des Regisseurs Sam Fuller in „Alles auf eine Karte“ wie Blaupausen für Scorseses Mafiosi. Sie sind keine schon habituell als solche erkennbaren Kriminellen wie in den alten Hollywood-Gangsterfilmen à la The Public Enemy“ (1931) oder Scarface“ (1932); Fullers Verbrecher sind gekleidet wie Geschäftsleute, ihre Entscheidungen für Mord und Totschlag entspringen aus dem wirtschaftlichen Kalkül von Konzernlenkern. Fullers pessimistische Botschaft, dass sich organisiertes Verbrechen in den USA durchaus auszahlt, ließen ihm Hollywoods Zensoren damals freilich nicht durchgehen. Cliff Robertson spielt hier am Anfang seiner großen Karriere einen von Rache besessenen, schließlich vollends aufgezehrten Safeknacker, der sich geschworen hat, die Mörder seines Vaters zur Strecke zu bringen, und der für dieses Vorhaben mit kühler Raffinesse die Staatsgewalt ausnutzt. Der Film, den Fuller eigentlich drehen wollte, ließ mit seinen Bildern von Morden und Prostitution, nicht zuletzt auch der entrüstenden Hilflosigkeit der Staatsmacht den damaligen Hollywoodzensoren des Production Code die Haare zu Berge stehen und die panischen Studioleute von Columbia ihm etliches davon wieder ausreden. Was übrig blieb, ist trotz allem noch immer von erstaunlicher Härte und pessimistischem Realismus – so schaffte es auch die Szene ins Kino, in welcher der Gangsterboss mit seinen Sektionschefs für Drogen, Gewerkschaftskorruption und Prostitution am Swimmingpool über gegenwärtige Marktchancen konferiert: „Now there are at least 13 million kids in thiss country between the ages of ten and fifteen. Don’t tell me the end of a needle has a conscience.“
Genre: Kriminal-Drama
Länge: 99 Min.
Regie: Samuel Fuller
Cast: u.a. Cliff Robertson, Dolores Dorn, Beatrice Kay, Paul Dubov, Robert Emhardt, Larry Gates, Richard Rust, Gerald Milton, Allan Gruener, David Kent, Peter Brocco, Robert P. Lieb
alt. Titel: Underworld U.S.A.
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Fahrstuhl zum Schafott (1958)‘, Bildquelle: Fahrstuhl zum Schafott (1958), Nouvelles Éditions de Films NEF

Fahrstuhl zum Schafott (1958)

Stimmungen: großstädtisch, spannend, urban

In einem Fahrstuhl bleibt der ewige Traum vom perfekten Mord stecken: Jeanne Moreau irrt im inneren Monolog durch die Pariser Nac […]

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Fahrstuhl zum Schafott (1958)

In einem Fahrstuhl bleibt der ewige Traum vom perfekten Mord stecken: Jeanne Moreau irrt im inneren Monolog durch die Pariser Nacht, ein junges Paar braust im geklauten Cabriolet davon und Lino Ventura lauert in einer seiner archetypischen Rollen als Kriminalkommissar gelassen darauf, dass sich die Täter selbst entlarven. Ein böser Zufall sabotiert den kriminellen Akt, der wiederum aus der Liebe geboren ist, im Hintergrund spielt die melancholische Jazztrompete von Miles Davis. Louis MallesFahrstuhl zum Schafott“ ist ein eloquenter Nouvelle Vague-Prolog – war zudem Malles Debüt und etablierte die Moreau als Leinwandstar –, er wirkt noch immer erstaunlich frisch und liefert eine Momentaufnahme vom Paris der späten Fünfziger als grauer Metropole, die wenig bis gar nichts mit ihrem romantischen Image gemein hat.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 92 Min.
Regie: Louis Malle
Cast: u.a. Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Georges Poujouly, Yori Bertin, Micheline Bona, Lino Ventura, Iván Petrovich, Elga Andersen, Jean Wall, Félix Marten
alt. Titel: Ascenseur pour l’échafaud
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Eine Hochzeit (1978)‘, Bildquelle: Eine Hochzeit (1978), Twentieth Century-Fox

Eine Hochzeit (1978)

Genüsslich und mit feiner Zynik entblößt Robert Altman die moralische Fassade einer Hochzeitsgesellschaft: Durch den feierlich […]

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Eine Hochzeit (1978)

Genüsslich und mit feiner Zynik entblößt Robert Altman die moralische Fassade einer Hochzeitsgesellschaft: Durch den feierlichen Eheschluss von Muffin und Dino prallen zwei soziokulturell völlig verschiedene Familien in einem luxuriösen Herrenhaus aufeinander. Während des Festtags offenbaren sich Gelüste und Heimlichkeiten der unterschiedlichen Gäste, die Altman in dem für ihn typischen Stil einer Pseudo-Dokumentation beobachtet. Perfekte Frisuren, teure Kleidung und verlogener Smalltalk verdecken die Unfähigkeit der Menschen, sich an die Moral zu halten, die sie als erstrebenswert verkünden.
Genre: Dramatische Komödie
Länge: 125 Min.
Regie: Robert Altman
Cast: u.a. Carol Burnett, Amy Striker, Vittorio Gassman, Desi Arnaz Jr., Mia Farrow, Geraldine Chaplin, Paul Dooley, Nina van Pallandt, Howard Duff, Lauren Hutton, Cedric Scott, Dennis Franz, Bert Remsen
alt. Titel: A Wedding
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Der Löwe im Winter (1968)‘, Bildquelle: Der Löwe im Winter (1968), Haworth Productions, Conbow Productions, Studiocanal

Der Löwe im Winter (1968)

Stimmungen: aggressiv, dynastisch, kalt, karg, mittelalterlich, strapaziös, trist, turbulent

Die kargen Gemäuer einer Burg im Jahr 1183: Henry II. vergnügt sich mit seiner jungen Mätre […]

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Der Löwe im Winter (1968)

Die kargen Gemäuer einer Burg im Jahr 1183: Henry II. vergnügt sich mit seiner jungen Mätresse, während seine drei Söhne ungeduldig auf die Verkündung des Thronerben warten und die weggesperrte Königin Eleonore von Aquitanien zum Weihnachtsfest aus ihrem goldenen Käfig gelassen wird. „Der Löwe im Winter“ bietet einen der superbsten Casts der Filmgeschichte auf, der sein Publikum in Gesprächen und Monologen mehr als zwei Stunden lang mit seinem aggressiven Zerstörungselan überwältigt. Das großartige Szenenbild zieht einen mitten hinein in die spärlich beleuchteten Gemächer, in denen man die Kälte und Finsternis förmlich spürt, in der noch die reichsten und mächtigsten damals lebten, wo die Dienerschaft in Ecken kauert und dazwischen das Getier herumkreucht. Dank des Score von John Barry und der Kamera von Douglas Slocombe wirkt der Film so modern und zeitlos, dass er sogar all jenen vorbehaltlos zu empfehlen ist, die mit historischen Stücken im Mittelalterflair sonst nichts anzufangen wissen. Peter O’Toole und Katharine Hepburn liefern sich als König und Königin einen epischen Schlagabtausch, wie man ihn in Filmen selten erleben darf (der eine oscarnominiert, die andere ‑prämiert; daneben sind die jungen Anthony Hopkins und Timothy Dalton zu sehen). Das Königspaar ergeht sich in professionellen Machtspielen. Und jedes Mal, wenn man die bitterste Intrige oder die masochistischste Selbsterniedrigung gesehen zu haben glaubt, folgt eine noch härtere – „Der Löwe im Winter“ zeigt die erstaunliche Selbstzerfleischung einer Familie im Rausch, aber auch Ennui der Macht.
Genre: Drama
Länge: 135 Min.
Regie: Anthony Harvey
Cast: u.a. Peter O’Toole, Katharine Hepburn, Jane Merrow, Anthony Hopkins, Timothy Dalton, John Castle, Nigel Terry, Nigel Stock
alt. Titel: The Lion in Winter
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚FM (1978)‘, Bildquelle: FM (1978), Universal City Studios

FM (1978)

Stimmungen: gelassen, heiter, kalifornisch, musikalisch, nonkonformistisch

Ein Box-Office-Flop mit einem Platinum-Album – das war die kommerzielle Bilanz des Spätsiebziger-Streifens „FM“ (in Deutschlan […]

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FM (1978)

Ein Box-Office-Flop mit einem Platinum-Album – das war die kommerzielle Bilanz des Spätsiebziger-Streifens „FM“ (in Deutschland mit dem Zusatz „Die Superwelle“ erschienen). Darin erobert sich eine Handvoll Radio-DJs des Senders QSKY um den charismatischen Jeff Dugan von L.A. aus den Äther; als die Manager den Erfolg der schrägen Nonkonformisten ausgerechnet mit Werbeeinblendungen für die U.S. Army monetarisieren wollen, wehren sich die Radioleute mit Streik und Hausbesetzung. „FM“ entfaltet von der ersten Minute an die lockere Atmosphäre, die QSKY im Film verströmt, garniert mit zeitgenössischen Hits, die inzwischen Klassiker sind, damals aber brandaktuell waren, u.a. von Foreigner, Boston oder den Eagles. Linda Ronstadt gibt ein Konzert (u.a. mit ihrem Gitarristen Waddy Wachtel), Tom Petty hat einen Cameo im Sender. Auch wenn „FM“ selbst kein Hit war, lohnt der Blick zurück in die Ära und Kultur der Radio-DJs.
Genre: Dramatische Komödie
Länge: 105 Min.
Regie: John A. Alonzo
Cast: u.a. Michael Brandon, Eileen Brennan, Cleavon Little, Cassie Yates, Martin Mull, Jay Fenichel, Roberta Wallach, Mary Torrey, Tom Tarpey, Alex Karras, Norman Lloyd, Cissy Wellman, Brenda Venus, James Keach, Joe Smith, Don Dolan, Linda Ronstadt, Tom Petty
alt. Titel: FM – Die Superwelle
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Life Is Sweet (1990)‘, Bildquelle: Life Is Sweet (1990), Channel Four Television Company

Life Is Sweet (1990)

Stimmungen: britisch, englisch, skurril, suburban

„Life Is Sweet“ erkundet die Facetten der Durchschnittsfamilie und ihren Umgang mit dem sporadisch wiederkehrenden Außerdurchschnittlichen. Im Zentrum s […]

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Life Is Sweet (1990)

Life Is Sweet“ erkundet die Facetten der Durchschnittsfamilie und ihren Umgang mit dem sporadisch wiederkehrenden Außerdurchschnittlichen. Im Zentrum steht die britische Kernfamilie am Ende der turbulenten Thatcher-Ära zwischen kleinem Wohlstandsglück und Alltagstragik: Da ist Alison Steadman (in einer ziemlich großartigen Performance) als patente Familienmutter Wendy; Jim Broadbent als Andy, der Chefkoch einer Großküche, der seinen Job hasst und von einem eigenen Imbiss träumt; und Jane Horrocks sowie Claire Skinner als die Zwillingstöchter Nicola und Natalie – die eine schwelgt in Fantasien eines ersehnten USA-Besuchs irgendwann in der Zukunft, die andere verbirgt ihre Bulimie hinter zornigen Politparolen. Die bizarrste Figur aber, derentwegen sich allein bereits der Film lohnt, ist Timothy Spalls exzentrischer Narzisst Aubrey, der gerade dabei ist, ein französisches Restaurant zu eröffnen. „Life Is Sweet“ ist ein sympathischer Kurztrip durch Großbritanniens untere Mittelschicht am Ende der 1980er Jahre und erzählt von der Kompetenz des Sich-Bescheidens – der Fähigkeit, Glück im Gewöhnlichen zu finden.
Genre: Drama
Länge: 103 Min.
Regie: Mike Leigh
Cast: u.a. Alison Steadman, Jim Broadbent, Claire Skinner, Jane Horrocks, Timothy Spall, Stephen Rea, David Thewlis, Moya Brady
alt. Titel: Das Leben ist süß
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Früchte des Zorns (1940)‘, Bildquelle: Früchte des Zorns (1940), Twentieth Century-Fox

Früchte des Zorns (1940)

In seinen Western erzählte John Ford von der entbehrungsreichen Besiedelung des US- […]

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Früchte des Zorns (1940)

In seinen Western erzählte John Ford von der entbehrungsreichen Besiedelung des US-amerikanischen Heartland, insofern ist „Früchte des Zorns“ ein folgerichtiges Werk – geht es hier schließlich um den Verlust ebendieser Errungenschaften. Nach fünf Jahren Gefängnis wegen Totschlags kehrt der Farmersjunge Tom Joad auf Bewährung nach Hause, nur um dort eine leere Hütte vorzufinden. Wie die benachbarten Farmersfamilien haben auch die Joads ihren Besitz verloren, an Konzerne, die mit „Cats“ – Planierraupen – anrücken, um das von den Sandstürmen heimgesuchte Land für eine neue Nutzung vorzubereiten. Die Joads repräsentieren die unglückseligen Okies, die während der Great Depression der 1930er Jahre als Arbeitsmigranten nach Kalifornien aufbrechen, das ihnen als gelobtes Land vor Augen steht, wo sie aber entgegen aller Erwartung mit grässlicher Armut konfrontiert werden. Den ersten Teil des Films inszeniert Ford als Exodus, unterlegt mit finsteren, apokalyptischen Bildern, die den Verlust des eigenen Bodens als drastischen Verlust zeigen, ehe die strapaziöse Fahrt in einem maroden Truck von Oklahoma über New Mexico und Arizona nach Kalifornien beginnt. Dieser strapaziöse Roadtrip erscheint streckenweise als Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, wenn die Farmer, deren gesamte Lebensweise mit einem Mal obsolet geworden ist, auf die kalifornischen Tankwarte und Diner-Bedienungen treffen, genauso wie das nur unweit der boomenden Großstädten entfernte Lager der inländischen Wirtschaftsflüchtlinge einem Wasteland gleicht. Man sieht verzweifelte Fratzen, hört lakonische Kommentare und immer wieder sticht die aggressive Fremdenfeindlichkeit der Menschen aus den Kleinstädten hervor, die keine Arbeitsmigranten in ihren Gemeinden haben wollen und deren militante Zivilgesellschaftlichkeit düstere Parallelen in unserer Gegenwart findet. „Früchte des Zorns“ – die Verfilmung des berühmten, Pulitzerpreis-gekrönten Romans aus der Feder von John Steinbeck – erzeugt eine knallharte, dystopische Grundstimmung, die für Hollywoodfilme jener Zeit eher untypisch ist und die sozialen Verwerfungen der US-amerikanischen Wirtschaftskrise greifbar macht.
Genre: Drama
Länge: 124 Min.
Regie: John Ford
Cast: u.a. Henry Fonda, Jane Darwell, John Carradine, Russell Simpson, Charley Grapewin, Dorris Bowdon, John Qualen, Zeffie Tilbury, Frank Darien, O.Z. Whitehead, Eddie Quillan, Frank Sully, Shirley Mills, Darryl Hickman, Grant Mitchell, Ward Bond, Selmer Jackson, Irving Bacon, Joe Sawyer, Paul Guilfoyle
alt. Titel: The Grapes of Wrath
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚The Bed Sitting Room (1969)‘, Bildquelle: The Bed Sitting Room (1969), Oscar Loewenstein Productions

The Bed Sitting Room (1969)

Stimmungen: bizarr, britisch, dystopisch, englisch, karg, postapokalyptisch, skurril, surreal, trist

„Mad Max“ meets Monty Python: Etwa anderthalb Dutzend Überlebender waten durch den Wasteland-Morast, der einmal London gewesen i […]

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The Bed Sitting Room (1969)

Mad Max“ meets Monty Python: Etwa anderthalb Dutzend Überlebender waten durch den Wasteland-Morast, der einmal London gewesen ist. Nuklearwaffen haben das Land vernichtet, aber die englischen Marotten und die Londoner U-Bahn haben sogar die Apokalypse überstanden. Die visuelle Atmosphäre von „The Bed Sitting Room“ mit ihrer dreckigen Topografie und den maroden, zweckentfremdeten Überbleibseln einer untergegangenen Zivilisation sind beinahe noch postapokalyptischer als in Mad Max“ (1979) oder 12 Monkeys“ (1995). Dazu kontrastiert der britische Humor mit seinen stereotypen Gestalten: dem Aristokraten oder der kleinbürgerlichen Familie. „The Bed Sitting Room“ sind anderthalb Stunden beklemmend-skurrile Atomkriegssatire.
Genre: Satire
Länge: 91 Min.
Regie: Richard Lester
Cast: u.a. Michael Hordern, Rita Tushingham, Spike Milligan, Mona Washbourne, Arthur Lowe, Ralph Richardson, Richard Warwick, Roy Kinnear, Marty Feldman, Peter Cook, Dudley Moore, Frank Thornton, Harry Secombe, Ronald Fraser, Jimmy Edwards, Jack Shepherd, Bill Wallis, Cecil Cheng, Dandy Nichols
alt. Titel: Danach
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Napoleon vom Broadway (1934)‘, Bildquelle: Napoleon vom Broadway (1934), Columbia Pictures

Napoleon vom Broadway (1934)

Stimmungen: hektisch, hysterisch, laut, lustig, luxuriös, theatralisch, turbulent, witzig

Als der Tonfilm aufkam, hatte niemand Vertrauen in den Anfang dreißigjährigen Regisseur Howard Hawks, der sich mit dem Arrangeme […]

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Napoleon vom Broadway (1934)

Als der Tonfilm aufkam, hatte niemand Vertrauen in den Anfang dreißigjährigen Regisseur Howard Hawks, der sich mit dem Arrangement von Sprechrollen nicht auszukennen schien – ausgerechnet Hawks, der anschließend zum Nestor der Screwballkomödie avancierte einige der bis heute schnellsten und dialogreichsten Filme drehte. Einer davon – vielleicht sogar der Screwballfilm schlechthin – ist „Napoleon vom Broadway“. Darin beharken sich unablässig der Broadway-Zampano Oscar Jaffe (gespielt vom Broadway- und Hollywoodstar John Barrymore) und der Bühnen- und Schauspielstar Lily Garland – sie ist mit Carole Lombard besetzt: Die Rolle machte sie zum Star und es heißt, Lombard habe quasi sich selbst gespielt, den skurril-durchgeknallten Screwball. Und Barrymore glänzt durch sein völlig bedenkenloses Overacting: einer pausenlos hysterischen Performance des damals weltbekannten und längst unsterblichen Shakespeare-Mimen. Die Handlung von „Napoleon vom Broadway“ beginnt mit der Probe eines Theaterstücks, aber der Schwerpunkt des Films liegt auf der Zugfahrt im titelgebenden „Twentieth Century“ von Chicago nach New York. Jaffe und Garland, Barrymore und Lombard, liefern sich in und zwischen den Abteilen einen vogelwilden Schlagabtausch, in dem sich die kinematografische Kraft des klassischen Hollywoodkinos der 1930er Jahre voll entfaltet und der „Napoleon vom Broadway“ noch heute zu einem atemberaubenden Filmerlebnis macht.
Genre: Screwballkomödie
Länge: 91 Min.
Regie: Howard Hawks
Cast: u.a. John Barrymore, Carole Lombard, Walter Connolly, Roscoe Karns, Ralph Forbes, Charles Lane, Etienne Girardot, Dale Fuller, Kid Herman, Billie Seward, Edgar Kennedy
alt. Titel: Twentieth Century
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Beat Girl (1960)‘, Bildquelle: Beat Girl (1960), Willoughby Film Productions

Beat Girl (1960)

Stimmungen: britisch, englisch, hedonistisch, jugendlich, musikalisch

Beatniks in Soho am Ende der Fünfziger, eine Übergangsgeneration: Die jungen […]

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Beat Girl (1960)

Beatniks in Soho am Ende der Fünfziger, eine Übergangsgeneration: Die jungen Erwachsenen läuten mit ihrem nonkonformistischen Hedonismus das Ende der spärlichen Nachkriegszeit ein, und manche von ihnen sind noch in den Bombennächten des German Blitz geboren worden, haben als kleine Kinder auf den Schuttbrachen und in den Kriegsruinen gespielt. Jenny ist das titelgebende „Beat Girl“ – mehr Göre denn Erwachsene, die mit ihrer Clique im Café abhängt und die Art School schwänzt. Sie ist ein Upperclass-Kind, der Vater reicher Architekt; und als er aus Paris eine junge Ehefrau mitbringt, zettelt Jenny einen Kleinkrieg mit der Stiefmutter an. „Beat Girl“ deutet die Interessen einer rebellischen Jugendkohorte an, die ihr Verlangen nach Sex, Partys und Musik auslebt, statt es in einem konservativen Moralkorsett zu unterdrücken. Der Cast ist nicht nur gelungen, sondern enthält obendrein zwei Juwelen: einen jungen Schauspieler, dessen Talent sich schon darin zeigt, dass er bloß mit kleinen Gesten und Schelmereien die Blicke vom eigentlichen Szenegeschehen auf sich zu ziehen vermag und der dann etwa zehn Jahre später ein Superstar war: Oliver Reed; und Christopher Lee als Stripclubmanager, der sein schmieriges Ausbeutungsgeschäft mit einem charmanten Lächeln kaschiert. Und Pascalines Striptease-Performance lässt nur erahnen, wie sehr sie das britische Zensurbüro und moralische Gemüter damals strapaziert haben dürfte.
Genre: Drama
Länge: 88 Min.
Regie: Edmond T. Gréville
Cast: u.a. Gillian Hills, Noëlle Adam, David Farrar, Adam Faith, Shirley Ann Field, Peter McEnery, Christopher Lee, Oliver Reed, Delphi Lawrence, Nigel Greene, Pascaline, Norman Mitchell, Claire Gordon, Anthony Singleton, Margot Bryant, Michael Kayne, Carol White
alt. Titel: Heiß auf nackten Steinen
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Düsenjäger (1957)‘, Bildquelle: Düsenjäger (1957), RKO Teleradio Pictures, Universal Pictures

Düsenjäger (1957)

Stimmungen: aeronautisch, amourös, aviatisch, frivol, lasziv, militärisch, sexuell

Jedes Mal, wenn Janet Leigh als sowjetische Pilotin in der US-amerikanischen Militärbasis ihren Pullover anhebt, dann zischen die Jettriebwerke der […]

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Düsenjäger (1957)

Jedes Mal, wenn Janet Leigh als sowjetische Pilotin in der US-amerikanischen Militärbasis ihren Pullover anhebt, dann zischen die Jettriebwerke der U.S. Air Force durch die Szene. Überhaupt ist „Düsenjäger“ – anders als sowohl der der deutsche als auch der Originaltitel („Jet Pilot“) suggerieren – kein Militärabenteuer, sondern eine romantische Komödie; nur dass die beiden Turteltauben – John Wayne als Air-Force-Offizier und Janet Leigh als übergelaufene sowjetische Fliegerin – hier mit ihren Maschinen über den Wolken flirten. Ein wenig wie dreißig Jahre später Top Gun“ (1986) ist „Düsenjäger“ eine nur leicht kaschierte Air-Force-Werbung, freilich mit faszinierenden Flugaufnahmen der silbernen F-86A „Sabre – konsequenterweise wird die Air Force in der Titelsequenz auch in den starring roles aufgeführt. Interessant ist der Film vor allem aus historischer, auch soziologischer Sicht: wegen der sozialen und ideologischen Bilder, die er transportiert. Die UdSSR wird als ein Land präsentiert, in dem das Individuum nichts gilt, auch nur der Hauch von Fehlverhalten oder Scheitern an die Exekutionswand oder in die Uranmine führt, lieber Bomber statt Häuser gebaut werden – der Kommunismus ist hier so wackelig, dass nicht mal die Türgriffe halten. Niemand, der halbwegs bei Verstand ist, so die unterschwellige Botschaft, kann sich den Reizen des demokratischen Kapitalismus entziehen, jedenfalls nicht den Modeboutiquen von Palm Beach oder einem saftigen Steak in Yuma. Und dass Leigh als russische Offizierin Anna Marladovna von der ersten Sekunde ihres Auftritts an als Sexobjekt fungiert, wird – erstaunlich progressiv für die Fünfziger – ein wenig aufgewogen, indem sie sich als Flugass erweist und auf der Leinwand vielleicht die einzige Person ist, die John Wayne rettet. Kurz: „Düsenjäger“ ist durch und durch ein Kind seiner Zeit, allerdings mit frivolen Dialogen, lasziven Szenen und phallischen Objekten von überraschender Anzüglichkeit, und gerade deshalb – als Zeitdokument – sehenswert.
Genre: Romantische Komödie
Länge: 113 Min.
Regie: Josef v. Sternberg
Cast: u.a. Janet Leigh, John Wayne, Paul Fix, Jay C. Flippen, Richard Rober, Roland Winters, Hans Conried, Ivan Triesault
alt. Titel: Jet Pilot
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Birdy (1984)‘, Bildquelle: Birdy (1984), Tri-Star Pictures, A&M Films

Birdy (1984)

Zwei Freunde kehren aus dem Vietnamkrieg zurück – der eine körperlich, der andere […]

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Birdy (1984)

Zwei Freunde kehren aus dem Vietnamkrieg zurück – der eine körperlich, der andere seelisch versehrt. Um ihn nicht für immer an die Army-Psychiatrie zu verlieren, muss Al seinen Kumpel Birdy, der schon immer einen ornithologischen Spleen hatte und nun stumm in der Pose eines Vogels verharrt, in die Wirklichkeit zurückholen. „Birdy“ ist ein unkonventioneller Antikriegsfilm und ein mitreißender Emotionskompott: traurig, witzig, beklemmend, kriegs- und gesellschaftskritisch zugleich – und ein Ausflug in die Arbeiterviertel von Philadelphia.
Genre: Anti-Kriegsdrama
Länge: 120 Min.
Regie: Alan Parker
Cast: u.a. Matthew Modine, Nicolas Cage, John Harkins, Sandy Baron, Karen Young, Bruno Kirby, Nancy Fish, George Buck, Dolores Sage, Pat Ryan
Text verfasst von: Robert Lorenz
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Szene aus ‚Teuflisches Alibi (1957)‘, Bildquelle: Teuflisches Alibi (1957), Harlequin Productions

Teuflisches Alibi (1957)

Stimmungen: alkoholisiert, spannend

Leo McKern und […]

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Teuflisches Alibi (1957)

Leo McKern und Michael Redgrave gehören zu den besten Schauspielern des Fünfziger- und Sechzigerjahre-Kinos; und wenn sie dann noch auf einen Regisseur wie Joseph Losey treffen, kommt etwas wie „Teuflisches Alibi“ dabei heraus: ein packender Thriller, der neben dem Zeitkolorit vor allem mit seiner famosen Inszenierung beeindruckt. David Graham, ein dem Alkohol verfallener Schriftsteller (gespielt von dem Alkoholiker Redgrave), ist aus der Entzugsklinik in Kanada nach London geeilt, wo in wenigen Stunden sein Sohn als Mörder gehängt werden soll. Mit dem natürlichen Instinkt des Vaters und dem Talent des Literaten begibt sich Graham in all seiner Verzweiflung auf die Suche nach entlastenden Indizien. Wo anderen Regisseuren allein schon der Nervenkitzel einer solchen Story genügt, garniert Losey diese Privatermittlung unter extremem Zeitdruck mit für die Zeit ungewöhnlichen Perspektiven und Geräuscheffekten – während der zitternde Graham mit einem unablässig ergreifenden Gesicht der wehrhaften Hilflosigkeit durch das Ereignisgeflecht irrt, das er um jeden Preis zu entwirren hat, klingeln ständig Wecker und Telefone, ticken Uhren als akustische Manifestationen der näher rückenden Hinrichtung, woraus sich eine ungemein hektische Atmosphäre entfaltet.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 89 Min.
Regie: Joseph Losey
Cast: u.a. Michael Redgrave, Leo McKern, Ann Todd, Paul Daneman, Peter Cushing, Alec McCowen, Renee Houston, Lois Maxwell, Joan Plowright, Richard Wordsworth, George Divine, Hugh Moxey, Ernest Clark
alt. Titel: Time Without Pity
Text verfasst von: Robert Lorenz
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