Shortcuts

Shortcuts-Archiv:

Shortcuts: Prägnante Film-Reviews in wenigen Sätzen.

Szene aus ‚The Browning Version (1994)‘, Bildquelle: The Browning Version (1994), Paramount British Pictures

The Browning Version (1994)

Stimmungen: akademisch, britisch, ehrwürdig, elitär, englisch, tragisch

Ein Mann im Herbst seiner Karriere, der stets unter seinenn Möglichkeiten blieb, weil ihn seine Privattugenden von Bescheidenheit und Zu […]

[Lesen …]

The Browning Version (1994)

Ein Mann im Herbst seiner Karriere, der stets unter seinenn Möglichkeiten blieb, weil ihn seine Privattugenden von Bescheidenheit und Zurückhaltung auf tragische Weise blockiert haben: Andrew Crocker-Harris, Lehrer einer englischen Privatschule und Verfechter einer klassischen Sprachbildung mit einem Faible für Altgriechisch – Generationen von Schülern fürchten und respektieren ihn gleichermaßen, seiner versierten Kompetenz wegen, aber vor allem aufgrund einer gediegenen Strenge, die Albert Finney in einer der superbsten Performances der Filmgeschichte mit seiner Stimme und Körpersprache perfektioniert hat. Finney bringt eine Figur auf die Leinwand, die in ihrer inneren Geschlossenheit ebenso authentisch wie berührend ist – die übrigen starken Darbietungen von Greta Scacchi als reumütiger Sektgesellschaftsfiesling, Ben Silverstone als empathischer Lehrling, Matthew Modine als nonchalanter Lehrerstar oder Michael Gambon als umtriebiger Schuldirektor verblassen dagegen fast schon. Es geht darum, wie eine Institution ausgerechnet den Mann zerstört, der ihre Werte so formidabel repräsentiert, und um die Zurückeroberung von Selbstachtung. „The Browning Version“ visualisiert die erlauchte Atmosphäre englisch-elitärer Akademiewürde und ihrer Eitelkeit – zugespitzt in einem Kricketmatch –, woraus ein schlichtweg schöner Film entsteht.
Genre: Drama
Länge: 93 Min.
Regie: Mike Figgis
Cast: u.a. Albert Finney, Greta Scacchi, Ben Silverstone, Matthew Modine, Michael Gambon, Julian Sands, Maryam d’Abo, Oliver Milburn, Joseph Beattie, Jotham Annan, Jim Sturgess, Jeff Nuttall
alt. Titel: Schrei in die Vergangenheit
Screenshots
Szene aus ‚The Dogs of War (1980)‘, Bildquelle: The Dogs of War (1980), Juniper Films

The Dogs of War (1980)

Stimmungen: explosiv, martialisch, strapaziös

„This whole country’s bought and paid for.“ Über einen Mittelsmann senden Konzerne eine Söldnerarmee aus, um den Diktator des kleinen afrikanischen T […]

[Lesen …]

The Dogs of War (1980)

This whole country’s bought and paid for.“ Über einen Mittelsmann senden Konzerne eine Söldnerarmee aus, um den Diktator des kleinen afrikanischen Tyrannenstaats Zangaro gegen einen anderen, gekauften zu ersetzen – auf dass er ihnen die Ausbeutung der lukrativen Platinminen ermöglicht. Christopher Walken spielt Jamie Shannon, den Anführer der , einen Veteranen und chronisch ramponierten Mann, dem sein Hausarzt rät, sich besser einen anderen Job zu suchen, sofern er noch etwas älter werden will. Im Land des Despoten hat Shannon noch eine Rechnung offen, nachdem er dort bei einer Undercover-Erkundungsmission grausam gefoltert worden ist. Ganz subtil erreicht uns aus diesen Szenen die beklemmende Atmosphäre eines Überwachungsstaates – ihre Quelle ist Frederick Forsythe, Autor der gleichnamigen Literaturvorlage des Films, der als Journalist den nigerianischen Bürgerkrieg in den späten Sechzigern miterlebte. Die Kerle, mit denen Shannon loszieht, sind allesamt Geschöpfe des Krieges, waffennärrische Experten des Tötens, für die es in friedlichen Gesellschaften keine Verwendung gibt. Tom Berenger, Paul Freeman und Jean-François Stévenin spielen sie als vordergründig ganz sympathische Typen, die dann, in der Schlacht, zu entfesselten Tötungsmaschinen werden. Ebendiese Schlacht, die in der Garnison des Diktators entbrennt, inszenieren John Irvin und sein Kameramann Jack Cardiff als infernalisches Tohuwabohu.
Genre: Drama
Länge: 119 Min.
Regie: John Irvin
Cast: u.a. Christopher Walken, Tom Berenger, Colin Blakely, Hugh Millais, Paul Freeman, Maggie Scott, JoBeth Williams, George Harris, Winston Ntshona, Jean-François Stévenin, Olu Jacobs, Eddie Tagoe, Hugh Quarshie, Kelvin Thomas, Robert Urquhart, Ed O’Neill, Terence Rigby, David Schofield, Shane Rimmer, Ilario Bisi-Pedro
alt. Titel: Die Hunde des Krieges
Screenshots
Szene aus ‚The Hunting Party (1971)‘, Bildquelle: The Hunting Party (1971), Brighton Pictures, MGM

The Hunting Party (1971)

Stimmungen: blutig, brutal, staubig, strapaziös, warm

Zuckende Körper, grauenvolle Schusswunden und kein Entrinnen: „The Hunting Party“ zeigt die Bilder, die uns 99 Prozent aller anderen Western vorent […]

[Lesen …]

The Hunting Party (1971)

Zuckende Körper, grauenvolle Schusswunden und kein Entrinnen: „The Hunting Party“ zeigt die Bilder, die uns 99 Prozent aller anderen Western vorenthalten. Oliver Reed, damals auf dem Höhepunkt seiner Schauspielkunst (im selben Jahr lief Ken Russells The Devils mit Reed in der Hauptrolle), ist der Outlaw Frank Calder, Anführer eines Haufens Gesetzloser, gewaltbereiter Individualisten, die sich zusammengerauft haben, um gemeinsam möglichst viel Geld zu machen. Weil Calder das Lesen lernen will, kidnappt er eine Frau, die er für eine Lehrerin hält – tatsächlich ist sie die Ehefrau des -Tycoons Brandt Ruger, eines stinkreichen Unternehmers, der gerade mit seinen Kumpels zum Jagdausflug aufgebrochen ist, Sexorgie mit Prostituierten inklusive. Ruger ist ein psychopathischer Sadist, wie ihn nur Gene Hackman spielen kann; in jedem anderen Film wäre er der Held, durch das Kidnapping seiner Frau zur Gewaltanwendung gegen die Entführer, eine Bande zumal, fraglos berechtigt – nicht so in „The Hunting Party“. Ruger will die Gangster, professionelle gunmen, die ihm im klassischen haushoch überlegen wären, in feiger Rationalität aus der Distanz dezimieren – mit Gewehrungetümen, die er ursprünglich für den Spaßausflug beschafft hat und die mit Zielfernrohr über 800 Yards feuern können. Ruger und seine Leute richten unter den ein Massaker an, exekutieren sie aus dem Hinterhalt beim Feldlager, an Wasserlöchern, im Dorf. Der Reiche-Leute-Trip mutiert zur perfiden Menschenjagd, die irgendwann sogar ihr Ziel, die Befreiung der entführten Ehefrau, verliert. Die Ruger ist so brutal, dass sogar ihre eigenen Mitglieder, Geschäftsleute aus dem Selfmade-Geldadel des Frontier-Westens, die eben noch grinsend die Banditen unter Beschuss genommen haben, irgendwann aussteigen wollen, während Ruger sie wie Rotwild abknallen will. Die zwischenmenschliche Gewalt ist schonungslos in Peckinpah’scher Slow Motion inszeniert, sodass die (zahlreichen) Tode nicht inflationär über die Leinwand huschen, sondern jedesmal einen tiefen Eindruck hinterlassen. Gefilmt in der Spaghetti-Western-Wiege Andalusien, hat „The Hunting Party“ ohnehin eine latent dreckige Aura. Und er ist reich bestückt: mit den bedrohlichen Wild-West-Visagen eines L.Q. Jones oder Rayford Barnes; mit berührenden Szenen wie der Freundschaft zwischen Calder und seinem Kompagnon Doc, den Mitchell Ryan so exzellent spielt, und witzigen wie der Pfirsich-Speisung; der bizarren Wüsten-Odyssee oder dem mexikanischen Dorf. Die Grenzen zwischen Gut und Böse lösen sich auf, die erstaunlich realistische Brutalität des Tötens und die Handlung mit dem nihilistischen – alles irgendwo zwischen „The Wild Bunch“ (1969) und „Ulzana’s Raid“ (1972) – machen „The Hunting Party“ zu einem kompromisslosen Film, der in seiner Dramaturgie, dem Western-Gott sei Dank, sämtlichen Hollywood-Versuchungen bis zum Schluss widersteht.
Genre: Western
Länge: 111 Min.
Regie: Don Medford
Cast: u.a. Oliver Reed, Candice Bergen, Gene Hackman, Mitchell Ryan, L.Q. Jones, Simon Oakland, William Watson, G.D. Spradlin, Rayford Banes, Francesca Tu, Ronald Howard, Bernard Kay, Richard Adams, Ralph Brown, Dean Selmier
alt. Titel: Leise weht der Wind des Todes
Screenshots
Szene aus ‚The Running Man (1963)‘, Bildquelle: The Running Man (1963), Peet Prod., Columbia Pictures

The Running Man (1963)

Stimmungen: kriminell, mediterran, sonnig, warm

Der Mann, der da durch den Hintereingang in die Wohnung der Witwe kommt, ist eigentlich tot und die Witwe gar keine Witwe. Rex Black hat seinen Tod vor dem S […]

[Lesen …]

The Running Man (1963)

Der Mann, der da durch den Hintereingang in die Wohnung der Witwe kommt, ist eigentlich tot und die Witwe gar keine Witwe. Rex Black hat seinen Tod vor dem Strand von Brighton bloß inszeniert, setzt sich nach Spanien ab, seine Frau Stella soll die stattliche Summe der Lebensversicherung beizeiten ins Ausland transferieren. Doch bekommt sie Besuch von Stephen Maddox, einem Versicherungsangestellten, der sie mit unangenehmen Fragen löchert – reine Routine natürlich. Als Stella dann endlich im spanischen Málaga auftaucht, hat Rex eine dritte Identität – Namen, Habitus und Idiom eines australischen Schafherden-Millionärs – angenommen und liebäugelt längst mit einem weiteren Versicherungsbetrug. Im behäbigen Dolce Vita der andalusischen Mittelmeeridylle trifft Stella auf Maddox – der Mann mit dem drögen Bürokratencharme wird für sie zur ultimativen Bedrohung, als er bei ihnen im Hotel eincheckt. „The Running Man“ handelt von falschen Annamen, die zu falschen Schlüssen führen, von verführerischen Gelegenheiten, die den wahren Charakter eines Menschen hervorbringen. Alle drei Performances sind superp: Lee Remick mit der zunehmenden Nervosität der unbehaglichen Betrügerin; Laurence Harvey mit seinem moralischen Gestaltwandel vom Opfer des Schicksals zum Täter; und Alan Bates mit seiner latenten Bedrohlichkeit. In den Dialogen zwischen dem Urlauber Maddox und dem falschen Australier Rex knistert die Gefahr der Enthüllung und das mediterrane On location-Flair an der Meerenge von Gibraltar in den frühen Sechzigern mit Sonnenbrillen, Cabrios und Bloody Marys verleiht „The Running Man“ eine Extraportion Charme.
Genre: Thriller
Länge: 104 Min.
Regie: Carol Reed
Cast: u.a. Lee Remick, Laurence Harvey, Alan Bates, Noel Purcell, Felix Aylmer, Ramsay Ames, Fernando Rey, Allan Cuthbertson, John Meillon, Juanjo Menéndez, Fortunio Bonanova, Eddie Byrne, Roger Delgado, Ánghel Jiménez, Juan Jiménez
alt. Titel: Der zweite Mann
Screenshots
Szene aus ‚Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982)‘, Bildquelle: Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982), Elephant Prod., Film A2, C.C.C. Film Kuntz

Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982)

Stimmungen: tragisch, traurig

Doppelt und dreifach tragisch ist dieser Film: Da ist zum einen Romy Schneiders Doppelrolle in der Gegenwart der frühen […]

[Lesen …]

Die Spaziergängerin von Sans Souci (1982)

Doppelt und dreifach tragisch ist dieser Film: Da ist zum einen Romy Schneiders Doppelrolle in der Gegenwart der frühen 1980er Jahre, als Lina Baumstein, die Frau eines politischen Aktivisten, der urplötzlich als Mörder vor Gericht steht; und in der Vergangenheit der 1930er Jahre, als Elsa Wiener, die Frau eines politischen Verlegers, die vor den Nazis aus Berlin nach Paris geflohen ist, wo sie sich erst als Nachtklubsängerin, dann als Trinkanimateurin an der Bar durchschlägt, während ihr Mann im KZ gequält wird. Und zum anderen ist da Romy Schneiders eigenes Schicksal: Den jüdischen Jungen, der in Elsa Wieners Obhut lebt, sollte ursprünglich Schneiders 14-jähriger Sohn David spielen – der allerdings vor Drehbeginn durch ein fürchterliches Unglück starb und ersetzt wurde. Und schließlich ist da noch die traurige Tatsache, dass „Die Spaziergängerin von Sans Souci“ Schneiders letzter Film ist – sie verstarb kurz nach der Premiere. Die auch so schon berührende Geschichte ist also noch durch das echte Leben hoch emotional aufgeladen; sie kreist um Max Baumstein (Michel Piccoli), der im Gerichtssaal auf seine Kindheit im Pariser Exil zurückblickt und dabei das Schicksal des Ehepaars Wiener einer breiten Öffentlichkeit offenbart, so die Vergangenheit in die Gegewart zurückholt. Zwar spielen bloß wenige Szenen im NS-Deutschland kurz nach Hitlers „Machtergreifung“; aber mit den SA-Schlägertrupps auf der Straße und den Gestapo-Häschern im Zug vermitteln sie eine ganz und gar beklemmende Stimmung. Beeindruckend ist hier vor allem Helmut Griem als bekennender Nazigegner, der seine Figur mit derselben Überzeugungskraft spielt, wie er in Voyage of the Damned“ (1976) zuvor einen NS-Karrieristen darstellt. Piccoli verwandelt einmal mehr seine Zigarettenzüge in stille Monologe; und in ihrer letzten Rolle ruft Schneider noch einmal das ganze Spektrum ihrer mimischen Kunst ab: Gesichter voller Liebe, Hoffnung, Schmerz – ein würdiger Leinwandabschied der Romy Schneider.
Genre: Drama
Länge: 110 Min.
Regie: Jacques Rouffio
Cast: u.a. Romy Schneider, Michel Piccoli, Wendelin Werner, Gérard Klein, Helmut Griem, Mathieu Carrière, Dominique Labourier, Maria Schell, Véronique Silver, Jean Reno
alt. Titel: La passante du Sans-Souci
Screenshots
Szene aus ‚Bob & Carol & Ted & Alice (1969)‘, Bildquelle: Bob & Carol & Ted & Alice (1969), Frankovich Prod., Coriander Prod., Columbia Pictures

Bob & Carol & Ted & Alice (1969)

Stimmungen: amourös, hedonistisch, kalifornisch, sexuell

So wie in „Bob & Carol & Ted & Alice“ wären die Sechziger gerne gewesen. Der Film ist die Manifestation eines Zeitgeistes, den es so ve […]

[Lesen …]

Bob & Carol & Ted & Alice (1969)

So wie in „Bob & Carol & Ted & Alice“ wären die Sechziger gerne gewesen. Der Film ist die Manifestation eines Zeitgeistes, den es so vermutlich nie gegeben hat, mit dem wir aber liebend gerne diese Dekade etikettieren. Mehr noch: Urschreitherapie, Nudismus und freie Liebe – allesamt in diesem Film vorkommende Phänomene – wirken von heute aus betrachtet geradezu wie billige Klischees jener Zeit, aus der „Bob & Carol & Ted & Alice“ doch schließlich stammt. Intro und Coda haben dann allerdings auch einen solch märchenhaft-verträumten Charakter, dass man den Film ohnehin nie als Und so geht es los: Im „Institut“, draußen in den staubtrockenen kalifornischen Hügeln im Umkreis von San Francisco, liegen sich die Teilnehmenden der ungewöhnlichen Gruppentherapie bald heulend in den Armen. Bob und Carol sind dort eigentlich nur zugegen, weil Bob, der Regisseur, ein kleines Fernsehstück über die Vorgänge im Institut drehen will – aber die kathartischen Erlebnisse verändern ihre Beziehung fundamental. Seitensprünge werden bald mit einem Lächeln als „beautiful“ begrüßt, was die befreundeten Ted und Alice, die all die grenzenlose Toleranz überhaupt nicht nachvollziehen können, bald in den Wahnsinn treibt. Der Film spielt damit, wie die Selbstfindungserfolge des einen das Leben des anderen Paares beeinträchtigen. Und er lebt von seinem Charme des dauerhaft Unkonventionellen, einem Gefühl, dass alles improvisiert und dadurch stets einen Tick echter wirkt als das Gros der Filme jener Zeit. Das alles vollzieht sich in einem damals frischen, einfallsreichen New Hollywood-Stil, angesiedelt im potenziell leicht surrealen Kalifornien, und wirkt auch heute noch, mehr als ein halbes Jahrhundert später, originell. Dabei stolpern wir als Zuschauer nicht nur durch die Beziehungsturbulenzen der beiden Paare, die bald in einer Orgie zu gipfeln scheinen, sondern auch durch den kalifornischen Ennui der spanischen Villen, flotten Cabrios und blauen Pools.
Genre: Drama
Länge: 106 Min.
Regie: Paul Mazursky
Cast: u.a. Natalie Wood, Robert Culp, Dyan Cannon, Elliott Gould, Greg Mullavey, Noble Lee Holderread Jr., Horst Ebersberg, Donald F. Muhich, Lee Bergere, Diane Berghoff
alt. Titel: Bob & Caroline & Ted & Alice
Screenshots
Szene aus ‚Mildred Pierce (1945)‘, Bildquelle: Mildred Pierce (1945), Warner Bros., Turner Entertainment

Mildred Pierce (1945)

Stimmung: kalifornisch

Dass Hollywoodfilme der Studioära immer nur Frauenklischees auf die Leinwand brachten, wird in „Mildred Pierce“ selbst zum Klischee. Denn hier sind auss […]

[Lesen …]

Mildred Pierce (1945)

Dass Hollywoodfilme der Studioära immer nur Frauenklischees auf die Leinwand brachten, wird in „Mildred Pierce“ selbst zum Klischee. Denn hier sind ausschließlich Frauen die tonangebenden Figuren. In der Titelrolle liefert Joan Crawford eine solch famose Performance ab, dass man sich – wie sonst in unzähligen Fällen – über den „Oscar“-Gewinn keine Sekunde wundert. Mildred Pierce trennt sich von ihrem Mann, einem arbeitslosen Immobilienmakler, jobbt als Kellnerin, eröffnet ihr eigenes Restaurant, aus dem bald eine Kette wird, deren Filialen sich über Los Angeles erstrecken; und das nur, um endlich die Liebe ihrer gierig-verwöhnten Teenagertochter zu bekommen. Wie progressiv „Mildred Pierce“ in Sachen Gleichstellung ist, zeigt eine Szene, in der zwei Geschäftsfrauen im Managementzimmer Whiskey trinken – als wäre die männerdominierte Bürokultur der „Mad Men“ bloße Fiktion. Die Rahmenhandlung von „Mildred Pierce“ bildet ein Mord, die eigentliche Geschichte wird aus der Retrospektive erzählt. Die Regie des „Casablanca“-Regisseurs Michael Curtiz verleiht dem Film einen gewissen Noir-Touch; überhaupt wirkt das schwarz-weiße Szenenbild mit seinem stilvollen Vierzigerinterieur ungleich moderner als Farbfilme der beiden darauffolgenden Dekaden – ein Film kann kaum besser altern als „Mildred Pierce“. Mit seiner Mischung aus kalifornischer Küstenidylle und großurbanem Moralversagen, seinem Erzähltempo und dem Zeitkolorit ist „Mildred Pierce“ eine Produktion aus der klassischen Hollywood-Ära, die man sich besser nicht entgehen lassen sollte.
Genre: Drama
Länge: 106 Min.
Regie: Michael Curtiz
Cast: u.a. Joan Crawford, Jack Carson, Ann Blyth, Eve Arden, Zachary Scott, Bruce Bennett, Butterfly McQueen, Jo Ann Marlowe, Moroni Olsen, Chester Clute, Lee Patrick, Manart Kippen
alt. Titel: Solange ein Herz schlägt
Screenshots
Szene aus ‚The Incident (1967)‘, Bildquelle: The Incident (1967), Twentieth Century Fox

The Incident (1967)

Stimmungen: aggressiv, brutal, gewaltsam, großstädtisch, klaustrophobisch, laut, nächtlich, sadistisch, turbulent, urban

Die hedonistische Aggressivität, mit der Joe Ferrone und sein Kumpel Artie Connors aus reiner Langeweile in einer Sonntagnacht in der […]

[Lesen …]

The Incident (1967)

Die hedonistische Aggressivität, mit der Joe Ferrone und sein Kumpel Artie Connors aus reiner Langeweile in einer Sonntagnacht in der New Yorker Bronx ein ganzes Hochbahnabteil terrorisieren, lässt sich wohl durch keine noch so engagierte Performance übertreffen. Tony Musante und Martin Sheen liefern eine brachiale Vorstellung ab, indem sie zwei charakterlich völlig deformierte Kerle durch das Abteil jagen, die die anderen Fahrgäste nacheinander provozieren, erniedrigen und dabei stets die Feigheit der übrigen gnadenlos ausbeuten. „The Incident“ ist einer der Filme, die man so schnell nicht vergisst und die zeigen, wie das Zusammenspiel von Kamera und Darstellern eine Form entfaltet, die sich irgendwo zwischen Theater und Wirklichkeit befindet. Die an den Fenstern vorbeirauschende Metropole wirkt im isolierten Abteil eigenartig entfernt – eine Dynamik, die im Widerspruch zur statischen Tyrannei der beiden Taugenichtse steht, die ungemein bedrohlich die Schwachstellen ihrer Opfer attackieren. Guten Filmen gelingt oft, eine Stimmung zu manifestieren, sie fast greifbar zu machen; bei „The Incident“ sind die Angst der Passagiere und die Bedrohlichkeit der Gewalttäter nahezu eigenständige Akteure des Films. Musante entwirft eine widerliche Attitüde, die Sheen mit sadistischen Fratzen und Gesten begleitet – eine Symbiose wie aus der (Großstadt-)Hölle.
Genre: Drama
Länge: 100 Min.
Regie: Larry Pearce
Cast: u.a. Tony Musante, Martin Sheen, Beau Bridges, Jan Sterling, Brock Peters, Thelma Ritter, Ruby Dee, Gary Merrill, Ronbertg Fields, Jack Gilford, Mike Kellin, Ed MacMahon, Diana Van der Vlis, Robert Bannard, Donna Mills, Victor Arnold, Neal Hynes, Martty Meyers, Kathleen Smith
alt. Titel: Incident … und sie kannten kein Erbarmen
Screenshots
Szene aus ‚Stormy Monday  (1988)‘, Bildquelle: Stormy Monday  (1988), National Film Trustee Company

Stormy Monday  (1988)

Stimmungen: amourös, britisch, englisch, kriminell, musikalisch, nächtlich, urban

Für Sting, den Bassisten aus Newcastle, war der einhei […]

[Lesen …]

Stormy Monday  (1988)

Für Sting, den Bassisten aus Newcastle, war der einheimische Jazzclubbesitzer, der fluchend mit Krawatte im Leopardenmuster sein Business führt und in einer Szene kontemplativ am Kontrabass zupft, eine perfekte Rolle – eine exzellente Performance und großartige Besetzung. Stark besetzt ist der Film aber bis in die kleinste Neben- und Komparsenrolle – zuvorderst freilich Melanie Griffith als Kellnerin, Sean Bean als Odd-jobber, der wie einst Regisseur Mike Figgis die Nachtklubtoiletten reinigt, Tommy Lee Jones mit seinem Schauspielgenius für mächtige Psychopathen, aber auch James Cosmo und Mark Long als von lokalen Schlägern düpierte Enforcer. Stings Jazz-verliebter Entrepreneur Finney sieht sich mit dem korrupten US-amerikanischen Geschäftsmann Cosmo (Jones) konfrontiert – der sich neben Finneys Club mit Bestechungsgeldern eine Reihe lukrativer Grundstücke in Newcastle unter den Nagel reißen will („We’re gentlemen. We can’t be shooting people around here. We’re supposed to improve the quality of life, create jobs. And make a lot of money.“). Aber die gierige Provokation des transatlantischen Kapitals stachelt Finney erst recht zur Gegenwehr an. Auf diese Weise steht „Stormy Monday“ symbolisch für die Einflüsse der USA, die das Großbritannien der Ära Thatcher zu korrumpieren drohen. „Stormy Monday“ fühlt sich stellenweise wie Edward Hoppers berühmte „Nighthawks im Achtziger-Neonrausch an – eine originelle Atmosphäre, die den Film heraushebt. Und natürlich ist „Stormy Monday“ auch ein kleines Newcastle-Porträt, stellvertretend für das postindustrielle Stadium jener Städte im Norden Englands, die in den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern als Kulisse für die Kitchen sink-Dramen der British New Wave fungierten und deren latent aggressive Fortschrittlichkeit hier das Saxofon eine melancholische Reverenz erweist.
Genre: Drama
Länge: 93 Min.
Regie: Mike Figgis
Cast: u.a. Melanie Griffith, Sean Bean, Sting, Tommy Lee Jones, James Cosmo, Mark Long, Andrzej Borkowski, Clive Curtis, Caroline Hutchinson, Tony Bluto, Prunella Gee, Keith Edwards, Mouise Hobkinson, Mick Hamer, Brian Lewis
Screenshots
Szene aus ‚The System (1964)‘, Bildquelle: The System (1964), Kenneth Shipman Prod.

The System (1964)

„Birds“, „Thrushes“, „Girls“: Sie zu bekommen, eine unablässige Sex-Versorgung sicherzustellen, ist das Ziel des titelgebenden syst […]

[Lesen …]

The System (1964)

„Birds“, „Thrushes“, „Girls“: Sie zu bekommen, eine unablässige Sex-Versorgung sicherzustellen, ist das Ziel des titelgebenden system. Der Mastermind hinter dem organisierten Hedonismus ist Tinker, ein Strandfotograf und Charmeur. Gemeinsam mit seinen Kumpels bildet er eine testosteronfreudige Gruppe aus einem halben Dutzend junger Kerle, die systematisch attraktive Frauen erspähen und sich untereinander aufteilen. Sie alle arbeiten an Hotspots eines Seebades im Süden Englands, wohin sich in den drei bis vier warmen Sommermonaten die Städter flüchten, um ein paar Tage lang ihrer Alltagsmühle zu entkommen. Oliver Reed spielt Tinker und wirkt von seiner ersten Szene an wie der große Filmstar, der er bald sein würde. Reed liefert eine Performance ab, die allein imstande wäre, den Film zu tragen, der aber noch eine ganze Reihe von Facetten bietet, die jede für sich „The System“ sehenswert machen: die Verlorenheit der Seebadbewohner, wenn die Leere nach dem Sommer einkehrt; das konsequente location shooting, das für Filme jener Zeit ziemlich originell ist und faszinierende Schnappschüsse der frühen Sechziger liefert; oder die Kamera eines gewissen Nicolas Roeg, des späteren Meisters experimenteller Kinematografie. Kongenial zu den fantastischen Bildern gibt es Dialoge, die bisweilen so prägnant sind, dass sie zu soziologischen Milieubeschreibungen taugen. „The System“ etablierte Michael Winner als Regisseur und ist eine Perle des britischen Kinos.
Genre: Drama
Länge: 90 Min.
Regie: Michael Winner
Cast: u.a. Oliver Reed, Jane Merrow, Barbara Ferris, Ann Lynn, John Alderton, Harry Andrews, Andrew Ray, David Hemmings, Julia Foster, Iain Gregory, Guy Doleman, Pauline Munro, John Porter-Davison, Clive Colin Bowler, Jeremy Burnham, Victor Winding
alt. Titel: The Girl-Getters
Screenshots
Szene aus ‚Tage des Donners (1990)‘, Bildquelle: Tage des Donners (1990), Paramount Pictures

Tage des Donners (1990)

Stimmungen: amourös, asphaltisch, laut, martialisch, motorisiert, rasant, schnell

Der dröhnende Nascar-Zirkus mit den martialischen Boliden, die nach ein paar Runden so ramponiert und stoisch wie die Vehikel aus den „ […]

[Lesen …]

Tage des Donners (1990)

Der dröhnende Nascar-Zirkus mit den martialischen Boliden, die nach ein paar Runden so ramponiert und stoisch wie die Vehikel aus den „Mad Max“-Streifen über die Piste sausen, ist das Sujet dieses im Geiste des durchkommerzialisierten Blockbusterkinos der späten 1980er, frühen 1990er Jahre gedrehten Werkes. Ein erfahrener Konstrukteur und ein talentierter Heißsporn schicken sich an, das Teilnehmerfeld aufzumischen. Man könnte sagen, „Tage des Donners“ sei „Top Gun“ auf der Rennstrecke; ein behelmter Tom Cruise mit konzentriertem Blick im Cockpit, wie er – buchstäblich – auf seinen Triumph zusteuert. Und tatsächlich ist der Film ein narzisstisches Tom-Cruise-Monument. Auch, aber nicht nur: „Tage des Donners“ ist eine Exkursion zum US-amerikanischen Nationalheiligtum „Daytona“, eine asphaltische Wucht, die neben dem stumpfen Rennheldengedröhne die Gefahr für den Einzelnen als Wonne der voyeuristischen Masse entlarvt. Die perfekt saturierten Bilder, die Fahrer-Close-ups oder die ständigen Wechsel zwischen Cockpit und Boxengasse vermengen sich zu einer optisch und akustisch erstaunlich lebendigen Momentaufnahme des Stockcar-Eskapismus, einer Benzin- und Reifengummiromantik. Tom Cruise gibt Ehrgeiz (Weitere Filme zu Ehrgeiz auf Filmkuratorium.de entdecken) ein Gesicht, die (belanglose) Story ist garniert mit Anekdoten aus der Nascar-Historie, die Dreharbeiten bildeten den Auftakt der großen Hollywoodstar-Liaison der Neunziger, zwischen Cruise und Nicole Kidman. Es ist nicht leicht, Geschwindigkeitsrausch und Beschleunigungsfieber audiovisuell darzustellen – „Tage des Donners“ gelingt das bemerkenswert gut.
Genre: Action-Drama
Länge: 108 Min.
Regie: Tony Scott
Cast: u.a. Tom Cruise, Robert Duvall, Nicole Kidman, Michael Rooker, Randy Quaid, Cary Elwes, Fred Dalton Thompson, John C. Reilly, J.C. Quinn, Caroline Williams, Donna W. Scott, Don Simpson, Leilana Sarelle, Chris Ellis
alt. Titel: Days of Thunder
Screenshots
Szene aus ‚The Servant (1963)‘, Bildquelle: The Servant (1963), Springbok Films

The Servant (1963)

Stimmungen: amourös, bizarr, britisch, dekadent, englisch, hedonistisch, sexuell, surreal

„The Servant“ ist ein stark besetztes, von der britischen Filmakademie Bafta mit Preisen überhäuftes Kammerspi […]

[Lesen …]

The Servant (1963)

The Servant“ ist ein stark besetztes, von der britischen Filmakademie Bafta mit Preisen überhäuftes Kammerspiel über Klassenunterschiede, Macht, Manipulation und Hedonismus. Mit perfiden Methoden avanciert Dirk Bogarde als Hugo Barrett vom servilen Butler zum faktischen Hausherrn, der das Heim des schnöseligen Upperclass-Playboys Tony, gespielt von James Fox, in einen Ort düsterer Dekadenz verwandelt und die soziale Hierarchie umstürzt, indem er seinen Arbeitgeber isoliert und zum unterwürfigen Spielball seiner Launen degradiert. Hinzu kommen Sarah Miles als laszive Haushaltshilfe und Wendy Craig erst als arrogante Oberschichtlerin, dann als hilfloses Opfer. Joseph Losey, der Regisseur, bedient sich hier bizarrer Close-ups und einer visuellen Metaphorik, simpel und dennoch wirkungsvoll, bei der sich finstere Schatten über Bogardes Gesicht legen oder James Fox im Gefüge des Treppengeländers wie hinter Gittern erscheint.
Genre: Drama
Länge: 111 Min.
Regie: Joseph Losey
Cast: u.a. Dirk Bogarde, James Fox, Sarah Miles, Wendy Craig, Catherine Lacey, Richard Vernon, Ann Firbank, Doris Nolan, Patrick Magee
alt. Titel: Der Diener
Screenshots
Szene aus ‚Himmel über der Wüste (1990)‘, Bildquelle: Himmel über der Wüste (1990), The Sahara Co. Ltd., Tao Film SRL.

Himmel über der Wüste (1990)

Stimmungen: sandig, sonnig, strapaziös, warm

Das New Yorker Ehepaar Moresby und ihr Kumpane Tunner reisen in den späten 19 […]

[Lesen …]

Himmel über der Wüste (1990)

Das New Yorker Ehepaar Moresby und ihr Kumpane Tunner reisen in den späten 1940er Jahren nach Nordafrika. In der fremden Kultur suchen die hedonistischen Bohemiens eine radikale Abwechselung zu den langweiligen Konventionen der westlichen Welt. Unter zunehmenden Strapazen durchstreifen sie die Weiten der nordafrikanischen Territorien. Bernardo Bertoluccis Verfilmung des gleichnamigen Romans von Paul Bowles kontrastiert die Wärme des Klimas mit der sozialen Kälte, von der die drei amerikanischen Hedonisten absorbiert werden, und macht aus dem Selbstfindungstrip eine lebensbedrohliche Irrfahrt. Die Bilder des Films erkunden die bisweilen desaströsen Hygienebedingungen, gesetzlose Nischen, den distanzierten Voyeurismus fremder Beobachter und die elegische Wüstenromantik der Sahara-Länder; und die Einstellungen sind meist Allegorien der Hauptfiguren: John Malkovichs Gesicht im Halbschatten oder die häufig wechselnden Outfits von Debra Winger.
Genre: Drama
Länge: 138 Min.
Regie: Bernardo Bertolucci
Cast: u.a. Debra Winger, John Malkovich, Campbell Scott, Jill Bennett, Timothy Spall, Eric Vu-An, Amina Annabi, Philippe Morier-Genoud, Ben Smail
alt. Titel: The Sheltering Sky
Screenshots
Szene aus ‚The Music Lovers (1971)‘, Bildquelle: The Music Lovers (1971), Russfilms Ltd.

The Music Lovers (1971)

Stimmungen: bizarr, hysterisch, künstlerisch, musikalisch, psychotisch

In bizarren Bildern verwischt Ken Russell immer wieder Wahn und Realität, um zu zeigen, dass Genie und Wahnsinn, wie der deutsche Untertitel suggeriert, ebe […]

[Lesen …]

The Music Lovers (1971)

In bizarren Bildern verwischt Ken Russell immer wieder Wahn und Realität, um zu zeigen, dass Genie und Wahnsinn, wie der deutsche Untertitel suggeriert, eben oft nah beieinander liegen. Der virtuose Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–93), Schöpfer des „Nussknacker“ und „Schwanensee“, versucht seine Homosexualität hinter einer Eheschließung zu verbergen. Seine Frau wird darüber erst unglücklich, schließlich verrückt. Als Zuschauer wird man fast schon penetrant mit den Zerstörungskräften, die geniale Kreativität entfesseln, konfrontiert – am schlimmsten, drastischsten, für die damalige Zensur eine enorme Zumutung, ist die Sequenz im Irrenhaus, in das Tschaikowskis Gattin Nina – verstörend furios gespielt von Glenda Jackson – abgeschoben wurde. Und auch Tschaikowski selbst, famos dargeboten von Richard Chamberlain, ist eine permanente Abfolge tragischer Blicke und manischer Mimik einer ganz offenkundig gepeinigten Seele.
Genre: Drama
Länge: 119 Min.
Regie: Ken Russell
Cast: u.a. Richard Chamberlain, Glenda Jackson, Izabella Telezynska, Christopher Gable, Kenneth Colley, Max Adrian, Maureen Pryor, Sabina Maydelle, Andrew Faulds, Bruce Robinson, Ben Aris, Dennis Myers, John Myers, Xavier Russell, Joanne Brown
alt. Titel: Tschaikowskij – Genie und Wahnsinn
Screenshots
Szene aus ‚Der Wildeste unter Tausend (1963)‘, Bildquelle: Der Wildeste unter Tausend (1963), Paramount Pictures, Salem Prod., Dover Prod.

Der Wildeste unter Tausend (1963)

Stimmungen: aggressiv, familiär, texanisch

Morgens begegnet er am Gartenzaun den Ehemännern, deren Frauen er in der Nacht geliebt hat; tagsüber rast er in seinem Cadillac Convertible durch da […]

[Lesen …]

Der Wildeste unter Tausend (1963)

Morgens begegnet er am Gartenzaun den Ehemännern, deren Frauen er in der Nacht geliebt hat; tagsüber rast er in seinem Cadillac Convertible durch das texanische Nest, in dem ganze Neubaugebiete zwischen die benachbarten Häuser passen würden – die Whiskeyflasche immer griffbereit: Hud ist ein ausgemachtes Heartland-Arschloch, ein blendend aussehender Kerl, der sich mit unablässigen Provokationen und Eskapaden in einem aggressiven, selbstgerechten Hedonismus ergeht, weil er mit seinem moralisch überlegenen Vater, einem Viehbaron und Traditionalisten, nicht auskommt. Das Schwarz-Weiß verleiht dem Familiendrama einen surrealen Unterton, der Ort wirkt seltsam zwiegespalten zwischen technischer Moderne und architektonischer wie mentaler Rückständigkeit, Huds Chromungetüm aus der „Motor City“ Detroit passt nicht recht in den Texasstaub. „Der Wildeste unter Tausend“ bietet dutzende Momentaufnahmen von tragischer Schönheit und der Score von Elmer Bernstein gibt dem ganzen Film – der zwischen den cholerischen Ausfällen des renitenten Hud und der Besonnenheit seines ehreblich jüngeren Neffen Lonnie oszilliert – einen tief melancholischen Spin.
Genre: Drama
Länge: 107 Min.
Regie: Martin Ritt
Cast: u.a. Brandon De Wilde, Paul Newman, Melvyn Douglas, Patricia Neal, Whit Bissell, Crahan Denton, John Ashley, Val Avery, George Petrie, Yvette Vickers
alt. Titel: Hud
Screenshots