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Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚Versuchung auf 809 (1952)‘, Bildquelle: Versuchung auf 809 (1952), Twentieth Century-Fox

Versuchung auf 809 (1952)

Stimmung: psychotisch

In ihrer ersten wirklich großen Rolle war ausgerechnet die Frau, die fortan wie vielleicht keine Zweite das Traumhafte an der Traumfabrik, die Illusion makelloser Schönheit und a […]

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Versuchung auf 809 (1952)

In ihrer ersten wirklich großen Rolle war ausgerechnet die Frau, die fortan wie vielleicht keine Zweite das Traumhafte an der Traumfabrik, die Illusion makelloser Schönheit und amouröser Perfkektion buchstäblich verkörperte – Marilyn Monroe – eine gefährliche Psychotikerin, die als Babysitterin in einem Hotelzimmer über ein kleines Mädchen wachen soll, zu deren größter Bedrohung ayllerdings sie selbst wird. So wie in „Versuchung auf 809“ sah man die Monroe nie wieder, in der Tiefe persönlicher Tragik nur noch in ihrem letzten Film, „The Misfits“ (1961). An ihrer Seite spielt Richard Widmark, damals noch der größere Star, als fescher Kerl mit kalter Schulter – ein Hotelnachbar, der sie im Fenster beobachtet, mit ihr flirtet und kurzerhand, vom Drehbuch nur unwesentlich kaschiert, bei ihr zum schnellen One-Night-Stand vorbeischauen will, ehe er das Ausmaß ihrer seelischen Zerrüttung erkennt. Anne Bancroft ist in ihrer ersten Rolle zu sehen; als Sängerin unterhält sie die Gäste in der Hotellobby, und eigentlich ist sie in Widmarks Egoisten verliebt, dem sie aber seine Empathielosigkeit nicht verzeihen kann. Inszeniert wird sie hier, als habe das Studio damals mit Bancroft noch eine Monroe-ähnliche Karriere geplant und erst später ihre ganz anders gelagerten Begabungen entdeckt. Die Schnelligkeit, mit der „Versuchung auf 809“ binnen kürzester Zeit eine ungeheure Spannung entfaltet, passt zu der Enge des Hotelzimmers, in dem der größte Teil des Films spielt.
Genre: Thriller-Drama
Länge: 79 Min.
Regie: Roy Baker
Cast: u.a. Richard Widmark, Marilyn Monroe, Anne Bancroft, Donna Corcoran, Elisha Cook Jr., Lurene Tuttle, Verna Felton, Willis Bouchey, Jeanne Cagney, Jim Backus, Michael Ross, Don Beddoe, Gloria Blondell, Olan Soule, Dick Cogan
alt. Titel: Don’t Bother to Knock
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Szene aus ‚Wie ein Panther in der Nacht (1973)‘, Bildquelle: Wie ein Panther in der Nacht (1973), Columbia Pictures

Wie ein Panther in der Nacht (1973)

Stimmungen: dunkel, großstädtisch, kriminell, nächtlich, urban

Eddie Ryan, NYPD-Detective, verliert wegen seiner rassistischen Attitüde seinen Job, nachdem ein Latino-Gangster im Zweikampf vom Dach in den Tod gestürzt […]

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Wie ein Panther in der Nacht (1973)

Eddie Ryan, NYPD-Detective, verliert wegen seiner rassistischen Attitüde seinen Job, nachdem ein Latino-Gangster im Zweikampf vom Dach in den Tod gestürzt ist. Kurz darauf wird Ryans Ex-Partner GiGi Caputo ermordet, und Ryan schmeißt seinen neuen Job als Barkeeper hin, um die Hintermänner zur Strecke zu bringen. Ryans Ermittlung auf eigene Faust gerät zu einer lebensgefährlichen Obsession. „Wie ein Panther in der Nacht“ beruht auf den Memoiren von Eddie Egan, einem Teufelskerl, der als Cop in den 1950er und 1960er Jahren mehr als 8.000 Verhaftungen verbuchte und 1961 einen Drogenring sprengte – Gene Hackmans „Popeye“ Doyle aus French Connection“ (1971) basiert auf Egan. Und ebendieser Egan spielt in „Wie ein Panther in der Nacht“ einen Lieutenant – so routiniert, als wäre er ein Schauspielveteran. „Wie ein Panther in der Nacht“ ist kein konsistent herausragender Film, stattdessen sind es einzelne Szenen und Sequenzen, Charaktere und Perspektiven, die ihn als Mosaik sehenswert machen – Robert Duvall (ungefähr die Hälfte des Films mit einem Gipsarm unterwegs auf bewaffneten Verfolgungsjagden, in Kämpfen und Shootouts), wie er im Wald seine Schießkünste trainiert, wie er durch die New Yorker Nacht schleicht oder wie er auf der Flucht vor einem Schlägertrupp einen Bus kapert und samt Fahrgästen eine irre Fahrt durch die Stadt hinlegt. Der Ex-Marine ist ein wehrhafter Solitär, der mit seiner Hartnäckigkeit ein mächtiges Kollektiv erschüttert und dort reüssiert, wo die Institutionen nicht weiterkommen; aber er ist auch eine unscheinbare Figur, die Duvall mit lichtem Harr und Bierbauch ganz und gar uneitel porträtiert. „Wie ein Panther in der Nacht“ ist ein düsteres Porträt des menschlichen Zerstörungspotenzials der Großstadt, und die zahllosen New-York-Locations verdichten sich zur stickigen Atmosphäre einer kriminell unterminierten Urbanität.
Genre: Kriminal-Thriller
Länge: 116 Min.
Regie: Howard W. Koch
Cast: u.a. Robert Duvall, Verna Bloom, Henry Darrow, Felipe Luciano, Eddie Egan,Tina Cristiani, Marina Durell, Chico Martínez, Jose Duvall, Louis Cosentino, Nubia Olivero, Pete Hamill, Luis Avalos, John Marriott
alt. Titel: Badge 373
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Szene aus ‚Sunday Bloody Sunday (1971)‘, Bildquelle: Sunday Bloody Sunday (1971), Vectia Films

Sunday Bloody Sunday (1971)

Stimmungen: amourös, britisch, englisch, großstädtisch, urban

Wie als Reminiszenz an das englische Kitchen sink drama sieht man in den ersten zehn Minuten eine Spüle mit […]

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Sunday Bloody Sunday (1971)

Wie als Reminiszenz an das englische Kitchen sink drama sieht man in den ersten zehn Minuten eine Spüle mit schmutzigem Geschirr. Immer wieder findet John Schlesinger, der Regisseur, in den Szenen von „Sunday Bloody Sunday“ sensible Blicke für das zeitgenössische Leben, etwa die nächtlichen Rollerskater in der verregneten Innenstadt und auch die Junkies, die ihre überdosierten Kumpels durch die Straßen schleppen oder in der Apotheke warten. Vorsichtig lässt er die Kamera die Kabel einer Telefonzentrale entlang wandern, die im Film im Zentrum eines Beziehungsnetzes steht und in der immer wieder die Anliegen der Großstadtmenschen zusammenlaufen – inzwischen natürlich längst ein vollkommen anachronistisches Bild. Die Story indes ist selbst heute noch progressiv: „Sunday Bloody Sunday“ dreht sich um die Dreiecksbeziehung zwischen Alex – einer Frau, die sich von ihrem Upperclass-Elternhaus abgewandt hat, aber von ihrem Bürojob in einer Karrierevermittlungsagentur frustriert ist –; dem arrivierten Arzt Daniel, der auf dem Bar-Mitzwa-Fest seiner Familie einmal mehr seine Homosexualität verbergen muss; und im Zentrum dem bisexuellen Bob, einem hedonistischen Erfinder ohne Bindungsabsichten, der davon profitiert, dass ihm die anderen beiden emotional verfallen sind. Als äußerst stimmungsvolle Kulisse des Films dient das London nach dem Ende der Swinging Sixties, dessen Verheißungen hier mehr wie ein Kater denn ein Traum nachwirken; und ganz en passant umarmen sich in „Sunday Bloody SundayPeter Finch und Murray Head zum ersten schwulen Leinwandkuss der britischen Filmgeschichte.
Genre: Drama
Länge: 110 Min.
Regie: John Schlesinger
Cast: u.a. Peter Finch, Glenda Jackson, Murray Head, Bessie Love, Vivian Pickles, Frank Windsor, Tony Britton, Peggy Ashcroft, Maurice Denham, Kimi Tallmadge, Thomas Baptiste, June Brown, Richard Pearson, Hannah Norbert, Harold Goldblatt, Marie Burke
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Szene aus ‚Giganten (1956)‘, Bildquelle: Giganten (1956), Giant Productions

Giganten (1956)

Stimmungen: familiär, staubig, texanisch, warm

Ausgerechnet eine der großen Hollywoodtragödien war für „Giganten“ quasi eine Erfolgsgarantie. Als der Film in die Kinos kam, war […]

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Giganten (1956)

Ausgerechnet eine der großen Hollywoodtragödien war für „Giganten“ quasi eine Erfolgsgarantie. Als der Film in die Kinos kam, war James Dean bereits eine Legende. Ein Jahr zuvor hatte ihn ein Autounfall aus dem Leben gerissen, wodurch „Giganten“ das letzte von insgesamt ohnehin nur drei Werken war, die auf immer und ewig mit James Dean verbunden sein werden. Aber auch so ist „Giganten“ ein Klassiker aus dem Hollywoodkanon, mit seiner Geschichte, die sich über ein Vierteljahrhundert erstreckt, und seiner Laufzeit von fast dreieinhalb Stunden von epischem Format. Rock Hudson spielt Jordan „Bick“ Benedict Jr., einen stolzen Rancher aus Texas, der über 200.000 Hektar Land herrscht. Der testosterongeladene Chauvinist heiratet ausgerechnet eine emanzipierte Ostküstenfrau, die mit ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Bildung unter den Texanern von der ersten Sekunde an eine Exotin ist, weil sie an politischen Gesprächen teilnehmen will und sich nicht unterbuttern lässt; die Whiskey-selige Männerrunde ihres Ehegatten überzieht sie mit entwaffnendem Spott – rhetorisch und intellektuell ist sie allen anderen überlegen. Elizabeth Taylor, in deren Stimme sich mit fortschreitendem Film ein immer stärkerer Texasakzent mischt, erweist sich als gelungene Besetzung für die Rolle der kultivierten Neoaristokratin aus dem Großbürgertum von Maryland, die 25 Jahre lang unablässig ihren Ehemann in seinem Machogehabe zügelt und schließlich zähmt. Überhaupt ist „Giganten“ ein Film der Transformationen: Neben Liz Taylors Frau und Mutter, die sich allmählich in eine Texanerin verwandelt, sind da noch James Dean als der kleine Hilfsarbeiter Jett Rink, der zum Multimillionär und Ölbaron aufsteigt; der kraftstrotzende Großgrunddynast Bick Benedict (in manchem eine Blaupause des späteren Bobby Ewing aus „Dallas“), der vom unbeirrbaren Viehbaron zum gemütlichen, leicht dickbäuchigen Familienpatriarchen wird und den Cash flow seiner Ölfelder genießt, während die meisten seiner Prinzipien an die Renovierung des US-amerikanischen Wertehaushaltes durch seine Kinder verloren gegangen sind – ein Rassist, der anfangs die mexikanischen Bediensteten als „wetbacks“ diffamiert, um sich am Ende für ebendiese Minderheit zu prügeln. Zu sehen sind außerdem der ganz junge Dennis Hopper, bei seinem ersten Anlauf zu einer Hollywoodkarriere, als eigensinniger Sohn, der gleich reihenweise Traditionsbrüche begeht, indem er eine Mexikanerin heiratet und Arzt wird, statt wie sein Vater und Großvater die Ranch zu übernehmen; Mercedes McCambridge als Bicks Schwester und Geschäftsfrau; und Carroll Baker als Troublemaker-Tochter, die am liebsten mit dem Erzfeind ihres Vaters durchbrennen will. James Dean macht aus seiner Nebenrolle ein kleines Kunstwerk, in dem sich gleich mehrere ikonisch gewordene Aufnahmen finden: etwa wenn er auf der klapprigen Windmühle auf seinem eigenen Grund und Boden innehält, lässig die Beine im Cabriolet seines Arbeitgebers ausstreckt oder mit ölverschmiertem Gesicht seine ausgiebige Rache am Großgrundestablishment einläutet. Das epische Ausmaß dieser Familiensaga, bei dem sich die Zeitläufte mit ihren veränderten Moden und Mentalitäten im Lobbyinterieur des Benedict-Anwesens manifestieren, findet seine Entsprechung in den Bildern. Wie da zu Beginn die Benedict-Villa als einsame Insel inmitten einem Meer aus Staub in der Endlosigkeit des texanischen Südwestens steht, könnte kaum absurder sein; noch weniger hingegen die Vorstellung, wie sich Jahrzehnte später die Ölbohrtürme fast bis vor die Veranda vorgewagt haben, während die Viehherde zwischen den Tankwagen getrieben wird. Die notorische Fünfzigerjahre-Kolorierung treibt hier in den Haaren der künstlich gealterten Taylor und Hudson teils absurde Blüten und erinnert daran, wie viel besser, dramatischer und zeitloser „Giganten“ doch in Schwarz-Weiß gewirkt hätte. James Dean indes hat den Film, der am Ende seiner Unsterblichkeitstrilogie steht, nie gesehen.
Genre: Drama
Länge: 201 Min.
Regie: George Stevens
Cast: u.a.
alt. Titel: Giant
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Szene aus ‚Komm’ zurück, Jimmy Dean (1982)‘, Bildquelle: Komm’ zurück, Jimmy Dean (1982), MG Cable Productions, Viacom

Komm’ zurück, Jimmy Dean (1982)

Stimmungen: kathartisch, laut, turbulent

Robert Altman ist mit seiner Kamera, die Räume und die Menschen darin ausgiebig mit Zooms beobachtet, der große Voyeur des US-a […]

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Komm’ zurück, Jimmy Dean (1982)

Robert Altman ist mit seiner Kamera, die Räume und die Menschen darin ausgiebig mit Zooms beobachtet, der große Voyeur des US-amerikanischen Kinos – in „Komm’ zurück, Jimmy Dean“ gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen schaut er – und mit ihm natürlich das Publikum – einer Gruppe von James-Dean-Jüngern bei ihrer zwanzigsten Wiedersehensfeier zu; zum anderen betrachtet er ihren langsamen Seelenstriptease, bei dem die Frauen im Furor des Moments ihre belastendsten Geheimnisse preisgeben und sich gegenseitig in einer kollektiven Katharsis sezieren und erschüttern. Der ganze Film spielt in einem texanischen Kleinstadtladen mit Bar – ein Ur-Discounter –, den die Kamera nie verlässt, zu unterschiedlichen Zeiten, in die nahtlos mittels eines genialen Set- und Beleuchtungsarrangements gewechselt wird. Im Zentrum stehen eine Handvoll Frauen und ein Transsexueller, der in der texanischen Kleinstadt als Perverser diskriminiert und schließlich zusammengeschlagen wurde; im James-Dean-Jahr 1955 kommen sie im „5 & Dime“ zusammen, um den Hollywoodstar zu verehren, zwanzig Jahre später versammeln sie sich zu einer Reunion, in der sich die zerstörerische, vielleicht auch heilsame Macht der Vergangenheit offenbart. Wie als Parabel der gegenüber den Fünfzigern vielschichtig liberaler gewordenen Gesellschaft der Siebziger werden hier unterdrückte Wahrheiten ausgesprochen. „Komm’ zurück, Jimmy Dean“ ist – dank einer von Altmans größten Stärken – exzellent besetzt, u.a. mit Cher, Sandy Dennis und Kathy Bates. In diesem Kammerspiel ist es neben der stimmungsträchtigen Ladenkulisse mit einer Ecke voller James-Dean-Devotionalien natürlich das Figurenensemble, das den Film ausmacht. Da ist Mona, die einst als Komparsin beim Giant-Dreh in der Nähe ein bisschen Hollywoodluft schnuppern durfte, von den Set-Überbleibseln morbide Reata-Relikte sammelt und ihre ganze Identität darauf gründet, ein Kind mit James Dean zu haben; da ist Sissy, die ihren sozialen Status allein auf ihren üppigen Brüsten gegründet sieht; Juanita, die strenggläubige Inhaberin des Geschäfts, die ihren verstorbenen Mann im Himmel wähnt; oder Stella Mae, die mit ihrer aufgeregten Kleidung und ihrem Dauerlächeln allen ihre vermeintliche Glückseligkeit unter die Nase reiben will; und wer jemals gehört oder behauptet hat, Karen Black sei keine gute Schauspielerin, sollte sie hier als Joanne mit ihren Schmerz-, Verzweifelungs- und Erlösungsgrimassen sehen.
Genre: Drama
Länge: 110 Min.
Regie: Robert Altman
Cast: u.a. Sandy Dennis, Karen Black, Cher, Sudie Bond, Kathy Bates, Mark Patton, Marta Heflin
alt. Titel: Come Back to the 5 & Dime, Jimmy Dean, Jimmy Dean
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Szene aus ‚Fremde, wenn wir uns begegnen (1960)‘, Bildquelle: Fremde, wenn wir uns begegnen (1960), Bryna-Quine Productions, Columbia Pictures

Fremde, wenn wir uns begegnen (1960)

Dass sich hinter der Fassade vorstädtischer Familienidylle in den Fünfzigern auch Ehe-, Lebens- und Identitätskrisen der US-amerikanischen […]

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Fremde, wenn wir uns begegnen (1960)

Dass sich hinter der Fassade vorstädtischer Familienidylle in den Fünfzigern auch Ehe-, Lebens- und Identitätskrisen der US-amerikanischen Mittelschicht verbergen, zeigten nicht erst die „Mad Men“ (2007–15). Ein halbes Jahrhundert zuvor werden in „Fremde, wenn wir uns begegnen“ Seitensprünge, Vernachlässigung und Ehezankereien mit modernen Küchen, großen Autos und Fernsehern verschleiert – und man sieht, wie erstaunlich offen Hollywood in manchem Mainstream-Werk mit dem Thema Sex umging. In dem Film plant Kirk Douglas als Architekt Larry Coe für den Schriftsteller Roger Altar ein phänomenales Haus in den (damals noch weitgehend unbebauten) Hügeln von Bel Air. Coe beginnt eine Affäre mit seiner Nachbarin Maggie Gault – gespielt von Kim Novak, die Douglas verdächtigte, als damalige Liebhaberin des Regisseurs Richard Quine für einen anderen Ausgang des Films gesorgt zu haben. Und Walter Matthau spielt den fiesesten Kerl des Films, der zugleich den größten Durchblick hat – „Sure, sure, we’re all happily married with two kids. What’s that got to do with your blonde?“ In „Fremde, wenn wir uns begegnen“ durchströmt das sonnige Leben im Los Angeles am Ende der 1950er Jahre eine tragische Schwermut, die all den komfortablen Materialismus einer bequemen Massenkonsumgesellschaft seiner faktischen Wertlosigkeit überführt. Einen Blick lohn der Film aber nicht, da er die heute unbezahlbaren Bel-Air-Hügel in einem noch nahezu unberührten Stadium zeigt – allein das im Film erstmals bebaute Grundstück ist inzwischen einige Millionen wert.
Genre: Drama
Länge: 113 Min.
Regie: Richard Quine
Cast: u.a. Kirk Douglas, Kim Novak, Barbara Rush, Walter Matthau, Ernie Kovacs, Virginia Bruce, Ken Smith, John Bryant, Nancy Kovack
alt. Titel: Strangers When We Meet
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Szene aus ‚Die Schlangengrube (1948)‘, Bildquelle: Die Schlangengrube (1948), Twentieth Century-Fox

Die Schlangengrube (1948)

Stimmungen: psychotisch, trist

Wenn die Kamera langsam durch das kakophonische Getümmel psychisch kranker Frauen fährt, dann ist man längst drin in der titelgebenden Schlangengrube – die unheilvolle Fülle […]

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Die Schlangengrube (1948)

Wenn die Kamera langsam durch das kakophonische Getümmel psychisch kranker Frauen fährt, dann ist man längst drin in der titelgebenden Schlangengrube – die unheilvolle Fülle seelischer Zerrüttung, zusammengepfercht in der hoffnungslos überfüllten Klinik, deren Personal derart überlastet ist, dass manche Krankenpflegerin bald selbst zu den Patientinnen gehört. Bei „Die Schlangengrube“ zeigte sich, dass Hollywood in seltenen Momenten auch von seinem kommerziellen Schablonendenken abrücken und wagemutige Konzepte angehen konnte. Als keiner Anatole Litvaks Projekt finanzieren wollte, da war Darryl F. Zanuck, der schon damals legendäre Produktionschef von Twentieth Century-Fox der Einzige, der sich auf das trist-pessimistische Szenario einer „Irrenanstalt“ einließ. Und Olivia de Havilland. Sie hungerte sich für die Rolle mager, schaute sich Psychiatrien an und ließ sich – für einen Hollywoodstar ihrer Statur damals nahezu undenkbar – ohne Make-up und akkurate Frisur ablichten. Und Zanucks Gespür hatte ihn nicht getrogen: „Die Schlangengrube“ gelang das Kunststück, nicht nur ordentlich Geld einzuspielen, sondern auch die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf die Missstände in den US-amerikanischen Seelenkliniken zu lenken. In dieser Kinoepoche führten Werke wie „Die Schlangengrube“ oder kurz zuvor Hitchcocks „Spellbound“ (1945) den Psychiater als Filmfigur ein. Und dass ein Entertainmentprodukt von solch verstörender, beklemmender Grundstimmung ein solcher Erfolg werden konnte, zeigt die Offenheit einer Nachkriegsgesellschaft für dieses Thema. Die Schlangengrube“ ist nicht nur ein extrem gut gespielter Film über Psychosen und die Bedeutsamkeit, sie als Krankheit anzuerkennen, sondern auch eine publikumswirksame Kritik am Gesundheitssystem der USA, in deren Folge rund die Hälfte der Vereinigten Staaten politische Reformen anstießen.
Genre: Drama
Länge: 108 Min.
Regie: Anatole Litvak
Cast: u.a. Olivia de Havilland, Leo Genn, Mark Stevens, Celeste Holm, Helen Craig, Ruth Donnelly, Glenn Langan, Leif Erickson, Beulah Bondi, Lee Patrick, Betsy Blair, Howard Freeman, Natalie Schafer, Katherine Locke, Minna Gombell, Frank Conroy, Esther Somers, Grayce Hampton, Queenie Smith , Jimmie Horan
alt. Titel: The Snake Pit
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Szene aus ‚Rabid (1977)‘, Bildquelle: Rabid (1977), Dibar Syndicate, Somerville House Securities Canada

Rabid (1977)

Stimmungen: blutig, brutal, spannend

Ein schlimmer Motorradunfall auf der Landstraße irgendwo in Kanada, ein Krankenhaus für Schönheitschirurgie direkt am Unfallort, die schwer verl […]

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Rabid (1977)

Ein schlimmer Motorradunfall auf der Landstraße irgendwo in Kanada, ein Krankenhaus für Schönheitschirurgie direkt am Unfallort, die schwer verletzte junge Frau mit reichlich Glück gerettet. Aber die Bewahrung der Einzelnen ist in „Rabid“ zugleich der Tod der vielen. Durch eine von den Ärzten unbemerkte Mutation muss Rose ihren plötzlichen Blutdurst stillen und infiziert dabei ihre Opfer, die zu tollwütigen Bestien degenerieren. In seinem zweiten größeren Film nach „Shivers“ (1975) tauchen bereits wesentliche Cronenberg-Motive auf: die potenzielle Düsternis einer abgelegenen Privatklinik oder obszöne Mutationen. „Rabid“ ist kein Splatterkino, sondern zeigt auch eine Großstadtgesellschaft, die unversehens mit einer Pandemie konfrontiert wird und deren Institutionen verzweifelt versuchen, mit improvisierten Vorsichts- und Gegenmaßnahmen das tödliche Virus einzudämmen. Dieses unheilvolle Szenario, in dem Desinfektionseinheiten durch die Stadt patrouillieren und Einkaufszentren mit Maschinenpistolen bewacht werden, verdichtet sich zu einer morbiden Surrealität, die gerade im Kontext der Corona-Krise einen schaurigen Touch erhält.
Genre: Horror-Thriller
Länge: 91 Min.
Regie: David Cronenberg
Cast: u.a. Marilyn Chambers, Frank Moore, Howard Ryshpan, Joe Silver, Patricia Gage, Terry Schonblum, Victor Désy, Susan Roman, Roger Periard, Lynne Deragon, Julie Anna, Robert O’Ree, Grant Lowe, Terence G. Ross, Miguel Fernandes, Gary McKeehan
alt. Titel: Rabid – Der brüllende Tod
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Szene aus ‚Poor Cow (1967)‘, Bildquelle: Poor Cow (1967), Studiocanal

Poor Cow (1967)

Stimmungen: britisch, englisch, proletarisch

Joy schlägt sich als alleinerziehende Mutter durch, weil ihre Männer immer wieder im Knast landen. […]

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Poor Cow (1967)

Joy schlägt sich als alleinerziehende Mutter durch, weil ihre Männer immer wieder im Knast landen. Ken Loachs (erster) Film ist eine lebensnahe Exkursion in die untere englische Arbeiterklasse in den späten Sechzigern, eine Reise durch proletarische Mietskasernen, desolate Appartements und in die Pubs als Refugien der einfachen Leute – fast wie ein Dokumentarfilm und eine kostbare Momentaufnahme der britischen Gesellschaft.
Genre: Drama
Länge: 97 Min.
Regie: Ken Loach
Cast: u.a. Carol White, Terence Stamp, Stevie King, Simon King, Queenie Watts, John Bindon, Kate Williams, Gerald Young
alt. Titel: Geküßt und geschlagen
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Szene aus ‚Sie möchten Giganten sein (1971)‘, Bildquelle: Sie möchten Giganten sein (1971), Universal Pictures, Newman-Foreman Company

Sie möchten Giganten sein (1971)

Stimmung: familiär

Die ganze Stadt streikt, aber die Stampers wollen liefern – das Holzgewerbe in Oregon, an der […]

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Sie möchten Giganten sein (1971)

Die ganze Stadt streikt, aber die Stampers wollen liefern – das Holzgewerbe in Oregon, an der Pazifikküste mit ihren bewaldeten Bergen, formt den Handlungsrahmen von „Sie möchten Giganten sein“. Während die gewerkschaftlich organisierten Holzarbeiter streiken, scheren sich die Mitglieder des Familienbetriebs der Stampers einen Dreck um die anderen – sie haben einen Vertrag, und den gilt es zu erfüllen („Don’t give a inch“ lautet das grammatikalisch falsche Familiencredo). Die Aggressivität in der Stadt steigt, Sabotage und Gewalt liegen in der Luft; die Kleinstadtgesichter, die zunehmend hasserfüllter die Last- und Lieferwagen der Stampers beargwöhnen, verheißen nichts Gutes. Das Highlight des Films ist nicht das Star-Gesicht Paul Newmans, der nicht nur als Hauptdarsteller, sondern obendrein als Produzent und Regisseur fungierte, es ist Henry Fonda als der Patriarch des alteingesessenen Holzfällerclans, der mit jeder Pore seines Körpers die stolze Unbeugsamkeit dieser Leute verkörpert. Mit Stoppelbart und unerschöpflicher Autorität grölt er seine Kommandos, mit denen er die Stamper-Leute tagein, tagaus aus dem Bett jagt und in den Wald treibt. Fonda kreiert mit seinem Henry Stamper ein US-amerikanisches Urviech, in dem noch die furchtlose Renitenz und die unbändige Hartnäckigkeit der Frontier-Siedler pulsieren, dessen Disziplin und Betriebsamkeit längst zum Selbstzweck verkommen sind – „To keep on going“, wie er sagt. Der Film nimmt sich die Zeit für längere Sequenzen, die weniger die Handlung vorantreiben, als eine Atmosphäre nähren. Die vielleicht stärkste, intensivste Szene des Films zeigt Newmans Hank, den ältesten Stamper-Spross, wie er seinem Bruder Joe B. beisteht, der am Flussufer unter einem kolossalen Baumstamm eingeklemmt ist und zu ertrinken droht. Michael Sarrazin spielt den heimgekehrten Halbbruder, der seiner langen Haare wegen als „Rita Hayworth“ verspottet wird; und Lee Remick ist Hanks Frau Viv, die vordergründig nichts anderes zu tun hat, als für ihren Mann den Dosenbiernachschub sicherzustellen, am Ende aber noch genügend Eigensinn aufbringt, um nicht unterzugehen – in einer ziemlich brillant gespielten Szene erzählt sie ihrem Schwager von den letzten Jahren und blickt mittendrin wie erstarrt in die leere Gegenwart. „Sie möchten Giganten sein“ kreist um die Dynamik zwischen Individualismus und Kollektiv, auch um die Zwiespältigkeit einer Triebkraft – wie Widerspenstigkeit eine Familie zugleich zusammenzuschweißen und zu zerstören vermag. Die Romanverfilmung ist facettenreich: Sie porträtiert den strapaziösen und lebensgefährlichen Arbeitsalltag der Baumfäller mit ihrem schweren Gerät und den immensen Kettensägen; sie deckt aber auch die sozialen und mentalen Sollbruchstellen einer Kleinstadtgemeinschaft auf; und die Lasten und Leiden einer Traditionsbewahrung aus begründungslosem Familienstolz heraus.
Genre: Drama
Länge: 115 Min.
Regie: Paul Newman
Cast: u.a. Paul Newman, Henry Fonda, Lee Remick, Michael Sarrazin, Richard Jaeckel, Linda Lawson, Cliff Potts, Sam Gilman, Lee de Broux, Jim Burk, Roy Jenson, Charles Tyner, Joe Maross, Roy Poole
alt. Titel: Sometimes a Great Notion
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Szene aus ‚Holiday (1938)‘, Bildquelle: Holiday (1938), Columbia Pictures

Holiday (1938)

Stimmungen: amourös, großbürgerlich, lustig, luxuriös, nonkonformistisch, romantisch, witzig

Nur noch der Vater muss überzeugt werden, aber Julia und Johnny sind sich ihrer Liebe sicher und wollen so bald wie möglich heiraten […]

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Holiday (1938)

Nur noch der Vater muss überzeugt werden, aber Julia und Johnny sind sich ihrer Liebe sicher und wollen so bald wie möglich heiraten. Und als sich seine Julia auch noch als potenzielle Multimillionendollarerbin einer New Yorker Bankiersdynastie entpuppt, ist Johnny umso begeisterter. Er selbst ist ein bisschen wie sein Darsteller, Cary Grant, selbst: ein Selfmademan, der sich von Kindesbeinen an aus seiner Armut hochgearbeitet hat. Anders, als es das Seton’sche Familienethos gebietet, will Johnny, dem eine glänzende Wall-Street-Karriere bevorsteht, jedoch mit Anfang dreißig aussteigen, um sich ein unbeschwertes Leben ohne Erwerbsarbeit zu gönnen. Für Julias Schwester Linda ist er damit ein Held – Katharine Hepburn spielt sie mit einem androgynen Habitus, flotter Rhetorik und pointierter Mimik so gut, dass jede ihrer Szenen zu einer reinen Hepburn-Szene wird. „Holiday“, ein Remake des Originals von 1930, gehört nicht nur zu den klassischen Screwball-Komödien, sondern ist zugleich einer ihrer herausragendsten Vertreter – ein Film, der nach unzähligen Jahrzehnten nichts an seiner Frische und seinem Tempo eingebüßt hat. Dabei sind die Zwischentöne durchaus düster: Linda ist in der schlossartigen Stadtvilla der Setons mit ihren riesigen Hallen und den per Fahrstuhl erreichbaren Etagen eine Gefangene, für die das alte Spielzimmer der drei Seton-Geschwister ein Refugium ist, in dem sich an Kindheitserinnerungen wärmen lässt, nur eben ergänzt um den Genuss von Zigaretten und Alkohol. Ihr Bruder ist schwerer Alkoholiker, in jeder seiner Szenen dauerbeschwipst (zugleich aber ein präziser Beobachter aller ziwschenmenschlichen Bruchstellen und Probleme), zerbrochen am Willen des Vaters, seine Träume von einem musikalischen Œuvre zugunsten einer Karriere in der Bank aufzugeben. Lindas renitenter Nonkonformismus – wie gesagt ultimativ von Hepburn verkörpert – trifft sich mit Johnnys sympathischem Postmaterialismus, der natürlich ganz und gar inkompatibel zu den Erwartungen seiner Verlobten und des Schwiegervaters in spe ist. Aber diese realistische Upperclass-Tragik verschwindet in „Holiday“ unter dem Mantel des turbulenten Screwball-Flairs, das sich ungemein charmant in jenen Momenten verdichtet, in denen Cary Grant, der einstige Vaudeville-Akrobat, einfach ein Rad schlägt oder einen Salto vollführt, wenn ihm die Situation zu angespannt erscheint.
Genre: Romantische Komödie
Länge: 96 Min.
Regie: George Cukor
Cast: u.a. Katharine Hepburn, Cary Grant, Doris Nolan, Jean Dixon, Lew Ayres, Edward Everett Horton, Henry Kolker, Binnie Barnes, Henry Daniell, George Pauncefort
alt. Titel: Die Schwester der Braut
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Szene aus ‚Dead Ringer (1964)‘, Bildquelle: Dead Ringer (1964), Warner Bros.

Dead Ringer (1964)

Stimmungen: großbürgerlich, kalifornisch, luxuriös

Die gigantische Villa mit ihren Marmorböden, majestätischen Treppen und dem Dienstpersonal – der Familiensitz einer neoaristokratis […]

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Dead Ringer (1964)

Die gigantische Villa mit ihren Marmorböden, majestätischen Treppen und dem Dienstpersonal – der Familiensitz einer neoaristokratischen Dynastie des kalifornischen Geldadels, der DeLorcas – ist der wesentliche Schauplatz von „Dead Ringer“. Hier lebt die just zur Witwe gewordene Margaret DeLorca, als sie Besuch von ihrer Zwillingsschwester Edith erhält – einer Barbesitzerin, die gerade vor dem Bankrott steht. Die reiche hat der nun armen Schwester einst den Mann weggeschnappt; zwanzig Jahre ist das her und ihr Wiedersehen am Grab ebenjenes DeLorcas ist der Beginn einer verhängnisvollen Manipulation. Bette Davis in der Rolle von Zwillingschwestern ist natürlich das Ereignis des Films; doch sind auch die Nebenrollen stark besetzt, etwa Karl Malden als langweiliger, aber mit gesundem Misstrauen ausgestatteter Kriminalkommissar, ein Mike Stone im LAPD; Monika Henreid, die Tochter des Regisseurs Paul Henreid als serviles Dienstmädchen Janet; Cyril Delevanti als Butler, dessen Loyalität allein der DeLorca-Familie gehört; oder der schon leicht verlebt wirkende Peter Lawford als geldgieriger Golfplayboy Tony Collins. Die mörderische Story und die doppelte Bette Davis (manchmal sogar in derselben Szene) machen den Film sehenswert; aber was ihn wirklich reizvoll macht, ist die latente Omnipräsenz des alten Los Angeles, kombiniert mit der schwerelosen Schwarz-Weiß-Fotografie – wie die wuchtigen Limousinen durch die hellen Straßen gleiten, wie an der Peripherie das DeLorca-Anwesen als stummer Zeuge einer untergegangenen Epoche ruht oder wie das Interieur von Collins’ Hochausappartement den hedonistischen Luxus der High Society andeutet, spürt man die Aura einer Metropole im Wandel, fast wie als Symbol des gerade zu Ende gegangenen Studiosystems von Hollywood.
Genre: Kriminal-Thriller
Länge: 116 Min.
Regie: Paul Henreid
Cast: u.a. Bette Davis, Karl Malden, Cyril Delevanti, Peter Lawford, Monika Henreid, Estelle Winwood, Philip Carey, George Macready, Jean Hagen, Ken Lynch, George Chandler, Bert Remsen, Charles Watts, Mario Alcalde
alt. Titel: Der schwarze Kreis
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Szene aus ‚Body Heat (1981)‘, Bildquelle: Body Heat (1981), The Ladd Company, Warner Bros.

Body Heat (1981)

„You shouldn’t wear that body“, sagt der Schmuddel-Anwalt Ned Racine zu der Frau, der er längst erlegen ist und mit der er in e […]

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Body Heat (1981)

„You shouldn’t wear that body“, sagt der Schmuddel-Anwalt Ned Racine zu der Frau, der er längst erlegen ist und mit der er in eine heftige Affäre stürzt. Matty Walker ist Kathleen Turners Debütrolle – und was für eine. Auch William Hurt – Racine – war bloß einmal zuvor über die Leinwände geflimmert und für den „Star Wars“- und „Indiana Jones“-Autor Lawrence Kasdan war es die erste Regiearbeit. Ein Film voller Debütanten und Novizen, ohne dass man es ihm anmerkt. In „Body Heat“ wird geschwitzt; Sex, Liebe, Tod strömen durch die Hitze Floridas. In Nebenrollen spielen J.A. Preston und Ted Danson, auch ein gewisser Mickey Rourke, damals ebenfalls noch neu im Geschäft. Ein lüsternes Liebesspiel, ein diabolischer Mordkomplott, zwielichtig ausgeleuchtete Räume, Palmenblätter und Sandstrand: „Body Heat“ ist ein sehenswertes Achtziger-Update des Film noir – unheilvolle Leidenschaft, Femme fatale, Mord liegt in der Luft.
Genre: Thriller
Länge: 113 Min.
Regie: Lawrence Kasdan
Cast: u.a. William Hurt, Kathleen Turner, Richard Crenna, J.A. Preston, Ted Danson, Mickey Rourke, Kim Zimmer, Jane Hallaren, Lanna Saunders, Carola McGuinness, Michael Ryan, Larry Marko
alt. Titel: Heißblütig – Kaltblütig
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Szene aus ‚Das Geheimnis der falschen Braut (1969)‘, Bildquelle: Das Geheimnis der falschen Braut (1969), Les Films du Carrosse

Das Geheimnis der falschen Braut (1969)

Stimmungen: amourös, kriminell

Erst im Unglück findet er zum Glück, der reiche Tabakfabrikant Louis Mahé, der sich eine Ehefrau per Heiratsannonce nach Réunion i […]

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Das Geheimnis der falschen Braut (1969)

Erst im Unglück findet er zum Glück, der reiche Tabakfabrikant Louis Mahé, der sich eine Ehefrau per Heiratsannonce nach Réunion in sein kleines Paradies im Indischen Ozean holt. Aber die Frau, die sich ihm als Julie Roussel vorstellt und die er nur aus Briefen kennt, ist eine andere, eben die „falsche Braut“ der deutschen Titelversion. „Das Geheimnis der falschen Braut“ ist zunächst einmal die Paarung von Catherine Deneuve und Jean-Paul Belmondo als aufregendes Leinwandpaar, das erst im Verderben sein Glück zu finden scheint. Vom Waisenhaus traumatisiert und an Betrug, Ausnutzung und Mord gewöhnt, droht Deneuves Femme fatale den ihr Verfallenen zu zerstören. Ihre Figur ist zutiefst zerrüttet: einerseits begehrt sie Liebe und Fürsorglichkeit, andererseits ein großurbanes Luxusleben in Paris; Belmondos Geschäftsmann indes ist bereit, seine bisheriges Leben aufzugeben und seinerseits zum Kriminellen zu werden.
Genre: Thriller
Länge: 123 Min.
Regie: François Truffaut
Cast: u.a. Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Marcel Berbert, Yves Drouhet, Nelly Borgeaud, Martine Ferrière, Michel Bouquet
alt. Titel: La sirène du Mississipi/Mississippi Mermaid
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Szene aus ‚Forty Guns (1957)‘, Bildquelle: Forty Guns (1957), Twentieth Century-Fox

Forty Guns (1957)

Stimmung: plutokratisch

Im Hollywood der Fünfziger kamen feministischen Filme ausgerechnet aus der ultimativen Männerdomäne: dem Western. Neben […]

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Forty Guns (1957)

Im Hollywood der Fünfziger kamen feministischen Filme ausgerechnet aus der ultimativen Männerdomäne: dem Western. Neben Johnny Guitar“ (1952), in dessen Showdown sich die Frauen gegenüberstehen, war das vor allem Samuel Fullers „Forty Guns. Die Person, die sich eine ganze Stadt mit all ihren Institutionen gekauft hat, die mit einer Entourage von vierzig Killern durch Cochise County reitet und die eine unangefochtene Tyrannenautorität ausübt, ist nicht wie in allen anderen Filmen des Genres ein kaltschnäuziger Patriarch, sondern eine Frau. Wie Barbara Stanwyck als Jessica Drummond auf ihrem Pferd mit ihren mehr als drei Dutzend Männern durch die Stadt prescht, ist ohnehin eine der besten Szenen, die jemals für einen Western – ach was, überhaupt – gedreht wurden. Drummond befehligt ihr ganzes Umfeld mit einsilbigen Kommandos und manchmal nur mit Blicken; wenn sie mit einem kurzen Schrei ihr Pferd anspornt, lauert darin ein aggressives Machtbewusstsein; und nicht zuletzt macht sie den allseits gefürchteten Revolverprofi Griff Bonnell einfach zu ihrem love interest, wo doch dieser Kerl in jedem anderen Film die treibende Kraft des amourösen Spiels sein würde. Obendrein ist „Forty Guns“ gespickt mit anzüglichen Dialogen und Gesten, etwa die Szene, in der Jessica Drummond dem zu Tisch gebetenen Griff Bonnell gegenübersitzt und sich seine Pistole geben lässt: „May I feel it?“ – „Uh-uh.“ – „Just curious.“ – „It might go off in your face.“ Und später, als sie sich in der Prärie begegnen, fragt Bonnell: „You still interested in my gun?“ In „Forty Guns“ kommt Bonnell im Staatsauftrag mit einem Haftbefehl in die Stadt, begleitet von seinen beiden Brüdern, als Arizona noch kein Staat, sondern ein „Territory“ war. Gleich bei seiner Ankunft gerät er mit dem jüngeren Bruder der plutokratischen Matriarchin in Konflikt – der revolverschwingende Trunkenbold ist eine Art Abbild schwer erziehbarer Jugendlicher, mit denen sich Regisseur Sam Fuller, von dem auch das Drehbuch stammt, ähnlich wie kurz zuvor Nicholas Ray mit Rebel Without a Cause“ (1955) in seinem Film auseinandersetzen wollte.
Genre: Western
Länge: 80 Min.
Regie: Samuel Fuller
Cast: u.a. Barbara Stanwyck, Barry Sullivan, Gene Barry, Dean Jagger, Eve Brent, John Ericson, Robert Dix, Jidge Carroll, Paul Dubov, Gerald Milton, Hank Worden, Chuck Hayward, Chuck Roberson
alt. Titel: Vierzig Gewehre
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